Tag 159 - Borobudur & Prambanan
1. december 2025, Indonesien ⋅ ☁️ 28 °C
Arnd:
Heute stand die Hauptattraktion unseres Aufenthalts in Yogyakarta an. Es gibt in der Umgebung der Stadt zwei alte Tempelanlagen aus dem 8. Jhdt. In der einen, Prambanan, sind auf einem großen Areal ein hinduistischer und drei buddhistische Tempel, in der anderen Anlage liegt der wohl größte buddhistische Tempel der Welt, Borobudur.
Beide Anlagen sind wohl um das Jahr 1000 durch Erdbeben zerstört worden, die Bewohner woanders hin geflohen. In der Folge sind sie dann durch vulkanische Asche verschüttet worden. Erst im 19. Jhdt. hat man sie wieder entdeckt und nach und nach freigelegt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Beide Stätten sind Unesco Weltkulturerbe.
Buddhismus und Hinduismus kamen etwa gleichzeit direkt aus Indien nach Indonesien. Deshalb existieren sie hier nebeneiander. Der Baustiel basiert wohl auf indisch hinduistischen Stilen, hat aber auch Elemente, die in Indonesien entstanden sind. Er hat auch einen eigenen Namen, die Tempel heißen Candi. Unser Führer behauptete, dass dieser Stil prägend für die späteren Tempel in Kambodscha war, wie z.B. Angkor Wat. Die Wikipedia sieht das anders.
Buddhistische und Hinduistische Tempel sind sich ziemlich ähnlich mit ein paar charakteristischen Unterschieden. Zum Beispiel ist die Spitze eines Hindutempels wie eine umgedrehte Lotusblume geformt, während der Buddhistische Tempel dort eine Stupa hat, die ein bisschen aussieht wie eine Glocke.
Wir sind zuerst nach Prambanan gefahren und am Nachmittag dann zu Borobudur. Daher die Reihenfolge der Fotos, nur als Coverbild dient der Borobudur. In Prambanan waren die Tempel wie gesagt eingestürzt. Ein paar davon hat man wieder errichtet und die anderen will man wohl auch wieder errichten, was aber sehr lange dauern wird.
Unser Guide hat erzählt, dass die Unesco zu Beginn der Restaurierungen wirtschaftlich geholfen hat. Aber danach nicht mehr. DIe Arbeiten werden jetzt hauptsächlich durch die Eintrittsgelder finanziert. Und zwar die Eintrittsgelder, die ausländische Touristen zahlen. Wir haben an diesem Tag 100€ nur für Eintritt ausgegeben.
Interessant war auch die Fahrt. Der Verkehr hier in Indonesien ist ziemlich dicht und chaotisch. Es gibt nicht viele Ampeln, aber viele Einbahnstraßen. In die kann man ja von beiden Seiten her einbiegen, ohne Gegenverkehr kreuzen zu müssen. Ich habe den Eindruck, die Verkehrsplaner wollen den Verkehr am Laufen halten. Deshalb fließt ein endloser Strom von Fahrzeugen ohne Pause die Straßen entlang. Das macht es für Autos schwierig, in die Straße einzubiegen und für Fußgänger, sie zu überqueren.
Einmal habe ich unseren Fahrer beobachtet, wie er an einer besonders schwierigen Stelle das Fenster aufmachte und einem Mann auf der Straße etwas zusteckte. Es gibt wohl bei weitem nicht genug Polizisten, die den Verkehr regeln. Deshalb gibt es überall lokale Community Verkehrsregler. Einfach normal Leute, die sich auf die Straße stellen und mit einer Fahne oder ähnlich Fahrzeuge abbremsen, damit andere auch mal zum Zug kommen. Ja und dafür gibt man dann gern ein Trinkgeld. Das waren 2000Rp, umgerechnet 0,10€.
Ich schätze, dass 90% des Verkehrs hier von Rollern erbracht wird. Die sind ziemlich flott und schlängeln sich zwischen den Autos durch. Auf jeden Fall sind sie schneller am Ziel, als die Autos, auch wenn die an einer flüssig laufenden Stelle mal kurzfristig schneller fahren können. Da wo ein Auto fährt, fahren zwei Roller nebeneinander. Das macht die für Fußgänger noch schwieriger. Und die Autofahrer müssen auch ziemlich aufpassen.
Aber man sieht hier auch deutlich, dass die Autofahrer für sich wesentlich mehr Platz beanspruchen, als die Roller. Es wird hier so laufen, wie überall. Mit wachsendem Reichtum wird es immer mehr Autos geben, bis alle gemeinsam im Stau stehen. Für Rollerfahrer wird es dann auch immer gefährlicher. In Singapur waren die Roller vollkommen verschwunden. Dort hat die Regierung allerdings Maßnahmen gegen zu viele Autos erlassen. Die Zulassung eines Autos kostet nochmal so viel, wie das Auto selbst. Also Autofahren nur für Reiche, der ganze öffentliche Platz nur für Reiche. Der Rest der Gesellschaft fährt öffentlich, weil es auf den Straßen zu gefährlich ist für andere Verkehrsmittel.
Hea-Jee:
Im weitläufigen Areal von Prambanan stehen ein großer hinduistischer Tempelkomplex und drei kleinere buddhistische Tempel nebeneinander. Der hinduistische Komplex besteht aus über 240 kleinen Tempeln und Nebengebäuden.
Gleich hinter dem Eingang sieht man zuerst die kleinen, knospenförmig aufragenden Bauwerken. Sie sollen Pilgern als Orte des Gebets und der Meditation gedient haben, bevor sie die Haupttempel betraten. Innen ist es dunkel und leer, ohne Fenster – genau richtig, um allein zu meditieren.
