• Drahtseil-Akt

    January 15 in New Zealand ⋅ 🌧 14 °C

    Als wir am Morgen aufwachten, hätten wir vermutlich nicht gedacht, dass wir heute etwas mehr Bewegung bekommen, als gedacht.

    Ein Blick nach draussen zeigte wolkenverhangene Hügel, aber glücklicherweise kein Regen. Wir beschlossen, ausnahmsweise bei unserem Plan zu bleiben und entweder die Hut Creek oder die Mistake Creek Wanderung zu machen.

    Zum Frühstück gab es zur Stärkung eine grosszügige Portion Cornflakes, dann fuhren wir den kurzen Weg zum Trail. Dort angekommen, packten wir unsere Rucksäcke mit etwas Extrakleidung, Fotoausrüstung, Sandwiches und Getränk. Bevor wir losliefen, schmierten wir uns noch eine dicke Schicht von einem sehr öl-lastigen Anti-Mückenmittel auf alle unbedeckten Körperstellen.

    Der Weg fing mühselig an. Nach gerade mal 60m versank Simi das erste Mal knietief im Schlamm. Ich schaffte es glücklicherweise, einen Weg zu finden, wo man nicht derartig tief einsank.

    Kaum hatten wir das schlammige Gebiet gemeistert, kamen wir zur nächsten Prüfung: Wirebridge!
    Sie wurde ca. 10min bevor sie kam angekündigt und ich glaube, uns beiden war etwas mulmig. Wir hatten Fotos gesehen und sie verhiessen nichts Gutes.

    Simi ging als erster. Er meisterte die wackelige Situation mit Bravour. Und ich meine, er HASST schon Hängebrücken, aber das Ungetüm hier besteht aus lediglich 3 Drähten, die alle paar Meter mit irgendwelchen V-förmigen Metallgestellen ergänzt sind. Unter der Brücke fliesst ein Fluss durch, der vermutlich seeehr kalt ist.

    Als er drüben war, hätte ich am liebsten gesagt. .Gut gemacht, nun komm mal brav wieder rüber, denn ich mache den Scheiss nicht! Selbstverständlich sagte ich das nicht, sondern liess mich von meinem Stolz verleiten, selbst über diesen Draht zu balancieren. Mit klopfendem Herzen und unendlich langsam gelang es mir und ich war sehr dankbar, als ich endlich wieder festen Boden unter den Füssen hatte.

    Nach der Brücke folgte erst einmal ein wuuunderschöner Wald. Also so von der Sorte „Nicht von dieser Welt“ schön. Alles war moosbewachsen. Verschiedene Moose stritten sich um das schönste Aussehen, dazu kamen überall Pilze, die einfach nur toll aussahen. Echt, ich HASSE Pilze, bitte füttert mir sowas nicht, aber zum Anschauen waren die Dinger echt toll. Bei einem umgestürzten Baum musste ich sogar ein Foto mit der Kamera schiessen. Die Pilze waren so wunderbar eingerahmt von diesem alten Holz. Es sah einzigartig aus!

    Irgendwann konnte ich mich von den Pilzen losreissen und wir liefen weiter. Es folgten weitere supertolle Waldbilder, die aber leider fotografisch kaum festhaltbar sind. Die Farben kann irgendwie keine Kamera richtig einfangen.

    Nach einer Weile kamen wir zu einer Lichtung, wo wir mit einem Warnschild begrüsst wurden „Falcon attacks!“. Oje.. wir sahen keinen Vogel und dachten, es sei vermutlich ein älteres Schild oder der Vogel hätte aktuell frei. Wir kamen zur nächsten Lichtung, da sass er und starrte uns böse an. Er fing an zu schreien, aber wir ignorierten ihn und liefen, mit dem Stativ in der Hand bewaffnet, weiter. Und dann flog er uns vermutlich hinterher, denn seine Schreie wurden lauter und klangen wesentlich böser und näher als bisher. Ich rief Simi zu „Renn in den Wald!!“. Was für ein bösartiger Vogel! Wir kamen ihm nicht mal nahe, der Kerl ist wohl einfach nur ein unzufriedener, merkwürdiger Vogel…!

