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Going to Finn - Rückreise 1

Teil eins unserer Rückreise von Australien nach Deutschland. Wieder mit Abstecher nach Korea. Dies ist der Abschnitt von Australien nach Korea. Læs mere
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    4. marts 2026

    Bali

    6. marts, Indonesien ⋅ ☁️ 28 °C

    Hea-Jee:

    Nach einer Nacht in Darwin fuhren wir zum Flughafen und nahmen den Flug nach Bali. Am Flughafen von Bali stiegen wir in ein Taxi und machten zunächst einen Zwischenstopp im Stadtzentrum der Hauptstadt Denpasar, wo wir zuerst die Schiffstickets nach Jakarta kauften. Damit stand unsere weitere Reiseroute fest, und Arnd konnte sich von da an um die nächsten Transportmittel und Hotelreservierungen kümmern.

    Schon auf dem Weg nach Bali war ich voller Vorfreude, denn dort erwartete uns eine Überraschung. In einem Strandresort auf Bali waren Evas Familie – zu dritt – und Scotts Mutter bereits angekommen und genossen ihren Urlaub. Wir stießen unterwegs zu ihnen und verbrachten vier Tage gemeinsam dort. Es fühlte sich an wie ein Traum.

    Tatsächlich hatten wir, seit wir Melbourne verlassen hatten, Finn sehr vermisst. Als wir noch in Melbourne lebten, kam Finn jeden Morgen als Erstes in unser Zimmer. Er legte sich neben den noch schlafenden Arnd, tat so, als würde er auch schlafen, und weckte ihn dann mit den Worten „Opa, Opa“ auf Deutsch. Die zwei Monate mit Finn waren unbeschreiblich glücklich gewesen. In dieser Zeit hatte sich auch sein Deutsch stark verbessert. Als wir uns in Melbourne verabschiedeten, winkte Finn uns zunächst brav aus den Armen seiner Mutter zu, doch als er begriff, dass wir wirklich gingen, brach er in Tränen aus. Nachdem wir uns von den Kindern verabschiedeten und nach Norden durch Australien reisten, trösteten wir uns mit der Vorfreude auf das Wiedersehen auf Bali.

    Bis dahin hatten wir noch nie Urlaub in einem Resort gemacht, und dieses luxuriöse Leben kam uns fast unwirklich vor. So eine wunderschön gepflegte Anlage hatte ich noch nie gesehen. Auf den Teichen schwammen unzählige kleine Lotusblüten, dazwischen glitten große Fische. Wenn man morgens die Tür öffnete, wurde man von sattem Grün begrüßt, das sich über das ganze Gelände ausbreitete. Egal wohin man blickte, überall leuchtete frisches, lebendiges Grün in den unterschiedlichsten Formen – kein einziges vertrocknetes Blatt war zu sehen. Neben dem feinen Sandstrand gab es mehrere Pools für unterschiedliche Zwecke. Besonders gab es auch ein Becken, das perfekt geeignet war für den bald zweijährigen Finn, sodass er die meiste Zeit dort verbrachte.

    Auf einem Pavillon, der über dem Teich gebaut war, frühstückten wir gemeinsam. Das Frühstück im Resort war vielfältig und ausgezeichnet. Finn aß mit großem Appetit weißen Reis, fast wie ein koreanisches Kind, und auch Kimchi oder Seetangsuppe mochte er gern. Nach dem Frühstück gingen wir in den Kinderbereich, wo er Bilderbücher anschaute oder balinesische Tänze lernte. Es gab sehr freundliche Betreuerinnen, die sich liebevoll um die Kinder kümmerten, sodass auch etwas ältere Kinder alleine dort spielen konnten. Wir folgten oft den Kindergruppen, die die Fische fütterten, spielten auf dem Spielplatz und gingen anschließend zum Pool. Die ganze Familie traf sich dort wieder, und wir wechselten uns ab, auf Finn aufzupassen oder uns auszuruhen. Ich freute mich sehr, Scotts Mutter wiederzusehen.

    Zur Mittagszeit kamen die Angestellten mit Speisekarten zum Pool und nahmen Bestellungen auf, um das Essen direkt zu servieren. Meist bestellten wir nur ein paar einfache Gerichte und teilten sie miteinander. Egal was wir bestellten, alles schmeckte hervorragend – offenbar war der Koch sehr talentiert. Besonders Finn aß erstaunlich gut und schaffte problemlos eine ganze Portion allein. Ich selbst trank wie gewöhnlich meist nur Wasser, doch als ich sah, was die anderen bestellten, wurde ich neugierig. Da mir die vielen unbekannten Namen nichts sagten, bestellte ich einfach dasselbe wie Scott: einen frisch gepressten Saft aus Mango und Ananas. Er war herrlich kühl und unglaublich lecker, sodass ich danach immer wieder diesen Saft bestellte. In Deutschland wäre so etwas teuer und einen weiten Weg transportiert, aber hier war es günstig und frisch vor Ort produziert – also beschloss ich, ihn während unseres Aufenthalts so oft wie möglich zu genießen.

    Wenn man ein Stück den Weg am Strand entlangging, gelangte man in ein kleines Dorf, das ganz auf Touristen ausgerichtet schien. Dort gingen wir abends essen oder kauften Dinge des täglichen Bedarfs wie Milch für das Kind. Zwar gab es gelegentlich Leute, die uns ansprachen, doch im Vergleich zu anderen Ländern wirkten die Menschen hier sehr zurückhaltend – nach einem freundlichen Nein ließen sie einen meist in Ruhe.

    Arnd erfüllte sich auch einen Wunsch, den er unbedingt mit Finn erleben wollte: Fahrradfahren. Man konnte im Resort Fahrräder, auch mit Kindersitz vorn leihen. Er setzte Finn auf das Fahrrad und fuhr mehrmals den Radweg entlang der Küste hin und her. Dabei sahen sie auch, wie große Schildkröten gefüttert wurden. Noch heute sagt Finn, wenn er Arnd über das Videotelefon sieht, ganz korrekt auf Deutsch „Fahrrad“. Die gemeinsame Zeit mit ihm war intensiv. Da wir uns um nichts anderes kümmern mussten, außer mit ihm zu spielen, fühlten sich diese vier Tage unglaublich erfüllt an.

    Schließlich kam der Tag des Abschieds. Wie immer trafen wir uns morgens im Pavillon über dem Teich zum gemeinsamen Frühstück, danach packte jeder seine Sachen. Wir fuhren zuerst mit dem Taxi los. Ich empfand eine gewisse Bewunderung für Eva und Scott – junge Eltern, die ihr Kind bedingungslos lieben und von ihm genauso geliebt werden. Sie machten ihre Sache wirklich gut. Auch Finn war bei seiner Großmutter väterlicherseits in guten Händen, und die beiden verstanden sich hervorragend, was mich sehr beruhigte. Der Abschied war traurig, aber zumindest musste ich mir keine Sorgen um ihn machen.

    Ich merkte, dass sich meine Gefühle beim Weiterreisen verändert hatten. Der eigentliche Zweck dieser Reise – Finn zu besuchen – war erfüllt, und das Gefühl beim Aufbruch war nicht mehr dasselbe wie am Anfang. Vielleicht war ich einfach erschöpft. Die Neugier war weniger geworden, und die Reise fühlte sich zunehmend anstrengend an. Manchmal wollte ich einfach nur schnell nach Hause nach Deutschland zurück, und dann wieder erschien mir das Leben dort etwas kalt und trostlos. Vielleicht lag es daran, dass ich Finn vermisse.
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  • Fahrt nach Surabaya

    9. marts, Indonesien ⋅ ☁️ 32 °C

    Surabaya ist die zweitgrößte Stadt in Java und ein guter Zwischenstop, weil alle Zuglinien in Java dort vorbeikommen. Man kann von dort gut in einem Tag mit der Bahn nach Jakarta fahren. Außerdem wird die eine Exkusion, die wir noch machen wollen, nach Mount Bromo, ab Surabaya angeboten.

    Auf der Hinfahrt sind wir von dort an einem Tag zu unserem Hotel in Bali gefahren, aber das hatte sich als Mammuttour entpuppt und zurück würde das gar nicht funktionieren. Deshalb haben wir die Fahrt auf zwei Tage verteilt.

    Am ersten Tag sind wir von Denpasar, wo unser Resort war, mit dem Bus an die Westküste Balis gefahren und dann noch mit der Fähre nach Java.

    Der Bus war ziemlich klein und unser Fahrer war sicher der schnellste Busfahrer in ganz Bali. Wir fuhren gefühlt die Hälfte der Zeit überholend auf der Gegenfahrbahn. Entgegenkommende Scooter und sogar Autos mussten dann eben bremsen und auf den Seitenstreifen ausweichen. Zum Glück spielte sich das bei 50km/h ab und der Fahrer war schon so Mitte 30 und hatte also schon mindestens ein Jahrzehnt so fahrend überlebt. Fahrtzeit etwa 5 Stunden. Wir waren 20 Minuten früher da, als geplant.

    Die Fähren nach Java fahren im Grunde dauernd. Sie bleiben im Hafen, bis die Autobucht unten voll ist und dann geht es los.

    Der Ankunftsort in Java, Ketapang, ist eine kleine Industriestadt und die Auswahl an Hotels war sehr überschaubar. Etwas südlich der Stadt gab es ein vornehm wirkendes Resort für 35€ pro Nacht. Das habe ich genommen.

    Die Fahrt zum Hotel gestaltete sich etwas merkwürdig. Als wir aus dem Fährterminal kamen, kamen die üblichen Taxifahrer. Wenn die einen ausländischen Touristen sehen, wittern sie immer ein gutes Geschäft. Deshalb sind für uns diese modernen Fahrtdienste wie Uber (Australien) oder Grab (ganz Südostasien) so vorteilhaft. Man weiß Preis und Fahrzeit vorher und der Fahrer kann nichts manipulieren. Also haben wir die Taxifahrer abgewimmelt und ein Grab bestellt.

    Da hat sich auch ein Fahrer gemeldet und kam nach ein paar Minuten. Leider konnte er kein Englisch. Kaum waren wir eingestiegen, stellte sich ein Lieferwagen vorne vor unser Auto, so dass wir nicht wegfahren konnten. Unser Fahrer war etwas verzweifelt und wollte, dass wir aussteigen. Nun hatte ich von Betrügereien bei Grab gelesen und wusste nicht, wie ich das einschätzen sollte. Nach längerem hin und her haben wir begriffen, dass es hier so eine Art Taximafia gibt, die am Fährterminal, und auf der Hinfahrt auch am Bahnhof, kein Grab duldet. Also sind wir ausgestiegen, mit unserem Gepäck ein paar hundert Meter die Straße lang gelaufen und dort konnte uns unser Grab Fahrer dann endlich einsteigen lassen.

    Unser Resort war eine ganz schön gemachte Anlage, aber es war nicht viel los. Wir sind gerade nicht in der indonesischen Reisezeit unterwegs. Nur das Restaurant war bis 20:00 gesperrt, weil da eine Hochzeit stattfand. Dafür mussten wir den Pool nicht mit vielen anderen teilen.

    Wenn Hotels und Restaurants so leer sind, haben sie mit der Küche ein Problem. Sie können nicht Lebensmittel für die große Auswahl vorhalten und es wird sicher vieles immer wieder aufgewärmt, was für empfindliche westliche Mägen nicht so optimal ist.

    Am nächsten Tag ging es um 11:00 mit dem Zug weiter nach Surabaya.

    In Surabaya haben sie eine Methode der Verkehrsführung entdeckt, die vermutlich sehr effizient ist, die aber das Lebensgefühl so beschissen macht, dass man fast niemanden außerhalb von Autos oder Scootern sehen kann.

    Schon auf der Hinfahrt war mir aufgefallen, dass unser Taxi so merkwürdige Umwege fuhr. Das liegt daran, dass hier alle größeren Straßen mehrspurige Einbahnstraßen sind und man an Kreuzungen nur rechts und links abbiegen, aber nicht geradeaus fahren kann. Deshalb braucht man an Kreuzungen keine Ampeln und der Verkehr kann ununterbrochen fließen. Nur muss man deshalb meist einen Umweg fahren.

    Und wie kommt man als Fußgänger auf die andere Straßenseite, wenn die Autos und Scooter nie stehenbleiben? Manchmal gibt es Überführungen. Wir haben auch einen Übergang mit Ampel benutzt. Beides befindet sich in der Mitte zwischen zwei Kreuzungen. Eigentlich will man vielleicht an der Kreuzung geradeaus, muss aber erst mal abbiegen und 100m weit bis zum Übergang laufen und dann wieder zurück.

    Die Fußgängerampel ist eine Druckknopfampel, die aber fast sofort grün wird. Aber die Autos und vor allem die Scooter bleiben erst stehen, wenn man die Straße betritt, nicht, wenn ihre Ampel rot wird. Und sobald man eine Fahrbahn verlassen hat, fahren sie sofort wieder los. Ampeln werden hier wohl als Konstruktionsfehler betrachtet. Kein Wunder, dass es fast keine Fußgänger gibt.

    Gesteigert wird das noch dadurch, dass der überwiegende Teil des Verkehrs von den Scootern und nicht von den Autos erbracht wird. Das ist zwar auch wieder sehr effizient, macht die Sache aber noch viel unübersichtlicher. Aber wenn die Scooterfahrer alle Auto fahren würden, würde der Verkehr komplett zusammenbrechen. Dann käme man als Fußgänger auch wieder über die Straße.
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  • Mount Bromo

    10. marts, Indonesien ⋅ ☁️ 18 °C

    Zu den Hauptattraktionen in Java zählen die Vulkane, von denen es hier viele gibt. Einer der beliebtesten ist der Bromo. Dessen Krater liegt, zusammen mit zwei anderen erloschenen Vulkanen, in einem großen Krater.

