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- Day 9
- Monday, September 15, 2025 at 1:57 PM
- ☁️ 29 °C
- Altitude: 33 m
South KoreaSeoul37°33’43” N 126°59’36” E
Die erste Zeit in Seoul (2)
September 15 in South Korea ⋅ ☁️ 29 °C
Seoul (2)
Arnd:
Von unserem Airbnb aus waren wir im Nationalmuseum, haben uns zwei Verkehrsprojekte angeschaut, die die Lebensqualität in der Stadt verbessern, waren in der Einkaufsmeile in Insadong, haben das Kunstgewerbemuseum und das Museum für moderne Kunst besucht und haben uns den Sommerpalast Changdeokgung angeschaut. Hea-Jee hatte auch noch wichtige Termine.
Nationalmuseum:
Das Nationalmuseum war bei meinem letzten Besuch in Korea vor 15 Jahren ziemlich neu. Es ist ein ziemlich großes modernes Gebäude mit einem spektakulären Durchblick. Je nachdem wo man schaut, sieht man den Himmel oder den Namsan-Berg mit dem Fernsehturm.
Innen wird die Geschichte Koreas anhand vieler Objekte nachgezeichnet. Auch die Beziehungen zu anderen Ländern in Ostasien, über die Seidenstraße und nach Indien kommen vor. Daneben werden bestimmte Kunstrichtungen, wie Buddhistische Statuen, gezeigt. Als Beispiel hier ein Essbesteck aus dem 12. Jhdt.
Fußgängerüberführung am Hauptbahnhof:
Parallel zum Hauptbahnhof, direkt vor dem Eingang, verlief eine Straße, die wie so viele Straßen in Seoul sehr breit war. Ich weiß es nicht, aber es können durchaus 10 oder 12 Spuren gewesen sein. Ich bin dort früher oft mit dem Bus langgefahren. Vermutlich um den Verkehrsfluss zu verbessern, hatte man für eine kreuzende Straße vor langer Zeit eine Überführung gebaut.
Die breite Straße vor dem Bahnhof ist zwar immer noch da, der Platz wurde nicht den Fußgängern übergeben, aber die Zahl der Spuren hat man drastisch reduziert und den frei gewordenen Platz für andere Verkehrsaufgaben genutzt.
Mit dem so deutlich reduzierten Autoverkehr konnte man wohl die Kreuzung für die Autos wieder ebenerdig gestalten. Die ehemalige Autoüberführung wurde in eine Fußgängerüberführung umgestaltet, und zwar so, daß es fast ein Erlebnispark geworden ist. Es gibt mehrere kleine Gebäude, mit einem Klavier für jedermann, geheizten Räumen mit frei nutzbaren Arbeitsplätzen, einer kleinen Bibliothek, einer regelrechten Botanikausstellung, usw.
Insadong:
Insadong ist ein Stadtteil. Darin gibt es eine Einkaufsstraße, die für Touristen besonders interessant ist. Dort gibt es Kunst, Kunsthandwerk und die zugehörigen Bedarfe, aber auch vieles anderes. Dazwischen einige Restaurants, wie überall im öffentlichen Raum. Es gibt so viele Restaurants in Korea, dass man sich fragt, ob es überhaupt noch Koreaner gibt, die selbst kochen. Doch, die gibt es auch noch.
Cheonggyecheon:
Cheonggyecheon war früher die autofreundlichste und für Fußgänger hässlichste große Straße in Seoul. Es gab eine auf Stelzen geführte zweite Straße mit geschwungenen Auf- und Abfahrten für kreuzungsfreies fahren. Mitten in der Stadt.
Das wurde in den 1960er Jahren gebaut und war damals sicher der Inbegriff von Fortschritt. Ich habe es bei meinen ersten Besuchen vor 40 Jahren geliebt, weil es dort viele kleine Geschäfte mit Werkzeugen gab, die ich zuhause nicht kaufen konnte.
Irgendwann wurde die Konstruktion aber wohl baufällig und es gab wohl auch den Wunsch nach Verschönerung. Was man dann in den 2000er Jahren gemacht hat, ist durchaus revolutionär und wird heute in „Urbanisten“-Kreisen als zukunftsweisend betrachtet. Man hat nicht nur die obere Ebene komplett beseitigt, sondern auch die untere bis auf einen kleinen Rest Straße reduziert.
