Angry bird & nächtlicher Seiltanz
January 18 in New Zealand ⋅ ☀️ 11 °C
Erneut schliefen wir lange aus, weil wir unsere Kräfte für den heutigen Tag aufbauen wollten. Wir assen Cornflakes und spazierten daraufhin durch den Wald neben dem Campingplatz. Diesen Weg hatte ich schon lange gesehen, aber wir hatten bisher keine grosse Lust, diesen zu gehen.
Der Wald ist auch hier wunderschön, mit ganz viel über und über mit Moos bewachsenen Bäumen; egal, ob lebendiges und totes Gehölz. Überall hört man es zwitschern. Der Rundweg führt zum Lake Gunn, der frühmorgens oder am späteren Abend vermutlich ruhig wäre und sich die Umgebung perfekt spiegeln würde. Heute ist es weder früh noch äusserst windstill und so bleiben wir nicht lange und gehen weiter.
Nach diesem Spaziergang schlendern wir auch das erste Mal über den kompletten Campingplatz. Er ist wesentlich grösser, als er scheint. Die Lupinen, welche vor 10 Tagen noch in ihren schönsten Farben um die Wette geleuchtet haben, sind inzwischen mehrheitlich verblasst. Ein Jammer, es sah doch so wundervoll aus!
Unser erstes Fahrziel ist heute „Reception crossroad“, wie wir die eine Kreuzung hier passenderweise nennen. Wir schauen uns das heutige und kommende Wetter an, googeln nach diversen Wanderungen und - wenn man schon mal Internet hat - bezahlen unsere E-Rechnungen..
Nach wie vor sind wir unschlüssig in Sachen heutiger Tageswanderungen. Wir schwanken zwischen Lake Marian, dessen Weg zwar steil, aber relativ kurz ist, oder nochmals Mistake Creek, dessen Weg länger ist und allenfalls eine Flussdurchquerung mit sich bringt.
Wir wussten nicht weiter und fuhren nach Knobs Flats, wo wir bereits seit einiger Zeit die Gegend erkunden wollten, es jedoch noch nicht getan haben. Wir assen kurz unsere Sandwiches und spazierten dann los. Die Gegend wäre an sich schön. Eine Ebene, umgeben von kleineren Bergen, aber eine Fotokomposition konnten wir leider keine finden. Also spazierten wir zurück zum Auto und machten ein Nickerchen.
Als der Nickerchen-Fertig-Alarm losging, wussten wir immer noch nicht recht, wie es weitergehen soll. Wir fuhren in Richtung Mistake Creek, doch der Parkplatz war voll. Enttäuscht fuhren wir weiter und drehten nach einigen Kilometern doch wieder um, weil wir beide keine Lust auf den Lake Marian Hike hatten. Zurück beim Mistake Creek, stellten wir unseren Camper an den Strassenrand, weil leider immer noch alles vollgeparkt war.
Wir zogen los und kamen diesmal sogar ohne nasse Füsse bis zur Wirebridge, welche wir inzwischen auch weniger angstvoll überquerten, auch wenn sie ziiiemlich wackelte. Am Ende der Brücke kam uns ein sehr trainiertes Seniorenpaar entgegen und wir fragten sie, wie hoch denn der Fluss aktuell sei, den man überqueren muss. Die Frau meinte, etwa knietief, man müsse nur etwas weiter oben durchgehen. Ok, dann probieren wir das.
Wir kamen relativ schnell an die Fluss-Stelle. Wir waren uns nicht sicher, ob der Fluss an diesem Tag nicht eher mehr Wasser führte, als beim letzten Mal. Jedenfalls hatten wir beide keine grosse Lust, die Überquerung mit unseren Fotorucksäcken zu versuchen und am Ende umzufallen und damit die ganze Ausrüstung zu zerstören. Toll, wir sind wesentlich weniger abenteuerlustig als Senioren..
Simi zog sich seine Wathosen und Wasserschuhe an und versuchte, ein paar Fotos im Fluss zu schiessen. Ich bin froh, haben wir die Überquerung nicht probiert, denn er stand teilweise wesentlich tiefer als knietief im Wasser und er meinte im Nachhinein, dass die Strömung teils doch ziemlich heftig gewesen sei.
