• Tag 161 - Auf nach Bali

    3. december 2025, Indonesien ⋅ ☁️ 28 °C

    Arnd:
    Heute der letzte Abschnitt unserer Indonesienreise, von Surabaya nach Ubud in Bali. Ich hatte gedacht, dass das nur noch ein kleinerer Sprung ist. Tatsächlich war dies der anstrengenste Abschnitt.

    Die Fahrt begann wieder per Eisenbahn. Die Bahnhöfe sind interessant. Die Bahnsteige sind extrem schmal und hoch, weil man ohne Stufen in den Zug steigen kann. Man kommt von einem Bahnsteig zum nächsten, indem man über die Gleise geht, dazu sind die Bahnstiege in gewissen Abständen abgesenkt. Es sei denn, dort steht ein Zug. Dann muss man durch den Zug gehen und hoffen, dass er nicht gerade losfährt. Die Indonesier verstehen die Ansagen, denen wird das wohl nicht passieren.

    In Ostjava ist die Eisenbahn nicht mehr so gut ausgebaut. Der Zug fuhr nur 80km/h. Die Landschaft war ein bisschen bergig. Tatsächlich lagen nicht allzu weit einige der bekannten Vulkane in Java. Wir konnten aber nur einmal einen erspähen. Auch hier wird sehr viel Landwirtschaft betrieben, man sah nicht viel unberührte Fläche. Es ist eine Mischung aus Reisanbau und anderen Feldfrüchten.

    Endstation war Ketapang. Dort ist der Fährhafen, von wo aus man nach Gilimanuk in Bali fährt. Der Hafen liegt etwa 500m vom Bahnhof entfernt. Wir wollten trotzdem lieber ein Fahrzeug nehmen. Grab bot uns nur Mopeds an. Wir hatten es hier sehr eilig, weil wir noch eine Fähre erwischen wollten. Wobei wir tatsächlich keine Ahnung von den Abfahrtzeiten hatten, die werden im Internet nur vom Hörensagen weitergegeben.

    Also haben wir den ersten, der uns angequatscht hat gefragt, was es kostet. 20000Rp, sicher Abzocke, aber nur 1€. Also ok. Er nahm uns mit zu seinem Gefährt, bei dem es sich um eine Motorrikscha gehandelt hat, Fahrer hinten. Einen unserer Koffer konnte er vor seinem Lenkrad ablegen, den anderen habe ich auf dem Einsteigefußbrett vor unseren Beinen balanciert. Auf die Sitzfläche passten wir auch nur, weil wir uns sehr dünn gemacht haben.

    Wir kamen nach kurzer Zeit auf eine große Straße. Der Fahrer wollte uns zu einem Ticketshop auf der dem Terminal gegenüberliegenden Straßenseite bringen (wir hatten schon ein Ticket, nur hat er das nicht verstanden). Um nicht zweimal die Straße zu überqueren ist er gegen die Fahrtrichtung gefahren. Wenn einem dann ein LKW entgegenkommt und man so vorne in der Rikscha sitzt, dann gibt einem das schon ein merkwürdiges Gefühl. Aber wir sind angekommen.

    Wir liefen in den Eingang und waren dort fast allein. Eine freundliche Helferin sprach uns an, zeigte uns, wie man unseren QR-Code (ich hatte das Ticket schon online gekauft), in ein gedrucktes Ticket verwandelt und wo wir lang laufen mussten. Wir haben die Fähre wohl ganz knapp verpasst. Aber tatsächlich fuhren sie an dem Tag wohl alle halbe Stunde.

    Endlich auf dem Schiff konnten wir Richtung Land einen Berg erblicken. Es war der Mount Ijen, ein ganz spezieller Vulkan. Der ist zwar erloschen und hat einen Kratersee, aber irgendwo kommen trotzdem ständig Schwefel und Schwefelgase raus. Viele Touristen gehen dahin, weil es vor allem abends durch brennenden Schwefel schöne Lichterscheinungen gibt. Es gibt dort auch selbstständige Arbeiter, die den Schwefel abbauen und zu Fuß ins Tal tragen. Eine ziemlich gesundheitsschädliche Arbeit, die auch nicht viel einbringt. Für Touristen gilt die Empfehlung, dort eine Gasmaske zu tragen, die Arbeiter tun das natürlich nicht. Ich würde schon allein deshalb nicht hingehen, weil diese Gase, die mit Wasser (Schleimhäute, Schweiß) ziemlich agressive Schwefelsäure bilden, auch meine Kamera beschädigen würden.

    Nach der Überfahrt kam dann der Abschnitt, der am anstrengendsten wurde. Bali ist nicht klein und die Westküste, wo die Fähre ankommt, ist etwa 130km vom Zentrum entfernt, wo unser Hotel ist. Und wir kamen schon recht spät an. Ich hatte gelesen, dass es auch Busse gibt, aber die brauchen besonders lang. Deshalb hatten wir schon vorher ein Taxi gebucht. Aber ob das funktionieren würde, war mir nicht klar. Das hat mir ziemlich viel Stress gemacht. Beim Buchen musste man eine Abholzeit angeben, es gibt aber keine bekannten Fahrpläne und wir wussten ja auch nicht, wie das alles so läuft. Der Fahrer würde höchsten eine Stunde warten. Und dann fiel mir irgendwann auf, dass Bali eine andere Zeitzone hat, eine Stunde voraus. Das war in meiner Kalkulation nicht drin.

    Ich habe dann auf der Website des Taxiunternehmens eine Emailadresse gefunden und dorthin geschrieben. Keine Antwort. Eine Telefonnummer gab es auch, aber wir haben keine indonesische Telefonnummer und mit unserer deutschen kostet das ein Vermögen. Am nächsten Tag habe ich einfach mal geschaut, ob hinter dieser Telefonnummer auch ein Whatsapp account steckt und dort haben sie geantwortet. Am Tag der Fahrt, mitten am Vormittag, hat sich dann auch unser Fahrer per Whatsapp gemeldet. Kein Problem, er wartet. Er hat den ganzen Tag gewartet, wir sind erst um 18:40 abgefahren.

    Für die 130km haben wir 4 Stunden gebraucht. Es ist eine zweispurige Straße, die beste, die es in Bali gibt. Es gibt sehr viele LKW dort, die nur 40km/h fahren, die Autos und dazwischen natürlich die Roller. Die erreichbare Höchstgeschwindigkeit ist 60km/h, wenn man mal alle LKW überholt hat. Die Straße ist kurvig . Es wir sehr viel überholt und es sieht durchaus gefährlich aus. Ich vermute, die haben hier noch ein intensives Unfallgeschehen. Zum Glück nur bei Geschwindigkeit zwischen 40 und 60km/h. Roller werden im Notfall auch mal an die Seite gedrängt.

    Für uns war diese Fahrt ziemlich anstrengend. Wir haben dauernd auf die Karte auf dem Smartphone geschaut, wie lange es noch dauert.

    Unser Fahrer sagte zum Schluss, um 23:00, dass er jetzt noch 5 Stunden nach Hause fährt. Das war sein Tagesjob und mit Sicherheit ein sehr stressiger. Uns hat das 50€ gekostet. Der Fahrer war angestellt und hat sicher nur einen Bruchteil davon bekommen. Wir haben ihm ein dickes Trinkgeld gegeben und sind in unserer Oase ins Bett gefallen.
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