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Bosenheimer Höfewandern

Vom abgesagten Ballett direkt ins Bosenheimer Weinhöfewandern: zehn Höfe, 3,5 Kilometer, viel Wein und eine Nacht im WoMo. Ein spontaner Kurztrip mit Schlagseite, Sonnenuntergang und der Erkenntnis: Das Gute liegt oft ganz nah. Read more
  • Trip start
    May 2, 2026

    Vom Schwanensee zum Riesling

    May 2 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    Eigentlich stand an diesem Abend klassische Hochkultur auf dem Programm: Die Tickets fürs Ballett waren gekauft, der Anzug frisch aufgebügelt und das kleine Schwarze bereits in freudiger Erwartung. Kurz gesagt: Wir waren bereit für Grazie, große Gefühle und vermutlich sehr kontrollierte Körperbeherrschung.

    Doch das Leben entschied sich spontan für eine andere Choreografie und sagte die Veranstaltung kurzerhand ab.

    Nun war das Wetter viel zu schön, um beleidigt zu Hause zu bleiben. Einer dieser ersten warmen Frühlingstage, an denen das Thermometer plötzlich Größenwahn entwickelt und die Sonne so tut, als hätte es nie einen Winter gegeben. Also musste Ersatz her – möglichst schnell, möglichst draußen und idealerweise nicht vollkommen kulturlos.

    Die Lösung lag nur wenige Fahrminuten entfernt: das Bosenheimer Weinhöfewandern.

    Lange Planung war nicht nötig. Schuhe an, gute Laune einpacken, los. Es gab lediglich ein kleines logistisches Detail: Auf Weinhöfen wird traditionell nicht nur über Trauben gesprochen. Einer hätte am Ende fahren müssen, und diese Rolle erfreut sich bei solchen Veranstaltungen erfahrungsgemäß nur mäßiger Beliebtheit.

    Doch diesmal hatten wir einen entscheidenden Vorteil: unser Wohnmobil. Damit musste nur die Hinfahrt nüchtern bewältigt werden. Die Rückfahrt konnte ganz entspannt auf den nächsten Morgen verschoben werden, denn unsere private Ausnüchterungszelle auf Rädern reiste praktischerweise gleich mit.

    Eine kurze Recherche und ein Telefonat später war auch die Nachtfrage geklärt. Bei einem Sekthaus fanden wir Unterschlupf. Die vier offiziellen Stellplätze waren zwar bereits belegt, doch freundlicherweise wurde uns ein Platz auf einer angrenzenden Wiese angeboten.

    Damit war der Abend gerettet: Statt Spitzenschuhen gab es Wanderschuhe, statt Orchesterbegleitung Gläserklirren und statt Schwanensee vermutlich Riesling. Manchmal schreibt das Leben eben doch die besseren Programme.
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  • Auf Keilen ins Vergnügen

    May 2–3 in Germany ⋅ ☁️ 24 °C

    Nachdem das WoMo mit allem Nötigen beladen war, rollten wir die wenigen Kilometer nach Bosenheim, meldeten uns an und bezogen unseren Platz auf der freien Wiese.

    Dort wartete bereits die erste kleine Prüfung des Camperlebens: Das Wohnmobil stand nicht ganz so majestätisch gerade, wie es seinem Charakter entsprach. Also kamen erstmals die Radkeile zum Einsatz.

    Ich rangierte vorsichtig, das WoMo gehorchte aufs Wort – wie ein stolzes Pferd, das freiwillig den Huf hebt. Die Mondwölfin übernahm derweil die verantwortungsvolle Aufgabe, darüber zu wachen, dass wir nicht über das Ziel beziehungsweise über den Keil hinausschossen. Eine Tätigkeit, bei der ein beherztes „Stopp!“ bekanntlich über Ruhe oder Drama entscheidet.

    Doch das Zusammenspiel funktionierte erstaunlich gut. Gleich beim ersten Versuch stand das WoMo lotrecht, zufrieden und ein wenig stolz auf seinem Platz.

