• Der Gendarm von Verdon

    July 15 in France ⋅ ☀️ 33 °C

    Der heutige Tag stand im Zeichen der Autofahrererei. Bei den Kurven und Temperaturen gilt einmal mehr der Respekt Sina und Finya, obwohl es den beiden dabei nicht immer gut geht. Aber es treiben uns eben alltägliche, fahrerische und kommunikative Themen um. Wir starten in Cagnes sur mer pünktlich bei voller Hitze und direkt mit Stau. Erstes Ziel wird Grasse sein. Für die belesenen Mitleser (Lustiges Wortspiel), da wohnte Jean-Baptiste Grenouille in der Parfumstadt. Allerdings fahren wir nur durch. auf die Route Napoleon. Das ist eine landschaftliche reizvolle Strecke. Geschichtlich ist es der Weg, den eben jener Napoleon Bonaparte nahm, um von seinem Exil auf der Insel Elba kommend zu seiner Herrschaft der 100 Tage auf Paris zu marschieren. Unterwegs lief die Armee zu ihm über. Legendär ist, dass die Soldaten sich geweigert haben sollen auf ihren Kaiser zu schießen, eben hier, entlang dieser Route. Uns treibt derweil die Sorge um, wie wir den Tank vollkriegen. Von der Batterie reden wir nicht mehr. Keine Chance. Am Supermarkt finden wir eine Tankstelle. Das nutzen die beiden jungen Mitfahrer, um im Markt nach "Snackers" zu suchen. Die werden gefunden. Kasse dauert, da auch Franzosenrentner Rentnersachen machen, zum Beispiel bar bezahlen oder mit Scheck (???!!!). Vorher stehen die Teenager fassungslos vorm Kuchenregal und meinen "guck ma, ein halber Meter Kuchen". Unterbrochen von den Fotostops erreichen wir, inzwischen nachmittags, das Dorf Castellane an der Verdon. Pretty - meint Sina. Etwas hölzern noch unternehme ich erste Flugversuche mit der neuen Drohne. Pretty - sag auch ich. Das Dörflein ist nett aber auch touristisch, da hier die Kayak- bzw. Raftingtouren beginnen. Dennoch finden wir ein Lokal, in dem wir sehr herzlich von einer burschikosen Kellnerin trotz Küchenschluss noch Pizza bekommen. In Frankreich! Dann geht es in die landschaftlich spektakuläre Verdon-Schlucht. Sina, bis vor 2 Wochen noch Geschichts-Leistungskurs, fragt tatsächlich, ob hier mal eine wichtige Schlacht war. Nee! Aber wir bekommen gleich unseren Kampf - mit dem französischen Gesetz bzw. dessen Auslegung durch den Gendarm von Verdon.
    "Fahr mal hier kurz ran, muss Foto machen". So meine geliebte Katrin. Ja klar, ich stelle mich in die Bushaltestelle, ganz ans Ende. Finya bleibt im Wagen. Als wir vom Fotoshooting wiederkehren, sehen wir zwei finstere Gestalten mit Motorrädern ums Auto schleichen. Parallel ruft Finya an: "Äh, hier sind zwei so Typen, das sind, glaub ich, Polizisten". Freilich, hier im Nirgendwo fahren die Herren Streife um Touristen abzufetten. Und es regt mich schon jetzt auf. Ohne auch nur Hallo zu sagen, bellt mich dieser französische Halbfinalverlierer an: "Driving License!". Da war bei mir schon vorbei. Ness direkt auf Krawall gebürstet und hätte ihm gern gesagt, was er mich alles kann. Ich bezweifel aber, dass das als Ironie durchgegangen wäre. Die Herrn prüfen die Unterlagen, aber wir sind der festen Überzeugung, wesentlicher Ausgangspunkt war unser Nummernschild. Nochmal, grad in Frankreich und Italien werden Verkehrsregeln eher als Empfehlung betrachtet, aber heute und hier natürlich, nehmen wir das alles ganz genau. Dann sagt dieser Lump, dass er jetzt meine Kreditkarte braucht, wegen der 135 Euro. Leute, ich habe den blauen Vogel angefaucht, ob er sich noch sieht. Später hat eine Recherche ergeben, dass man das durchaus auch mit 35 Euro hätte ahnden können. Dann hätte ich Pierre und Francois noch auf einen Espresso eingeladen. Aber nein: Besonders schwere Behinderung an der Bushaltestelle in den Bergen, wo am Tag zwei Busse kommen. Katrin mahnte mich nachhaltig zur Ruhe. Wenn dieser freche Lurch wüsste, dass ich gestern noch Macron die Hand geschüttelt habe - Fast!
    Die ersten Meter danach fahre ich wohl etwas ruppiger, bescheinigen mir Finya und ihr Magen. Sorry! Danach genießen wir die Fahrt trotzdem. Irgendwann wird es wieder bewohnter. Kreisverkehre statt Bushaltestellen tauchen plötzlich auf. Sie lauern, wie Sina meint. Schließlich kommen wir in die Nähe unseres Ziels Saint Pantaleon zwischen Goult und Gordes. Aber nicht, bevor wir nicht auch den Reiz der Provence etwas schnuppern konnten. Sonnenblumen- und Lavendelfelder. Leider sind wir für so richtig lila Lavendel in diesem heißen und zeitigem Sommer etwas spät dran. Aber so ein bissl was finden wir doch!
    Das neue Urlaubshaus ist toll und hat vor allem eines: Klimageräte! Bevor es um 10 noch die obligatorischen Sina-Abend-Nudeln gibt, fährt Sina mit der Karre, Finya und mir los, um im etwas überteuerten Dorfladen von Gordes das Nötigste zu besorgen. Dann haben wir eine kleine und unvorhergesehene Eskalation. Die Gegend scheint Finyas Geschmack an Landschaft voll zu treffen. Sie ist begeistert und findet es hier "soooo krank schön" - die Dörfer, die Blumenwiese, die Landschaft.
    "Und wenn ich einen Freund hab, der nicht so weit weg wohnt, dann schnapp ich mir den, fahre hier hin und von einem Dorfzipfel gucken wir den Sonnenuntergang an".
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