• Etosha #1: Tierpartys am Wasserloch

    July 27, 2024 in Namibia ⋅ ☀️ 10 °C

    Nach all den Safaris in Tansania sind wir gespannt, wie der Etosha Nationalpark im Norden Namibias da mithalten kann.
    Das Besondere am Etosha ist, das hier Wasserlöcher entlang von Wegen natürlich vorhanden sind oder künstlich angelegt wurden. Die Tiere, die in der sonst trockenen Salz-/Lehmpfanne kein Wasser finden, müssen zwangsläufig an die Wasserlöcher kommen, um zu trinken. Und da stehen wir schon im Auto und schauen ihnen dabei zu! Die gut ausgebauten Wege und die sicheren Sichtungen an den Wasserlöchern machen diesen Nationalpark geradezu prädestiniert für Selbstfahrer-Safaris.

    Wir stehen pünktlich zum Sonnenaufgang am Gate im Westen des Parks. Wir haben erwartet, uns hinter anderen Autos einreihen zu müssen, sind aber weit und breit die einzigen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die westliche Hälfte des Parks erst seit wenigen Jahren für Besucher zugänglich ist und als eher trocken und tierarm bekannt ist.
    Noch bevor wir das erste Wasserloch erreichen, hält uns ein Mann mit Maschinengewehr an und fragt uns, ob er bei uns mitfahren kann. Ähm klar, das schlägt man dann ungern ab... Er erzählt, dass er Ranger ist und mit seinen Kollegen die Wildtiere von Wilderern schützt. Dazu patrouillieren sie den Park und zeigen bewaffnete Präsenz. Von Zeit zu Zeit nehmen sie auch Personen fest, dazu muss es aber einen nachgewiesenen Versuch der Wilderei gegeben haben. Er erzählt von den Schwierigkeiten, die Wilderer mit dem Auto zu verfolgen, die selbst auf Pferden oder zu Fuß unterwegs sind und sich in die Vegetation schlagen können. Jetzt muss er wieder zu seinem Auto kommen, das gestern liegengeblieben ist, da er sich Sorgen macht, dass es sonst von Elefanten umgedreht wird. Wir bringen ihn gerne dort hin und freuen uns, solche Insider-Informationen bekommen zu haben.

    Dann fahren wir das erste Wasserloch an und - treffen direkt auf die erste Tierparty! Individuen von sicher sechs verschiedenen Arten trinken friedlich am Wasserloch und interagieren spielerisch miteinander. Das gab es in der Serengeti so nicht! Nur wenn die Elefanten kommen, machen alle anderen Platz.
    Begeistert fahren wir durch die sich immer wieder verändernde Landschaft. Nicht jedes Wasserloch führt Wasser, und nur etwa an jedem dritten finden wir Tiere - aber dann viele!

    Im Laufe des Vormittags erreichen wir das Olifantsrus Camp. Hier wurde ein zweistöckiger Observationsturm gebaut, der auf beiden Stockwerken rundum verglast ist. Direkt an das Gebäude grenzt eine Wasserstelle, sodass man die Tiere aus wenigen Metern Entfernung auf Augenhöhe beim Trinken beobachten kann. Hier sehen wir neben Zebras auch große Oryxgruppen, deren lange Hörner aus der Nähe betrachtet noch beeindruckender aussehen.

    Nach einem langen Fahrttag mit vielen Tiersichtungen kommen wir kurz vor Sonnenuntergang am Halali Campingplatz an. Das Wort stammt aus der deutschen Jägersprache und bedeutet eigentlich, dass das Tier in die Enge getrieben und die Hetzjagd daher beendet ist. Im Etosha soll es aber bedeuten, dass die Jagd auf die Wildtiere im Nationalpark ein und für alle Mal beendet ist und die Tiere nun sicher sind. Der Campingplatz ist anders als alle anderen, die wir im menschenleeren Namibia bisher kennengelernt haben: Platzverhältnisse wie auf deutschen Campingplätzen herrschen, eine aufgedrehte Stimmung liegt in der Luft, überall wird laut geredet und gescherzt. Ungewohnt, aber doch schön. Das besondere an diesem Campingplatz: es gibt ein Wasserloch, das nachts mit rotem Licht beschienen wird, sodass auch nachts Tierbeobachtungen möglich sind.

    Wir folgen dem gewundenen, magisch beleuchteten Pfad zum Wasserloch und sind geflasht: von einem kleinen natürlichen Amphitheater aus blicken wir auf zwei Elefanten und - ein Nashorn!! Toll, das scheue Tier zu beobachten, wir es entspannt trinkt. Es raschelt im Gebüsch, und zwei weitere Nashörner traben ans Wasser. Unglaublich, so viele der seltenen Tiere gleichzeitig zu sehen! Als ein viertes in den Lichtkegel tritt, scheint sich die Stimmung zu ändern: es folgen Drohgebärden und Scheinangriffe, aber am Ende dürfen alle trinken. Ganz beseelt gehen wir schlafen.
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