    Man kann eine Tour von Surabaya aus buchen. Die beginnt in der Nebensaison um kurz nach Mitternacht. Wir wurden vom Hotel mit einem Kleinbus abgeholt und fuhren dann bis in die Nähe des Vulkans. Dort stiegen wir um in einen Geländewagen mit Allradantrieb. Irgendwann gab es eine Pause mit einem Snack, es gab fritierte Bananen und Tee. Schließlich konnten wir zu Fuß zu einem Aussichtspunkt laufen, an dem man den Sonnenaufgang beobachten kann.

    Es ist hier gerade Regenzeit und eigentlich sind die Chancen sehr gering, dass man da überhaupt was sieht. Aber der Wetterbericht war etwas freundlich und deshalb haben wir die Tour gemacht. Die Szenerie war wolkenverhangen, aber mit Auflockerungen.

    Die meiste Zeit konnte man den etwas in der Ferne liegenden Mount Semeru sehen. Der ist interessant, weil er so etwa viermal pro Stunde ausbricht. Von uns aus gesehen waren die Ausbrüche aber nicht oben, sondern auf der linken Seite.

    Genau einmal für ganz kurze Zeit gab es freie Sicht auf alle Vulkane hier. Leider hatte ich gerade das falsche (Tele-) Objektiv drauf und mir war auch nicht klar, wo der Bromo genau ist. So ist er jetzt auf dem einzigen Foto links abgeschnitten. Es gab keine zweite Chance.

    Anschließend sind wir mit dem Jeep ins Tal des großen Kraters gefahren und auf den Kraterrand des Bromo gestiegen. Dabei ging es an einem hinduistischen Tempel vorbei, der Bromo ist den Hindus heilig.

    Der Bromo ist unten in seinem Krater sehr heiß. Da wir Regenzeit haben, gab es dort auch Wasser, das kochte und eine Dampfsäule produzierte. Alle paar Jahre gibt es auch einen Ausbruch. Aber der kündigt sich rechtzeitig an und dann wird der Berg gesperrt.

    Wir sind dann noch zu einem zweiten Aussichtspunkt gefahren, aber auch dort riss die Wolkendecke nicht mehr auf, dafür bekamen wir Besuch von ein paar Affen. Man konnte aber den Talboden des großen äußeren Kraters sehen. Da gab es einen sich windenden Fluss. Bei Regen läuft das Wasser vom Kraterrand in vielen kleinen Bächen herunter und sammelt sich an der tiefsten Stelle. Einen Abfluss gibt es nicht.

    Zum Abschluss gab es noch ein Frühstück mit gutem Kaffee. Ich hatte einen V60 Filterkaffee und mich sehr gewundert, dass es sowas ausgerechnet hier gibt!
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  • Jakarta Nationalmuseum

    13. marts, Indonesien ⋅ ☀️ 32 °C

    Die Fahrt mit dem Zug von Surabaya nach Jakarta war unspektakulär. Wie immer war die Klimaanlage kühl eingestellt, aber darauf waren wir vorbereitet. Ich hatte lange Hosen und einen dicken Pullover an. Die letzten zwei Stunden habe ich aber sehr gefröstelt. Später im Hotel stellte sich raus, dass ich Fieber hatte, 38°. Ein bischen Blähungen, aber sonst nichts.

    Also den nächsten Tag nichts unternommen. Fieber ging nicht weg. Noch eineinhalb Tage in Jakarta und dann beginnt unsere 30 Stunden Schiffspassage nach Singapur. Also am zweiten Tag nachmittags zum Arzt gegangen. In unserer Tropenmedizinischen Beratung in München hieß es, bei mehr als 38° Fieber zwei Tage in Folge unbedingt auf Malaria testen. Die Ärztin meinte, das könne man erst ab dem dritten Tag. Wegen der langen Inkubationszeit müsste ich mir das am ersten Abend in Bali eingefangen haben. Da haben wir draußen gegessen und Hea-Jee hatte auch einige Mückenstiche. Ich aber nicht.

    Zum Glück war das Fieber am Tag unserer Abreise weg. Es war wohl doch eine Magen-Darm-Infektion.

    So blieb uns nur ein Nachmittag, um in Jakarta noch was zu unternehmen und da stand auf dem Programm das Nationalmuseum.

    Indonesien ist ein ungeheuer vielfältiges Land und das konnte man in diesem Museum nicht vollständig widerspiegeln. Das Gebäude ist zwar sehr groß und prächtig, innen sind aber überall Baustellen und es gibt tatsächlich nicht so viele Exponate. Hier nur ein paar fotogene Exemplare.
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  • Fähre Jakarta - Batam (Singapur)

    15. marts, Indonesien ⋅ ☁️ 27 °C

    Hea-Jee:

    Vor der Abfahrt:
    Es war wirklich chaotisch, weil so viele Menschen in mehreren Durchgängen kontrolliert und abgefertigt werden mussten, bevor sie an Bord konnten. Mich hätte es überhaupt nicht überrascht, wenn hier ein Unglück wie in Itaewon passiert wäre. Als wir durch den langen, engen Gang von der Menge gedrängt wurden und endlich unsere Plätze fanden, atmeten wir erleichtert auf.

    (Arnd: Das habe ich nicht so empfunden. Es gab eine einzige Stelle, wo alle gedrängelt haben, aber die war nicht mal 10m lang und man hätte jederzeit seitlich rausgehen können.)

    Nach dem Einschiffen
    Unser Platz bestand aus einer schmalen Plastikmatratze, etwa so groß wie eine Yogamatte. Es gab keine Decken, und wir nahmen unsere Rucksäcke, in denen Kreditkarten und Laptops waren, als Kopfkissen, und legten uns einfach hin.

    Überall krochen Kakerlaken herum. Das Mädchen neben mir saß still da, bewegte sich nicht, aber sobald sie eine Kakerlake sah, erschlug sie sie beherzigt. Ich fand es ekliger, die Kakerlaken zu töten, also jagte ich sie nur weg. Bevor ich die Schuhe anzog, um zur Toilette zu gehen, klopfte ich sie vorher aus. Während des Schlafes meckerte Arnd genervt: Eine Kakerlake sei über sein Gesicht gekrabbelt. Ich war zu müde, um groß zu reagieren, murmelte nur: „Willst du dir wenigstens ein Handtuch übers Gesicht legen?“ und schlief wieder ein. Zum Glück gab es keine Decken – sonst hätten wir neben den Kakerlaken wahrscheinlich auch noch Flöhe gehabt.

    Das Schiff, das um 2 Uhr nachts abfahren sollte, legte erst gegen 7 Uhr morgens ab, und bis dahin stiegen viele Passagiere ununterbrochen ein. Das Schiff fasst 2000 Personen, und selbst nachdem alle Plätze mit den Plastikmatratzen besetzt waren, lagen noch viele Menschen auf dem Boden in den Gängen, auf Treppenabsätzen und sogar auf dem Deck auf Plastikplanen. Es war wirklich überfüllt. Hoffentlich gibt es heute keinen Taifun. Viele kleine Kinder waren auch an Bord, und vor dem Kiosk stand sogar eine kleine Plastik-Rutsche.

    Vor vier Monaten hatten wir auf einem Passagierschiff in der ersten Klasse geschlafen, in Zweibettkabinen mit eigenem Bad und Waschbecken. Damals war es sehr komfortabel. Als wir beim Ausschiffen die riesige Halle mit eng aneinander gereihten Matratzen sahen, konnte ich mir kaum vorstellen, wie anstrengend es wäre, 30 Stunden hier zu verbringen.

    Dieses Mal fuhr unser ursprüngliches Schiff aus irgendeinem Grund nicht, sondern ein Ersatzschif. Auf diesem Schiff gab es keine erste Klasse, nur normale Plätze. Also mussten wir das nehmen. Als wir dann endlich auf unseren Matratzen in der großen Halle saßen, fanden wir es gar nicht so schlimm. Verglichen mit den unzähligen Menschen, die auf Plastikplanen in den Gängen lagen, war das sogar Luxus.

    (Arnd: Ich habe eine App von der Fährgesellschaft. Da kann ich nachschauen, wann die Schiffe fahren, das tun sie nämlich nicht regelmäßig, welche Klassen es gibt und was das kostet. Die App kann auch Englisch. Kaufen könnte man die Tickets damit auch, nur bezahlen kann man als Ausländer nicht. Bei diesem Schiff war tatsächlich nur eine Klasse im Angebot und die kostete etwa 18€ pro Kopf und die Tickets sind vor Abfahrt ausverkauft. Bevor ich in Bali die Tickets bekommen habe, 10 Tage vor Abfahrt, war ich nicht sicher, ob wir es überhaupt mit diesem Schiff schaffen und habe keine weiteren Tickets für Eisenbahnen danach gekauft. Die erste Klasse auf dem anderen Schiff, der Kelud, kostete etwa 68€ und die Kabinen stehen fast alle leer. Die Kelud sollte aber erst wieder am 23. März fahren. Da hätten wir einen langen Baliurlaub machen können. Es scheint aber auch noch eine Klasse mit Stehplätzen zu geben, die die App gar nicht anzeigt. Die Leute liegen dann überall in den Gängen und auf den Treppenabsätzen. Unser Schiff war von der Bauart her ein Schwesterschiff der Kelud. Es gab auch die Kabinen erster und zweiter Klasse, nur konnte man die nicht kaufen und sie fuhren leer durch die Gegend. Arnd Ende)

    Es war auch interessant, die Leute zu beobachten. Familien spielten Karten, unterhielten sich freundlich oder aßen zusammen Bento-Boxen; Mütter pflegten ihr Gesicht mit verschiedenen Cremes und kämmten dann die Haare ihrer Töchter; ältere Schwestern kümmerten sich liebevoll um die jüngeren Geschwister. Man bekam fast automatisch das Gefühl, dass die Zukunft dieses Landes hoffnungsvoll ist. Auch die Erwachsenen lagen ruhig auf ihren Matten und erledigten ihre Dinge. Trotz vieler Kinder war die Atmosphäre überwiegend ruhig, und es gab kaum Menschen, die andere störten – und falls doch, wurde nicht gestritten, sondern einfach hingenommen.

    Indonesier scheinen generell freundlich und gutmütig zu sein. Sie lächeln, wenn die Blicke sich kreuzen, und helfen gern. Während des chaotischen Einschiffens habe ich bisher nur einmal jemanden gesehen, der kurz die Beherrschung verlor. Abzocke haben wir kaum erlebt.

    Wir schienen die einzigen Ausländer auf diesem Schiff zu sein. Wir fuhren nach Batam, um von dort die internationale Fähre nach Singapur zu nehmen. Ich war zuerst überrascht, dass so viele Einheimische ebenfalls nach Singapur zu reisen schienen, aber Arnd, der sich mit ein paar Männern gegenüber unterhielt, fand heraus, dass die Fähre über Batam hinaus bis nach Medan im Nordwesten Sumatras fährt. Die Fahrt nach Batam dauert 30 Stunden, und nach Medan dann noch einmal 28 Stunden. Wer dorthin reist, schläft wohl drei bis vier Nächte auf dem Schiff, meist auf dem Boden oder draußen, wenn sie keine Liegeplatzkarte haben. Wir hofften nur, dass diejenigen, die länger unterwegs sind, irgendwann unsere leer gewordenen Matratzen nutzen können.

    Nach zwei Nächten auf dem Schiff:
    Die zwei Nächte auf dem Schiff waren wirklich unbequem. Die Halle war die ganze Nacht über grell beleuchtet, so hell wie in einem Operationssaal, und der Fernseher lief laut und ununterbrochen. Das ruhige Mädchen neben mir war nicht mehr da, stattdessen lag ein junger Mann verkehrt herum und trat im Schlaf versehentlich mein Gesicht. Dann wurde es plötzlich sehr laut: Es war drei Uhr morgens, und alle saßen auf, aßen und unterhielten sich.

    (Arnd: Merkwürdigerweise konnte ich tatsächlich schlafen. Den Aufruhr um 3:00 habe ich auch nicht mitbekommen, nur der Muezzin um 5:00 hat mich geweckt.)

    Verglichen mit den Leuten, die ohne Liegeplatz auf dem Boden in Gängen und auf Treppenabsätzen lagen, ging es uns nicht schlecht. Es gab viele Babys, doch die hörte man kaum weinen. Indonesische Babys scheinen irgendwie weniger zu schreien. Es war rührend zu sehen, wie die Kinder sich um ihre jüngeren Geschwister kümmerten.

    Am Vortag hatten wir beide Magenprobleme. Vielleicht lag es am im Zug gekauften Essen, daher kauften wir auf dem Schiff kein Essen, sondern hielten uns nur mit Snacks über Wasser. Wir wollten kein Risiko eingehen, öfter zur Toilette laufen zu müssen. Die Toiletten waren nicht besonders schmutzig im Verhältnis zur Passagierzahl, aber für uns war der Zustand ungewohnt.

    Da das Wasser hier nicht als sauber galt, versuchten wir, uns möglichst wenig zu waschen oder Zähne putzen. Die Einheimischen wuschen sich und putzten Zähne in der fast unter Wasser stehenden Toiletten. Ihre reinliche Körperpflege beeindruckte mich sehr. Die Männer tranken aus religiösen Gründen keinen Alkohol, rauchten aber viel. Auf dem Deck war es voll von rauchenden Männern.

    Einmal hörte ich plötzlich ein Baby schreien. Es war ein Kind im Alter von Finn, das im Arm der Mutter zornig weinte. Vermutlich war es sauer, weil es gerade von der kleinen Plastik-Rutsche vor dem Kiosk abgeholt wurde, um ins Bett zu gehen. Kinder sind eben überall niedlich.

