Tag 158 - Yogyakarta
30 listopada 2025, Indonezja ⋅ ☁️ 29 °C
Arnd:
In Kürze werden wir nach Australien fliegen, es gibt keine andere Möglichkeit. Wir fliegen ab Bali. Bis dahin haben wir noch ein paar Tage Zeit und wollen noch etwas von Java sehen. Die Hauptattraktionen sind ein paar Vulkane und die Stadt Yogyakarta mit zwei bedeutenden Tempelanlagen in der Nähe. Für beides haben wir nicht genug Zeit, die Vulkane haben wir auf die Rückreise verschoben.
Heute haben wir einen entspannten Tag in Yogyakarta eingelegt, ich musste auch noch einiges organisieren und das braucht immer einige Zeit. Die Stadt bildet zusammen mit der Nachbarstadt Surakarta das Zentrum der traditionellen javanischen Kultur und ist aufgrund ihrer zahlreichen Universitäten auch das Bildungszentrum des Archipels. Während des Indonesischen Unabhängigkeitskrieges 1945–1949 war Yogyakarta Hauptstadt Indonesiens.
Wenn man die Stadt erkunden will, geht man zur Malioboro Straße. Das ist erstmal eine Einkaufsstraße, es gibt aber auch ein paar Museen und am einen Ende liegt der Kraton, der Palast des Sultans der Region Yogyakarta. Und diesen Sultan gibt es immer noch. Seinen Palast kann man teilweise anschauen.
Wir hatten die Hoffnung, dass wir eine Vorführung sehen können, wo ein Gamelanorchester spielt. So etwas sollte es in einem bestimmten Museum geben und im Kraton. Zuerst kamen wir am Museum vorbei. Hea-Jee hat einen Mitarbeiter nach diesen Aufführungen gefragt. Während unserem Aufenthalt war da aber nichts im Angebot.
Aber dann kam ein Mann vorbei, der uns in sein Büro mitgenommen und uns wenigstens persönlich was gezeigt hat. Er war Museumsmitarbeiter und fertigt für das Museum die Wayangfiguren an. Es hat in irgendeiner wichtigen Zeitschrift vor 15 Jahren schonmal einen Artikel über ihn gegeben. Den hat er gut aufbewahrt und zeigt ihn immer.
Die Figuren werden aus Büffelleder hergestellt. Das sind Wasserbüffel, die in feuchten Gegenden Asiens etwa die Rolle unserer Kühe haben. In Deutschland sieht man sie auch immer öfter und soweit ich weiß, wird der original Mozzarella in Italien auch aus Milch von solchen Büffeln hergestellt. Es sind nicht diese riesigen Tiere, die wir in Deutschland Büffel nennen, das sind amerikanische Bisons.
Das Leder wird eingeweicht und dann werden die Figuren mit einem scharfen Messer ausgeschnitten. Die Figuren sind mit sehr vielen kunstvoll geformten Löchern versehen, denn sie werden auch für Schattenspiele benutzt. Deshalb braucht man sehr filigrane Messerchen. Die stellte der Meister selbst her, aus dicken Nägeln oder auch einer Motorradspeiche. Das schleift er dann sicher so lange, bis er eine richtig scharfe Klinge hat. Zum Schluss hat er uns kleine Lesezeichen gezeigt, die er zum verkaufen herstellt. Wir haben ihm zwei Stück abgekauft.
Wir sind weitergelaufen in Richtung Kraton. An einer Stelle, wo wir dachten, dass dort der Ticketschalter ist, hat ein Mann mit gutem Englisch angefangen, uns zu beraten. Leider überwiegend falsch. Das eigentliche Ziel seiner Ansprache war, uns in einen Batikverkauf zu locken. Da muss wohl jeder Tourist einmal drauf reinfallen. Später gab es noch etliche Versuche dazu, aber da wussten wir ja schon Bescheid. Wir haben nichts gekauft, aber etwas gesehen. War auch nicht schlecht. Nur der Verkäufer sah ziemlich unglücklich aus, als wir gingen.
Noch ein bisschen weiter waren wir dann wirklich im Kraton. Zwei Stunden früher hätten wir vielleicht noch ein Gamelanorchester sehen können. Aber wir sind trotzdem reingegangen. In einem Hof liegt der große Aufführungssaal. Das ist nur ein Dach, zur Seite hin ist alles offen. Es wird hier nie wirklich kalt und ohne Klimaanlage wäre ein geschlossener Raum mit vielen Mensachen wohl schnell unerträglich.
In diesem Aufführungssaal finden wohl rund um die Uhr Tanztrainings statt. Junge Tänzerinnen werden angeleitet von einer erfahrenen älteren Frau. Und dabei kann man zuschauen. Solche höfischen Tänze sind meist sehr steif und formell. Die Bewegung findet hauptsächlich in Händen, Füßen und dem Neigen des Kopfes statt. Neben den Tänzern standen die Instrumente eines großen Gamelanorchesters. Das hat schon fast symphonische Ausmaße.
Der Rest des Sultanspalasts war nicht so wahnsinnig interessant. Wir haben uns dann entschieden, in ein anderes Museum zu gehen. Das war in einer ehemaligen niederländischen Festung untergebracht. Dort hat man in einer großen Zahl von Dioramen die Geschichte des Befreiungskampfes nach dem zweiten Weltkrieg gezeigt. Viele Dioramen zeigten irgendwelche Versammlungen. Das konnten wir nicht einordnen, aber mir fiel auf, dass jeder Teilnehmer eine Tasse Kaffee vor sich stehen hatte. Trotzdem konnte man ein Gefühl dafür entwickeln, wie diese turbulente Zeit verlaufen ist.Außerdem hatten sie im Außenbereich eine schöne Sammlung alter Fahrräder.
Abends sind wir dann nochmal auf die Malioborostraße gegangen, um was zu essen. In Deutschland wäre diese Straße mindestens seit 40 Jahren eine Fußgängerzone. In allen Ländern Asiens, die wir bereist haben, scheint es aber ein riesiges Problem zu sein, die Verbannung der Autos durchzusetzen. Aber hier haben sie sich auf den Weg gemacht. Bisher ist die Straße abends autofrei und dann noch viel lebendiger, als tagsüber. Und gerade jetzt machen sie Versuche, was tagsüber passieren wird, wenn sie sie ganz für die Autos sperren würden. Ich drücke die Daumen! Czytaj więcej


















