Tag 178 - Sydney
20 grudnia 2025, Australia ⋅ ☀️ 29 °C
Arnd:
Direkt bei unserem Hotel beginnt eine Fußgänger- Einkaufsstraße, die bis zum Circular Quay geht. Die sind wir einmal entlanggelaufen. Die ältesten Häuser dort haben eine einheitliche Höhe von drei Stockwerken. Das kommt aus einer Zeit, als Sydney deutlich weniger Einwohner hatte. Bei einigen moderneren Häusern hat man die Stockwerke darüber etwas zurückversetzt.
Ein besonders auffälliges Gebäude ist das Queen Victoria Building, oder kurz QVB. Ursprünglich eine Markthalle ist es heute ein Einkaufstempel mit vornehmen Geschäften, keinen Ketten. Zurzeit ist es weihnachtlich dekoriert. Vorm zentralen Tannenbaum herrscht großes Gedränge, weil die Leute Fotos von sich machen.
Vor dem QVB fiel mir plötzlich auf, dass zwischen den Schienen der Straßenbahn noch ein Metallstreifen im Boden war. Ein Blick nach oben zeigte, daß die Straßenbahn gar keine Oberleitung hat. Das weckte meine Neugier, denn man kann den Strom nicht einfach komplett auf Bodenniveau verteilen, das wäre lebensgefährlich.
Die Wikipedia konnte mir bei der Aufklärung helfen. Das scheint allgemein ein Ziel von Straßenbahnherstellern zu sein, denn es gibt dazu von verschiedenen Firmen verschiedene Lösungsansätze. Bei dem System hier in Sydney wird der Strom tatsächlich durch den Metallstreifen auf Bodenniveau verteilt, aber es ist immer nur ein Segment unterhalb der Bahn eingeschaltet. Es sieht wirklich besser aus, als mit den Leitungen. Aber es ist vermutlich auch teurer, oder hat andere Nachteile, denn es ist nur auf einer kurzen Teilstrecke im schönsten Teil der Fußgängerzone realisiert.
Nachmittags waren wir noch im Museum of Sydney. Der Name war etwas irreführend, denn bei den Ausstellungsstücken ging es eigentlich nur um eine Ausgrabung des ersten Gouverneurshauses. Aber es wurde auch ein längerer Film gezeigt über die Anfangszeit der Besiedlung Australiens, die ja in Sydney begann. Der Film hatte einen Schwerpunkt auf der tragischen Beziehungen zu den Aborigines. Die Gouverneure hatten den Auftrag und wollten auch friedliche Beziehungen haben. Aber man wollte auch das Land haben. Und das ist eine schwierige Kombination von Wünschen.
Zu Beginn des Films wurde auch über eine Pockenepidemie berichtet, die die Engländer aus Sydney bei den Aborigines beobachteten und die erhebliche Teile der Bevölkerung hinweggerafft hat. Eine Frage, die ich mir schon länger gestellt hatte war, ob es unter den Aborigines nicht auch so einen extremen Bevölkerungsschwund durch eingeschleppte Krankheiten gegeben hat, wie in Amerika nach der Ankunft der Europäer. In Amerika waren aber mehrere Krankheiten beteiligt. Bei diesem Pockenausbruch wird mittlerweile vermutet, dass die Erreger durch Kaufleute eingeschleppt wurden, die zu der Zeit von Makassar in Sulawesi, Indonesien, aus regelmäßig nach Nordaustralien fuhren.
Abends bin ich nochmal allein losgezogen, um ein paar Nachtbilder bei der Oper zu machen. Es war eine schöne Stimmung bei sehr angenehmen Temperaturen. Und es war sehr voll draußen.
Hea-Jee:
Das historische Zentrum von Sydney ist rund um die heutige George Street entstanden, die schon von den lokalen Aboriginal-Gruppen genutzt wurde, bevor die ersten Engländer 1788 ankamen.
Die Höhe der Gebäude entlang der Straßen orientiert sich proportional zur Breite der Straße. Im Vergleich zu europäischen Städten wie Paris, London oder Berlin sind die Hauptstraßen durch das historische Zentrum von Sydney relativ eng, und die Gebäude dort wurden von Anfang an eher niedrig gebaut.
Das erinnert in seiner Größe ein wenig an Karlsruhe, das um 1715 als Residenzstadt eines kleinen deutschen Landes gegründet wurde. Ursprünglich plante man Sydney als Kolonialstadt für Strafgefangene – die Größe und der Maßstab der Gebäude spiegeln das wider.
Heute jedoch ist Sydney zu einer Stadt gewachsen, die europäischen Hauptstädten in nichts nachsteht. Die charmanten alten Gebäude im Zentrum wurden gut erhalten, während überall im Stadtzentrum moderne Hochhäuser entstanden sind. Für jemanden aus Deutschland, wo Hochhäuser in der Nähe des historischen Zentrums meistens vermieden werden, wirkt das interessant.
In Europa wurden Städte seit dem Mittelalter so gebaut, dass Rathaus, Kirche und Marktplatz im Zentrum standen. Einen ähnlichen Entwicklungsprozess kann man später auch in Sydney beobachten: Die City Hall, St. Andrew’s Cathedral und das viktorianische Einkaufsgebäude (das Queen Victoria Building) wurden im 19. Jhdt. prächtig nebeneinander errichtet. Das zeigt auch, dass die britischen Planer ab dem 19. Jhdt dieser Kolonie eine gewisse Bedeutung beimessen wollten.
Wenn man der George Street weiter folgt, gelangt man beim Hafen in ein Gebiet mit niedrig gehaltenen, kleinen zweistöckigen Häusern, The Rocks. Hier sollen die ersten Engländer, die 1788 angekommen sind, ihre ersten Wohnplätze geschaffen haben. Unter den 1000 Menschen der First Fleet waren viele verurteilte Sträflinge dabei. Laut Museumsinformationen wurde Sydney in den ersten Jahren stark durch die harte Zwangsarbeit dieser Strafgefangenen aufgebaut; die ersten Unterkünfte bestanden aus einfachen Holzplanken. Ein Glück, dass das Klima halbwegs mild war.
Wir waren so neugierig, dass wir den ganzen Tag durch die Stadt gelaufen sind, um vieles anzusehen. Später stellte ich fest, dass wir an diesem Tag 26 000 Schritte gemacht hatten. Vor ein paar Tagen hatte ich noch geschrieben, dass es weiter nach Süden kommend milder werde. Aber heute war es wieder so heiß. Weil wir uns so intensiv mit dem Sightseeing beschäftigt hatten, verpassten wir sogar unsere Mahlzeiten und waren so erschöpft, dass wir beide schnell gereizt wurden.
Als wir abends im Hotel ankamen, wollte ich nur noch ins Bett fallen. Aber Arnd ruhte sich nur kurz aus und sagte, er wolle nochmal rausgehen, um Nachtfotos zu machen. Was für ein harter Brocken! Czytaj więcej

