    Die Menschen, die auf dem Boden schliefen, wirkten nicht unbedingt unglücklich. Sie lagen ruhig mit den Kindern, unterhielten sich leise und schienen sich nicht zu schämen. Trotzdem sahen sie für mich etwas traurig aus, sodass ich kein Foto machen konnte.

    Ich dachte dabei, dass wir im Falle eines Krieges vielleicht in eine noch härteren Situation geraten könnten. Die zwei Nächte auf dem Schiff waren eine wertvolle Erfahrung, aber ich wünsche mir nicht, sie oft zu erleben.

    Nach Singapur

    Am Hafen von Batam angekommen, stiegen wir sofort in ein Taxi und fuhren zum internationalen Terminal. Da wir weder wussten, wann die nächste Fähre nach Singapur ablegen würde, noch ob es überhaupt noch freie Plätze gab, verzichteten wir darauf, ein Grab zu rufen. Stattdessen nahmen wir einfach das Taxi des ersten Fahrers, der uns ansprach, und zahlten den Preis, den er verlangte.

    Am Terminal stellte sich heraus, dass die Economy-Klasse der nächsten Fähre bereits ausgebucht war. Also blieb uns nichts anderes übrig, als ein Tickets für die Business Class zu kaufen. Für die knapp 40-minütige Überfahrt war der Preis teurer als unsere Schifffahrt, die über 30 Stunden gedauert hatte. Dennoch hatte es auch seine Vorteile: Zum ersten Mal in unserem Leben konnten wir in einer Business-Class-Lounge Platz nehmen, entspannt Tee trinken und ein paar Snacks genießen.

    Als die Fähre schließlich eintraf, durften wir vor den anderen Passagieren an Bord gehen. In der großzügigen und angenehm ruhigen ersten Klasse fanden wir bequem Platz und konnten die kurze Überfahrt in vollen Zügen genießen.

    Nach der Ankunft folgte direkt die Einreise nach Singapur. Wir legten unsere Pässe auf das Lesegerät, blickten kurz in die Kamera – und schon öffnete sich die Schranke. Arnd war begeistert und bezeichnete es als die schnellste Einreise, die wir je erlebt hatten: gerade einmal 30 Sekunden. (Arnd: Man muss sich in allen Ländern hier vorher online anmelden und die Passdaten angeben. Die Behörden haben also etwas Zeit, wenn sie noch was kontrollieren wollen.)

    So erreichten wir erneut Singapur. Es ist so einfach, von Indonesien mit einem Pro-Kopf-BIP von rund 5.000 Dollar nach Singapur mit etwa 92.000 Dollar zu reisen.
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  • Singapur

    16. marts, Singapore ⋅ ⛅ 27 °C

    Obwohl es hier recht teuer ist, haben wir uns entschlossen, nochmal zwei Tage in Singapur zu bleiben. Der Einfachheit halber sind wir wieder ins selbe Hotel gegangen, wie letztes Mal.

    Am ersten Tag wollte ich morgens etwas durch die Stadt laufen, damit wir uns nicht nur in klimatisierten Innenräumen aufhalten. Also sind wir ein paar Stationen U-Bahn gefahren und dann durch eine Grünanlage losgelaufen. Dieser Park war tatsächlich recht interessant, so dass wir da länger waren.

    In der Nähe wo wir ankamen gab es eine „Sehenswürdigkeit“ in meiner Karte, den Tree Tunnel. Als wir da ankamen war er voll mit Leuten, die sich offensichtlich anstellten. Es war ein senkrechter Schacht mit einer runden Öffnung oben mit Blick auf einen Baum. Im Schacht gab es eine Treppe mit einem Absatz auf halber Höhe. Dort posierte eine junge Frau und wurde wohl gerade von unten fotografiert. Offensichtlich ein Instagram Spot. Wir waren schnell wieder weg.

    Im Park haben wir dann etwas interessantes gesehen. An einem Baum hingen unmittelbar nebeneinander ein paar Blüten, junge Keime und ausgewachsene Früchte. Hier sind wir am Äquator und da ist es immer gleich warm. Warum sollten die Pflanzen hier alles der Reihe nach machen, wenn auch alles gleichzeitig geht?

    Etwas später gab es einen Spice Garden. Da konnte man sich einige Gewürzpflanzen ansehen. Auch da gab es eine Kakaopflanze wo direkt nebeneinander verschiedene Stadien der Fruchtentwicklung an derselben Pflanze hingen.

    Unterwegs sind wir mehreren sehr schönen Hähnen begegnet.

    Als wir den Park verließen war es schon fast Mittag und wir sind Richtung Fluss weitergelaufen und haben nach einem Mittagessen Ausschau gehalten. Ich habe ein Restaurant entdeckt, dass sich auf Dumplings, also gefüllte Nudeln spezialisiert hat. Wir hatten eine Platte mit fünf verschiedenen Sorten, alle gebraten oder frittiert. Die Füllungen schmeckten alle sehr interessant. Warum tun wir eigentlich immer dieselben Sachen in unsere Nudeln?

    Nach dem Essen am Fluß weiterspaziert zum unserem Nachmittagsziel, dem ArtScience Museum. Das Gebäude sieht sehr ungewöhnlich aus und steht an einem besonderen Platz an der Marina Bay, direkt neben dem berühmten Hotel mit dem Steg oben drauf. Es erinnert ein bisschen an eine nach oben geöffnete Hand.

    Da haben wir drei Ausstellungen besucht. Die ständige Ausstellung bietet ein paar Räume mit Lichtinstallationen und Projektionen. Sie richtet sich mehr an Familien mit Kindern. Nur der letzte Raum enthielt eine Lichtinstallation, die wir länger genossen haben.

    Die zweite Ausstellung war wohl eine Wanderausstellung aus England, die wirklich spektakuläre Makroaufnahmen von toten Insekten zeigte. Es gab ein Video über die Techniken des Fotografen. Er benutzt ein Mikroskopobjektiv und macht damit pro Bild 8000 Aufnahmen, die er dann in drei Wochen Arbeit zusammenmontiert. Man kann sich das anschauen unter

    https://microsculpture.net

    Schließlich waren wir noch in einer Ausstellung, die was mit Autos der Zukunft und künstlicher Intelligenz zu tun hatte. Ich hatte da nichts für interessantes erwartet, aber es war im Eintritt enthalten. Tatsächlich war es eine etwas dystopische Zukunftsphantasie, in der die Welt nur noch von selbstfahrenden Autos bevölkert ist, die öfters mal eine psychische Behandlung benötigen.

    Zum Abend mussten wir dann ein typisch singapurianisches Gericht essen, dass Hea-Jee in koreanischen Reiseblogs gesehen hatte, Bak Kut Teh. Es war eine Brühe mit gekochten Schweinerippchen. Dazu bestellte man noch ein paar Beilagen. Es kam immer wieder die Oma der Betreiberfamilie vorbei und hat Brühe nachgeschenkt. Tatsächlich war das recht lecker.

    Da es diesmal Hea-Jee nicht so gut ging, haben wir am zweiten Tag auf die Wanderung draußen verzichtet und sind gleich ins New Art Museum Singapore gegangen. Darin gab es u.a. eine Ausstellung von zwei Indonesiern über die Ausbeutung ihres Landes durch die Nickel und die Palmölindustrie.

    Insbesondere ein Video hat mich sehr beeindruckt. Die Akteure waren ein Mitarbeiter einer Palmölplantage, ein Wissenschaftler, der die Produktion optimiert, eine Art Waldgöttin, die für die Palmbäume sprach und eine Figur mit fünf übereinander gestapelten Köpfen, der künstlichen Intelligenz. Es hatte so etwas von modernem Klassenkampf, nur dass der böse Unternehmer hier durch die künstliche Intelligenz und den Wissenschaftler ersetzt waren.
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  • Kuala Lumpur

    18. marts, Malaysia ⋅ ☁️ 34 °C

    Arnd:
    Von Singapur nach Kuala Lumpur sind wir wie auf der Hinreise mit dem Bus gefahren. Das ist sehr viel schneller, als mit der Eisenbahn und auch weniger umständlich, weil man nicht umsteigen muss. Auf dieser Strecke fahren so etwa 20 Busse pro Stunde. Die starten an unterschiedlichen Orten in Singapur und enden an unterschiedlichen Orten in Kuala Lumpur. Ich habe einen Bus ausgesucht, der ganz in der Nähe unserer Unterkunft in Kuala Lumpur endet, so dass wir dort zu Fuß laufen konnten. An der Abfahrtstation musste ich die Internetbestellung noch in ein Papierticket umtauschen. Am Schalter dort wollte man mir erst zwei nicht benachbarte Plätze geben. Erst als ich sehr unglücklich nachgefragt habe, ob das auch anders geht, gab es dann auch zwei benachbarte Plätze. Der Bus war zweistöckig mit sehr breiten und komfortablen Sitzen.

    In Singapur ist man schnell an der Grenze. Dort muss man den Bus verlassen und durch die Grenzkontrollen gehen. Danach steigt man wieder in den Bus und auf der Malaysischen Seite nochmal dasselbe. Auf halber Strecke nach 3 Stunden gibt es eine Pause zum Wasser lassen und Essen kaufen. Ansonsten ist die Fahrt wie auf der Hinreise unspektakulär. Man fährt die meiste Zeit durch Ölpalmenplantagen. Malaysie ist der zweitgrößte Palmölexporteur der Welt, hinter Indonesien. Diese beiden Länder bedienen fast 90% des Weltmarktes.

    Wir waren zwangsweise 5 Tage in Kuala Lumpur, weil ich früher keine Zugtickets nach Bangkok bekommen habe. In der Zeit konnten wir endlich unsere Reiseberichte hier im Pinguin nachholen. Wir wollten es also hauptsächlich bequem haben und haben uns nach längerer Überlegung eine Wohnung in der Stadt gemietet.

    Die Wohnung lag im 30. Stockwerk. Unten kam man auf eine Fußgängerstraße mit vielen Restaurants und gegenüber gab es eine Mall mit Lebensmittelgeschäft, Bäckerei und noch vielen weiteren Restaurants. Im 35. Stock gab es einen Infinity Pool. Der scheint am Rand direkt in den Abgrund überzugehen, das sieht aber nur so aus. Außerdem gibt es da oben eine tolle Aussicht. Aus unseren Zimmerfenstern war sie auch gut, aber die schauten in eine weniger interessante Richtung.

    Als ich mal mit Fotoapparat rumgelaufen bin, fiel mir auf, dass dieser Pool an einer Stelle einen runden Glasboden hat, wo man von unten die Schwimmer sehen kann. Nachdem wir das wussten, haben wir es auch im Pool gesehen.

    Abends hörten wir jeden Abend Feuerwerke. Das ging immer nur ein zwei Minuten. Kurze Zeit später ein weiteres Feuerwerk, irgendwo anders. Das scheint hier rund ums Jahr erlaubt zu sein. Aus dem 30. Stock sieht man das dann von oben, mal ne neue Perspektive.

    Am letzten Tag blieb noch etwas Zeit, was zu unternehmen. Auf der Hinfahrt waren wir im Bird Park gewesen. Ganz in der Nähe gibt es noch einen Butterfly Park. Finn mag Schmetterlinge, weil Hea-Jee ihm zum Einschlafen immer ein koreanisches Wiegenlied vorgesungen hat. Das hat zur Melodie von Hänschen Klein einen Text über Schmetterlinge und Finn liebt dieses Lied. Für Schmetterling kennt er nur das koreanische Wort. Also sind wir in den Butterfly Park gegangen, in der Hoffnung, ein paar schöne Fotos oder Filme für Finn zu machen.

    Den Weg dahin haben wir zum Teil mit der Monorailbahn zurückgelegt, die es hier gibt. Irgendwie finden das alle Leute immer sehr futuristisch. Sie fuhr komplett hochgelegt etwa auf Höhe des zweiten Stockwerks und hat sich kurvenreich durch die Stadt gewunden.

    Das Fotografieren war aber gar nicht so einfach, weil die Schmetterlinge ständig rumgeflogen sind. Wenn sich mal einer irgendwo hingesetzt hat, dann nur für kurze Zeit und kaum kam man näher zum fotografieren, ist er wieder abgehauen. Die großen, besonders schönen Schmetterlinge sind meist immer oben rumgeflogen, wo sie durch ein Netz am Abhauen gehindert wurden. Am Ende kamen aber doch ein paar nette Bilder zusammen.

    Vor dem Ausgang gab es dann auch noch einige präparierte Insekten zu sehen. Manche waren echt beeindruckend.

    Zum Mittagessen sind wir dann zum Birdpark rübergelaufen, wo wir wussten, dass es da ein nettes Restaurant gibt, in dem man auf einem Balkon sitzend den Park überblicken kann. Auf der Hinfahrt hatten wir dort schon gegessen. Damals gab es während unseres Essens einen Wolkenbruch und zwei Vögel hatten sich direkt neben den Gästen auf das Geländer gesetzt. Einer der beiden Vögel kam auch diesmal wieder vorbei.

    Vom Bird Park aus konnten wir noch zu Fuß zum Nationalmuseum laufen. Die Malaysische Geschichte war durchaus interessant, aber wir haben nicht allzuviel fotografiert. Nur eine Trophäe hat Hea-Jee eingesammelt. Sie hatten nämlich Repliken von ein paar frühen europäischen Karten von Asien. Da gab es ein paar französische Karten ungefähr von 1700, auf denen Korea sehr unförmig eingezeichnet war. Das besondere war das Meer im Osten, zwischen Korea und Japan. Das hieß auf diesen Karten Mer de Corée. Japan behauptet seit einiger Zeit, das dieses Meer „Japanisches Meer“ heißt und sie wollen sogar eine Insel für sich beanspruchen, die seit je her zu Korea gehört, was die Koreaner verständlicherweise alles nicht sehr erfreulich finden. Deshalb war dies eine Trophäe.

