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- Day 53
- Wednesday, October 29, 2025 at 11:22 AM
- ☀️ 12 °C
- Altitude: 346 m
South KoreaMungyeong36°40’4” N 127°57’15” E
2 Tage in Munkyoung - Jungto Society
October 29 in South Korea ⋅ ☀️ 12 °C
Hea-Jee:
Im letzten Frühling, als in Deutschland das „Retreat zur Erleuchtung“ von Jungto-Society stattfand, nahm ich als ehrenamtliche Helferin teil und traf die Dharma-Lehrerin Seunju. Damals sprachen wir über energiesparende Lebensgewohnheiten. Als ich erzählte, dass mein Mann – ein Umweltfanatiker – zu Hause alle Optionen berechnet und mir die Zahlen liefert, sodass ich ohne viel Nachdenken umweltfreundlich lebe, lud die Lehrerin Arnd in das Jungto Zentrum in Mungyeong ein.
Wir fuhren einen Tag früher als unsere Kinder von Busan ab, um das Jungto-Zentrum in Mungyeong zu besuchen. Neben dem Busbahnhof von Jeomchon übernachteten wir in einer Pension. Sie kostete 60.000 Won pro Nacht, aber da das Zimmer einen Massagesessel hatte, zahlten wir 5.000 Won extra. Kaum waren wir im Zimmer, setzte ich mich sofort auf den Massagesessel. Es war angenehm und schmerzhaft zugleich – irgendwie wunderbar und unheimlich. Am nächsten Morgen fühlte ich mich etwas benommen. Ich empfahl ihn auch Arnd, aber er zeigte keinerlei Interesse.
Am ersten Tag besichtigten wir den Mungyeong Saejae (Mungyeong-Pass) und das Yongchu-Tal. Leider war das Laub noch nicht verfärbt, aber die Landschaft war wunderschön. Da es im Mungyeong-Pass ein Filmset gibt, schauten wir kurz hinein. Es war besser gemacht, als wir erwartet hatten, also blieben wir länger dort. Wir stellten uns vor, dass die Straße von Gwanghwamun früher vielleicht so ausgesehen hatte.
Bevor wir Mungyeong Saejae verließen, aßen wir einen heißen Eintopf mit viel Pilzen und Weich-Tofu – Arnds Lieblingsgericht. Im Ausland hatte ich nur seidig glatten Weichtofu gesehen, aber dieser war so weich und flockig. Das Essen war wirklich köstlich, wahrscheinlich weil alle Zutaten so frisch waren.
Das Yongchu-Tal war nicht tief, aber das Wasser schlängelte sich über sehr breite, flache Felsen – das sah besonders aus. Die Felsen dort bestehen vermutlich aus sehr hartem Granit, härter als der Stein in den Alpen, und deshalb hat sich wohl diese Form gebildet. Hin und wieder sah man schon einzelne rote Blätter. In zwei Wochen wird das ganze Tal bunt leuchten.
Am nächsten Morgen frühstückten wir in einer Bäckerei mit gutem Kaffee und holten die am Vortag bestellten, plastikfrei verpackten Brote als Mitbringsel ab. Dann hatten wir Glück – wir bekamen eine Mitfahrgelegenheit direkt ins Jungto-Zentrum in Mungyeong. Dharma-Freundin Sunhee, die aus Deutschland zurückgekehrt war, begrüßte uns herzlich. Während wir sie in Deutschland sehnsüchtig erwarten, schien sie hier sehr zufrieden – ihr Gesicht wirkte so klar und entspannt. Wir hatten etwas Zeit, also gingen wir über das ganze Gelände und ich erklärte Arnd alles.
Ein großer, alter Kakibaum stand dort, voller reifer, roter Früchte. Ich dachte: „So hoch hängen die – die kann kein Mensch pflücken.“ Da kam ein junger Praktizierender und reichte mir eine makellos reife Frucht. Ich trug diese weiche, fast platzende Kaki den ganzen Tag in der Hand und aß ihn schließlich im Bus nach Seoul – allein, ohne Arnd etwas abzugeben, samt Schale, nur den Stiel ließ ich übrig.