    Damit war die wichtigste Voraussetzung geschaffen: Die Gläser durften nun schiefer stehen als das Fahrzeug. Der gemütliche Teil konnte beginnen.
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  • Zehn Höfe, ein Ziel

    May 2 in Germany ⋅ ☁️ 25 °C

    Mit guter Laune, je einem Glas in der Hand und einer Stempelkarte im Gepäck machten wir uns auf die 3,5 Kilometer lange Strecke.

    Die Entfernung selbst war dabei eher symbolischer Natur. Die eigentliche Herausforderung wartete in den zehn teilnehmenden Weingütern, denn in jedem von ihnen stand eine Weinverkostung auf dem Programm. Während die Beine die Runde überraschend klaglos mitmachten, wurde die Leber zunehmend in den aktiven Dienst versetzt.

    So sammelten wir nicht nur Kilometer und Stempel, sondern auch einen immer tieferen Einblick in die Vielfalt des regionalen Weinbaus. Rein wissenschaftlich natürlich.

    Und weil zehn Stationen sowie 3,5 Kilometer noch keinen würdigen Schlusspunkt darstellen, wartete am Ende zusätzlich eine Abschlussparty. Schließlich musste das Erreichen des Ziels gebührend gefeiert werden – auch wenn inzwischen nicht mehr ganz eindeutig war, ob wir den Weg gegangen waren oder der Weg mit uns.
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  • Mit Schlagseite ins Abendrot

    May 2 in Germany ⋅ ☁️ 22 °C

    Mit leichter Schlagseite und zunehmend kreativer Linienführung fanden wir am frühen Abend zurück zum WoMo. Es stand noch immer ruhig, gerade und fürsorglich auf seiner Wiese und nahm uns auf, ohne Fragen zu stellen. Wahre Größe zeigt sich eben darin, auch in schwierigen Momenten einfach da zu sein.

    Irgendwie war uns unterwegs noch eine Flasche Sekt in die Hände gefallen. Wie genau, ließ sich später nicht mehr zweifelsfrei rekonstruieren. Fest stand nur: Sie wollte dringend geleert werden, und wir wollten uns diesem Wunsch nicht verschließen.

    Also machten wir es uns vor dem WoMo gemütlich, ließen die Korken beziehungsweise den Abend ausklingen und sahen der Sonne beim Untergehen zu. Ein stiller, friedlicher Moment – sofern man das gelegentliche Gluckern aus den Gläsern nicht mitrechnet.

    Irgendwann zogen wir uns in unsere rollende Höhle zurück und überließen den Rest der Nacht dem Schlaf. Das vermutlich gemeinschaftlich erzeugte Schnarchkonzert dürfte dabei zuverlässig sämtliches Getier, neugierige Nachbarn und böse Geister auf Abstand gehalten haben.

    So endete der Abend friedlich, sicher und erstaunlich ortsfest.
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  • Das Gute liegt so nah

    May 3 in Germany ⋅ ☁️ 20 °C

    Am nächsten Morgen – oder streng genommen schon am frühen Mittag – erwachten wir erstaunlich munter und bemerkenswert nüchtern. Der Wein musste also gut gewesen sein. Anders ließ sich dieser erfreuliche Zustand kaum erklären.

    Wir lotsten das WoMo vorsichtig von den Keilen, verstauten selbige wieder an ihrem Platz und machten uns gemütlich auf den kurzen Heimweg. Keine große Etappe, kein spektakuläres Ziel, kein stundenlanges Fahren. Nur ein paar Kilometer zurück nach Hause.

    Und doch hatte sich dieses kleine Wochenende erstaunlich groß angefühlt.

    Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute doch so nah liegt? Selten hatte dieser Satz besser gepasst. Manchmal braucht es eben keine große Reise – nur gutes Wetter, ein Wohnmobil und genügend Weinhöfe in Laufweite.
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    Trip end
    May 3, 2026