• Narbonne

    2 Januari 2024, Perancis ⋅ ☁️ 10 °C

    Die Nacht war ruhig und wir haben gut geschlafen. Lanyus Fahrrad hatte ich mit zwei Schlössern vor unserem Fenster an ein Geländer gekettet und mein Fahrrad stand in der Küche vor Lanyus Schlafsofa.
    Nach 11 Stunden Schlaf war Lanyu trotzdem nicht aus den Federn zu kriegen - der gestrige Tag hinterliess dann bei Superman doch seine Spuren. So kommen wir erst um 11.30 Uhr in die Pötte.
    Wir verlassen Agdes Altstadt mit seiner beeindruckenden hohen Burg Richtung Westen. Am Marktplatz setzen wir uns auf die Treppe einer Bäckerei und vergustieren herrliches Gebäck und ich einen Cafe au lait.
    Unser Tagesziel ist Narbonne. Der Himmel ist bedeckt, mehrmals sieht es nach Regen aus, aber es fällt dann doch kein Tropfen. Glücklicherweise haben wir heute nur leichten Seitenwind und wenig Steigungen zu bewältigen. Es ist kalt und wir irren wieder und wieder durch die Felderlandschaft und an Kanälen entlang. Es ist zum Verzweifeln, wenn man sich ans Ziel sehnt, weiterkommen will und die Google-Navi-App einen ständig auf Wege und Strassen schicken will, die gar nicht existieren. Wir enden dann auf Privatgrundstücken, in Sackgassen oder fahren im Kreise um Weinfelder herum. Irgendwann wird es mir zu bunt und ich stelle auf "Autostrassen" um, obwohl dies natürlich dem Gedanken der grösstmöglichen Sicherheit widerspricht. Um wieder auf eine Strasse zu kommen, müssen wir die Gepäcktaschen abladen und die Räder über eine Mauer hieven, dann die Räder über einen lehmigen Feldweg schieben, um nach ein paar hundert Metern endlich Asphalt zu erreichen.
    Nach ca. 35 km fällt Lanyu merklich zurück, schliesslich kann er nicht mehr aufschliessen, er sinkt ein ums andere Mal über seinem Lenker zusammen - er ist mit seiner Kraft am Ende. Die Anstrengung gestern ist nicht in den Kleidern stecken geblieben.
    Pause in einem kleinen Dorfcafe, zur seelischen Stärkung Gebäck und süsse Riegel. Aber Lanyu muss die Zähne zusammenbeissen, durchhalten. Nur noch 15 km, dann noch 10 km, die Sonne geht bald unter. Auf dem Weg durch Narbonne fliessen dann Tränen, Lanyu kann nicht mehr. Ich lade seine Gepäcktasche auf mein Rad. Wir erreichen McDonalds. Wärme, sitzen können, viel essen und die Welt sieht wieder anders aus.
    Dann noch 5 km zum B&B-Hotel in der Dunkelheit, durch dichten, hektischen Verkehr. Ein Zimmer mit zwei Betten, die Aussicht auf weisse Laken, eine heisse Dusche, morgen ein dickes Frühstück - die Laune hebt sich merklich.
    Tagesleistung 75 km..
    Noch 220 km bis Barcelona.
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