• Tag 156 - Jakarta

    28 listopada 2025, Indonezja ⋅ ☁️ 32 °C

    Arnd:
    Das Schiff hat uns nach Jakarta gebracht. Aber alles, was ich über diese Stadt gehört habe, hat bei mir den Impuls ausgelöst, dort nicht bleiben zu wollen und gleich am nächsten Tag weiter zu fahren. Aber Hea-Jee meinte, einen Tag sollte man sich das doch anschauen. Und das war auch ganz gut.

    Morgens habe ich in der deutschen Zeitung gelesen, dass es in einigen Gegenden in Südostasien große Überschwemmungen mit vielen Opfern gegeben hat. Unter anderem in Südthailand in der Gegend von Hat Yai. Dort sind wir durchgefahren und im Footprint 147/148 habe ich schon über Überschwemmungen dort und eine Warnung im SmartPhone berichtet. Aber dass es so dramatisch wird, haben wir nicht gesehen. Auf der Schiffsreise haben wir davon nichts mit bekommen. Allerdings war morgens auf Deck alles nass. Es hatte also möglicherweise nachts geregnet.

    Für den Aufenthalt in Jakarta habe ich ein Hotel gesucht, das möglichst nah am Bahnhof ist und auch gute Verbindungen zu den Gegenden hat, die man sich vielleicht anschauen möchte.

    Im Museum für Asiatische Zivilisationen in Singapur hatten wir ja eine Ausstellung über Brettspiele gesehen. Die endete mit einem Blick auf aktuelle Spielentwicklungen und zeigte da ein Spiel „Verkehr in Jakarta“. Der soll noch schlimmer sein, als der in Bangkok.

    Ich habe dann gelernt, das man da ein BRT-System nach dem Vorbild von Bogota angelegt hat. BRT steht für Bus Rapid Transit und das große Vorbild solcher Systeme ist das aus Bogota, das extrem erfolgreich war und von den Kosten her auch für ein nicht so reiches Land realisierbar ist.

    Unser Hotel lag ganz in der Nähe zu einer BRT-Station. Die Idee ist, dass die Busse auf eigenen Spuren in der Mitte der Straße, und damit unabhängig vom Autostau fahren und dort die Haltestellen sind, die auch einen gewissen Komfort bieten.

    In der Nähe unseres Hotels sah das System auch so aus. Wir wollten aber nach Norden in die Nähe des Meers fahren, wo das Zentrum der alten Holländischen Stadt liegt. In die Richtung wurde der Zustand der Straße und der der Häuser drum herum immer katastrophaler. Die Straße hatte viele Baustellen und dort hat man die Busspur aufgelöst und Busse und Autos wieder gemischt. Außerdem war der Zustand der Straße so schlecht, das der Bus im Schnitt auch nur 10km/h fahren konnte.

    Aber wir sind angekommen und haben uns an dem alten Platz in alten Kolonialgebäuden zwei Museen angeschaut.

    Man hört ja öfters, dass Jakarta ziemlich schnell im Meer versinkt, so mit etwa 10cm pro Jahr. Das liegt an geologischen Prozessen, daran, dass man das Grundwasser wegpumpt und der Boden zusammensackt und auch daran, dass der Meeresspiegel wegen Klimawandel steigt. Vielleicht ist der schlechte Zustand der Stadt in Meeresnähe ja darauf zurückzuführen.

    Beim fotografieren an der BRT-Station fiel mir auf, dass die Hochhäuser in größerer Entfernung immer unklarer aussehen. Sie liegen im Dunst. Jakarta hat eine extrem dreckige Luft. Meine Nase war auch zeitweise zugeschwollen, ich reagiere da empfindlich.

    Das erste Museum zeigte etwas über die Stadtgeschichte. Angefangen bei den üblichen Faustkeilen und dergleichen, über frühe hinduistisch und später buddhistisch geprägte Kulturen und dann mit mehr Details die Kolonialgeschichte. Dazwischen gab es im Rahmen der maritimen Seidenstraße einen Muslimischen Einfluss durch arabische Händler, der in Java zu einer Islamisierung geführt hat. Hinduismus und Buddhismus haben sich nur auf Bali und Lombok gehalten.

    Die Kolonialisierung begann um 1500 durch die Portugiesen. Ab 1600 haben das dann die Niederländer übernommen. Es gab während des zweiten Weltkriegs, als die Niederlande unter deutscher Besatzung standen, ein Zwischenspiel der Japaner. Aber unmittelbar nach dem Krieg kamen die Niederländer wieder zurück und haben in einem blutigen Krieg fast das ganze Gebiet zurückerobert. Erst 1949 mussten sie aufgrund von Druck seitens der Amerikaner das Land in die Unabhängigkeit entlassen.

    Diesen letzten Teil der Geschichte kenne ich seit ein paar Jahren und es hat mich tief schockiert. Da haben die Niederländer am eigenen Leib bitter erfahren, was es heißt kolonisiert zu sein, u.a. hatten sie dabei auch eine Hungersnot, und kaum ist es vorbei, ziehen sie wieder los und tun anderen genau dasselbe an. Hea-Jee und ich haben dafür nur eine Erklärung gefunden: Rassismus. Es war für sie offensichtlich nicht vergleichbar.

    Zur Feier der Unabhängigkeit haben die Indonesier ein riesiges Denkmal auf einem quadratischen Platz errichtet. Das war zwar in der Nähe unseres Hotels, wir haben aber nicht die Zeit gefunden, dorthin zu gehen. Das Schwarzweiß-Bild hing in unserem Hotel im Frühstückssaal. Es zeigt die Vorstellungen der 50er und 60er-Jahre, wie eine moderne Stadt aussehen sollte. Es gab damals natürlich nicht so viele Autos. Aber an der Breite der Straßen kann man erkennen, dass man im Autoverkehr die Zukunft gesehen hat. Heute sieht der Platz ganz anders aus. Die Autos sind verbannt und das Areal wurde in einen Park verwandelt.

    Das zweite Museum beherbergte eine Sammlung von Schattenspielfiguren. Das ist eine Kultur, Wayang genannt, die wohl ursprünglich aus Indien stammt, sich in Indonesien aber zu hoher Blüte entwickelt hat und bis heute gepflegt wird. Die Figuren sind wirklich beeindruckend.

    Musikalisch begleitet werden solche Aufführungen wohl oft durch ein Gamelanorchester. Das ist ein Orchester, in dem Metall-Schlaginstrumente die Hauptrolle spielen. Das ist eine ganz eigenartige Musik, die nicht unsere westliche Tonskala benutzt und deshalb sehr fremdartig klingt. Auf der Weltausstellung 1889 in Paris war ein solches Gamelanorchester zu erleben. Claude Debussy war davon tief beeindruckt und damit hat diese Musik wohl einen großen Einfluss auf die Entstehung der Impressionistischen Musik gehabt.
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