Tag 157 - Fahrt nach Yogyakarta
29 listopada 2025, Indonezja ⋅ ☁️ 28 °C
Hea-Jee:
Heute warteten wir in der Bahnhofshalle auf den Zug nach Yogyakarta. Als es zehn Uhr wurde, ertönte feierliche Musik, und viele Menschen standen von ihren Sitzen auf. Auch ich erhob mich und blieb stehen, bis die Musik verklungen war. Solche Situationen erlebten wir häufig, seit wir Länder auf der Indochina-Halbinsel bereisen.
Auch in meiner Kindheit in Korea habe ich Ähnliches erlebt. Ich erinnere mich nicht mehr daran, wie oft am Tag oder zu welcher Uhrzeit es geschah, aber immer wenn die Nationalhymne erklang, ließ man alles stehen und liegen, stellte sich aufrecht hin und legte die rechte Hand auf die linke Brust.
Als ich älter wurde, entwickelte ich eine Abneigung gegen diesen patriotischen Ritus, denn er war vom Militärregime eingeführt worden, um die Bevölkerung gefügig zu machen. Damals galten Staat und Regierung praktisch als dasselbe – Patriotismus bedeutete letztlich Loyalität gegenüber der diktatorischen Regierung.
Jetzt jedoch, auf meiner Reise durch die südostasiatischen Länder, nehme ich gerne an solchem Ritual teil. Die Menschen hier wurden ohne eigenes Verschulden zu Opfern westlicher Großmächte; und um ihre leidvolle Vergangenheit als Kolonien zu überwinden und wieder als würdevolle, souveräne Staaten zu bestehen, scheint eine starke gemeinsame Identität dringend notwendig.
In der Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sie und als Zeichen der Solidarität, schließe ich mich ihrem patriotischen Ritual an.
Arnd:
Die Eisenbahn in Indonesien hat mich richtig erfreut. Indonesien ist ja kein reiches Land, deshalb sollten sie eigentlich keine Hochgeschwindigkeitseisenbahn bauen. Sie haben das zwar auf einer kurzen Strecke gemacht, aber wir sind mit der traditinellen Bahn gefahren.
Es gibt ein Eisenbahnnetz in Java und eine kürzere Strecke in Sumatra. Der Bahnhof in Jakarta liegt mitten in der Stadt und er ist, wie ich mir einen Bahnhof vorstelle, voller Leben. Es gibt viele Geschäfte wo man sich für die Reise eindecken kann. Tickets zu bekommen ist kein Problem, es gibt ausreichend Platz, der Zug war aber recht voll.
Unser online gekauftes Ticket musste im Bahnhof erstmal in ein Papierticket umgewandelt werden. Dazu gab es Ticketmaschinen. Das hat gut, einfach und schnell funktioniert.
Unser Zug, der durchaus zu einer schnellen Kategorie gehört, fuhr bis 110km/h. Das aber durchgehend, es gab nicht wie in Deutschland Strecken, wo er sehr schnell fährt und dann wieder Strecken, wo er nur kriecht, weil der Zustand der Gleise so miserabel ist. Das Schienennetz scheint gut gepflegt zu sein. Nur einmal, als wir 400m die Berge rauffahren mussten, wurde er langsamer, da war die Lokomotive nicht stark genug. Die Züge selbst waren ordentlich und in gutem Zustand.
Ich würde das Middle Tech nennen. Es ist kein High Tech, aber auch kein Low Tech. Es funktioniert gut und ist für ein Land wie Indonesien angemessen. Andere Beispiele sind die Scooter als Haupt-Individualverkehrsmittel und die an Masten verlegten elektrischen Leitungen. In Krisen ist dies sicher resilienter, bis auf die elektrischen Leitungen bei Unwetter. Czytaj więcej












