• DFB-Pokal in Schweinfurt

    October 24, 2017 in Germany 🌧 9 °C

    Der 1. FC Schweinfurt 05 – der große Rivale der Würzburger Kickers – hatte das seltene Kunststück vollbracht, als Regionalligist in die 2. Runde des DFB-Pokals einzuziehen. Das Los bescherte den „Schnüdeln“ ein Flutlicht-Highlight gegen Eintracht Frankfurt. Da die gesamte Familie meiner damaligen Freundin aus eingefleischten Eintracht-Fans bestand, ließen wir uns diese Gelegenheit für einen gemeinsamen Ausflug natürlich nicht entgehen.
    Die Ticketverteilung gestaltete sich allerdings recht ungleich: Während meine Ex-Freundin und ihre Schwester über Kontakte sogar VIP-Karten ergatterten und sich im VIP-Zelt gütlich taten, machten die Mutter der beiden und ich uns auf den Weg in den Stehplatzbereich. Im ausverkauften Willy-Sachs-Stadion galt freie Blockwahl. Auf der Suche nach der besten Sicht auf das Geschehen entschieden wir uns etwas unbedarft für einen Platz auf der Gegengeraden.
    Leider hatte ich bei der Platzwahl ein klitzekleines Detail übersehen: Wir hatten uns punktgenau mitten in die aktive Fanszene der Schweinfurter Ultras verfrachtet. Das wäre an sich noch gar kein Problem gewesen – hätte die Kurve nicht im Laufe der ersten Halbzeit immer wieder lautstarke Schmähgesänge gegen den verhassten Nachbarn Würzburg angestimmt. Genau so ein Moment veranlasste meine Begleiterin in bester Absicht dazu, zu erwähnen, dass ich es doch ganz gut mit den Kickers halte.

    Gefangen inmitten der Schweinfurter Ultra-Riege entgleisten mir kurzzeitig die Gesichtszüge. Ein falsches Wort zur falschen Zeit an der falschen Stelle. Zum Glück war die Geräuschkulisse auf der Tribüne so laut, dass es im Umkreis offenbar niemand mitbekam – mein Puls benötigte dennoch ein paar Minuten, um sich wieder im Normalbereich einzupendeln.
    Auf dem Rasen ließ der Bundesligist unter Niko Kovač derweil nichts anbrennen und erstickte jede Schweinfurter Pokalsensation im Keim. Bereits in der 14. Minute bewies Sébastien Haller seine Extraklasse und beförderte den Ball per feinem Hackentrick zur Frankfurter Führung ins Netz.

    Die tapfer kämpfenden Hausherren hielten bis zur Pause noch mit viel Leidenschaft dagegen, doch nach dem Seitenwechsel machte die SGE kurzen Prozess: Erneut Haller (58.), Marius Wolf (63.) und der eingewechselte Danny Blum (85.) schraubten das Ergebnis schlussendlich auf ein recht deutliches 0:4.

    Ein standesgemäßer Pflichtsieg für die Eintracht, die an diesem kühlen Oktoberabend den Grundstein für ihren späteren historischen Pokalsieg legte – und für mich ein Abend, der vor allem wegen einer gewagten Konversation im Schweinfurter Block unvergessen bleibt.
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