• Im Rausch der Formen

    March 13 in the United Arab Emirates ⋅ 🌙 25 °C

    Zugegeben: Ich hatte keinen Plan, was mich in Abu Dhabi (2,5 Millionen Einwohner) erwarten würde. Hat mich nicht wirklich interessiert. Dubai in klein, dachte ich. Doch schon auf dem Weg in die Stadt erspähe ich abseits der Autobahn zwei Gebäude, die beeindruckend wirken. Das könnte spannend werden, denke ich mir. Eine kurze Recherche bestätigt: Das wird wohl spannend. Nach einem abendlichen Ausflug ist klar: Spannend trifft die Sache nicht. Atemberaubend schon eher.

    Auf der Insel Saadiyat - ganz Abu Dhabi ist ein Flickenteppich von Inseln - liegt der "Cultural District" der Stadt, und der hat es in sich. Neben dem kantigen Naturgeschichtemuseum, das ein Riese aus Bauklötzen aufgetürmt zu haben scheint, liegt als rundlicher Kontrapunkt das erst vor einem Jahr eröffnete teamLab Phenomena wie ein gigantisches, halb geschmolzenes Marshmellow. Es gilt als weltweit größte immersive Kunststätte und bietet auf 17.000 Quadratmetern
    einzigartige interaktive Installationen, die Kunst, Wissenschaft und Technologie verbinden.

    Noch neuer ist das mächtige Zayed Nationalmuseum, das erst vor einem Vierteljahr seine Pforten öffnete. Das imposante Bauwerk, dessen Architektur von den Flügeln eines Falken inspiriert ist, würdigt das Leben von Scheich Zayed bin Sultan Al Nahyan und die Geschichte der Vereinigten Arabischen Emirate. Entworfen wurde es vom Büro von Sir Norman Foster.

    Nummer vier im weitläufigen, nachts bunt illuminierten Museumspark ist der Louvre. Nein, wir haben uns ob des kriegsbedingt phasenweise gestörten GPS-Signals nicht massiv verfahren. Auch Abu Dhabi hat seit knapp zehn Jahren ein Kunstmuseum diesen Namens - und es verschlägt einem die Sprache. Wie ein Ufo schwebt ein kuppelförmiges, 7500 Tonnen schweres Dach mit 180 Metern Durchmesser auf einem Komplex aus verschachtelten Quadern und entfaltet im Inneren eine Atmosphäre, die ihresgleichen sucht: Leicht und offen trotz seiner gewaltigen Größe. Zum Niederknien schön!
    Der Louvre II entstand in enger Kooperation mit dem Original in Paris, er zeigt Dauerleihgaben, baut aber auch eine eigene Sammlung auf. Das sorgte seinerzeit in Frankreich nicht nur für Jubel, obwohl sich die Emirate die Unterstützung aus Europa fast eine Milliarde Euro kosten ließen.

    Damit es einen Grund gibt, bald zurückzukehren, wird auf Saadiyat noch immer fleißig gewerkelt. In Sichtweite des Louvre entsteht ein weiteres unfassbares Stück Architektur: Ein neues Guggenheim-Museum. Der von Frank Gehry geplante Komplex aus Röhren, Spiralen und Türmen soll heuer noch fertig werden - ambitioniert, wenn man einen Blick auf die Baustelle wirft.

    Nach einem Abendrundgang, der in der Dachterassenbar des Louvre beim ersten (!) Gin Tonic auf dieser Reise endete, werden wir der Museumsinsel heute einen weiteren Besuch abstatten. Berichte zu den einzelnen Gebäuden folgen.
    Unser ruhiges Nachtlager haben wir am Fischmarkt aufgeschlagen - ein frisch renovierter Komplex mit einem deutlichen Überangebot, das sich darin manifestiert, dass Händler und Gastwirte mit einiger Penetranz um Gäste buhlen. Lecker Fisch gab's am Ende aber doch auf den Teller.
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