Ein Ort absoluter Ruhe...
October 1 in Italy
☀️ 24 °C
... doch die Ruhe hält nur kurz. Vom italienischen Tankrabatt beflügelt bringt mich eine sehr kurze Fahrt von knapp dreißig Kilometern nach Marina di Lesina. Da ich dort einige Tage bleiben und schwimmen gehen will, fülle ich vorher die Wassertanks randvoll. So kann ich nach dem Schwimmen das Salzwasser abduschen, ohne die Wohnmobil‑Dusche zu bemühen.
Kaum bin ich angekommen und habe mich innerlich eingerichtet, taucht mein Freund Luigi mit seinem Wohnmobil auf und beschwert sich grinsend darüber, dass ich ihn nicht angerufen hätte. Er bringt seine Frau mit, die ich nun ebenfalls kennenlerne. Später kommen noch einige Freunde mit ihren Wohnmobilen dazu, darunter ein Priester, wie ich später erfahre. Ich werde zu einem Grillabend eingeladen.
Zunächst probiere ich meinen neu erworbenen Stiefel aus. Er soll die Prothese vor Sand schützen, der sich zwischen den Carbonfedern sicher nicht gut machen würde. Das funktioniert grundsätzlich hervorragend, allerdings ist die Handhabung ausgesprochen aufwendig – vor allem das anschließende Säubern. Deshalb werde ich wohl weiterhin mit meinen Gummilatschen zum Wasser gehen und den Prothesenfuß auf diese einfache Weise vor Sand schützen.
Für längere Strandwanderungen bietet sich die Mitnahme des Stiefels ebenfalls nicht an. Wenn man zwischendurch ein paar Schritte barfuß geht, muss ich einfach sehr vorsichtig sein. Insgesamt werde ich auf dieses neu erworbene Gimmick wohl verzichten. Ich weiß noch nicht einmal, was es mich am Ende kosten wird.
Auf der eben erwähnten Grillfete gibt es schwarz verbranntes, knüppelhartes Fleisch. Da ich die grilltechnischen Fähigkeiten dieser Truppe schon von vor zwei Jahren kenne, verlasse ich mich nicht darauf, satt zu werden, und esse vorher ein paar Knäckebrote, zumal ich ja sowieso kaum oder gar nicht Fleisch esse... So reichen mir später die selbst zubereiteten Bruschettas, Oliven, Tomaten und anderes Kleingemüse völlig aus. Zu trinken gibt es süße Weine und später süße Liköre. Auf alles verzichte ich dankend. Ich habe meinen eigenen Weißwein mitgebracht und angeboten, aber niemand möchte trockenen Weißwein. Auch mein Grappa wird verschmäht. Mir soll es recht sein – ich trinke ihn gern.
Es wird ein ausgesprochen gemütlicher und netter Abend. Ich folge dem Gespräch der insgesamt sieben Italiener aufmerksam. Allein meine Sprachkenntnisse, die ich mir in den letzten Wochen mit einem KI‑Sprachtrainer erarbeitet habe, reichen nur für bruchstückhafte Erkenntnisse, und das auch nur in homöopathischen Dosen. Aber die gute Laune kommt trotzdem rüber. Ich fühle mich sehr wohl, und hin und wieder bekomme ich auf Englisch etwas übersetzt, sodass ich nicht völlig außen vor bin. Der Pfarrer hat nämlich jahrelang in West-Afrika gearbeitet und spricht deshalb fließend Englisch.
Am folgenden Tag ist die große Ruhe allerdings vorbei. Luigis Freunde sind ja mit PKWs da gewesen und der Pfarrer reist auch ab. Luigis Frau ebenfalls. Dafür füllt sich der Platz mit einer ganzen Reihe von Anglern und Fischern, alles Freunde von Luigi,die ihr Glück versuchen wollen, auch das ein oder andere italienische paar reiht sich ein, dass die letzten Sonnenstrahlen des Jahres erheischen möchte.
Ich bin wieder bei Luigi eingeladen – er möchte Fische grillen, die er morgens mit seinem Stellnetz aus dem Wasser gezogen hat. Es waren nur zwei und eine ganze Anzahl von Krebsen, und er ist etwas enttäuscht. Wir werden unsere Handys als Übersetzungshilfen nutzen, dann wird die Verständigung schon klappen, wie das mit dem gegrillten Fisch wird, da bin ich gespannt...
Und Fisch kann er! Der ist fantastisch. Es gibt Doraden, eine Marmorbrasse und eine Umbrina.
Um zerlegen muss ich mich nicht kümmern. Das machen Luigi und sein Freund. Ich muss allerdings auf die Gräten aufpassen, so genau nehmen die das zerlegen nicht...
Leo mag keinen Fisch, aber er schaut etwas argwöhnisch in die Gegend, kommen doch immer lauter Freunde von Luigi aus der Finsternis und begrüßen ihn....Read more























Traveler
Dies ist die Markthalle in Marina di Lesina. Ich bin immer wieder verwundert, dass es so ein großes Ding hier gibt. Und ich habe den Eindruck. Im Sommer wird das gar nicht genutzt. Es ist völlig unaufgeräumt. Der Dreck und Mühe liegt in der Gegend, und Obdachlose haben es als Schlafplatz erkoren. Da es erst vor drei Wochen außer Betrieb genommen wurde, kann ich mir nicht vorstellen, dass in der kurzen Zeit so viel Unrat angehäuft werden konnte.
Traveler
Aber es gibt sauberes Wasser! Das ist hervorragend. Und im Übrigen auch eine Toilette...
Traveler
Schnell ans Meer.