    Hea-Jee:
    Wir blieben ganze fünf Tage in Kuala Lumpur. Da es uns gesundheitlich nicht besonders gut ging und wir erschöpft waren, beschlossen wir, diese Zeit als Gelegenheit zum Ausruhen zu nutzen. Außerdem hatten sich in unserem Reiseblog unzählige Beiträge angesammelt, die noch nicht geschrieben waren.

    Seit wir am 24.12.23 bei den Kindern in Melbourne angekommen waren, haben wir zwar viel erlebt aber nichts davon festgehalten. Es war auch eine Zeit, in der eher das Privatleben im Vordergrund stand als Ereignisse, die man mit der Welt teilen möchte. Und da der eigentliche Zweck dieser Reise darin bestand, Pinnie zu treffen, war ich so sehr auf ihn konzentriert, dass ich überhaupt keine Lust hatte, mich mit anderen Dingen zu beschäftigen.

    Auch als wir Melbourne verließen und die Rückreise nach Hause antraten, hatte ich keine Motivation, Reiseberichte zu schreiben. Nach dem Abschied von unseren Kindern fühlte ich mich lustlos und hatte keine Stimmung, meinen Alltag ruhig zu reflektieren und in Worte zu fassen. Ich dachte sogar, es wäre vielleicht an der Zeit, ganz damit aufzuhören. Arnd hingegen begann, die vielen Fotos, die er mit Leidenschaft gemacht hatte, nach und nach zu sortieren – und entschied, weiterzuschreiben.

    Mir hatte das Leben im Resort auf Bali mit den Kindern so gut gefallen, dass ich vorschlug, auch in Kuala Lumpur in einem Resort zu übernachten, wenn wir lange da bleiben. Ich hoffte, dass ich in einer ruhigen, grünen Umgebung fernab der hektischen und lauten Innenstadt wieder Lust zum Schreiben finden würde. Zwar gab es in Kuala Lumpur auch ein Resort, das an einen Golfplatz angeschlossen war, doch auf Arnds Vorschlag hin entschieden wir uns schließlich für ein Hochhaushotel in der Stadt, in dem man leben konnte, ohne eine einzige Autostraße überqueren zu müssen. Es gab einen Pool auf dem Dach sowie eine Sauna und ein Fitnessstudio. Im Ergebnis war es eine sehr gute Entscheidung.

    Arnd lädt nun in atemberaubendem Tempo die aufgestauten Beiträge in seinen Penguin-Blog hoch, während ich schon damit kämpfe, diese ins Koreanische zu übersetzen und in meinem koreanischen Blog zu veröffentlichen.
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  • Bangkok

    25. marts, Thailand ⋅ ☀️ 34 °C

    Hea-Jee:
    Der Weg nach Bangkok verlief nicht ganz reibungslos. Früh am Morgen standen wir auf, frühstückten hastig und verließen das Hotel, an das wir uns in den fünf Tagen gewöhnt hatten. Wir gingen zu einer nicht weit entfernten Monorail-Station zu Fuß. Doch obwohl die Bahn angeblich alle zehn Minuten fahren sollte, kam sie auch nach fast 20 Minuten noch nicht. Langsam wurden wir nervös und fragten uns, ob wir unseren Zug verpassen würden. Da die anderen Leute jedoch ganz entspannt warteten, beruhigten wir uns ein wenig und wartete weiter – schließlich kam sie doch.

    Wir nahmen einen Schnellzug Richtung thailändische Grenze und fuhren etwas mehr als fünf Stunden. Die Wälder, die man draußen sah, bestanden fast ausschließlich aus Palmen. Arnd erklärte mir, dass ein Großteil des weltweit konsumierten Palmöls in Indonesien und Malaysia produziert wird.

    In der Grenzstadt Padang Besar angekommen, warteten wir bei etwa über 35 Grad Hitze vier Stunden lang in einer Wartehalle ohne Klimaanlage. Ein Hinweis besagte, dass sich die Einreiseformalitäten wegen des großen Andrangs verzögerten. Obwohl die Abfahrtszeit unseres Zuges längst verstrichen war, hatte die Passkontrolle noch nicht einmal begonnen, und wir wurden wieder unruhig.

    Wenn wir diesen Zug nach Hat Yai Junction verpassen würden, könnten wir auch den Nachtzug nach Bangkok nicht mehr erreichen. Da es schwierig gewesen war, Fahrkarten für den Bangkok-Zug zu bekommen, hatten wir in Kuala Lumpur sogar fünf Tage gewartet. Außerdem hatten wir bereits alle weiteren Verkehrsmittel und Hotels für die kommende Woche gebucht, sodass die Situation ziemlich heikel war. Doch irgendwann öffneten sich die Türen, und wir konnten die Grenzformalitäten erledigen. Entgegen unserer Befürchtungen verlief alles überraschend schnell und reibungslos. Schließlich konnten wir problemlos in den Zug nach Hat Yai Junction einsteigen. Es war wohl der älteste Zug, den wir auf dieser Reise genommen hatten – natürlich ohne Klimaanlage, sodass alle Fenster geöffnet waren. Nach 45 Minuten erreichten wir Hat Yai Junction und konnten in den Nachtzug nach Bangkok umsteigen.

    Der Nachtzug nach Bangkok war auf interessante Weise aufgebaut: Die Betten waren auf beiden Seiten übereinander in Längsrichtung angeordnet. Tagsüber waren die oberen Betten hochgeklappt, und man saß unten auf Sitzen. Am Abend kamen freundliche Mitarbeiter vorbei, stellten die unteren Sitze zu Betten um und
    klappten die oberen Betten herunter. Dabei kamen auch Kissen, Laken und Decken zum Vorschein. Unsere Plätze waren beide oben, einander gegenüber. Jedes Bett hatte einen Vorhang, sodass man etwas Privatsphäre hatte. Ich fühlte mich wohl und konnte gut schlafen. Wahrscheinlich war ich auch einfach erschöpft, nachdem wir den ganzen Tag in der Hitze unterwegs gewesen waren.

    Arnd:
    Diesmal kamen wir so gegen acht Uhr in Bangkok an. Wir sind gleich zur U-Bahn gelaufen. In der Bangkoker U-Bahn muss man im Bahnhof an einer automatischen Schranke seine Fahrkarte vorweisen. Dazu kann man auch einfach eine Kredit- oder Debitkarte nehmen, das ist also sehr einfach. Nur ApplePay ging diesmal nicht, worüber wir erstmal gestolpert sind. Auf dem Bahnsteig sahen wir dann lange ordentliche Schlangen an den Stellen, wo die Türen der U-Bahn sind. Dann kam die erste U-Bahn. Total voll. Ein paar Leute stiegen aus und etwa so viele konnten einsteigen. Die Schlange vor uns wurde etwas kürzer. Zum Glück kamen die Bahnen recht schnell hintereinander, aber die nächsten zwei Bahnen konnten wir immer noch nicht einsteigen. Dann kam eine Bahn, die wohl extra neu eingesetzt und komplett leer war.

    Dieses Erlebnis hat uns zu denken gegeben. Wir wollten zwei Tage später am selben Bahnhof weiterreisen. Wenn nicht planbar ist, wie lange wir bis zum Bahnhof brauchen, dann müssen wir vorsichtshalber sehr früh vom Hotel aus losfahren. Am nächsten Tag konnten wir aber sehen, dass es zu der Uhrzeit an unserer Station keine Schlange gibt. Die Abfahrt am letzten Tag hat dann auch gut geklappt.

    Bei unserer Ankunft war es wieder früh morgens und dann kann man noch nicht im Hotel einchecken. Wir konnten aber im Hotel ein extra Frühstück kaufen, Toiletten gibt es auch in der Lobby und eine Gepäckaufbewahrung haben auch alle Hotels. Wir hatten noch nichts geplant für unseren Aufenthalt in Bangkok und mussten das erst in der Lobby nachholen. Am späten Vormittag sind wir dann losgezogen.

    Heute hatten wir aber nichts besonderes geplant. Wir sind zuerst zu einem Blumenmarkt gefahren. Märkte werden immer als touristische Highlights herausgestellt. Ich finde mich dort immer fehlplatziert, weil ich nichts kaufen will, denn wir haben fast keinen Platz in unserem Gepäck.

    Es gibt zwei Sorten von Märkten. Zum einen echte Märkte, wo einheimische einkaufen gehen und Touristenmärkte. Der Blumenmarkt war ein echter Markt. Ich vermute, dass dort Blumenhändler hingehen. Normale Konsumenten werden nicht durch halb Bangkok fahren, nur um einen Blumenstrauß zu kaufen. Als wir gegen Mittag dort waren, war aber nicht viel los.

    Der Blumenmarkt liegt in der Nähe des Chao Phraya Flusses. Das ist der große Fluss, der durch Bangkok fließt. Der ist auch eine Hauptverkehrsachse. Es gibt zahllose Boote, die an vielen Haltestellen entlang des Flusses anhalten. Die Fahrt ist sehr günstig. Daneben gibt es auch Touristenboote, die bestimmte Sehenswürdigkeiten ansteuern und dort etwas liegen bleiben, damit die Fahrgäste fotografieren können.

    Wir haben ein Boot genommen, das bis zu einer Haltestelle fuhr, wo auch die U-Bahn hält. Mit der sind wir dann zurück zum Hotel gefahren und haben uns am Nachmittag ausgeruht. Abends haben wir noch einen Spaziergang durch einen nahegelegenen Park gemach, der sich abends in eine Art Fitnessstudio für die Bevölkerung verwandelte. Danach haben wir noch bei einem Nachtmarkt vorbeigeschaut und eine Grußkarte mit vielen Schmetterlingen für Finn gekauft, zu einem Preis, den sie auch in Deutschland gekostet hätte.
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  • Bangkok Ausflug

    26. marts, Thailand ⋅ ☀️ 34 °C

    Arnd:
    Für den zweiten Tag in Bangkok haben wir einen Ausflug gebucht zu zwei ganz besonderen Touristenmärkten 100km außerhalb von Bangkok. Das war Hea-Jees besonderer Wunsch. Zumindest der erste ist immer mal wieder in den Reiseteilen von internationalen Zeitschriften zu finden, so verrückt ist er.

    Der Veranstalter hat uns an einer U-Bahnstation abgeholt. Wir fuhren dann noch zu einem anderen Treffpunkt, der offenbar in einer Touristengegend liegt. Wir hielten in einer kleinen Straße, in der es einen Massagesalon nach dem anderen gab und blieben dort eine Zeit lang stehen.

    Von vorn kam irgendwann ein fahrender Essensstand und blieb genau vor uns stehen. Das sind Mopeds mit einem Beiwagen, in dem die Küche untergebracht ist. Der junge Fahrer fing sofort an, etwas zu kochen, obwohl da kein Kunde zu sehen war. Dann kamen etliche Masseurinnen und holten sich wohl ihr Frühstück. Der Fahrer war sehr zufrieden mit sich und strahlte übers ganze Gesicht. Dieser Ort zu dieser Zeit war offensichtlich ein Glücksfall für ihn.

    An einer Kreuzung, an der wir stehen bleiben mussten, stand auf der Fahrerseite auf der Straße ein Händler, der kleine Blumengebinde verkaufte. Unser Fahrer kurbelte sein Fenster runter kaufte sich eines und band es an seinen Rückspiegel. Damit war unsere Fahrt wohl abgesichert.

    Der erste, verrückte Markt unserer Tour zieht sich entlang von Eisenbahnschienen. Die Sonnenschutz-Zeltdächer der Stände gehen bis zur Mitte der Schienen und werden weggeklappt, wenn der Zug kommt. Rechts und links ist dann alles gerammelt voll mit Touristen, die bis auf Tuchfühlung an den Schrittgeschwindigkeit fahrenden Zug herankommen.

    Dieser Markt liegt an der Endstation des Zuges. Der Zug braucht ein paar Minuten, um durch den Markt zu fahren.

    Ich gehe davon aus, dass der Zug nur noch fährt, weil die Touristen dort mitfahren und der Markt nur noch für die Touristen existiert. Die Zugstrecke ist nicht allzu lang, der Zug braucht 45 Minuten von einem Ende zum anderen. Wir stiegen am vom Markt entfernten Ende der Strecke ein und fuhren bis zum Markt. Unterwegs kamen wir an einer Gegend vorbei, wo aus Meerwasser Salz gewonnen wird. Die Wohnhäuser in der Gegend wirkten überwiegend sehr ärmlich. Der Zug war recht voll, aber fast ausschließlich mit Touristen. An der Endstation beim Markt konnten wir Fotos mit Lokomotive machen, den Markt erkunden und die Abfahrt des Zuges miterleben.

    Danach ging es zu einem schwimmenden Markt. Nicht allzu breite Wasserwege durchzogen einen Ort und waren gerammelt voll mit Booten von Händlern und Booten voll mit Touristen.

    Die Thailänder haben sehr schlanke, lange Boote entwickelt. Ein Teil davon hat hinten einen dicken protzigen Motor mit sehr langer Welle. Der Fahrer benutzt Welle und die Schraube zum Lenken und kann sie auch komplett aus dem Wasser heben. Dazu wird der ganze Motor gekippt und gedreht. Wenn er die Schraube bei der Fahrt an die Wasseroberflächhe holt, dann gibt es eine aufsehenerregende Wasserfontäne. Im Markt haben sie das zum Glück nicht gemacht, weil sonst alle Touristen nass werden würden.

    Es gab erste Boote mit Elektroantrieb. Aber wenn man sieht, welche emotionale Bedeutung diese Verbrennungsmotoren für die Bootsfahrer haben, sie sind so gut sichtbar und teilweise stark dekoriert, dann kann man sich vorstellen, dass sich viele der Fahrer erstmal nicht davon trennen werden.

