• Ab nach Hause 🚌

    25. november 2025, Armenien ⋅ ☁️ 12 °C

    Tabriz verlasse ich am frühen Morgen. Ich starte mit dem Klapprad und fahre 8km an den Stadtrand. Die Ausfallstraße Richtung Iran ist lebhaft befahren. Ca. 200km sind es bis zum Grenzort Mehgri. Nach wenigen Minuten sitze ich im Auto von Reza. Er ist freundlich und aufgeschlossen. Wir stoppen und queren zu Fuß den Highway. Er muss nur kurz seine Firma aufschließen, dann fährt er mich weiter zu einer guten Ausgangsposition, erklärt er mir.
    Er repariert und tauscht Blattfedern. Sehr interessant und abgespeichert!

    Wenig später stehe ich 15km weiter an einem guten Platz zum Trampen. Reza hat mich extra hierher gefahren, um dann wieder zu seiner Firma zurück zu kehren. 30km Umweg- sehr nett.

    Keine 5 Minuten später sitze ich im nächsten Fahrzeug. Die lustige Truppe fährt nur eine Stadt weiter und lässt mich am Abzweig raus. Kurz darauf sitze ich bei einem ambitionierten Fahrer. Dieser fährt bis Jolfa. Sehr gut, von da aus sind es nur noch 70km.

    In Jolfa fahre ich mit dem Rad an den Stadtrand. Hier gibt es kaum noch Verkehr. Das dritte Auto stoppt. Majid nimmt mich mit. Er ist sehr lustig und wir lachen viel. Kurzzeitig gibt es eine Straßensperrung. Dann folgt eine kräftige Explosion. Er lacht und sagt Israel😁. Tatsächlich sind es Straßenbauarbeiten für eine große Verbindungsstraße zur Türkei. Ich hatte mich jedenfalls ziemlich erschrocken. Habe ja nicht geahnt, dass gleich ein Berg vor mir explodiert😀.
    Die Fahrt geht weiter. Er telefoniert und übergibt mich seinem Freund, der kurz hinter uns fährt. Dieser nimmt mich bis 30km vor die Grenze mit. Nach weiteren 3 Minuten stoppt eine Familie. Die Stimmung ausgezeichnet. Der Vater dreht die Musik voll auf und es ist Partystimmung. Ich klatsche mit und befinde mich wenig später an der Grenze.

    Ich freue mich ziemlich auf mein eigenes Bett, aber der Iran mit seinen Menschen war definitiv wieder fantastisch. Welch tolle Mitfahrten am letzten Tag- welch Finale🥰!
    Die Ausreise dauert vielleicht 15 Minuten. Ein Zöllner möchte noch ein Foto für seine private Sammlung. Er wünscht mir alles Gute. Fast ein Monat war ich im Land, wie die Zeit rennt. Welch fantastische Eindrücke, welch Mitfahrten, welch tolle Menschen❤️!

    Ich quere den Grenzfluss. Die Landschaft hier ist mega schön. Die Einreise nach Armenien ist ebenfalls unkompliziert. Mit dem Fahrrad geht's schon ziemlich einfach. Nächstes Ziel Jerewan.
    Es ist 14:44Uhr als ich mit dem Rad weiter nach Mehgri fahre. Der Ort ist 9km von dem Grenzposten entfernt. Der Ort ist hübsch im Gebirge eingebettet und ziemlich schön. Ich starte am Ortsausgang meinen Daumen rauszustrecken.
    Kurz um, als es dunkel wird bin ich keinen Zentimeter weiter. Keiner ist angehalten. Viele haben gehupt, oder merkwürdige Gesten gemacht. Ich bin nicht weiter als 2,5 Kilometer vom Grenzfluss und dem Iran entfernt und doch ist alles anders. Wie kann es sein, dass von Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft nichts mehr übrig ist. Das Gefühl wieder in Armenien zu sein ist sehr ernüchternd!

    Genau auf der anderen Straßenseite ist ein Hotel. Ich verhandel den Preis auf ca. 16€ und checke ein. Der Besitzer erzählt mir, dass am Morgen ein Kleinbus bis Jerewan fährt. 373 Kilometer für 11€.
    Weiteres Trampen halte ich für sinnlos und ich habe auch keinen Bock mehr auf diese Freakshow. So bin ich morgens um 7:15 Uhr am Busabfahrtplatz. Zahlen, einsteigen, abfahrt. Der Fahrer ist ein routinierter Rennfahrer. Die Musik im Bus gefällt mir, ansonsten gibt's keinen Austausch.
    Die Landschaft ist aber wunderschön. Wir queren den kleinen Kaukasus. Im Frühling muss es hier ebenfalls landschaftlich fantastisch sein. Das würde ich gerne mal sehen und die Bergwelt dann erkunden🤟!

    Um 15Uhr ist es geschafft. 373 Kilometer durch unzählige Kurven und über mehrere Pässe sind abgespult. Die Strecke war sehr anspruchsvoll, aber der Fahrer hat gute Arbeit geleistet.
    Ich bin nach knapp einem Monat und ca. 3500km zurück in Jerewan. Die letzten Kilometer schiebe ich. Plattfuß! Zwei Fischhändler winken mich ran. Die Jungs sind cool. Finden mein Klapprad super. Ich wiederum finde die Präsentation des Fisches hervorragend🎣!
    Am Supermarkt stoppe ich kurz und kaufe Wurst für den Kettenhund. Der arme Kerl muss das Leben versüßt bekommen! Dann ist das Werkstattgelände erreicht.

    Dann stehe ich vor Robur. Ich liebe mein Fahrzeug. Ich denke an Hochzeit. Das Gefühl wieder hier zu sein ist großartig!
    Die Chefs bekommen noch Safran als kleines Dankeschön. Der Hund eine Streicheleinheit und Wurst. Dann drücke ich den Startknopf und der Motor startet ohne zögern💪.
    Los geht es zum Genozid Denkmal. An keinem Platz stand ich länger während der gesamten Reise. Ein Armenier hat bereits das Bild von Robur bei Google an diesem Platz hinterlegt. Neulich fragte mich über WhatsApp ein anderer Reisender ob er sich auf meinen Platz stellen darf. Er verwies auf das Bild bei Google. Das war schon ziemlich lustig😎.

    Fazit:
    Das Fortbewegungsmittel zu wechseln war eine tolle Erfahrung. Trampen im Iran zudem unkompliziert und hochinteressant. Viel habe ich erlebt und viele Menschen kennengelernt. Mein Telefonbuch ist zudem um viele tolle Kontakte gewachsen. Auch der kulinarische Genuss des Landes war fabelhaft. Die Schwimmbad & Sauna Erlebnisse bleiben unvergessen. Allerdings zeigte mir diese Challenge deutlich wie sehr ich mein Fahrzeug schätze. Welche sagenhaften Möglichkeiten Robur mir bietet. Mit dem Fahrzeug kann man viel besser die Naturziele ansteuern, sich an einsame und ruhige Orte befördern. Flexibilität und Unabhängigkeit. Man schläft nicht an touristischen Plätzen, die zeitweise wie ein goldener Käfig wirkten.

    Abends Google ich dann noch, ob eine Hochzeit möglich ist. Weltweit geht dies jedoch leider nicht. Robur und ich bleiben also in wilder Ehe🤟❤️🤠🚌!!!
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