Adelsberg
July 25 in Slovenia ⋅ ⛅ 14 °C
Unser letztes Lager schlagen wir tief in den Wäldern Sloweniens auf. Irgendwo zwischen Bäumen, Bergen und dem Gefühl, dass diese Reise eigentlich niemals enden sollte, verbringen wir die letzte Nacht der Rallye.
Am Morgen wartet noch ein Highlight, das schon lange auf meiner Liste steht: die berühmte Postojnska Jama.
Nachdem mich die Tropfsteinhöhle auf Krk im vergangenen Jahr eher enttäuscht hatte, sind meine Erwartungen gedämpft. Doch schon nach den ersten Minuten wird klar, dass dieser Ort eine ganz andere Liga ist.
Mit der kleinen Höhlenbahn fahren wir tief ins Innere des Berges. Während die Temperatur spürbar sinkt, öffnen sich vor uns immer größere Hallen und gigantische Dome. Die Wege verlaufen über mehrere Ebenen durch das Höhlensystem und hinter jeder Kurve wartet die nächste beeindruckende Felsformation.
Unsere Touristenführerin gibt alles, um uns die Entstehungsgeschichte und die Besonderheiten der Höhle näherzubringen. Zusammen mit der hervorragend inszenierten Beleuchtung entsteht eine fast surreale Atmosphäre. Besonders spannend ist es zu sehen, wie sich die touristische Erschließung der Höhle über die Jahrzehnte entwickelt hat. Immer wieder kreuzen alte Wege und historische Bereiche die moderne Besucherroute.
Ein wirklich würdiger Abschluss unserer Balkanreise.
Doch natürlich wäre es keine Pothole Rodeo Rallye, wenn anschließend alles nach Plan laufen würde.
Der Rückweg nach Deutschland ist lang. Irgendwann entsteht die Idee, noch kurz über Salzburg zu fahren. Dort liegt schließlich der City-Klettersteig, an dem ich schon mit vielen Freunden unterwegs war.
Ein letzter kleiner Abstecher.
Eine vernünftige Idee also.
Genau deshalb wird sie verworfen.
Aus irgendeiner spontanen Schnapsidee entwickelt sich stattdessen recht schnell ein:
„Ey, lass uns heute Abend noch feiern gehen.“
Meine Begeisterung hält sich dabei ehrlich gesagt in Grenzen.
Doch ich werde demokratisch überstimmt.
Also wird noch einmal versucht, die letzten Reste äußerer Präsentabilität aus uns herauszukratzen. Bei den anderen gelingt das sogar einigermaßen. Bei mir dagegen war nach den vergangenen Tagen ohnehin nichts mehr zu retten.
Nach einer gefühlten Ewigkeit Parkplatzsuche stehen wir schließlich vor dem Club.
Danny und Tilmann gehen völlig in ihrem Element auf.
Ich dagegen betrachte den Abend eher als anthropologische Feldstudie. Nach zwei Wochen Balkanrallye fühlt sich ein voller Club ohnehin an wie eine andere Welt. Während die beiden feiern, versuche ich vor allem zu überleben und das Ganze als soziales Experiment zu betrachten.
Am Ende müssen wir den Laden irgendwann verlassen.
Natürlich nur aus einem einzigen Grund:
Es wollten einfach zu viele Frauen mit Danny sprechen.
Zumindest wird uns das später so verkauft.
Augenzwinker.
Irgendwann in der Nacht wird mir klar, dass ich keine Lust mehr auf eine weitere Übernachtung habe. Also setze ich mich hinters Steuer und fahre los.
Während die Jungs schlafen, ziehe ich Kilometer um Kilometer Richtung Heimat herunter. Die Straßen werden vertrauter, die Tankstellen sehen wieder deutsch aus und langsam kommt dieses seltsame Gefühl auf, dass das Abenteuer nun wirklich vorbei ist.
Kurz vor Leipzig übernimmt Tilmann den letzten Abschnitt.
Dann ist es geschafft.
Wir kommen an.
Auf Tilmann warten bereits Frau und Kind.
Nach all den Kilometern, den Pannen, den Feldwegen, den Bergpässen, den Schrauberaktionen und den Geschichten wirkt dieser Moment fast unwirklich normal.
Wir verabschieden uns voneinander.
Von einer Rallye.
Von einem Abenteuer.
Von unzähligen Geschichten.
Der Mercedes rollt in Tilmanns Werkstatt. Bald wird er erst einmal abgemeldet und bekommt die wohlverdiente Ruhepause.
Bis zum nächsten Rodeo.
Denn seien wir ehrlich:
Niemand glaubt wirklich, dass das sein letzter Einsatz war.
Und während jeder langsam wieder in seinen Alltag zurückkehrt, bleibt dieses merkwürdige Gefühl, das wahrscheinlich jeder nach so einer Reise kennt.
Zwei Wochen lang bestand das Leben aus Bergen, Grenzen, Pannen, Wildcamping, verrückten Ideen und Menschen, die morgens noch Fremde waren und abends Freunde.
Und plötzlich sitzt man wieder zu Hause.
Versucht E-Mails zu beantworten.
Wäsche zu waschen.
Normal zu sein.
Während ein Teil von einem immer noch irgendwo auf einem Feldweg im Balkan unterwegs ist.Read more


