    Wir wurden aber zunächst in Boote gesetzt, die mit einem Paddel von Hand angetrieben wurden. Damit glitten wir an den Verkaufsständen vorbei und wenn jemand was kaufen wollte, blieb der Bootsfahrer stehen. Das erfolgversprechendste Angebot war bei uns das Kokoseis. Danach kam ein Flasche Bier. Es gab aber auch vieles andere zu essen und sehr viel Touristennepp zu kaufen. Darunter ganz viel Zeug, wo ich mir nicht vorstellen kann, dass das jemals ein Tourist an diesem Ort und bei dieser Situation kaufen würde. Viel gekauft wurde nicht. Ich hoffe, dass die Händler von den Bootsbetreibern mitfinanziert werden, sonst wäre das eine sehr unfaire Veranstaltung.

    Wir passen hier sehr auf, was unsere Ernährung angeht. Unsere Reise ist so durchorganisiert, dass wir uns eine Magenverstimmung einfach nicht leisten können. Deshalb haben wir uns nach der Bootsfahrt an Land ein paar fritierte Bananen gekauft. Die Händlerin war sichtlich gerührt und hat uns noch zwei frische Bananen dazu geschenkt.

    Zum Schluss sind wir auch noch ein Stück mit einem Motorboot durch Kanäle außerhalb des Marktes gefahren. Die Kanäle waren deutlich breiter und dort konnte der Fahrer dann richtig Gas geben. Es gab sogar eine Geschwindigkeitsbegrenzung mit Messstation.

    Morgens waren wir zügig auf Schnellstraßen zu unserer Eisenbahn gefahren. Der Heimweg am Nachmittag verlief aber auf kleineren Straßen. Mit einem kleinen Umweg wären da auch Schnellstraßen gewesen, aber unser Fahrer fuhr fast Luftlinie. Ob das wohl dem Energiesparen diente? Es ist ja gerade Irankrieg und Thailand ist davon besonders betroffen. Wir haben von Energiesparmaßnahmen gehört, aber sonst nichts davon mitbekommen.

    Hea-Jee:
    Arnd hat das alles so gut geschrieben, dass ich eigentlich nichts mehr hinzuzufügen habe. Nur eine kleine Episode möchte ich noch erzählen.

    Auf unseren Reisen durch Südostasien achten wir ziemlich darauf, was wir essen und trinken. Trotzdem hatten wir einmal eine unangenehme Magenverstimmung direkt vor der langen Schifffahrt, und seitdem sind wir noch vorsichtiger geworden. Weil wir möglichst schnell weiterkommen wollten, hat Arnd den restlichen Teil unserer Route sehr dicht geplant und alle Verkehrsmittel sowie Hotels im Voraus gebucht. Wenn unterwegs etwas schiefgeht und man auch nur einen Zug verpasst, gerät gleich der ganze Plan durcheinander.

    Während Arnd viel Energie darauf verwendet hat, die kommenden Etappen sorgfältig zu planen und alles zu buchen, habe ich mir auf YouTube Videos über die leckeren Speisen des jeweiligen Landes angesehen. Dadurch begann sich mein etwas erschöpftes und verschlossenes Gemüt langsam wieder zu öffnen. Besonders in Thailand, das für sein gutes Essen bekannt ist, hatte ich mir fest vorgenommen, unbedingt dies und jenes zu probieren.

    Doch ich stieß auf Arnds Widerstand, sodass wir auf den Markten voller köstlicher Essensstände keine richtige Mahlzeit kaufen konnten. Bei dieser Hitze, ohne Kühlschränke, schien das Essen vielleicht nicht besonders hygienisch zu sein – sein Argument war durchaus nachvollziehbar. Also aßen wir den ganzen Tag nur frittierte Speisen. Um ganz sicherzugehen, verzichteten wir sogar auf Fleisch und hielten uns an frittierte Bananen und Pommes. Da ich immer hungriger wurde, stieg in mir zunehmend schlechte Laune auf. Wozu macht man überhaupt eine Reise, wenn der Plan zwar perfekt ist, man aber kaum etwas wirklich erlebt?

    Am späten Nachmittag, kaum im Hotel angekommen, gingen wir direkt ins Hotelrestaurant zum Abendessen. Dort sollte es schließlich hygienisch sein. Wir aßen uns satt und tranken zum Schluss sogar noch ein Himbeer-Joghurt-Getränk.

    In der Nacht konnte ich kaum schlafen, weil mein Unterbauch brannte, spannte und pikste. Am nächsten Morgen bekam ich Durchfall.
Was zum…?
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  • Vientiane

    27. marts, Laos ⋅ ☀️ 38 °C

    Arnd:
    Von Bangkok aus machen wir einen großen Sprung nach Kunming in China. Dafür brauchen wir zwei Tage. Am ersten Tag geht es nach Vientiane in Laos. Das liegt kurz hinter der Grenze zu Thailand.

    Auf der Hinfahrt sind wir diese Strecke bequem in einem Schlafwagen gefahren. Dabei sieht man aber nichts, und man kommt morgens früh an und muss irgendwie das Gepäck unterbringen. Deshalb dachte ich, dass wir diesmal tagsüber fahren.

    Spätestens beim Losfahren des Zuges war klar, dass das keine so gute Idee war. Der Zug war alt und von der Bauart hat man sowas in Deutschland früher einen Schienenbus genannt. Der Dieselmotor ist unter dem Wagen angebracht. Das war richtig laut und des öfteren hatte man Dieselabgase in der Nase. Fahrtzeit 9 Stunden. Wenigstens gab es eine Klimaanlage, sonst wäre es bei 38°C außen wirklich hart geworden.

    Weil es Hea-Jee nachts nicht so gut gegangen war, haben wir vor der Fahrt nichts zu essen gekauft und den ganzen Tag nur noch Kekse aus Kuala Lumpur und Bananen vom Vortag gegessen.

    Der Zug fährt nur bis Nong Khai, einer thailändischen Stadt an der Grenze zu Laos. Zwischen Thailand und Laos liegt hier der Mekong. Die beiden Länder haben eine Brücke darüber gebaut, die sie Freundschaftsbrücke Nr. 1 getauft haben. Vom Bahnhof zur Brücke haben wir ein Tuktuk genommen. Einmal mussten wir das ja tun. Das ist eher so ein offener Kleinbus mit Motorradantrieb für bis zu 6 Fahrgäste. Es wird pro Person gezahlt und der Fahrer fährt erst los, wenn er keine weiteren Fahrgäste mehr erwartet. Bei uns war das aber quasi sofort.

    Auf der Thailändischen Seite der Brücke bekommt man seinen thailändischen Ausreisestempel in den Pass. Dann kauft man ein Busticket über die Brücke. Der Bus fährt so alle 20 Minuten.

    Auf der anderen Seite geht es dann durch die Immigration. In Laos kann man als Deutscher ein Visum on Arrival bekommen. Während unserer Zugfahrt habe ich nochmal alles recherchiert (wir hatten oft Internet in Thailand im Zug!). Ich wurde daran erinnert, dass man für dieses Visum 40 US$ pro Person zahlen muss. Dafür braucht man absolut neuwertige Banknoten. Alternativ kann man mit Thai Baht bezahlen, was aber etwa 8€ mehr kostet. Wenn man die Google KI ganz genau fragt, sagt sie, dass man auch in der Laotischen Währung Lak zahlen kann und das es dort einen Geldautomaten gibt. Die Beträge in Baht oder Lak ändern sich aber mit dem Wechselkurs und man weiß sie nicht im Voraus. Der ganze Tonfall all dieser Meldungen ist: Mach es unbedingt mit Dollar.

    Wir hatten einen 100$-Schein. Also Google gefragt, ob die die 20$ wieder herausgeben. Googles Antwort: Nein. Und dann kamen Links von Leuten, die behaupteten, das sei halt die übliche Korruption in Laos. Außerdem war nicht klar, ob unser 100$-Schein schön genug und neu genug war. Also haben wir auf den Geldautomaten gesetzt und die 100$ als Fallback angesehen.

    Für Visa on Arrival gab es einen extra Schalter. Es war aber schon dunkel und man sah dort kein Licht. Irgendjemand drängte uns aber dorthin und meinte, die haben offen. Es kam dann eine Grenzbeamtin und öffnete das Fenster. Sie konnte ganz gut Englisch und war sehr freundlich. Unser 100$-Schein war ok und wir bekommen auch die 20$ zurück. Ansonsten kostet es 1 000 000 Lak und der Geldautomat ist dort drüben. Wir haben uns dann für den 100$-Schein entschieden. Der war sowieso für fast alle Anwendungen zu groß. Jetzt haben wir zwei 10$-Scheine und das ist sehr viel besser.

    Von der Brücke bis in die Innenstadt von Vientiane sind es 25 Km. Wir haben uns ein Loca-Taxi genommen. Loca ist die laotische Variante von Uber. Staatlich organisiert, Laos ist kommunistisch mit nicht so viel Marktwirtschaft. Der Staat möchte gern an vielen Stellen im Tourismus mitkassieren. Die Loca-Fahrten sind deshalb immer ziemlich teuer, diese 25Km Fahrt hat z.B. 18€ gekostet. Für Südostasien extrem viel.

    Hea-Jee war besorgt wegen unserem Hotel. Auf der Hinfahrt hatte unser gebuchtes Hotel in Vientiane unser Zimmer anderweitig vermietet. Bei den meisten Hotels in Laos geht die Buchung so, dass man erst bei Ankunft zahlt. Für das Hotel besteht bei internationalen Gästen das Risiko, dass die nicht kommen und niemals zahlen werden. Ich bevorzuge deshalb die chinesische Variante: Man bezahlt immer alles im Voraus. Da hat der Hotelier schlicht kein Problem, wenn ich nicht komme und wird mein Zimmer wohl freihalten, egal wann ich ankomme. Wenn ein Recht zum stornieren der Buchung vereinbart ist, dann kann man das machen und bekommt sein Geld zurück. Da ich chinesisch über trip.com buche, wickeln die das alles ab und das funktioniert auch. Das Stornierungsrecht kostet aber immer extra und wir brauchen das schlicht nie. Deshalb nehme ich das auch nicht.

    Es hat aber alles geklappt mit dem Hotel und das Hotel war auch ganz schön mit kleinem Garten, Pool und Laubengängen für die Zimmer.

    Wir sind dann noch losgezogen, um was zu Abend zu essen. Ich hatte nicht weit ein koreanisches Restaurant gefunden und das war uns jetzt lieber, als was unbekanntes laotisches. Auf dem Weg dorthin sahen wir in der Nähe des Hotels einen kleinen Laden. Dort wollten wir dann am nächsten Morgen unser restliches laotisches Bargeld ausgeben. Es sei hier schon erzählt, dass dieser Laden fast nur koreanische Lebensmittel hatte. Für unsere weitere Reise sind wir deshalb mit koreanischen Instantnudelsuppen gut ausgestattet. Und in chinesischen Zügen (dieser Zug durch Laos nach China ist chinesischer Bauart) kann man wie in russischen Zügen heißes Wasser bekommen.
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  • Fahrt nach Kunming

    29. marts, Kina ⋅ 🌬 25 °C

    Nach einem ganz schönen Frühstück im Hotel haben wir noch in dem koreanischen Lebensmittelladen gegenüber für die Fahrt eingekauft und sind dann mit dem Loca-Taxi zum Bahnhof gefahren. Der liegt recht weit im Norden der Stadt, weil er ganz neu ist und es keine Eisenbahnschienen bis in die Stadtmitte gibt. Die Fahrt dorthin dauerte also 45 Minuten. Aber wir waren früh genug da. Am Eingang gab es eine Fahrkartenkontrolle. Da wurde unser QR-Code auf dem Smartphone nicht akzeptiert. Wir mussten erst zu einem Fahrkartenschalter gehen und uns ein Papierticket drucken lassen.

    Der Zug fährt durch bis Kunming. Das heißt, er muss an der Grenze zweimal stehen bleiben, alle Passagiere müssen mit allem Gepäck aussteigen und durch die Immigration.

    Bei der Fahrkartenkontrolle wurden wir schon darauf hingewiesen, dass man für die Immigration nach China online eine Voranmeldung ausfüllen muss. Es gab auch einen QR-Code dazu. Das hatte ich allerdings schon vor zwei Tagen versucht und war gescheitert. An einem Pflichtfeld für den genauen Einreiseort sollte eine Liste mit möglichen Orten erscheinen. Die kam aber nicht und ohne diese Angabe ging es nicht weiter. Aber ich dachte, wenn die mich hier darauf hinweisen, dann wissen die wohl auch, wie das funktioniert. Als ich ihnen das dann zeigte, waren sie auch sehr zuversichtlich, sind dann aber auch gescheitert. Ich wurde an einen Schalter in der Abfahrtshalle verwiesen. Dort hatte die Dame dieselbe Zuversicht, scheiterte aber auch. Ich meinte, wir müssten dann wohl doch das alte Papierticket ausfüllen. Ja, das gibt es im Zug. Ich frage mich nur, wie so ein Softwarefehler über Tage bestehen kann und keiner weiß das. Sind wir hier wirklich über Tage die einzigen Ausländer, die diese Grenze überschreiten?

    Im Zug kam dann sehr schnell eine Mitarbeiterin mit einem QR-Code zu unserem Sitz. Sie wusste von uns. Es war aber wieder derselbe QR-Code. Wir füllten das gemeinsam aus bis zu der Stelle, wo es nicht weiterging. Sie scheiterte auch. Ich meinte: Papierformular. Sie war fast verzweifelt, bloß kein Papierformular! Sie ging weg, um Hilfe zu holen. Nach 10 Minuten kamen sie zu dritt, haben sich das nochmal angeschaut und hatten dann das Papierformular dabei. Mal schauen, wie es an der Grenze laufen wird. Lustig war das Feld für alle Länder, die man in den letzten 2 Jahren bereist hat. Unsere lange Liste passte da nur ganz knapp zweizeilig hinein.

