• Hardegg Brücke & Cache

    July 2 in Austria ⋅ ⛅ 23 °C

    Nach dem Krieg wurde Hardegg zur Stadt "am Ende der Welt". Die Grenzbrücke über die Thaya wurde gesperrt, die Holzbretter entfernt und nun schlummerte sie bis 1989 im Dornröschenschlaf, denn zum Abriss der Brücke konnte sich auch keiner entscheiden. Nur die blanken Eisentraversen führten hinüber ins Nachbarland. Auf tschechischer Seite patrouillierten bewaffnete Soldaten. Schwammerlsucher, die irrtümlich die Staatsgrenze überschritten, wurden verhaftet und kamen erst einige Tage später wieder frei.

    Hardegg erlebte am Rande des Eisernen Vorhanges einen wirtschaftlichen Abstieg. Weil Arbeitsplätze fehlten, zog es die jüngeren Leute in die Stadt, die älteren blieben und boten nach wie vor Privatzimmer an, vor allem das Fischen in der Thaya war für Urlaubsgäste attraktiv.

    Man kann sich vorstellen, wie groß die Freude war, als die Brücke 1990 wieder geöffnet wurde. Es musste keine neue Brücke gebaut werden, lediglich die Bretter wurden erneuert und neue Farbe wurde gestrichen. Es war ein leichtes alte Wege zu beschreiten. Seitdem hat der Fremdenverkehr an Bedeutung zugenommen. Durch die Landesausstellung im Barockschloss Riegersburg im Jahr 1993, die von 160.000 Personen besucht wurde, wurde die Region in touristischer Hinsicht wach geküsst. Die wichtigste Initiative ist jedoch die Errichtung des Nationalparks Thayatal. Die Voraussetzungen waren ideal. Aufgrund der Grenzlage wurden im Thayatal bei Hardegg keine größeren Infrastruktur-Projekte wie z. B. Straßenbauten durchgeführt. Die Eingriffe in die Natur blieben auf ein Mindestmaß beschränkt. Naturnahe Wälder blieben bestehen, sensible Tierarten wie Schwarzstorch, Fischotter und Uhu fanden einen idealen Lebensraum. Die Stadtgemeinde Hardegg profitiert vom Schutz der Natur. Ein Nationalpark dient neben dem Naturschutz auch der Erholung und Erbauung der Besucher. Naturbegeisterte Besucher bringen so neue Perspektiven in die alte Stadt an der Thaya.

    Zur Eröffnung der Brücke und als Erinnerung wurde zwischen dem "Thayahof" und dem Grenzhäuschen eine Gedächnisslinde gepflanzt und ein richtiger Hinkstein aus Waldviertler Granit aufgestellt. Die Brücke ist die Fußgänger und Radfahrer geöffnet und wer doch mit dem Pkw auf die andere Seite möchte, braucht eine Sonderbewilligung. Die Flussmitte kann man heute noch erkennen, weil jedes Land bis zur Mitte selbst zuständig ist für die Sanierung. Somit sind auf beiden Seiten Anstrich und Bretter etwas anders. Der Name des tschechischen Zimmermanns, der die Brücke eingedeckt hat, ist am Rand in Holz eingenagelt.
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