Željava
July 24 in Croatia ⋅ ⛅ 21 °C
Eigentlich ist die Rallye vorbei.
Eigentlich.
Denn nur weil die Wertung beendet ist, heißt das noch lange nicht, dass wir plötzlich vernünftig werden. Auch wenn unser Motor inzwischen eher eine Empfehlung als eine Garantie für Fortbewegung darstellt, wollen wir auf dem Heimweg natürlich noch etwas erleben.
Also machen wir kurz hinter der kroatischen Grenze Halt an einem Ort, der für viele Rallyefahrer, Biker und Lost-Place-Fans fast schon Kultstatus hat: der Željava Air Base.
Vorher geht es allerdings noch ins legendäre Bikercafé direkt davor. Schon beim Betreten wird klar, dass man hier nicht einfach nur einen Kaffee trinkt. Überall kleben Aufkleber, Patches und Erinnerungen von Besuchern aus aller Welt. Motorradfahrer, Abenteurer und Rallyeteams haben ihre Spuren hinterlassen. Die Wände erzählen Geschichten von Reisen, die teilweise wahrscheinlich genauso verrückt waren wie unsere.
Fast schon ein Kunstwerk.
Die Air Base selbst ist für mich zwar kein unbekannter Ort, aber beeindruckend ist sie trotzdem jedes Mal aufs Neue.
Natürlich fahren wir nicht einfach hinein.
Wir fahren mit dem Mercedes hinein.
Ein kleiner Drift um die Kurve, Reifenquietschen inklusive, dann das obligatorische Foto.
Damit dürfte für jeden Besucher sofort klar gewesen sein, dass wir angekommen sind.
Anschließend geht es tiefer hinein in die Anlage.
Und mit jedem Meter wird einem bewusst, wie gewaltig dieser Ort eigentlich ist.
Eine komplette Luftwaffenbasis in einem Berg.
Endlose Tunnel verschwinden in absoluter Dunkelheit. Überall nagt der Verfall an den alten Anlagen. Aus den Wänden ragen verbogene Metallteile, rostige Konstruktionen werfen bizarre Schatten und man kann sich nur schwer vorstellen, wie geschäftig es hier einmal gewesen sein muss.
Tilmann macht sich zu Fuß auf Entdeckungstour.
Danny und ich wählen die deutlich weniger historische Variante.
Wir erkunden die Anlage mit dem Mercedes.
Die Reifen quietschen durch die Tunnel, der Hall verstärkt jedes Geräusch und für einen Moment fühlen wir uns eher wie in einem Videospiel als in einem ehemaligen Militärkomplex.
Und ehrlich gesagt:
Es macht einfach einen Heidenspaß.
Danach geht es weiter zum geheimen Ziel der Rallye.
Kurz vorher nimmt die Geschichte allerdings noch einmal eine unerwartete Wendung. Wie in einem schlechten Thriller wird der Zielort kurzfristig geändert. Auf dem ursprünglich geplanten Gelände liegt plötzlich Bauschutt, sodass spontan umdisponiert werden muss.
Die neue Location:
Eine Go-Kart-Bahn.
Und das Beste daran?
Wir dürfen mit unseren Rallyeautos auf die Strecke.
Was für eine geniale Idee.
Also jagen wir den Mercedes über den Asphalt und hinterlassen einen bleibenden Eindruck. Permanent quietschende Reifen, jede Kurve etwas ambitionierter als nötig und vermutlich deutlich mehr Enthusiasmus als fahrerisches Talent.
Aber genau dafür sind solche Momente da.
Auf den Videos später habe ich jedenfalls niemanden gefunden, der seine Reifen so zum Singen gebracht hat wie wir.
Zum Glück wiederholt sich dabei auch nicht das Ereignis vom Vorjahr, als Ben und ich hier unterwegs waren und ein Reifen beschlossen hatte, sich beinahe selbstständig zu machen.
Man lernt ja schließlich dazu.
Meistens zumindest.
Am Abend beginnt dann endgültig die Rückreise Richtung Deutschland.
Mit Slowenien als erstem Zwischenziel verlassen wir langsam den Balkan.
Kurz vor Rijeka halte ich noch einmal inne.
Zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres endet hier für mich eine völlig verrückte Reise.
Zum zweiten Mal blicke ich auf diese Küste hinaus und denke darüber nach, was alles passiert ist.
Die Pannen.
Die Nächte im Nirgendwo.
Die Offroad-Strecken.
Die Menschen.
Die Geschichten.
Und vor allem die Freundschaften.
Es ist irgendwie seltsam.
Man fährt los, um Länder zu sehen.
Und am Ende sind es oft die Menschen, die bleiben.
Irgendwo zwischen einem kaputten Federbalg, einer Air Base im Berg, wildem Schrauben bis tief in die Nacht und tausenden Kilometern quer durch den Balkan sind aus Fremden Freunde geworden.
Zum zweiten Mal.
Und vielleicht ist genau das der eigentliche Grund, warum man immer wieder auf solche Touren fährt.
Nicht wegen der Straßen.
Nicht wegen der Autos.
Sondern wegen der Menschen, die man unterwegs kennenlernt.Read more