    So, wir sind in China. An der Grenze wurden wir gleich von ein paar Beamten abgefangen, die das Onlineformular auf ihrem eigenen Smartphone in ihrer chinesischen Variante für uns ausfüllten und uns den Ergebnis-QR-Code zum fotografieren zeigten. Am Ende hat alles geklappt, die Menschen sind halt überall hilfsbereit.

    Ich hatte mal wieder zweite Klasse gebucht. Bei chinesischen Zügen heißt das eine 3+2 Bestuhlung und das schafft für den Algorithmus beim Fahrkartenverkauf Probleme. Unsere beiden Plätze waren zwar nebeneinander, aber mit dem Gang dazwischen. Das kriegen die Chinesen einfach nicht hin. Wir hatten auch schon mehrfach Plätze in benachbarten Reihen. Vielleicht sollte ich in Zukunft nur noch erste Klasse kaufen, da gibt es diese Probleme eher weniger.

    Ankunft 21:45. Unser Hotel können wir wieder zu Fuß erreichen. Wir laufen durch einen gigantischen Bahnhof auf einen gigantischen Bahnhofsvorplatz und dann noch ein paar große Straßen entlang. Es sind fast keine Menschen zu sehen. Die Temperatur ist von 38°C in Vientiane auf 19°C in Kunming abends gefallen. Das ist echt faszinierend, wie diese doch nicht so große Distanz eine derartige Wetterscheide sein kann.
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  • Steinwald von Shilin

    29. marts, Kina ⋅ 🌬 22 °C

    Unser Reiseführer sagte uns, dass die größte Attraktion in Kunming der Steinwald von Shilin ist. Der ist von Kunming rund 80Km entfernt. Wieder mal eine geologische Sehenswürdigkeit. Davon gibt es in China erstaunlich viele und erstaunlich schöne.

    Als wir auf der Hinreise das erste Mal in Kunming waren, waren wir im alten Zentrum der Stadt und von dort war es umständlich, nach Shilin zu fahren. Aber dieses Mal waren wir in der neuen Südstadt, Kunmingnan, weil unser Zug nach Shanghai von dort abfährt. Von Kunmingnan fahren häufig Hochgeschwindigkeitszüge in einer halben Stunde nach Shilin. Genauer nach Shilinxi (West), von wo es immer noch 40Km sind. Aber da fährt ein direkter Bus, Nr. 99. Blieb nur die Frage, ob die Bezahlung im Bus funktioniert. Wir haben es einfach probiert, das Bahnticket kostete nur 2€50.

    Der Steinwald ist eine von den Touristenzielen, wo wirklich viele Besucher hinfahren. In China sind das dann immer gleich zehntausende pro Tag. Wir scheinen aber gerade in der Nebensaison zu sein, es war nicht besonders voll. Aber mit uns im Zug saßen doch ziemlich viele mit demselben Ziel.

    Als wir in Shilinxi aus dem Bahnhof kamen, standen da bereits drei Busse mit rot leuchtender 99 in der Anzeige. Der Fahrer stand draußen neben der Tür und da prangte ein WeChat QR-Code. WeChat ist das chinesische WhatsApp, hat aber viel mehr Funktionen. Es ist eher ein schweizer Taschenmesser und es gibt zahllose Apps, die innerhalb von WeChat laufen. U.a. hat es eine Bezahlfunktion und das ist eine der zwei weit verbreiteten Bezahlmethoden in China. Nur leider benutzen viele Händler nicht direkt die Bezahlfunktion, sondern sie haben eine eigene Bezahl-App innerhalb von WeChat und das funktioniert bei uns meist nicht, schon allein, weil diese Apps keine englische Übersetzung haben. Zum Glück ging das Bezahlen im Bus mit Standard WeChat.

    Der Ticketschalter liegt in 2Km Entfernung vom Steinwald. Dort gibt es noch viele Geschäfte und Restaurants. Man wird wieder mit kleinen offenen Elektrobussen zum eigentlichen Steinwald gefahren, wenn man dafür ein extra Ticket kauft. Hea-Jee hat am Ticketschalter natürlich nach dem Seniorenrabatt gefragt. Mir ist das etwas peinlich, weil wir sicher viel mehr Geld haben als die meisten chinesischen nicht-Senioren, die den vollen Preis zahlen. Aber es war kein Problem, wir haben ihn nach Passkontrolle bekommen. Übrigens gibt es im Gegensatz zu den Ländern in Südostasien hier auch keinen Spezialpreis für ausländische Touristen, der oft ein vielfaches des Normalpreises ist.

    Man musste dann trotz Elektrobus nochmal ein ganzes Stück laufen und innerhalb vom Steinwald läuft man auch die ganze Zeit, und zwar Treppe rauf, Treppe runter. Wir waren nachher durchaus geschafft. Am Eingang stand schon die Warnung, dass die Wege keinesfalls barrierefrei sind. Das war untertrieben. Sie mussten sich schlicht den Felsen anpassen und da gab es manchmal nur sehr wenig Platz.

    Der Steinwald ist eine Karstformation. Die Bilder sprechen für sich. Hea-Jee vermutet, dass es ähnlich ist zum Kumgangsan (Diamantenberg) in Nordkorea, der für alle Koreaner ein Sehnsuchtsort ist (der schönste Berg der Welt). Kumgangsan ist aber wesentlich größer mit 12000 Bergspitzen. Sie hat gleich nach Fotos davon recherchiert.

    Junge Frauen leihen sich hier gern eine Tracht aus und lassen sich damit fotografieren. Vermutlich ist das eine lokale traditionelle Tracht. Sie sieht aber nicht sehr chinesisch aus.

    Der Steinwald ist durchzogen von Wegen. Man muss sich ständig entscheiden, in welche Richtung man weitergeht. Es gibt einige beschilderte, größere Wege. Auch da muss man sich manchmal bücken und dünn machen um durchzukommen. Diese Wege sind auch in meiner Karte eingezeichnet. Aber man kann sich auch auf schmale Nebenwege begeben und da wird es fast abenteuerlich und man kann sich sicher auch verlaufen. Auf meiner Karte waren diese ganz kleinen Wege nicht eingezeichnet. Es ist ein natürliches Labyrinth.

    Bei einer sehr steilen, absteigenden Treppe haben wir überlegt, ob wir umdrehen sollten. Es hatte morgens geregnet und die Steinwege und -Treppen waren noch etwas nass und rutschig. Aber wir sind ganz vorsichtig runtergestiegen. Und dann waren wir wirklich mitten im Labyrinth. Zur Orientierung konnte jetzt nur noch der Kompass in der Karten-App dienen. „Wir müssen uns rechts halten“. Klar, nur die Wege ändern ständig ihre Richtung. Aber wir sind wieder rausgekommen.

    Unser Hotel in Kunmingnan war das dem Bahnhof am nächsten liegende. Unser Zimmer lag im 37. Stockwerk, Rekord auf dieser Reise. Kunmingnan ist eine moderne Planstadt und unglaublich weitläufig. Auf unserer Seite des Bahnhofs gab es einen bestimmt 400m breiten Vorplatz, auf dem es keine Fahrzeuge gab. Auch sonst gab es da nichts, nur wenige Menschen waren zu sehen. Aber die 400m muss man erstmal laufen, wenn man zu Fuß zum Hotel will. Rund um unser Hotel gab es noch ein paar andere Hochhäuser im Bau, aber sonst nichts. Das nächste Restaurant fürs Abendessen war weit entfernt. Deshalb haben wir im Bahnhof Nudel- bzw. Mandusuppe gegessen und sind im Hotel dann bald eingeschlafen.
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  • Fahrt nach Shanghai

    30. marts, Kina ⋅ 🌧 21 °C

    Von Kunming nach Shanghai sind es Luftlinie 2000Km! Man kann das in 12 Stunden mit dem Zug fahren. Aber auf so langen Strecken sind die Tickets nicht so einfach zu bekommen. Es musste aber unbedingt klappen. Zugtickets werden nur 14 Tage im Voraus verkauft und sind dann manchmal in kürzester Zeit ausverkauft. Aber in trip.com kann man sie schon vorher bestellen. Sobald sie verfügbar sind, kauft trip sie dann sofort ein. Es gibt in trip.com noch eine Funktion, um seine Chancen zu verbessern: Man wählt seine Wunschverbindung und sagt dann noch, welche Alternativen auch in Frage kommen. Ich hatte vier Züge gewählt und jeweils erste oder zweite Klasse zugelassen.

    Ich habe das schon ein paar Mal so gemacht und dabei den Eindruck bekommen, dass trip nicht nach meinen Präferenzen optimiert, sondern danach, dass die meisten ein Ticket bekommen. Vielleicht optimieren sie auch ihren Gewinn, was aber zum ähnlichen Ergebnis führen dürfte. Das führt dann dazu, dass wenn man sehr flexible Vorgaben macht, man das bei den meisten Käufern unbeliebteste Ticket bekommt. Wir haben ein Ticket bekommen für einen Zug um 7:12 in der zweiten Klasse.

    Man soll eine halbe Stunde vorher im Bahnhof sein und wir brauchten zu Fuß vom Hotel zehn Minuten. Das Frühstück in unserem Hotel gab es ab 6:30 und wir hatten das bezahlt. Also kamen wir um 6:30 und haben uns ein paar Croissants, Pastel del Nata, kleine Brötchen (plus Butter) usw. mitgenommen und im Zug gefrühstückt. In chinesischen Zügen gibt es in jedem Wagen einen Spender für heißes Wasser, z.B. für Tee oder Instant Nudelsuppen. Im Bahnhof hatten wir noch ein paar Minuten, um in einem Convenience Store ein paar andere Sachen für die Fahrt zu kaufen. Das Frühstücksangebot in diesem Hotel war ungewöhnlich westlich und sehr schön. Es war aber auch ein für chinesische Verhältnisse teures Hotel einer westlichen Kette.

    Der Blick aus dem Zugfenster bot immer wieder schöne Aussichten. China ist landschaftlich ein wunderschönes und vielfältiges Land. Es ist durchzogen von kleinen und großen Bergen, deshalb fährt man viel in Tunneln. Die Täler können groß sein und dann sieht man z.B. riesige Gewächshausflächen (mit Foliendach). Aber auch in kleinen schmalen Tälern sieht man noch bebaute Terrassen mit teilweise sehr kleinen Feldern.

    Zum Mittagessen gab es eine chinesische Instantsuppe. Die Begeisterung hielt sich in Grenzen. Als wir sahen, dass immer wieder Personal mit verschiedenen Essensangeboten durch den Zug kamen, haben wir zum Abendessen darauf zurückgegriffen, Das war besser. Die zweite Nudelsuppe müssen wir jetzt wohl entsorgen.

    Endlich angekommen mussten wir noch mit der U-Bahn durch die halbe Stadt, weil der Bahnhof ziemlich außerhalb liegt. Unsere Erwartung war, dass Alipay die Bezahlung für die Fahrt regelt, aber da kam nur eine unverständliche Seite statt eines QR-Codes. Zum Glück hat Hea-Jee entdeckt, dass man hier direkt mit VISA bzw. ApplePay bezahlen kann. So kamen wir dann nach einer halben Stunde bei unserem Hotel an.

    Das Hotel hatten wir nach der Lage ausgesucht. Es liegt in einer Nebenstraße der Nanjingstraße, der wichtigsten Einkausstraße und in fußläufiger Entfernung vom Bund, der Promenade am Fluss mit den alten Prachtbauten auf der einen Seite und den neuen Hochhäusern auf der anderen. Es ist ein günstiges Hotel für Shanghai und unser Zimmer ist recht klein. Dafür kostet es auch nur etwas mehr, als unser Prachthotel in Kunming.
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  • Shanghai Tag 1

    31. marts, Kina ⋅ ☁️ 17 °C

    Tag eins in Shanghai begannen wir mit einem Spaziergang. Von unserem Hotel aus durch die Einkaufs-Fußgängerstraße Nanjing Lu bis zum Bund, der Uferpromenade auf der Westseite des Huangpu Flusses. Dabei mussten wir drei Straßen kreuzen. Die erste war eine normale breite Autostraße, auf den anderen beiden gab es nur Motorroller und ein paar Fahrräder. Bei den Kreuzungen ohne Autos änderte sich der Bodenbelag nicht, weshalb man sie ganz leicht übersehen konnte. Dazu kommt, dass man die Roller einfach nicht hört. Deshalb waren auch bei rot noch etliche Fußgänger auf der Straße und die Roller mussten sich hupend einen Weg bahnen.

    Vom Bund aus gab es dann diesen bekannten Blick nach Pudong, wo der Fernsehturm und die ganzen neuen Wolkenkratzer stehen. Leider war es dunstig und der Blick deshalb nicht fotogen. Am zweiten Tag nachmittags war es etwas besser und mit ein bisschen Nachhilfe beim Kontrast ist das Foto ok. Richtig gut wurde es dann abends.

    Auf der Seite des Bund stehen prachtvolle alte Gebäude, hauptsächlich Bank- und Handelshäuser. Den Blick kennt man merkwürdigerweise nicht so. Auch sonst haben wir recht viele alte Gebäude im westlichen Stil gesehen. Wegen der Lage am Meer war und ist Shanghai eine Handelsstadt und die Europäer hatten sich hier breit gemacht. Es ist trotzdem fürs Auge erfreulich, nicht nur den modernen Einheitsbrei zu sehen und diese alten Gebäude werden auch liebevoll gepflegt und sind eine beliebte Kulisse für Hochzeitsfotos.

    Den Bund sind wir ganz langsam runtergeschlendert und haben uns dann eine Pause mit modernem Kaffee gegönnt. Danach ging es in den Yuyuan-Garten. Der war in unserem Reiseführer zwar mit Stern erwähnt, aber nicht so genau beschrieben. Das macht deshalb Hea-Jee unten.