Beim Treffen eröffnete Arnd die Gesprächsrunde mit folgender Vorstellung: „Mit siebzehn, als ich noch Schüler war, las ich das Buch Die Grenzen des Wachstums, geschrieben von MIT-Professoren. Es erklärt, dass es nur eine bestimmte Menge an Ressourcen gibt, die die Menschheit jedes Jahr nutzen darf, um dauerhaft auf der Erde leben zu können. Heute verbrauchen wir das Drei- bis Vierfache dieser Menge – ein Weg in den Untergang. Damals, vor Jahrzehnten, war es gerade noch ausgeglichen. Doch die meisten Menschen verbrauchen weniger als das ihnen zustehende Maß; die reichsten zehn Prozent dagegen weit mehr – deshalb der hohe Durchschnitt. Und zu diesen zehn Prozent gehören auch wir hier. Seitdem ich das Buch gelesen habe, versuche ich, nicht mehr als meinen Anteil zu verbrauchen. Später, im Physikstudium, nutzte ich jede Lerngelegenheit, um zu verstehen, wie man umweltfreundlicher und energiesparender leben kann.“
Danach stellten viele Jungto-Mitglieder Fragen, und das Gespräch verlief lebhaft. Wir erzählten, wie wir das Auto durch das Fahrrad ersetzen, anstelle eines 300-Liter-Vollbads nur mit etwa sieben Litern lauwarmem Wasser duschen, uns die Hände mit kaltem Wasser waschen, im Winter die Heizung auf 18 Grad halten und so waschen, dass kein Bügeln nötig ist. Beim Thema Waschen diskutierten alle, ob Handwäsche oder Waschmaschine energiesparender sei – bis der scharfer Einwand einer Teilnehmerin kam, dass es vom Waschmaschinentyp abhängt. Über Mikroplastik meinte Arnd, dass es keine effektivere Lösung gibt, als den Anteil synthetischer Kleidung zu reduzieren. Auch über Geschirrsterilisation mit UVC-Licht statt kochendem Wasser wurde gesprochen. Wenn Menschen, die wirklich ein Auto brauchen, kleine, leichte Elektroautos fahren und nur mit 40 km/h unterwegs sind, könne der Nutzen eines Autos den Schaden für die Umwelt ausgleichen, meinte er.
Eine Teilnehmerin stellte eine kritische Frage zu unserer Art zu reisen, was Arnd freute. Ob monatelanges Reisen mit Zug, Bus und Schiff statt eines mehrstündigen Flugs wirklich energieeffizient sei, fragte sie. Arnd zitierte Berechnungen eines Wissenschaftlers: Dieselbe Strecke mit Bahn, Bus oder Schiff verbraucht etwa ein Sechstel der Energie eines Fluges. (Er versprach, die genaue Zahl später noch einmal zu prüfen.) Essen und Schlafen unterwegs zähle nicht, meinte er, weil man das zu Hause ja auch tue.
Arnd betonte, dass in unserem Alltag das Erhitzen, besonders von Wasser, am meisten Energie verbraucht, da Wasser eine hohe Wärmekapazität hat. Im Gegensatz dazu kostet das Antreiben eines Motors vergleichsweise wenig Energie. Deshalb sei es effizienter, die Waschmaschine mit kälterem Wasser länger laufen zu lassen, als kurz mit heißem Wasser. Auch beim Abwasch gelte: lieber das Wasser schwächer und länger laufen lassen als stark und kurz – das sei viel wirksamer. (Als ich fragte, wie viel wirksamer genau, meinte er nur, das könne ich leicht selbst ausrechnen. Tss!)
Dieser rechnende Mann sagte sogar, dass der Treibstoff für eine einzige Reise, die unsere Tochter von Australien nach Deutschland und zurück macht, so viel Energie verbraucht wie unsere Heizenergie für vier Jahre. Wann bitte hat er das wieder berechnet? Ich war beunruhigt. Hoffentlich hat er nicht auch noch die Flüge von Ehrw. Pomnyun Sunim mitgerechnet... Wenn er das sagt, werde ich ihn gleich zur Rede stellen!
Arnd mag meine Jungto-Aktivitäten nicht besonders und erwähnt oft, dass unser Meister Pomnyun Sunim viel fliegt. Ich antworte dann, dass die Verdienste, die unser Meister mit seinen Reisen bewirkt, weit größer sind als alles, was Arnd durch das Nichtfliegen erreicht. Die Wirkung des Meisters, der reist, ist exponentiell im Vergleich zu einer einzelnen Person, die viel weißt aber nichts macht.