    Wir wanderten weiter, jedoch wurde die Wanderung nach einer Weile jäh unterbrochen. Vor uns war ein ziemlich reissender Fluss und am anderen Ufer war ein Pfeil, auf welchem Stand „Track“. Nope, Wanderung fertig. Kein Seil, kein gar nichts und ein reissender Fluss? Zu gefährlich.

    Wir assen gemütlich unsere Sandwiches und wanderten dann zurück. Kurz bevor der Falke kam, bewaffneten wir uns wieder mit dem Stativ. Wir hatten Glück und er war ausgeflogen oder hatte uns nicht so früh oder an der Stelle erwartet. Der Falke war nirgendwo zu sehen. Die Drahtseil-Brücke schafften wir auch beide problemlos und auch die schlammigen Stellen konnten uns nicht in ihre Tiefen ziehen.

    Nach dieser Wanderung hatten wir noch etwas Energie übrig und so entschlossen wir uns, um 16.00h noch eine zweite Wanderung zu machen. Der Parkplatz vor Ort ist immer so voll, so schlimm kann es ja nicht werden.

    Spoiler, wir waren um 21.00h zurück beim Camper.

    Der Weg führte zwar durch einen wunderbar aussehenden Wald, aber ging einfach nur bergauf. Wenn dies nun die erste Wanderung am heutigen Tag gewesen wäre, wäre es vermutlich etwas lockerer geklappt. Es war reine Tortur.

    Iiirgendwann kamen wir ENDLICH beim See an. Dieser sah echt schön aus. Er hatte eine tolle blaue Farbe, rundherum hatte es Berge, von welchen Wasserfälle runterkamen. Grundsätzlich ein echt schöner Ort. Leider waren meine Kräfte am Ende und es gab keinen Weg rund um den See und auch von weiter oben sah man nicht den ganzen See. Frustrierend, dass hier keine Drohnen erlaubt sind! Habe ich schon erzählt? Die Park-Ranger fahren hier mit Antennen herum, um illegalle Drohnenflieger zu fassen und mit 800 NZD Busse zu belasten!

    Simi stieg noch etwas weiter nach oben als ich. Ich wollte meine Kraftreserven schonen, weil ich wirklich kaputt war und mein sonst demolierter Fuss seit der ersten heutigen Wanderung schmerzte. Wie um alles in der Welt soll ich bloss wieder da runter kommen? Ich glaube, mein armer Fuss hätte mir längst die Scheidungspapiere überreicht und gesagt, er suche sich eine Neue, die nicht so viel wandern will, wenn er bloss könnte.

    Simi war irgendwann fertig. Ich kam kaum den ersten kleinen Hügel runter… Unten beim See schoss er nochmals ein paar Fotos. Ich schaute mir mit 2 Amerikanern eine Vogelmama an, die ihre Jungen mit frischem Fisch versorgte. Ich weiss immer noch nicht, wie dieser braune Dreamstealer-Vogel heisst. Ich schätze, Kaka, bin jedoch nicht sicher. Auf keinen Fall ist das ein Kea, wie die Amerikanerin mir weismachen wollte. Keas fliegen und sehen aus, wie urwaldgrüne Papageien mit Orangen Flügeln.

    Nachdem die Amerikaner noch ein Foto von uns gemacht hatten, machten wir uns auf den Rückweg. Er wollte und wollte nicht enden. Mein Fuss schmerzte, meine Knien taten mir weh.. Es war eine elendige Angelegenheit! Ich kam nur im Schneckentempo vorwärts und Simi musste ständig wieder auf mich warten. Ok, einige Wartepausen waren auch der Schönheit des Waldes geschuldet, welche im sanften Licht der untergehenden Sonne in einem satten Grün erstrahlte. Es gab wirklich schöne Szenarien, für die ich mir immer wieder mal kurz Zeit nehmen musste, um sie in mich aufzunehmen. Ich weiss, klingt irgendwie poetisch, aber es war wirklich schön!

    Um 21.00h kamen wir eeendlich beim Camper an. Ich war sooo froh, als ich endlich im Auto sass.
    Read more