• Panne im Nirgendwo...

    25.–26. jun. 2024, Canada ⋅ ☁️ 22 °C

    Der Dempster ist wie schon erwähnt die wohl längste Sackgasse der Welt. 800 Km Schotter hin sind für viele Fahrzeuge und vor allem die Reifen schon ziemlich anspruchsvoll, jedoch hat man oben angekommen erst die hälfte erreicht. So kommt es, dass wir heute Morgen als erstes einen riesigen Wohnwagen antrafen der eine Reifenpanne hatte. Ja man benötigt nicht zwingend einen 4x4 um den Dempster zu fahren. Dieser Herr hat sogar bewiesen, dass man es mit einem 30 Fuss Wohnwagen schaffen kann! Unsere Hilfe zum Reifenwechseln schlug er ab. Er wollte lieber mit dem Platten ins nächste Dorf fahren um es dort wechseln zu lassen, damit er nicht Hand anlegen muss :).
    110km von Eagel Plain (Kleine Tankstelle im Gebirge) entfernt trafen wir dann zwei Reisende am Strassenrand welche uns zugewunken haben. Sie waren auf ihrem ersten langem Roadtrip und hatten den Dempster und die dafür benötigte Ausrüstung wohl ein wenig unterschätzt. Leider ging ihr Alternator auf dem Rückweg vom arktischen Ozean kaputt. Da ein Alternator hier oben nur sehr schwer zu besorgen ist oder Wochenlange bis Monatelange für die Lieferung benötigen würde haben sie sich in der Not eine Zweitbatterie gekauft, damit sie länger fahren können bis sie dann zum Stillstand kommen. So fuhren sie mit Volldampf und wenig Schlaf auf dem Dempster und landeten dann irgendwann im Graben auf der Seite des Fahrzeugs. Die vorbeifahrende Polizei hat sie dann aus dem Graben gezogen und ihnen eine Unterkunft für die Nacht gewährt. Nach nur einer Stunde wollten die beiden dann wieder weiter und suchten Hilfe am Strassenrand neben ihrem liegengebliebenen ramponierten Auto. Die Situation war eher aussichtslos und sie erzählten uns, dass viele andere Reisende einfach an ihnen vorbeigefahren sind. Wir entschieden, dass wir die beiden nicht einfach hier draussen lassen können und wir sie mit unserem Abschleppseil 110km bis nach Eagel Plane abschleppen werden. Wir hatten auf dem Hinweg gesehen, dass es an der Tanke noch eine kleine Werkstatt gibt und hofften, dass diese irgendwie weiterhelfen können.
    Unser Schlumpf hatte jetzt also neben der holprigen Strecke und unserem ganzen Reisegepäck neu noch über zwei Tonnen im Schlepptau. Bergauf war es ein wenig ein Kampf, doch der Schlumpf enttäuschte nicht und performte unglaublich bis nach Eagle Plane. Der Spritverbrauch auf dieser Strecke werden wir jedoch nicht Preisgeben ;)..........
    In Eagel Plane stellte sich heraus, dass die Werkstatt nur Reifenpannen beheben konnten. Die beiden Roadtripper waren natürlich niedergeschlagen und wussten auch nicht so genau was sie jetzt tun sollten.
    Irgendwie wollten wir ihnen weiterhelfen, jedoch konnten wir sie die verbleibenden hunderte Kilometer nicht abschleppen. Der Verschleiss auf den Schlumpf wäre auf der kommenden Bergstrecken zu hoch gewesen und unsere Reichweite hätte mit dem hohen Spritverbrauch so oder so nicht annähernd gereicht.
    Mir kam die Idee, dass die beiden, Olivia und Oliver ja bereits eine Zweitbatterie gekauft hatten. Meine Idee war es mit unserer Litiumbatterie und dem Inverter den wir im Camper verbaut haben die eine Batterie während dem Fahren mit unserem Schnellladegerät zu laden und die andere im Auto der beiden während dieser Zeit leerzufahren. Beide Batterien waren nicht mehr im besten Zustand und konnten den Motor nicht mehr starten. Mein Jumpstarter hat das Auto auf der kommenden Strecke alle ca. 40 Minuten gestartet und dies über hunderte Km ohne nachladen geschafft. Falls also jemand einen guten Booster benötigt um ein liegengebliebenes Auto zu Starten ich hätte da eine Empfehlung!
    Das System mit den beiden Batterien funktionierte tatsächlich. Nach einer Nacht am Strassenrand und zwei vollen Batterien fuhren wir also am nächsten Tag weiter mit dem Ziel es heute nach Dawson zu schaffen. Alle 40min. bauten wir also die eine Batterie aus und die andere wieder ein. Und plötzlich nach dem Tumbstone Nationalpark kam der Belastungstest für unser Camper Stromsystem zu einem abrupten Stillstand. Es roch leicht verbrannt im Camper und das wohl schwächste Glied also unser schnelllade Batteriegerät hatte den Geist aufgegeben. Ein weiterkommen war für die beiden so nicht mehr möglich. Da die Strecke jedoch flach war und der Teer bald wieder begann schleppten wir sie nochmals über hundert Km ab.
    Unser Ziel war ein lokaler Teilehändler in Dawson der den beiden hoffentlich weiterhelfen kann. Die letzten Km verliefen reibungslos. Beim reinfahren auf den Parkplatz des Teilehändlers versagten die Bremsen des Wagens der beiden noch komplett und der Abschleppfehler Nr.1 passierte. Sie fuhren über unser Abschleppseil und es zerriss das mittlerweile ramponierte kinetische Seil (Eigentlich nicht für längeres Abschleppen sondern Bergung eines Fahrzeuges gedacht) welches auf 20T bruchlast gewertet ist!

    Damit dies hier geschrieben wird:
    Nein wir wollten nichts für unsere Hilfe und natürlich haben sich die beiden trotzdem mit einem Essen im Restaurant ect. bei uns bedankt.
    Wir haben von ihnen einige Tage später eine Nachricht erhalten, dass sie nach zwei Tagen wieder on the Road waren.
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