Nach einer Weile erscheinen drei monumentale und prachtvolle Tempel. Der Shiva-Tempel ragt im Zentrum empor, flankiert vom Brahma- und Vishnu-Tempel. Die Dreieinigkeit Shiva (Zerstörung), Brahma (Schöpfung) und Vishnu (Erhaltung) repräsentiert den Kreislauf des Universums und des Lebens.
Rund um die Haupttempel stehen kleinere Schreine und Statuen, die die drei Gottheiten begleiten. Auf den Wänden und Türmen sind Szenen aus der hinduistischen Mythologie sowie Darstellungen verschiedener Götter, Dämonen und Menschen zu sehen – äußerst realistisch gestaltet.
Sie sollen böse Geister vertreiben und die göttliche Macht symbolisieren. Es handelt sich nicht nur um Dekoration, sondern um Träger religiöser Bedeutung und mythischer Erzählungen – eine Art Lernmaterial, das man beim Umhergehen betrachten soll.
Rund um diesen hinduistischen Komplex befinden sich auch buddhistische Tempel. Zur Zeit der Errichtung von Prambanan existierten Hinduismus und Buddhismus auf Java nebeneinander, und die Könige förderten beide Religionen.
Die kleinen buddhistischen Tempel sind in der indischen Stupa-Form gestaltet, und einige ähneln in Struktur und Ornamentik den hinduistischen Bauten. Doch in den Motiven von Lotosblüten, Bodhi-Bäumen und Buddhafiguren zeigt sich klar der buddhistische Charakter.
Ebenso erinnern die furchterregenden Wächterfiguren am Eingang an die „Himmelskönige“ in koreanischen Tempeln. Dass Buddha hier manchmal mit vier Armen dargestellt wird – ein Einfluss des Hinduismus – fand ich besonders bemerkenswert. Die Koexistenz beider Religionen mit ihren unterschiedlichen Symbolen an einem Ort wirkte faszinierend.
Zu Mittag aßen wir auf der Terrasse eines schönen Restaurants mit Blick auf einen grünen Teich. Es gab ein indonesisches Hähnchengericht, wirklich köstlich. Mit uns unterwegs war auch ein niederländischer Student, und beim Essen unterhielten wir uns über Gott und Welt.
Unser Fahrer brachte uns anschließend zum buddhistischen Tempel Borobudur. Wie am Vormittag in Prambanan führte uns auch hier ein fachkundiger Guide durch das Gelände und erklärte alles.
Borobudur ist ein riesiges, quadratisch angelegtes Bauwerk. An seinen vier Seiten und auf jeder Ebene soll es über 2.500 Buddhafiguren und 1.460 Reliefs geben. Die Reliefs erzählen vom Leben Buddhas, von buddhistischen Legenden sowie von Wiedergeburt und Karma. Auch hier ist der Weg so gestaltet, dass Pilger beim Umlaufen des Tempels die Lehren auf natürliche Weise erfahren.
Der Tempel besteht aus insgesamt neun Ebenen: Die unteren sechs sind quadratisch und symbolisieren das menschliche Dasein mit seinen Taten und die Lehre des Buddha; die oberen drei sind kreisförmig und tragen Stupas. Die oberste Ebene steht für Erleuchtung und Befreiung – das Nirvana.
Flächenmäßig ist Angkor Wat in Kambodscha der größte buddhistische Tempel der Welt, doch strukturell betrachtet kann man sagen, dass Borobudur größer ist. Während Angkor Wat aus vielen einzelnen Tempeln besteht, bildet Borobudur als Ganzes einen einzigen monumentalen Tempel.
Borobudur zeigt ein beeindruckend hohes technisches Niveau. Betrachtet man die Steinplatten auf dem Boden, fallen die präzisen Fugen sofort ins Auge. Auch die künstlerische Qualität ist außergewöhnlich. Der indische Buddha ist meist sehr dünn, der chinesische und koreanische Buddha sind füllig – doch der Borobudur-Buddha hat eine harmonische Körperform und ein schönes Gesicht. Einen so gut aussehenden Buddha wie hier habe ich noch nie gesehen – ach, mit einer einzigen Ausnahme: Der Buddha im Seokguram in Gyeongju bleibt für mich Nummer eins.
Viele der filigranen Reliefs stellen Legenden über frühere Existenzen Buddhas dar, weshalb ich mich gelegentlich verpflichtet fühlte, Arnd diese Geschichten zu erklären. In der südostasiatischen Theravada-Tradition wurden nach Buddhas Tod Elemente wie Wiedergeburt stärker religiös ausgeschmückt – Einflüsse, die teilweise aus dem Hinduismus stammen. Buddha selbst jedoch sprach weder über frühere Leben noch über Reinkarnation; er lehrte lediglich, wie man in diesem Leben weise und gütig lebt und dadurch eigenes Glück findet.
Für Arnd, den Naturwissenschaftler, wirken solche religiösen Erzählungen bestimmt wie Aberglauben, und ich weiß, dass es ihm nicht gefallen würde, wenn ich so etwas tatsächlich glauben würde. Deshalb erkläre ich ihm manchmal ausführlich Dinge, die er weder gefragt hat noch besonders interessant findet.
(Informationen über „meinen“ Buddhismus)
Ven. Pomnyun Sunim https://www.youtube.com/watch?v=2VUHNIjkE9g
We are JTS https://youtu.be/Prv3K3Dmj4ULæs mere





















