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  • Day15

    Auf den Spuren von Jane Goodall

    September 26, 2018 in Tanzania ⋅ 🌬 30 °C

    Unser Weg führt uns vom höchsten zum tiefsten Punkt Afrikas.
    Kigoma liegt am Lake Tanganyika, dem zweitgrößten und tiefsten See Afrikas. Er ist über 1440m tief und 676 km lang.

    See soweit das Auge reichen kann. Mit seinem kristallklaren Wasser und den brausenden Wellen wirkt er eher wie ein Meer.

    Auf einem kleinen, buntbemalten Holzboot tuckern wir zwei Stunden lang richtung Gombe National Park, welcher ausschließlich per Boot erreichbar ist.

    1968 richtete die Primatologin Jane Goodall diesen Nationalpark ein - mit seinen knapp 50 Quadratmetern der zweitkleinste in Tansania. Der Park soll bis heute vornehmlich für Forschungszwecke
    dienen, deshalb sind maximal 20 Besucher pro Tag erlaubt.

    Wir sind mal wieder vom Glück verfolgt, denn wir sind heute mitsamt unseres Guides Khalfan gerade mal zu viert im Park.
    Er erklärt uns, dass die Schimpansen (von denen es im Park ca. 110 gibt) momentan eher schwer zu entdecken sind, da sie sich weit in den bergigen Dschungel zurückgezogen haben. Glücklicherweise steht er per WalkieTalkie im Kontakt mit zwei Forschern, die einer Schimpansengruppe auf den Fersen sind. Sie wollen das Verhalten der Primaten beobachten und aufzeichnen.

    Khalfan, der sich selbst als Bergziege betitelt, da er sein ganzes Leben in dieser abgeschiedenen Berglandschaft verbracht hat, gibt uns den Weg vor: Es geht direkt steil bergauf durch den Dschungel, die schwüle, drückende Hitze lässt unseren Puls hochschießen. Bergziege kennt keine Gnade und eilt voraus. Auf 1400m angekommen und völlig durchgenässt meint Khalfan:
    „The Chimps are vey far. We need to go in the bush now. There is no more path. Are you ok with that?”

    Aber hallo! Wir sind ja nicht zum Spaß hier. Felix jammert dieses Mal auch nur ein bisschen. „Wieso müssen wir eigentlich immer so anstrengende Sachen machen, für die wir dann auch noch viel Geld bezahlen müssen?“.
    Keine fünf Minuten später jedoch feiert er unsere „Walking Safari“: Off the beaten tracks hangeln, rutschen, schwingen, robben und kriechen wir durch das grüne Dickicht, sind von oben bis unten voller Blätter, Lianen und Dreck und plötzlich hören wir ein wildes Geschrei.
    Da sind sie!! Eine Gruppe von ca. 10 Schimpansen auf der Jagd. Extrem selten zu sehen. Sie hechten von Baum zu Baum, schreien wie die Irren und catchen schließlich ein Red colobus monkey- Baby.

    Affe isst Affe.
    Zwischen Faszination und Ekel beobachten wir, wie der Chef-Schimpanse das kleine Babyäffchen am lebendigen Leib auffuttert. Zuerst beißt er ihm den Kopf ab und verspeist dann nach und nach in aller Ruhe den Rest. Zwischendurch rupft er sich immer wieder ein paar Blättchen vom Baum ab. Gemüsebeilage.

    Ganz schön grausam, meine geliebten Schimpansen.
    Ich vergebe ihnen aber direkt wieder, als ich beobachte, wie sie sich gegenseitig nach Flöhen absuchen, wie sie liebevoll zusammenkuscheln, wie das kleine Schimpansenbaby im Baum rumtollt und immer wieder runterpurzelt.

    Da wir 98% der Gene mit den Schimpansen teilen, müssen wir einen Mundschutz tragen. Sie kommen uns bis auf einen Meter nah (Aaahhhh!!) und die Gefahr der gegenseitigen Ansteckung ist sehr hoch.

    Es ist einfach so krass zu beobachten, wie ähnlich sie sich den Menschen verhalten -
    Ihre Art zu sitzen. Wie sie sich mit ihren (soooo menschenähnlichen) Fingern am Kopf kratzen. Ihre Augen. Wenn so ein Schimpanse einem direkt in die Augen schaut, stellt man sich schon die Frage, wer hier wen beobachtet.

    Ich bin im Glück. Wir sitzen in irgendeinem Dschungel mitten in Afrika und glotzen mit den Schimpansen um die Wette.

    Gerade bei Einbruch der Dunkelheit schaffen wir es zu unserem Nachtlager (wo übrigens Jane Goodall höchstpersönlich zweimal im Jahr nächtigt).

    Der nächste Morgen: ich ziehe meine Hose an, schreie auf, weil sich innen was bewegt. Nach kräftigem Schütteln fliegt etwas meine Schenkel entlang runter und unten kommt eine Kakerlake raus. Guter Start in den Tag.
    Dann ziehen wir auch schon los mit Bergziege und Koreaner in den Dschungel. Dieses Mal treffen wir auf eine Schimpansengruppe, die ihre morgendliche Fruchtsuche auf dem Boden abhält. Das finden wir super, denn so können wir sie aus nächster Nähe beobachten:
    Ein kleiner Teenager trainiert das „Liebemachen“ mit einer doppelt so großen und alten Mutti.
    Es wird nach Flöhen gesucht was das Zeug hält.
    Ein Baby macht lustige akrobatische Kunststücke.
    Zwei Jugendliche raufen sich und Felix kann seinen Blick nicht davon ablassen, weil es ihn so sehr an seine Kämpfe damals mit Clemens und Daniel erinnert.

    Nach einer Stunde müssen wir uns losreißen. Länger darf man nicht mit den Schimpansen verbringen, da sie sich sonst zu sehr das menschliches Verhalten abschauen würden.

    Mein Lebenstraum ging in Erfüllung. Ich habe unsere Verwandten im Dschungel besucht!
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    Michaela Gut

    Ich fasse es nicht wie schön ist der denn bitte? Da will man sich ja direkt dazu kuscheln!

    9/29/18Reply

    Würde gerne mit ihm zusammen denken

    9/29/18Reply
    GOD URIO PAUL

    Very nice 👌

    2/7/19Reply