Außerdem ärgert er sich darüber, dass unser Meister jedes Jahr eine Pilgerreise nach Indien organisiert, an der Hunderte von Menschen teilnehmen und mit dem Flugzeug dorthin fliegen. Doch wer schon einmal an der Pilgerreise der Jungto-Society teilgenommen hat, hat mit eigenen Augen gesehen, wie die Ärmsten in Indien leben, und dabei klar erkannt, was soziale Ungleichheit wirklich bedeutet. Sie werden hautnah erlebt haben, wie bescheiden die Pilgergruppe reist und wie wertvoll die Arbeit ist, die sie mit den so gesparten Kosten in Indien leisten. Wer außerdem erlebt hat, wie die Jungto-Society im Geist der Lehre des Buddha Bildungs-, Armutsbekämpfungs- und medizinische Hilfsprojekte für sie durchführt, wird wohl Dankbarkeit und Erleichterung gespürt haben.
Das Leben eines Jungto-Praktizierenden, der von einer solchen Pilgerreise zurückkehrt, kann danach nicht mehr dasselbe sein. Jedes Mal, wenn er verschwenderisch mit Ressourcen umgeht, wird er sich daran erinnern und innehalten. Betrachtet man diese nachhaltigen Wirkungen, so zeigt sich, dass es letztlich ein Gewinn ist, selbst wenn nicht nur Hunderte, sondern Tausende jedes Jahr nach Indien fliegen. Das ist meine Antwort.
Aber letztlich ist solche Diskussion unfruchtbar, weil es nicht um Logik geht, sondern um Gefühl. Arnd mag es nicht, dass ich die Jungto-Gemeinschaft so sehr liebe, und ich mag es nicht, dass Arnd unseren Meister Pomnyun Sunim kritisiert. Die Jungto-Gemeinschaft ist unser ewiger Ping-Pong.
Zum Glück wechselte Arnd das Thema, und so endete das Treffen ohne öffentliche Ehekabbelei. Wahrscheinlich war ich diejenige, die an diesem Tag am meisten beeindruckt wurde. Ich hatte das Gefühl, Arnd besser kennenzulernen. Jetzt verstand ich, aus welchem Hintergrund seine scharfen Reaktionen bisher kamen. Wie egoistisch musste diese Welt in den Augen eines siebzehnjährigen Jungen erscheinen, der sich zum Lebensziel gesetzt hatte, nicht mehr zu nehmen als das, was ihm gegeben war? Und dieses Gefühl der Ohnmacht spürte er sein ganzes Leben lang.
Obwohl Arnd und ich viel miteinander reden, kennen wir uns doch nicht wirklich. Vielleicht braucht es solche Gesprächsrunden, um einmal ohne Emotionen nur über Inhalte zu sprechen – ohne genervt zu sein, ohne voreilige Schlüsse.
Nach der Runde aßen wir gemeinsam zu Mittag. Als Gäste bekamen wir unsere Portion auf einem Teller, aber die Praktizierenden aßen aus ihren eigenen Buddhaschalen, wuschen und trockneten sie direkt am Platz auf sehr spezielle Weise. Arnd beobachtete das genau und sagte, das gefalle ihm. Wir gingen in die Küche und machten mit beim „Dreistufen-Spülen“, wie es die Retreats-Teilnehmer tun: drei Becken mit Wasser, in denen man nacheinander wäscht und spült. Das erinnerte an traditionelle Spülmethoden in Deutschland, nur dass es hier noch sauberer war – also kein Widerstand von seiner Seite.
Nach Abschluss des Programms bedankten wir uns herzlich für die Gastfreundschaft und verabschiedeten uns. Als wir unser Gepäck im Hotel in Jeomchon abholten und den Bus nach Seoul bestiegen, dachte ich an die Kinder, die schon vorgefahren waren. Noch vor Einbruch der Dunkelheit erreichten wir unser traditionelles Hanok-Gästehaus und trafen sie wieder.Read more






















TravelerThis writing brings me back to the moment when I first fell in love with the way you two live. I’ve been carrying a great deal of fear and uncertainty about my future these days, but reading this has somehow restored a quiet sense of confidence in me.
TravelerOh dear, I love you ❤️