    Am frühen Nachmittag fing es ganz leicht an zu regnen, leider früher, als unser Wetterbericht vorhergesagt hatte. Deshalb sind wir dann zu einem Museum gefahren, das ich mir markiert hatte. Es heißt Power Station of Art, weil es in einem ehemaligen Kraftwerk untergebracht ist. Und das war kein kleines Kraftwerk. Das Museum zeigt zeitgenössische Kunst und dort findet eine Biennale statt. Zufälligerweise gerade als wir da waren und zwar war dies der letzte Tag. Danke an den Regen.

    Die Frau am Ticketschalter fragte von sich aus nach unserem Alter und erfreulicherweise gab es für Senioren kostenlosen Eintritt. Im Ergeschoss gab es hauptsächlich Videokunst. Das ist sowieso nicht so unser Ding und die hier gebotene hat uns nichts gesagt. Zum Glück gab es oben dann auch andere Kunst. Ein Video hatte es Hea-Jee allerdings doch angetan und sie hat sich das ziemlich lange angeschaut. Ein Mann mit Rucksack läuft durch China und schießt mit dem Fuß immer einen Stein vor sich her. Endlose Alltagsszenen aus dem Land.

    Zum Abendessen sind wir dann zu einem Restaurant gegangen, das Hea-Jee schon morgens entdeckt hatte. Dort gab es Krebs und da kann Hea-Jee nicht widerstehen. Die Gerichte sind in diesem Schnellrestaurant schon fertig und werden auf einem Tisch mit Wasserdampf von unten warm gehalten. Man nimmt sich, was man möchte und bezahlt am Ende. Typischerweise wählt man verschiedene Dinge aus und teilt sich das dann. Aber den Krebs musste Hea-Jee allein essen, das ist nicht so mein Ding.

    Hea-Jee:
    Der erste Morgenspaziergang in Shanghai war erfrischend. Bei angenehmen 19 Grad Celsius schlenderten wir langsam durch ruhige Straßen ohne Autolärm. Shanghai soll 25 Millionen Einwohner haben – wo waren die alle? Die Uferpromenade wirkte ziemlich leer. Vom Flussufer der Altstadt mit ihren alten europäischen Gebäuden blickten wir hinüber zur Neustadt mit ihren berühmten Wolkenkratzern.

    Obwohl es nicht besonders bewölkt war, erschienen die Hochhäuser auf der anderen Seite des Flusses verschwommen. Ich habe nachgeschaut: In einem Flussdelta bildet sich oft Nebel, außerdem gibt es Smog. Dennoch kratzte mir nicht der Hals, und es roch auch nicht nach Abgasen wie in manchen Großstädten Südostasiens. Die Straßen waren mit Frühlingsblumen geschmückt, und die Kirschblüten begannen gerade aufzugehen. Vielleicht weil die Jahreszeiten ähnlich sind wie in Korea, vielleicht auch wegen der vertrauten Essensgerüche – irgendwie fühlte ich mich hier, als wäre ich bei Verwandten zu Besuch.

    Ohne große Erwartungen gingen wir in den Yu-Garten, und er war überraschend schön. Wie in einem Labyrinth wanderten wir durch verschlungene Wege, vorbei an frisch erblühten Frühlingsblumen, Teichen und traditioneller Architektur, die immer neue, liebevoll gestaltete Räume entstehen ließen. Die Anlage war auch sehr groß. Im 16. Jahrhundert soll ein reicher Mann den Garten für seine Eltern angelegt haben – wahrlich ein guter Sohn. Der Bau dauerte ganze 18 Jahre; ich hoffe sehr, dass seine Eltern die Fertigstellung noch erleben und lange genießen konnten.

    Arnd machte Fotos, bewunderte, musste aber auch oft lachen. Die Skulpturen und traditionellen Verzierungen überschritten auf spielerische Weise die Grenze zwischen Kunst und Kitsch, was das Ganze besonders unterhaltsam machte.

    Irgendwie musste ich an die Asamkirche in München denken. Ihr Innenraum, ein Höhepunkt des Rokoko, wirkt zwar unterhaltsam und lebhaft, doch als Kunstwerk fehlt es ihm ein wenig an Zurückhaltung und Eleganz. Auch die Asamkirche wurde wie der Yu-Garten als Privatbau errichtet – 1733 von zwei Bildhauerbrüdern als private Kapelle direkt neben ihrem Wohnhaus.

    Wenn Bauherren ihre künstlerischen Überzeugungen ohne äußere Einflüsse frei verwirklichen können, entstehen vielleicht solche heiteren Werke wie der Yu-Garten oder die Asamkirche. Auch wenn ich die Asamkirche hier als Vergleich heranziehe, finde ich persönlich, dass der Yu-Garten in künstlerischer Qualität und Wert überlegen ist.

    Allerdings war es dort unglaublich voll. Da wurde mir klar, warum die Straßen Shanghais zuvor so leer gewesen waren – alle waren hier! Verständlich, denn der Garten ist wirklich schön und interessant.

    Am Ticketschalter des Yu-Gartens gab es ermäßigte Preise für Senioren, also habe ich gesagt, dass wir dazu gehören, und ein bisschen günstiger Karten bekommen. Arnd hätte wahrscheinlich einfach normale Tickets gekauft, ohne etwas zu sagen. Er meint, wir hätten nichts zur chinesischen Gesellschaft beigetragen und hätten daher keinen Anspruch auf solche Vergünstigungen. Ich finde seinen Standpunkt richtig. Trotzdem sehe ich das etwas anders. Für mich ist die Seniorenvergünstigung etwas anderes als Sozialleistungen oder Krankenversicherung. Ich betrachte sie eher als eine menschliche Geste der Rücksichtnahme gegenüber älteren Menschen, unabhängig von Nationalität oder gesellschaftlichem Beitrag – so etwas wie ein „Sie haben lange gelebt, das verdient Respekt“. Deshalb finde ich es auch in Ordnung, wenn chinesische Senioren in Deutschland oder Korea Ermäßigungen bekommen – und ebenso, wenn wir sie in China erhalten. Dasselbe gilt für Studentenrabatte: Vielleicht sind sie einfach eine freundliche Begrüßung – „Willkommen, das Studium ist anstrengend, oder?“
    
Anders ist es bei speziellen Regelungen, die nur für Staatsbürger gelten, wie etwa die kostenlose U-Bahn für Senioren in Seoul. Obwohl ich koreanische Staatsbürgerin bin, habe ich mein Leben lang nichts zur wirtschaftlichen Entwicklung Koreas beigetragen, deshalb finde ich es nur fair, dass ich diese Leistung nicht in Anspruch nehme.

    Als wir zur Biennale ins Museum gingen, war am Schalter kein Seniorenrabatt angegeben. Also habe ich auch nicht extra danach gefragt – Arnd würde sich schämen, nach etwas zu fragen, das nicht ausdrücklich angeboten wird. Doch die Mitarbeiterin war sehr freundlich: Sie fragte nach unserem Alter, überprüfte unsere Pässe und ließ uns schließlich kostenlos hinein. Das war mir fast schon peinlich – selbst ich, die sonst selbstbewusst solche Vergünstigungen annimmt, fand das etwas zu viel.

    An der künstlerischen Qualität der Biennale-Werke bestand kein Zweifel, aber vieles wirkte auf mich ziemlich experimentell und schwer zugänglich. Trotzdem habe ich mir ein Video angesehen, das über eine Stunde dauerte – bis zum Ende. Es zeigte einen jungen westlichen Mann, der endlos über einen ländlichen Weg in China läuft. Es passiert nichts Besonderes: Man sieht einfach die Straße, Berge, Felder, Bauern bei der Arbeit oder Arbeiter, die sich ausruhen. Während des ganzen Weges stößt er mit dem Fuß einen Stein vor sich her, sodass ständig ein klackerndes Geräusch zu hören ist.

    Ich sah das Video nicht als Kunstbetrachterin, sondern als Reisende. Die Landschaften kleiner Städte und Bergregionen Chinas sowie das Leben der Menschen dort entfalteten sich ganz trocken und unverfälscht, ohne Effekte oder Inszenierung. Eine Reise, die ich machen konnte, ohne selbst zu laufen – was für ein Glück! Noch interessanter war der Gedanke, dass der junge Mann diese Landschaft vermutlich weniger wahrgenommen hat als ich, weil er die ganze Zeit nur auf den Stein vor seinen Füßen blickte.

    Auch die letzte Szene blieb mir im Gedächtnis: Als er an eine hohe Mauer stößt, die wie eine Grenze wirkt und ihn am Weitergehen hindert, hebt er den Stein, den er die ganze Zeit vor sich her gestoßen hat, betrachtet ihn kurz und wirft ihn schließlich mit voller Kraft über die Mauer. Wollte der Künstler sagen, dass nicht der Mensch, sondern der Stein das eigentliche Subjekt der Bewegung war? Ich weiß es nicht, aber ich habe dieses ruhige Video von Anfang bis Ende mit Interesse gesehen.

    Am Abend gingen wir in eine Food-Court-Halle, die ich mir schon morgens ausgesucht hatte, und kaufte Krabben, die mit scharfen Chilischoten gebraten waren. Sie sahen zwar gut aus, hatten aber kaum Fleisch. Offenbar waren sie nicht frisch zubereitet, sondern lagen schon den ganzen Tag aus – das Fleisch war völlig ausgetrocknet. Selbst meine Technik, das Fleisch mit den Schneidezähnen beißend aus den Beinen zu holen, half nichts. Erst als ich die Schalen aufbrach und mit Stäbchen darin herumstocherte, konnte ich ein wenig trockenes Fleisch herauskratzen. Ich hätte Arnd gern etwas abgegeben, aber es gab einfach nichts zu teilen. Nachdem ich mich so abgemüht hatte, lag am Ende ein großer Haufen Schalen vor mir – ziemlich ernüchternd. Ich hatte kaum etwas gegessen und dachte, dass ich nachts wohl wieder hungrig sein würde.

    Morgen werde ich mir etwas Besseres aussuchen und richtig lecker essen.
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  • Shanghai Tag 2

    1. april, Kina ⋅ ☀️ 20 °C

    Hea-Jee:
    Shanghai war eine Stadt, die ich gerne einmal sehen wollte. Vielleicht lag es daran, dass sich dort die Exil-Regierung der Republik Korea während der japanischen Kolonialzeit befand – die Stadt tauchte immer wieder in Büchern und Filmen auf und regte meine Vorstellungskraft an. Als ich schließlich ankam, merkte ich sofort, dass die Atmosphäre sich von anderen großen Städten in China unterschied. Es lag etwas Lockeres und Freies in der Luft. Die gut erhaltenen westlichen Steingebäude und die moderne Architektur harmonieren miteinander, sodass die Stadt kaum anders wirkte als viele europäische Städte.

    Zuerst besuchten wir das Gebäude der Exil-Regierung der Republik Korea, das mich sehr interessierte. Es war leicht zu finden: ein dreistöckiges Backsteinhaus in der Nähe von Xintiandi, einem bekannten Touristengebiet. Man musste einfach der Richtung folgen, in die viele koreanische Touristen gingen. Korea hatte seine Monarchie an Japan verloren, doch die Unabhängigkeitskämpfer wollten es zurückgewinnen und einen demokratischen Staat errichten, in dem das Volk die Souveränität besitzt.

    Die Exil-Regierung in Shanghai erfüllte von 1926 bis 1932 ihre Funktion als Regierung. Durch die Ausstellung im Inneren konnte ich die Geschichte der Unabhängigkeitsbewegung noch einmal nachvollziehen, was ich sehr eindrucksvoll fand. In der Geschichte gab es immer wieder Momente, in denen das Volk aufstand, große Opfer brachte und Fehlentwicklungen korrigierte, wenn Herrscher oder Machthaber das Land in eine Krise führten. Auch die Überwindung der Militärdiktatur und der Sieg der Demokratie waren das Ergebnis der Kraft des Bürgers, und selbst der jüngste Putsch des Präsidenten wurde durch den Einsatz der Bürger bewältigt.

    Ich empfand große Dankbarkeit gegenüber China, das uns dieses Gebäude überlassen und die Exil-Regierung damals in vielerlei Hinsicht unterstützt hatte. Wir spendeten auch einen kleinen Betrag für die Instandhaltung des Gebäudes. Zwar ist die koreanische Regierung heute nicht mehr arm und durchaus in der Lage, diesen historischen Ort selbst zu erhalten, doch wollten auch wir mit unserer Spende zeigen, dass die Besucher sich weiterhin als verantwortliche Eigentümer dieses Erbes fühlen. Die Ausstellung war reich an interessanten Inhalten und Bildern – ich habe viel Neues gelernt und hätte mir gerne noch mehr gemerkt. Leider war das Fotografieren im Inneren verboten, was ich etwas schade fand, sodass wir nur draußen Fotos machten.

    Das Viertel, in dem sich das Gebäude der Exil-Regierung befindet, war ein großflächiges Wohngebiet mit niedrigen, zwei- bis dreistöckigen Backstein-Reihenhäusern. Angesichts der hohen Grundstückspreise in Shanghai, der bevölkerungsreichsten Stadt Chinas, beeindruckte mich der Wille der Gemeinschaft, ein solches historisches Wohngebiet mitten in der Stadt zu bewahren und zu restaurieren.

    Auch unser nächstes Ziel, die Französische Konzession, zeigte ein ähnliches Bild. Dieses ehemalige Wohngebiet für Ausländer, das von Frankreich verwaltet wurde, entstand ab 1849 und wurde über fast ein Jahrhundert hinweg erweitert. Im Vergleich zum glitzernden modernen Shanghai mögen die niedrigen Häuser unscheinbar und ärmlich wirken, doch sie erstrecken sich über ein weites Gebiet.