Ich hielt mich vom Wasser fern, insbesondere, als ich auf einem der heimtückischen Steine ausrutschte und irgendwo rückwärts zwischen anderen Steinen landete. Das hätte auch dümmer ausgehen können. Eine Ente schwamm im Fluss herum und so schaute ich dieser eine Weile zu. Sie hatte ein tolles, graues Gefieder und ihr Schnabel war einzigartig und vermutlich perfekt auf ihr Essverhalten abgestimmt, da er vorne nicht rundlich, wie bei den „normalen“ Enten war, sondern ganz flach. Eigenartig, aber interessant.
Simönchen konnte derweil F.O.M.O.-bedingt nicht aufhören mit fotografieren. Sonnenuntergang war um 21.32h und inzwischen war es 20.55h und wir hatten noch 4km Weg vor uns. Irgendwann hörte er doch noch auf und wir liefen, mit Stirnlampe bewaffnet, los. Der Wald war dicht und es dauerte deshalb nicht lange, bis sie zum Einsatz kam.
Wir kamen trotz zunehmender Dunkelheit zügig voran und schon bald erreichten wir die Feindesgegend. Wir zogen unsere Kapuzen hoch, um dem Falken, sollte er da sein, weniger Angriffsfläche zu bieten. Ausnahmsweise filmte ich die Überquerung der Lichtung nicht und zack, kam der Falke plötzlich wie der Blitz angeschossen und machte laut kreischend einen Scheinangriff nach dem anderen. Was für eine bösartige Kreatur bist du eigentlich?!? Und echt fies, dass er sich bei seinen hinterhältigen Angriffen nie filmen lassen will.
Simi rannte los, währenddem ich hoffte, dass der Falke mich nicht tatsächlich angreifen würde. Ich kam nur langsam voran, weil ich nicht richtig rennen konnte und es auch nicht so richtig versuchen wollte, weil ich keinen zweiten Misstritt und damit das komplette Ende unserer Wanderungen provozieren wollte. Ich musste einfach hoffen, dass der Falke sich eher dem schnelleren widmen und mich ignorieren würde. Wir schafften es, heil in den Wald zu gelangen und wanderten weiter.
Ich hatte etwas Respekt vor der bevorstehenden Überquerung der Drahtseil-Brücke im Dunkeln und wollte die Wanderung nur noch hinter mich bringen. Zum Glück hatten wir auf unseren Uhren den Weg aufgenommen. Es war nicht leicht, im Licht der Stirnlampen auf dem richtigen Pfad zu bleiben. Die kleinen orangen Pfeile waren im Dunkeln leider schlecht zu sehen und so kamen wir immer wieder vom Weg ab und fanden nur dank unseren Uhren zurück.
Endlich kam die Brücke und wir schafften es tatsächlich beide unbeschadet ans andere Ufer zu kommen. Ach ja, Simi kann von Glück reden, dass ich vorausgegangen bin. Über die gesamte Länge hattten die Spinnen ihre Fäden quer über die Drahtseile gespannt. Ein Glück, dass sie nicht selbst auf Kopfhöhe in ihren Netzen sassen. Ich hätte absolut nichts tun können und hätte mit dem Gesicht hindurchgehen müssen. Gleichzeitig dachte ich, was, wenn jetzt Fledermäuse kommen und uns ablenken, währenddem wir über das Seil balancieren müssen?!?
Nach der Brücke waren es nur noch wenige hundert Meter, die wir noch zurücklegen mussten. Allerdings waren es mühsame Meter, weil es überall schlammig war und man nicht mehr richtig erkennen konnte, wo man durchgehen muss, um nicht im Schlamm zu versinken. Etwa 100m vor dem Ziel versank ich mit einem Fuss in einem Loch und landete im verschlammten Wasser. Toll! Ein paar Schritte weiter durchnässte ich dann auch noch den anderen Schuh, weil ich ausrutschte. Oh Mann!
Wenigstens befindet sich der Campground unweit von der Wanderung entfernt und wir mussten nach der Ankunft beim Camper nicht mehr weit fahren.
Was für ein Tagesabschluss.Read more








