• Expedition Kasbek 5048m

    August 16 in Georgia ⋅ ☀️ 5 °C

    Das Wetterfenster für diesen 5000er ließ uns nach den Dolomiten Georgien's genau einen Tag Pause.
    Nicht viel, aber stabiles Wetter muss genutzt werden!

    So geht's am 16.08. von Juta die wenigen Kilometer nach Stepanzminda. Dort weiter hoch zur Gergeti Dreifaltigkeitskirche. Diese liegt auf knapp 2100m. Auf der Wiese in unmittelbarer Umgebung haben wir Stellung bezogen und bereiten alles für den Start am Folgetag vor. Es scheint so als haben wir Zucker in der Tasche. Immer mehr Reisende gesellen sich zu uns. Alle haben den gleichen Wetterbericht studiert und haben ebenfalls Sonntag, den 17.08. als guten Starttag ausgeguckt. Auch Annie und Richard stehen plötzlich vor uns. Die 2 hatte ich in Kars kennengelernt und danach noch schöne gemeinsame Tage am Cildir See verbracht. Welch Zufall😅.

    Da alle ein Ziel verfolgen und augenscheinlich auch die Chemie passt, starten wir am Sonntag auf 2082m alle gemeinsam. Erst zu neunt, bis wir noch einen Steiermarker treffen. Zu zehnt geht es weiter aufwärts bis auf 3653m.
    Ab ca. 3300m beginnt der Gletscher und die Landschaft ändert sich schlagartig.
    Dann ist die alte Wetterstation und damit das Basecamp erreicht. Das Gebäude sieht aus wie ein Lost Place. Der Rest des Geländes auch. Es hat keine Seele und wirkt verwahrlost. Hohe Berge ziehen offensichtlich Menschen an, welche auf den Gipfel wollen und nicht eins mit der Natur sind. Meine Wildnis gefällt mir da deutlich besser, aber nun wird erstmal das Zelt aufgebaut.

    Um 19Uhr liegen wir bereits nach ner guten Portion Asianudeln im Zelt. Um 1Uhr soll der Wecker klingeln und etwas Schlaf wird nicht schaden. Dann kommt jedoch alles anders. Der Wind, welcher für kommenden Morgen ab 11Uhr angesagt ist, kommt bereits am vorherigen Abend. Das Zelt wackelt und an Schlaf ist nicht zu denken. Um 00:30Uhr sitzen Edouard & ich bereits in der Küche der ehemaligen Wetterstation.

    Am Berg waren auf dem Weg vom Zelt zur Wetterstation Stirnlampen zu sehen. Die Tür der Wetterstation ließ sich jedoch aufgrund des Windes nur noch mit massiver Kraft öffnen. Ein betrunkener Bergführer, welcher ebenfalls in der völlig heruntergekommenden Küche sitzt, steht via Funkgerät im Kontakt mit der Gruppe. Er geht davon aus, dass diese umdrehen werden. Hier auf knapp 3700m Höhe bläst der Wind mit bis zu 60km/h. Wie soll es denn auf 5000m werden? Dazu Temperaturen bis minus 15 Grad. Sollen wir starten? Parallel erzählt uns der betrunkene Bergführer, er habe letztes Jahr an diesem Berg seinen Bruder verloren. Es sei kein einfacher Berg. So sitze ich in einem desolaten Gemäuer und mein Gefühl ist so mittel. Zudem habe ich nicht geschlafen. So soll es 1400 Höhenmeter über einen Gletscher bergauf gehen???

    Um 2 Uhr sind wir komplett. Die Entscheidung fällt. Wir wollen es versuchen. Was mir großen Mut macht ist, dass der Familienvater mit seinem 16- jährigen Sohn und der 18- jährigen Tochter, starker Befürworter ist. Er kommt vom Alpenrand und ist sehr erfahrener Alpinist. So starten wir in absoluter Dunkelheit. Der Wind rüttelt an einem und die Stirnlampen zeigen den Weg. Es friert ist aber nicht kalt. Zudem wird der Wind weniger. Das ist erstaunlich, aber zeitgleich erfreulich.
    Dann kommen erste große Gletscherspalten. Diese Spalten heißt es zu überspringen. Recht unwirklich sich in der Dunkelheit in diesem Gelände zu bewegen. Die Stirnlampe bringt zwar Licht, zeigt einem aber auch die Tiefe der Spalten 🫣!

    Es geht auf 6 Uhr zu. Die Dämmerung bricht an. Das gibt Kraft und tut enorm gut. Die Gruppe zerreißt. Das ist aber okay. Der Pfad ist gut erkennbar und jeder macht sein Tempo. Wir befinden uns mittlerweile auf 4400m und sind in Russland. Der Bogen auf den Gipfel verläuft über russisches Staatsgebiet. Das ist alles schon ziemlich verrückt. Der Blick der sich nun auf die letzten 600 Höhenmeter öffnet ist es ebenfalls. Eis & Schnee soweit das Auge reicht. Ich bin mittlerweile allein unterwegs. Der Weg stellt kein Problem dar und ist gut zu erkennen. Ich lege Steigeisen an und überhole dann fleißig Bergsteiger. Die meisten sind in Seilschaften mit Helmen und Eisaxten unterwegs.
    Der Anstieg ist extrem steil und die Höhe nimmt einen viel Luft. Trotzdem gewinne ich an Sicherheit und komme gut voran. Nachdem ich noch an einigen Seilschaften vorbeigezogen bin, ist es dann endlich geschafft. Der Gipfel ist erreicht. Am Ararat war ich glücklich. Hier bin ich überglücklich😁🌅!
    Die Anstrengung im oberen Bereich war über 500 Höhenmeter enorm, aber am Ende siegt die Freude. Welch geniale Kulisse, welch geiler Fernblick. Der Elbrus (höchster Berg Russlands) und der gesamte Große Kaukasus sind hervorragend zu überblicken.

    Nach einigen Minuten auf dem Gipfel wird es kalt. Also wieder runter. Die Steigeisen greifen top und der Abstieg im nun sonnigen Tageslicht gelingt sehr gut. Alles Retour. Die Gletscherspalten sind auch bei Tageslicht unheimlich. Das Gelände ist riesig, aber nach ca. 3 Stunden sind die 1400m Abstieg zum Basecamp gemeistert. Eddi & Richard sind kurz vor mir angekommen.

    Nach kurzer Pause & zusätzlichen 15 Minuten Powernap bauen wir das Zelt ab. Damit ist kein Feierabend! Weitere 1600 Höhenmeter Abstieg folgen. Insgesamt eine ziemliche Etappe.
    Dreht man sich um, wird einem immer wieder bewusst, von welchem riesigen Gipfel man soeben kommt.
    Am Ende haben wir diesen Gipfel an zwei Tagen geschafft. Das ist extrem zügig. Alleine an Tag 2 sind wir ohne Schlaf 1400m aufgestiegen und 3000 Höhenmeter ab. Am Fahrzeug angekommen bin ich zwei Hunde reicher und bin froh mich nicht mehr groß bewegen zu müssen.
    Kochen fällt aus. Es gibt Pizza & Bier.
    Welch ein Bergabenteuer 💪🇬🇪!
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