• Eine Nacht nach Beduinen-Art

    4. marts, Oman ⋅ ☀️ 29 °C

    Die Wüste hat es uns angetan, auch wenn sie uns in Saudi-Arabien einiges abverlangt hat und wir viel Lehrgeld in Form von schweißtreibender Schaufelarbeit zahlen mussten. Trotzdem zieht es uns im Oman abermals in einen großen Sandkasten, die Wahiba Sands. Aber diesmal spielen wir nach dem Motto " play it safe".

    Beduinen-Flair versprechen hier zahllose Camps in den Dünen, von urig bis glamourös. Wir entscheiden uns für eine bodenständige Version mit Minimal-Komfort und werden nicht enttäuscht. Unsere Fahrzeuge bleiben auf sicherem Terrain, derweil uns 4x4s wie auf Wolken durch den weichen Sand zum Zeltlager schaukeln.

    Fast staubfeines, gelbes Pulver haben wir unter den Füßen, als wir uns die ersten Dünen hochkämpfen, um spektakuläre Ausblicke zu genießen. Später chauffieren uns Fahrer mit Karacho und einem Schuss Draufgängertum zum Sonnenuntergangs- Aussichtspunkt. Wie gerne säße ich selbst hinterm Steuer des Land Cruisers!

    Später kredenzt uns Abdul Malik ein köstliches Abendessen, das wir landestypisch am Boden lümmelnd genießen. Doch der 37-Jährige hat für uns weit mehr parat als gutes Essen. Er erteilt uns, ohne es zu wissen, eine Lektion in Demut und Respekt.

    Abdul Malik kommt aus dem Jemen. Das Nachbarland des Oman wird seit Jahren von Rebellen terrorisiert und kommt nicht zur Ruhe. Um seine Familie versorgen zu können, ging der verzweifelte Vater einer Tochter und eines Sohnes vor zwei Jahren in den Oman in der Hoffnung, dort Arbeit zu finden.

    Was er fand, ist moderne Sklaverei. Für wenig Geld heuerte er als Küchenspülkraft an, erhielt eine karge Schale Reis am Tag - wer sich Essensreste nahm, bekam sie vom Lohn abgezogen. Nur einmal pro Woche durfte Abdul Malik duschen, trotz der Drecksarbeit. "Ich ging in die Moschee, um mich zu waschen", erzählt er.

    Inzwischen hat er einen besseren Job, er ist die gute Seele des Camps, der Koch und Kümmerer. Trotzdem muss er sich mit 100 Rial im Monat - 220 Euro - begnügen. Aber Hauptsache, er kann seiner Familie Geld schicken - der Familie, die er seit zwei Jahren nicht gesehen hat. Seine beiden Kinder können die Schule besuchen. Die findet - der Vater zeigt uns Fotos - unter einem Baum im Dorf statt. Ein Gebäude gibt es nicht.

    Abdul Malik strahlt, wen wundert es, eine gewisse Melancholie aus, er wirkt müde, erschöpft. Optimistisch wolle er bleiben, stark müsse er sein - das sei er seinem Vater, einem Landwirt, schuldig. Und so backt der 37-Jährige am Lagerfeuer Beduinenbrot, erzählt von Beduinenbräuchen und führt im Sand Beduinentänze auf, obschon er kein Beduine ist und die Wüstenmenschen verachtet. Außer Kamelen hätten sie nämlich nichts im Sinn.

    Was für ein tapferer Mann Du bist, Abdul Malik! Der Abend mit Dir im ewigen Sand, nur ein paar Minuten weg von der Zivilisation und so nah dran an Deinem Schicksal, wird lange nachklingen.
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