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  • Day127

    Mach et yut, alte Dame!

    September 12, 2018 in Canada ⋅ ⛅ 20 °C

    Der Tag unseres Abschieds rückte immer näher und es blieben noch ein paar Dinge zu erledigen bevor es in den Flieger Richtung Deutschland ging. Das beinhaltete vor allem alle die organisatorischen Dinge, die wir zu Beginn unserer Reise abwickeln mussten, wieder rückgängig zu machen. Wir mussten also unsere Autoversicherung kündigen, das Bankkonto schließen und.. ja.. wir mussten uns wieder von unserer Hilde trennen. Keiner von uns Beiden hatte jemals zuvor ein eigenes Auto besessen und wir müssen zugeben, dass wir es unwahrscheinlich genossen haben, derart selbstständig unterwegs zu sein, vor allem in Ländern wie den USA und Kanada.
    Wir waren ja schon super froh, dass uns die gute Hilde 17000 km sicher durch Nordamerika getragen und trotz ihrer vielen kleinen Handicaps bis zum Ende durchgehalten hatte. Dennoch waren wir nach wie vor der Meinung unsere treue Begleiterin sei noch viel zu sehr in Schuss, um sie in den ewigen Ruhestand zu schicken. Daher versuchten wir wirklich alles einen neuen Besitzer für sie zu finden, der ihr solides Fahrgestell, ihre einfache unkomplizierte Art und ihren rustikalen Charme zu schätzen wusste und bereit war ein wenig Geld in die Hand zu nehmen, um die kleinen Wehwehchen auszubessern. Unser großes Problem war wieder einmal die Provinz Ontario, dessen komplizierte und teuren Richtlinien die meisten Traveller ohnehin von einem Kauf in dieser Provinz abhält und die zudem bei jedem Autokauf einen Sicherheitscheck verlangt. Hätten wir das Auto in jeder anderen Provinz gekauft und dort auch wieder verkauft wäre das nicht nötig gewesen. Es war nahezu ausgeschlossen, dass Hilde den Sicherheitscheck mit den vielen kleinen Baustellen bestehen würde. Das bestätigte uns auch nochmal Beates Mechaniker. Nachdem auch der letzte Bewerber im Rennen um Hilde schließlich ausgeschieden war, entschieden wir uns schweren Herzens dafür, sie dem Autohospiz zu übergeben und sie in ihren wohlverdienten ewigen Ruhestand zu entlassen. Sie hat wirklich unglaubliches geleistet und den Kontinent mehr als einmal durchquert. Sie hat uns getragen, geschützt und geborgen. Sie hat uns einen Platz zum Schlafen, zum Essen, zum Lachen, einen Platz zum Leben gegeben. Sie hat uns begleitet, auf einer wundervollen Reise durch zwei wunderschöne Länder. Sie hat uns eine Zeit ermöglicht, die uns niemand mehr nehmen kann. Ruhe in Frieden, liebe Hilde.
    Wir haben ihre Organe und alles was noch verwendbar ist, zur Organspende freigegeben. Auf das zumindest ein Teil von ihr, ihre lange Reise fortsetzen kann.
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