• 4 weitere Tage in Busan

    October 25 in South Korea ⋅ ☁️ 20 °C

    Arnd:
    Eigentlich wollten wir noch andere Orte in Korea besuchen und vielleicht auch noch etwas Eisenbahn fahren, was man in Korea auch schön machen kann. Aber dann hat hat sich das Ziel unserer Reise für einen Kontrollbesuch angemeldet. Und weil ein 18 Monate altes Kind nicht allein reisen kann, sind Papa und Mama auch mitgekommen. Damit ist der Zweck unserer neuen Art zu Reisen - möglichst ohne zu fliegen - natürlich ad Absurdum geführt. Aber ich darf nicht meckern und Familie geht vor.

    Mit den dreien hatten wir dann zuerst noch ein paar Tage Aufenthalt in Busan und anschließend in Seoul. U.a. Haben wir noch das zweite künstlerisch umgestaltete ehemalige Flüchtlingsviertel besucht. Auf Airbnb fanden wir eine kinderfreundliche Wohnung mit einem Spielgerüst im Wohnzimmer. Finn war begeistert. Sie lag aber hoch oben am Berg. Der nächste Bus direkt ins Tal fuhr eine Parallelstraße weiter unten. Damit die alten Leute nicht so schlimm Treppen steigen müssen, hat die Stadt die untere und die obere Straße mit einer kostenlosen Monorailbahn verbunden, die wie ein Aufzug bedient wird, Beim Aussteigen müssen größere Menschen allerdings den Kopf einziehen, was ich einmal schmerzhaft erfahren musste.

    Hea-Jee:
    Unsere Tochter, die in Deutschland aufgewachsen ist, liebt Korea sehr und ist stolz auf das Land ihrer Mutter. Sie wollte ihrem Mann, der Korea zum ersten Mal erleben würde, sicherlich die schönen Seiten des Landes zeigen. Und da ihre Mutter gerade in Korea war, schien es die perfekte Gelegenheit zu sein, zu kommen.

    Als unsere Kinder klein waren, hatten wir nicht viel Geld. Wir wollten sie zudem sparsam und bescheiden erziehen, und so konnten wir ihnen nicht alles geben, was sie sich wünschten. Selbst auf unseren damaligen Familienreisen nach Korea haben wir ihnen nicht jeden Wunsch erfüllt und nicht alles gekauft, was sie sich wünschten. Obwohl sie sich nicht beschwerten, blieb mir diese Erinnerung als leises Gefühl des Mangels im Herzen. Ich hätte ihnen mehr geben können… Deshalb träumte ich davon, eines Tages genug Geld zu haben, um mit meinen Kindern in Korea einmal nach Herzenslust genießen zu können.

    Dieser Traum ist tatsächlich Wirklichkeit geworden. Und da sich auch unsere Tochter so sehr danach sehnte, wollte ich unseren Überzeugungen zuliebe nicht alles andere opfern.

    Außerdem glauben wir fest daran, dass Überzeugungen etwas sind, das man für sich selbst wahrt – nicht etwas, das man anderen aufzwingt. Besonders nicht den eigenen Kindern. Wenn unsere Überzeugungen und die Interessen anderer aufeinandertreffen, haben wir zwar das Recht, bei unserer Haltung zu bleiben. Aber wenn der „Hebel“ in unserer Hand liegt, dann ist Nachsicht oft die schönere Haltung.

    Wie sehr Arnd innerlich mit all dem einverstanden war, weiß ich nicht. Doch als feststand, dass die Kinder kommen würden, bereitete Arnd alles mit großem Einsatz vor – und gab Geld aus, als wäre es Wasser, nur um das Wohl und die Bequemlichkeit unseres Enkelkindes Finn zu sichern. Einen besseren Großvater kann man sich kaum vorstellen.
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