Wo es am Schönsten ist! Pelzkuhl
May 17, 2024 in Germany ⋅ ⛅ 18 °C
Nach 2900 km per Rad mit relativ wenigen Höhenmetern (etwas über 10000; zum Nordkapp hatte ich bei fast gleichen Kilometern 49000!) bin ich wieder im schönen Pelzkuhl. Die größten Herausforderungen bei dieser Tour waren vor allem die wirklich schlechten Wege an der Ostseeküste und vor allem beim Weichselradweg (also quer durch). Der GreenVelo Radweg entlang der russischen, litauischen, weißrussischen und ukrainischen Grenze ist dagegen absolut top, super ausgeschildert, mit ausreichend Unterkünften und vor allem landschaftlich sensationell! Allein die riesige Anzahl an Störchen, der immerwährenden Konzerte von Fröschen und Unken und die vielen noch absolut natürlichen Flüsse, Moore, Graslandschaften, Auwälder und und und sind der Wahnsinn!
So richtig gut gefallen haben mir die unglaublich vielen kleinen Tante-Emma-Läden, genannt Slebs, in denen man sich praktisch in jedem kleinen Dorf mit allem möglichen versorgen kann und die unzähligen Zebrastreifen. Letztere gehören praktisch mehrfach zu jedem Ortsbild und werden auch strikt eingehalten. Ein einziges Mal hielt ein Auto nicht an und das hatte Hanauer Kennzeichen!
Die Polen an sich sind ein freundliches Volk, super hilfsbereit und wenn man erstmal Kontakt aufgenommen hat, die herzlichsten und gastfreundlichsten Menschen, die es gibt. Der Nachteil ist die Sprache. So gut wie niemand (auch nicht die jüngeren) spricht englisch oder deutsch. Eine Verständigung über Google translator ist immer sehr schwierig, weil das eintippen polnischer Wörter durch die vielen sz ck y zs in verschiedenen Reihenfolgen ordentlich aufwändig ist und viel Zeit in Anspruch nimmt. Leider meistens erfolglos! Allein die Auswahl eines Gerichts auf einer Speisekarte dauert länger als der Gasthof auf hat. Meistens habe ich dann eine "zupa" gegessen (Suppe schmeckt in Polen immer!) und ein Kotelett (gibt's aber auch vom Fisch).
Zwei Sachen mag ich noch ausführen, die mir am Herzen liegen.
Zum einen, wie nah ein Krieg in Europa sein kann, den man in kurzer Zeit mit dem Fahrrad erreichen kann! Wir leben hier in Deutschland und urteilen schnell und oberflächlich, wie sich die Betroffenen (nämlich die ohne Schuld angegriffenen Ukrainer) gefälligst zu verhalten haben, damit der Krieg - wie auch immer - endlich beendet werden kann. "Dann sollen die doch die paar Quadratkilometern den Russen überlassen und alles ist gut!"
Nix ist gut und in den paar Quadratkilometern leben Menschen, die nach Einnahme von den Russen gequält, gefoltert und ermordet werden! Ich habe die Angst in den Augen der Menschen an der Grenze gesehen und kann mir ihre Angst vorstellen, vielleicht die nächsten Opfer zu sein!
Mein zweiter Punkt ist der "Lebenswert" der Landschaft. Die polnische Landwirtschaft ist kleinteilig, voller Hecken, Feuchtbiotope, Waldinseln und so fort. Trotzdem produzieren die Bauern dort Lebensmittel, die günstig und höchstwahrscheinlich deutlich gesünder sind als mancher Fraß bei uns zu Hause. Nebenbei - oder eher in der Hauptsache - erhalten sie einen Naturraum, in dem es sich zu leben lohnt! Ich habe nicht ein von Glyphosat gelb gefärbtes Feld gesehen, obwohl ja die Landwirtschaft ohne dieses Totalherbizit praktisch zum Tode verurteilt ist! Zwei Drittel des gesamten EU-Haushalts fließen mittel- oder unmittelbar in die Landwirtschaft. Sollte man nicht besser diese Form der Bewirtschaftung hoch fördern als die bei uns vorherrschende Struktur der riesigen Agrarindustrie?!
Genug gebarmt! Nach 130 km (mit ordentlich Rückenwind) bin ich endlich zu Hause angekommen, das Heimweh hatte mich doch schon ordentlich gepackt! Allerdings bin ich gleich noch mal kurz weg zum Fußballtraining! Aber dann: "Rumpsteaks, Salat, Hefeweizen!" Schön ist es wieder hier!
Mein Lied des Tages und der ganzen Tour geht an Maren: "Für immer und Dich" von Rio Reiser
Machts gut, Nachbarn! Bis zur nächsten Tour! Vielleicht Albanien...?Read more










TravelerIch bin traurig das es schon wieder vorbei🥺. Danke für deine tollen Berichte. Du solltest Schriftsteller werden. Ich und meine Mutti sind deine ersten Fans!
TravelerDanke für Deine eindrücklichen Berichte. Willkommen zurück.