Vor dem Bau der Hochstraße war hier ein kleiner Fluss und ein Armutsviertel an dessen Rändern. Heute fließt dort wieder Wasser, etwa 5 Meter tiefer als das Straßenniveau. Rechts und links davon Fußwege und das Ganze begrünt und schön gestaltet. Bei meinem letzten Besuch vor 15 Jahren war es gerade eröffnet und dort war der erste Platz im öffentlichen Raum, an dem man sich hinsetzen konnte (es gibt Sitzmöglichkeiten). Ansonsten war Seoul früher ein Verkehrswüste. Wenn man sich ausruhen wollte, musste man in ein Teehaus gehen, nur dort gab es Sitzplätze. Außerdem ist man neben dem tiefergelegten Fluss vom Autolärm abgeschirmt.
Die Bevölkerung hat das angenommen, es ist immer ein reges Treiben dort, und der Autoverkehr hat nicht, wie befürchtet, die Nebenstraßen verstopft, sondern er ist einfach verschwunden.
Kunstgewerbemuseum:
Direkt am einen Ende der Insadong Einkaufsstraße liegt das noch recht neue Kunstgewerbemuseum. Hier gab es einen Schwerpunkt über die Entwicklung gewisser Handwerkstechniken nach der japanischen Okkupation Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts. Es gab engagierte Leute, die die alten Handwerkstechniken erhalten und über die Generationen weiterreichen wollten. Sie haben auch verloren gegangene Techniken wieder erforscht, wie z.B. die typisch koreanische Seladon-Keramik.
Besonders beeindruckt waren wir von einem neueren Projekt. Eine alte Technik zur Dekoration von Nutzgegenständen ist die Lacktechnik mit Einlagen aus Perlmutt. Man verfügte über eine große Schatulle, die sicher mal in königlichem Umfeld genutzt worden war, und wollte sie rekonstruieren. Zu dem Zweck hat man eine ganze Reihe von erfahrenen Handwerkern zusammengebracht, die gemeinsam dieses Werk vollbracht haben. Angefangen vom Schreiner, über den Lackspezialisten, den Einlagespezialisten hin zum Spezialisten für die ebenfalls eingelassenen Messingteile. Der Vorgang wurde sorgfältig dokumentiert und ist im Museum dargestellt.
Museum für moderne Kunst:
Nicht weit vom Kunstgewerbemuseum, unmittelbar neben dem Gyeongbokgungpalast, dem Haupt-Königspalast, befindet sich das ziemlich große Museum für moderne Kunst, in dem wir uns länger aufgehalten haben. Als Foto hier eine farbenprächtige Installation mit Paravents und ein Gemälde eines älteren, renommierten und sehr speziellen koreanischen Künstlers. Seine Bilder zeigen alle plastisch wirkende Wassertropfen auf verschiedenen Untergründen. Das Museum hat eine größere Sammlung dieser Werke.
Der Sommerpalast Changdeokgung:
Wir wollten einen Palast besuchen und die Architektur bestaunen. Da der Hauptpalast Gyeongbokgung zu der Zeit überlaufen war, sind wir zur Abwechslung in den erst spät errichteten Sommerpalast gegangen, der nur wenige Kilometer östlich des Hauptpalastes liegt. Dazu gehört ein geheimer Garten. Da es leider etwas regnete haben wir darauf aber verzichtet.
In den Palästen und in den Buddhistischen Tempeln kann man die alte koreanische Architektur in ihrer Hochform bewundern. Darum ging es hier. Die Bilder zeigen ein paar Beispiele.
Hea-Jee als VIP:
Die Zerstörung der großen koreanischen Flusslandschaften durch einen ehemaligen Präsidenten (derselbe, der als Seouler Bürgermeister die Cheonggyecheon Umgestaltung verantwortet hat!) liegt nun schon 10 Jahre zurück. Anlässlich des Jubiläums hat sich ein koreanischer Dokumentationsfilmemacher, der schon damals sehr aktiv war, aufgemacht und einen Rückblick produziert, der gerade jetzt gezeigt wurde.
Hea-Jee war damals in dieses Geschehen verwickelt worden und hat lange Zeit intensiv in ihrem Blog darüber berichtet und auch geholfen, Spezialisten aus Deutschland, wie z.B. den Vorsitzenden des BUND, nach Korea zu schicken, die dort Stellung genommen haben.
Dadurch hat sie im Kampf um die Erhaltung der Flüsse eine wichtige Rolle gespielt. Da dieses Jubiläum und der Film zufälligerweise gerade während unserer Anwesenheit stattfanden, wurde sie nochmal in die Öffentlichkeit gezogen, hat ein paar Interviews gegeben und wurde sogar zu einer Veranstaltung das Parlamentspräsidenten eingeladen. Diesen Treffen mit ehemaligen Mitkämpfern verdankten wir auch zwei Einladungen, zum einen in ein wunderschönes Ferienhaus im alten Stil und zu einem Tempelstay im größten buddhistischen Tempel in Korea.Read more























