Kirschblüte in Seoul
5 aprile, Corea del Sud ⋅ ☀️ 16 °C
Wir haben vor, dieses Mal in Korea unseren Pinguin weiter zu füttern. Allerdings nur, wenn es was zu erzählen gibt, also nicht regelmäßig.
Heute ist Ostern, die Sonne scheint und die Kirschbäume blühen. Was kann man besseres tun, als spazieren gehen? Unsere Wohnung liegt direkt am nördlichen Fuß des Namsan Bergs, und dort gibt es einige schöne Wege.
Wir sind am Rand eines Viertels, das sich in ein Tal des Berges schmiegt. Die Straße, die sich das Tal bis zum Ende des Viertels hinaufzieht, ist eine Sackgasse. Es gibt also nicht viel Verkehr. Die Straße ist schön gestaltet, mit breiten Fußwegen. Auf dem Verkehrsschild oben steht: „Alter Mensch Schutzbereich“ und es gilt Tempo 30. Hea-Jee las aus Täfelchen an Bäumen, dass die Kirschbäume von den Anwohnern gepflegt werden.
Gegen Ende der Straße biegt man dann ab auf einen der Fußwege am Berg. Die sind teilweise breit wie Straßen, mit Mittelstreifen und gut ausgeschildert. Das „Verkehrsaufkommen“ war aber zum Glück nicht so hoch, wie die breite Straße befürchten lassen könnte. Da es langsam auf die Mittagszeit zuging, haben wir uns entschlossen, erstmal ganz nach oben zum Fernsehturm zu laufen, weil es dort was zu essen gibt.
Zum Teil verlief der Weg entlang einer alten Stadtmauer. Neben dem Turm gab es an der alten Mauer ein Podest, auf dem vier alte Feuerstellen standen. Das kannten wir noch nicht. Diese Feuerstellen hat man früher für die Fernkommunikation verwendet. Eine Technik, auf die die Menschen überall auf der Welt gekommen sind.
Es waren zwar viele Menschen unterwegs, aber oben war es nicht übermäßig voll. Wir haben uns für einen Seoul Burger entschieden. Der hatte ein Rindfleischpatty mit Bulgogigeschmack und ein Häufchen frittierter Frühlingszwiebelringe oben drauf. Und wir haben einen Sitzplatz zum Essen bekommen.
Von dort sind wir dann zum nördlichen Teil des Rundwegs abgestiegen, weil Hea-Jee gehört hatte, dass die Kirschblüte dort besonders schön sei.
Unterwegs gab es einmal Flugzeuglärm. Emmanuel Macron war zu Gast und ihm zu Ehren gab es einen Formationsflug. Wir waren sehr weit weg und das Fotografieren war etwas schwierig. Den Moment, wo sie die Farben der Trikolore ausgestoßen haben, habe ich leider nicht erwischt.
Wir kamen dann noch bei einem Denkmal für die Koreanischen „Trostfrauen“ vorbei.
Die begleitende Informationstafel sagt dazu:
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„Unsere schlimmste Angst ist, dass unsere schmerzhafte Geschichte während des Zweiten Weltkriegs vergessen wird.“
Dieses Denkmal zeugt vom Leiden von Hunderttausenden von Frauen und Mädchen, euphemistisch Trostfrauen genannt", die von den japanischen Streitkräften in dreizehn asiatisch-pazifischen Ländern von 1931 bis 1945 sexuell versklavt wurden. Die meisten dieser Frauen starben während ihrer Kriegsgefangenschaft. Diese dunkle Geschichte wurde jahrzehntelang bis in die 1990er Jahre verborgen, als die Überlebenden mutig ihr Schweigen brachen. Sie haben dazu beigetragen, die Welt zu bewegen, um zu erklären, dass sexuelle Gewalt als Kriegsstrategie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, für das Regierungen zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Dieses Denkmal ist dem Gedenken an diese Frauen und der Beseitigung von sexueller Gewalt und Sexhandel auf der ganzen Welt gewidmet.
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Es macht einen richtig traurig, dass die Japaner es nicht schaffen, sich zu ihren Kriegsverbrechen zu bekennen und stattdessen versuchen, das Wissen darüber mit all ihrer Macht zu unterdrücken. Das Aufstellen einer solchen Statue in Deutschland hat sich als fast unmöglich erwiesen, die japanische Botschaft hat jedesmal interveniert und mit massiven ökonomischen Konsequenzen gedroht, woraufhin alle Entscheidungsträger den Schwanz eingezogen haben. Sie steht jetzt in dem privaten Nepal Himalaya Park in der Nähe von Straubing, aber ohne begleitende Tafel, so dass die Besucher schlicht nichts verstehen.
Etwas mehr Informationen dazu und insbesondere über die dargestellte Frau kann man in der englischen Wikipedia finden:
https://en.wikipedia.org/wiki/Kim_Hak-sun
Nach ihrer Flucht aus der Sklaverei hat sie übrigens eine Zeit lang in der Französischen Konzession in Shanghai gelebt.
Zum Schluss hatten wir noch einen schönen Blick auf das Namsan Hanok Village. Dort gab es eine Aufführung von Kindern mit koreanischen Tänzen. Das haben wir leider knapp verpasst, es gab keine Tickets mehr.
Für Hea-Jee war dies das erste Mal, dass sie diese schöne Jahreszeit erlebt hat. In ihrer Kindheit hatte man anderes zu tun und später war sie nie zur passenden Zeit in Korea. Außerdem erinnert sie sich mehr an die rosa Jindale und die gelben Gaenari (Forsythien). Damit waren die Berge voll, die Zierkirschen kamen erst später.Leggi altro

















ViaggiatoreI’m so glad you’re in Korea during such a beautiful and mild season.
Viaggiatore
😍