• Himarë

    July 20 in Albania ⋅ 🌙 27 °C

    Nachdem wir am Vorabend noch bis spät in die Nacht Pläne geschmiedet hatten, wie wir unser Auto wieder fit bekommen könnten, begann der Tag überraschend entspannt. Zum ersten Mal auf dieser Reise wurde ich morgens in der Hängematte mit Frühstück am „Bett“ verwöhnt. In Kombination mit der fantastischen Aussicht auf das Flussdelta hätte der Tag kaum besser starten können.

    Während wir unseren Kaffee genossen, statteten uns noch einige streunende Katzen einen Besuch ab. Tilmann war natürlich sofort begeistert und musste nur mit großer Mühe davon abgehalten werden, spontan eine davon zu adoptieren. Meine Argumentation war dabei denkbar einfach: Wenn ich keinen Hund adoptieren durfte, durfte er auch keine Katze mitnehmen. Fair ist fair.

    Nach einem kurzen Waschbad in einem natürlichen Wasserbecken machten wir uns auf den Weg zum Teilehändler. Dort wartete bereits die erste positive Überraschung auf uns. Die benötigten Teile lagen schon bereit, ein neuer Tacho und ein Stecker für das Mengenregelventil waren schnell organisiert und eingebaut. Zum ersten Mal seit Tagen sah alles nach einer echten Erfolgsgeschichte aus.

    Dann ging es ins Lager. Und was für eins. Es fühlte sich an, als hätte dort jemand sämtliche Mercedes-Ersatzteile der frühen 2000er-Jahre gesammelt. Motoren stapelten sich bis unter das Dach, Regale voller Achsen, Verkleidungen, Kabelbäume und alles, was man sich vorstellen konnte. Für uns war das praktisch das Schlaraffenland für Pannengeplagte. Alles, was direkt vor Ort eingebaut werden konnte, wurde kurzerhand montiert. Den neuen Federbalg nahmen wir erstmal mit, der sollte zu einem späteren Zeitpunkt seinen großen Auftritt bekommen.

    Mit wiedergewonnener Zuversicht ging es anschließend nach Himarë. Zum ersten Mal seit längerer Zeit konnten wir entspannt essen und trinken, ohne dabei über Werkzeuge, Fehlermeldungen oder Ersatzteile nachdenken zu müssen. Besonders auffällig war die große Zahl an „Lennys“, unserem Teddybär-Maskottchen, die uns überall begegneten. Natürlich durfte auch ein Eis bei einem der berühmten Eismänner nicht fehlen. Dieser versuchte erwartungsgemäß auch bei Tilmann seine bekannte Show abzuziehen, was mindestens genauso unterhaltsam war wie das Eis selbst.

    Am Nachmittag zog es uns an eine der versteckten Buchten zum Klippenspringen. Bereits der Weg hinunter zum Wasser war ein kleines Abenteuer. Ich musste Tilmann mehrfach davon abhalten, spontan irgendeine Felswand hinunterzuspringen, nur um schneller unten anzukommen. Die Mühe lohnte sich jedoch. Die Bucht war traumhaft und das Springen von den Felsen sicherlich eines der Highlights des Tages.

    Zum Sonnenuntergang machten wir uns schließlich auf den Weg zu unserem Nachtlager. Natürlich lag dieses auf einer Anhöhe irgendwo im Nirgendwo, nahe eines Funkturms und erreichbar über den letzten verbliebenen Feldweg Albaniens. Kaum angekommen, begann die nächste Schraubersession. Schließlich hatte der Tag bis dahin viel zu wenig Öl, Werkzeug und Improvisation enthalten.

    Und natürlich ging wieder etwas schief.

    Die Idee, einen ziemlich krumpeligen Wagenheber ohne vernünftigen Seitenhalt für die Reparatur zu verwenden, erwies sich als exakt so gut, wie sie sich anhört. Mit einem lauten Krachen rutschte der Wagen vom Heber und fiel herunter. Für einen kurzen Moment blieb uns fast das Herz stehen. Glücklicherweise wurde dabei nichts weiter beschädigt und niemand verletzt. Trotzdem war das ein deutlicher Hinweis darauf, dass selbst erfolgreiche Schraubertage auf einer Balkan-Rallye nie wirklich langweilig werden.

    Doch am Ende bekamen wir den Federbalg tatsächlich eingebaut. Nach einigen Versuchen, einer guten Portion Improvisation und vielen neuen Erkenntnissen saß schließlich alles dort, wo es hingehörte. Wir haben dabei nicht nur unser Auto repariert, sondern auch gelernt, wie man einen Federbalg richtig einbaut. Hoffentlich hält er dieses Mal deutlich länger als sein Vorgänger.

    Als wir schließlich unsere Werkzeuge zusammenpackten und auf den Tag zurückblickten, konnten wir zufrieden sein. Zwischen Frühstück in der Hängematte, Ersatzteilsuche, Mercedes-Paradies, Eis, Klippenspringen und erfolgreicher Schrauberei war der 20. Juli einer dieser Rallyetage, an denen einfach alles dabei war.
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