    Es ist kein museal konservierter Ort, sondern ein lebendiges Viertel, in dem die Einwohner Shanghais tatsächlich leben, ihre Häuser renovieren und instand halten – gerade das macht seinen besonderen Reiz aus. Die überall hängende Wäsche und die Spuren des Alltags verleihen dem Viertel Leben und Energie. Es war so interessant, dass ich alles genauer betrachten und fotografieren wollte, doch aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Bewohner hielten wir uns zurück.

    Arnd:
    Nach einer Mittagspause im Hotel sind wir wieder zum Bund losgezogen und dann auf die andere Seite nach Pudong gefahren. Dazu gibt es einen Bund Sightseeing Tunnel. Da wurde man mit einem kleinen Kabinenfahrzeug durchgefahren. Auf den Wänden gab es Projektionen, die das zu einem Erlebnis machen sollen. Würde ich nicht wiederholen, die U-Bahn bringt einen auch für deutlich weniger Geld nach drüben.

    Am liebsten wollen sie einem dort Kombitickets verkaufen, mit denen man in Pudong noch in einem der Hochhäuser zur Aussichtsplattform gehen kann, oder auf den Fernsehturm. Bei dem trüben Wetter war unsere Erwartung aber nicht stark genug, dass wir uns das gegönnt hätten, das ist nämlich durchaus teuer.

    Am Fuss des Fernsehturms gab es diesen Roboterkiosk. Ich habe aber nicht gesehen, dass da jemand was gekauft hat. Hea-Jee wollte dann in einem klassischen Geschäft unbedingt einen Bubble Tea haben. Das hatte ich noch nie probiert, also war dies mein erstes Mal. Wie erwartet, war es süß und die Bubbles sind wie nicht sehr intensiv schmeckende Gummibären.

    Danach sind wir auf der Fußgängerplattform durch die Hochhaussiedlung gelaufen und haben immer nach oben geschaut. Ist schon eindrucksvoll.

    Im Gebäude unseres Hotels gab es auch ein Einkaufszentrum und dort eine Etage mit Restaurants. Dort haben wir abends ein Gericht mit fritierten Mini-Schweineschnitzeln und süßsaurer Soße gegessen, Guobaro. Dazu wollten wir noch etwas Gemüse haben und fanden fritierte Pilze. Das war ziemlich viel fritiertes und die Nacht deshalb etwas schwer.

    Ich bin abends nochmal losgezogen zum Bund und wollte Pudong bei Nacht fotografieren. Auf dem Weg dahin wähnte ich mich in einer Demo, so viele Menschen waren unterwegs. An den drei Kreuzungen waren jetzt die Polizisten gefragt, den Verkehr zu regeln, sonst wären die kreuzenden Motorräder nicht mehr durchgekommen.

    Der Zugang zur Promenade war kanalisiert und bis man am Geländer stand, musste man einige Geduld aufbringen. Die Stimmung war locker fröhlich, ein schöner Abend und schöne Fotos.

    An unserem letzten Tag hatten wir noch etwas Zeit am Vormittag und haben ein Viertel in der Nähe unseres Hotels erkundet, Auch da stehen noch viele alte Häuser. Das Viertel soll zu einem Vorzeigeviertel entwickelt werden und ist bei Hochzeitsfotografen sehr beliebt. Die treten sich geradezu auf die Füße.
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  • Reise nach Korea

    3. april, Sydkorea ⋅ ☁️ 20 °C

    Arnd:
    Es war alles bestens vorbereitet. Alle Tickets gekauft und alle Hotels gebucht. In der U-Bahn in Shanghai zum Bahnhof erreichte uns dann die Meldung, dass unsere Fähre nicht fährt, angeblich wegen Nebel. Der Text war so formuliert, dass man eigentlich nur eine Wahl hatte: Fahrt stornieren und Geld zurückbekommen. Hea-Jee war sich ziemlich sicher, dass das eine vorgeschobene Erklärung war und der eigentliche Grund ein anderer sein musste.

    Die erste Zugstrecke nach Qingdao, wo die Fähre eigentlich abfahren sollte, sind wir dann aber erstmal gefahren, weil wir dadurch schon deutlich näher an unser Ziel kommen. Auch das Hotel am Abend haben wir genutzt, weil wir erst gegen 22:00 in Qingdao angekommen sind.

    Im Zug haben wir dann aber nach Alternativen gesucht. Es fahren einige Fähren von verschiedenen Häfen aus nach Korea, darunter auch von Häfen, die nicht weit weg sind von Qingdao. Wir haben uns dann für Yantai entschieden, dass noch etwa 1,5 Zugstunden weiter im Norden liegt. Das Zugticket dorthin für den nächsten Tag war schnell gebucht, nur das Ticket für die Fähre kann man wieder nicht online kaufen. Wir mussten also einfach hinfahren und probieren, ob wir vor Ort noch eines bekommen. Wenn das klappt, kommen wir ungefähr zur selben Zeit in Korea an. Und es hat geklappt. Die Fähre war am Ende aber wohl komplett ausgebucht.

    Hea-Jee:
    Am Tag der Abfahrt lag über Qingdao kein Nebel. Die Sicht betrug an diesem Tag zehn Kilometer – also zehnmal mehr als die Ein-Kilometer-Grenze, ab der Fahrten untersagt werden. Dass die Fähre in Qingdao dennoch nicht ablegte, musste also andere Gründe haben. Ich hoffte nur, dass es sich dabei nicht um die ersten Nachwirkungen der durch den Krieg gestiegenen Energiepreise handelte.

    Nach dem Frühstück in Qingdao nahmen wir den Zug nach Yantai. Jetzt mussten wir nur noch zum Hafen gehen und Tickets kaufen. Alles, was in unserer Macht stand, hatten wir getan, und alles Weitere lag nicht mehr in unserer Hand. Also beschloss ich, gelassen zu bleiben. Wenn es nicht klappen sollte, könnten wir immer noch fliegen. Und wenn selbst das nicht ginge, würden wir eben unsere Plänen in Korea verschieben. Es wäre zwar umständlich oder teuer, aber keine Frage von Leben und Tod.

    Am Bahnhof von Yantai angekommen, eilten wir mit schnellen Schritten – angeführt von Arnd – zum internationalen Fährterminal. Es schien, als wären die meisten Leute hinter uns mit demselben Zug aus Qingdao gekommen. Offenbar waren auch sie hierher ausgewichen, weil die Fähre in Qingdao plötzlich nicht mehr fuhr.

    Dank Arnds Eile standen wir ganz vorne am Ticketschalter und konnten unsere Fahrkarten kaufen – ein großes Glück. Allerdings sprach dort niemand Englisch, also hielt ich der Mitarbeiterin einen vorbereiteten Text auf meiner Übersetzungs-App hin. Die junge Frau war sehr freundlich, doch da sie unsere Reisepässe mit ihrem Übersetzer scannen und die ungewohnten Zeichen eintippen musste, dauerte alles sehr lange. Da nur ein Schalter geöffnet war, wurde die Schlange hinter uns immer länger, und ich spürte die Blicke der Wartenden regelrecht im Nacken.

    Ich hatte in die App geschrieben, dass wir – wenn möglich – ein Zweibettzimmer wollten. Die Mitarbeiterin fragte mich über den Übersetzer: „Ist es in Ordnung, wenn zwei Personen zwei Zimmer teilen?“ Ich verstand nicht ganz, was sie meinte, nickte aber aus Unsicherheit einfach. Auch Arnd meinte, wir sollten erst einmal irgendwie an Bord kommen. Eigentlich hatten wir vorher vereinbart, notfalls sogar eine teure Suite zu nehmen, falls es kein Zweibettzimmer gäbe – aber wir brachten das Thema gar nicht erst zur Sprache. Die Verständigung war schwierig, und die immer länger werdende Schlange hinter uns machte uns nervös und ließ uns ein schlechtes Gewissen haben.

    Es wunderte mich, dass die meisten Passagiere junge chinesische Frauen waren. Ich hatte gehört, dass viele chinesische Touristinnen nach Korea reisen, um dort den neuesten Trends folgend einzukaufen – und genau so schien es zu sein. Doch ihre lebhafte Art, ihre freien Frisuren und ihre individuelle Kleidung passten irgendwie nicht zu dem Bild, das ich mir von „Beauty-Tourismus“ gemacht hatte.

    Obwohl das Schiff mit seinen 700 Plätzen offenbar ausgebucht war, wirkte nichts chaotisch. Die Abläufe, einschließlich der Ausreiseformalitäten, wurden effizient in Gruppen organisiert, die jeweils in einen Bus passten. Nachdem wir die Ausreise hinter uns gebracht hatten, fuhren wir etwa 20 Minuten mit dem Bus, bevor wir endlich an Bord gingen. Das Schiff war deutlich moderner als die Fähre, mit der wir zuvor von Qingdao gefahren waren. Chinesische Mitarbeiter in koreanischer traditioneller Kleidung begrüßten uns lächelnd.

    Wie befürchtet wurden Arnd und ich getrennt untergebracht, jeweils in einem Zweibettzimmer mit anderen Mitreisenden. Wir waren traurig. In einem fremden Land, ohne die Sprache zu sprechen, hatten wir uns aufeinander verlassen – und nun sollten wir auch nur für eine Nacht getrennt sein. Ich machte mir Sorgen um Arnd und war selbst unsicher, ob ich mich in dem verschlungenen Labyrinth des Schiffes überhaupt zurechtfinden würde. Auf dem offenen Meer gab es kein Internet, also auch keine Möglichkeit, miteinander in Kontakt zu bleiben. Arnd bedauerte besonders, dass die Zweibettzimmer so sauber und hübsch waren – wie schön wäre es gewesen, gemeinsam am Fenster zu sitzen und Tee zu trinken. So versuchten wir, möglichst viel Zeit außerhalb unserer Zimmer miteinander zu verbringen.

    Das kostenlose Abendessen an Bord war sehr lecker und bot eine große Auswahl an Gemüsebeilagen. Wegen der vielen Passagiere gab es allerdings kein klassisches Buffet: Stattdessen standen Mitarbeiter in einer Reihe und verteilten das Essen portionsweise – jeder Teller wurde mechanisch bis zum Rand gefüllt. Der Geschmack traf genau den koreanischen Gaumen, aber die Portionen waren so groß, dass ich etwa die Hälfte übrig ließ.

    Nach dem Abendessen fand in der Lobby eine Veranstaltung statt, bei der gemeinsam Injeolmi (Reiskuchen) hergestellt und verteilt wurde. Fröhliche, individuell gekleidete junge Mädchen mit einer rosa Haarrolle über der Stirn schauten zunächst begeistert zu und griffen dann selbst zum Holzhammer, um den Teig zu stampfen, auch um sich dabei fotografieren zu lassen. Die fertigen Reiskuchen wurden mit Bohnenpulver bestäubt und an alle Zuschauer verteilt. Auch wir bekamen zwei Stück.

    Meine Zimmer-Nachbarin war eine junge Chinesin. Sie war allein unterwegs nach Korea, um an einem Fanmeeting teilzunehmen – mutig und voller Tatendrang. Sie sprach erstaunlich gut Koreanisch, das sie, wie sie sagte, durch koreanische Dramen gelernt hatte. Viele meiner Fragen, die ich mir bisher gestellt hatte, wurden endlich beantwortet, denn ich nutzte die Gelegenheit, sie ausführlich auszufragen.

    Nach dem, was meine Zimmer-Nachbarin in einer Hallyu-Gruppenchatrunde gehört hatte, war die Passagierfähre zwischen Qingdao und Incheon bereits seit einem Monat unter dem Vorwand von Nebel außer Betrieb. Dennoch sollen weiterhin regelmäßig Tickets verkauft und anschließend wieder erstattet worden sein.

    Als wir später im Hafen von Incheon ankamen, bemerkte Arnd, dass am Schalter für die Qingdao–Incheon-Fähre noch immer Tickets verkauft wurden. Ich ging dorthin und schilderte ruhig, was wir erlebt hatten, sowie das, was ich an Bord von einem chinesischen Passagier gehört hatte. Ich hatte keinerlei Absicht, meinen Ärger an den unschuldigen Mitarbeitern auszulassen oder jemanden zur Verantwortung zu ziehen – ich fand lediglich, dass es sinnvoll ist, die Stimme der Kunden weiterzugeben.

    Meine Zimmer-Nachbarin war voller Vorfreude, weil am nächsten Tag in Incheon Fanmeetings und Konzerte von K-Pop-Idolen stattfinden sollten. Als ich sie warnte, dass für den Abend Regen vorhergesagt sei, lachte sie nur und meinte, nichts könne ihrer Freude trüben. Ich fragte mich, wann ich selbst in meiner Jugend einmal ein so überwältigendes Gefühl erlebt hatte.

    Gleich zu Beginn fragte mich meine Zimmer-Nachbarin, wann ich schlafen würde – vermutlich machte sie sich wegen des Lichts Sorgen. Ich erklärte ihr, dass ich mit Augenbinde und Ohrhörern problemlos überall schlafen könne und sie sich frei fühlen solle, alles zu tun, was sie wolle. Um ihr das Bad möglichst lange und ungestört zu überlassen, machte ich mich früh bettfertig und legte mich zuerst hin.

    Arnds Zimmer-Nachbar war ein chinesischer Mann mittleren Alters, der trotz fehlender gemeinsamer Sprache sehr rücksichtsvoll war. Wenn er fern sah und Arnd hereinkam, stellte er die Lautstärke sofort fast auf stumm, sodass Arnd sich eher schuldig fühlte. Deshalb blieb Arnd lieber öfter draußen, während ich meine unterhaltsame Zimmer-Nachbarin sehr interessant fand und immer wieder in die Richtung meines Zimmers schaute.

    Später, als wir in Korea angekommen waren, stellte ich fest, dass Arnd die flauschigen Hausschuhe vom Schiff eingepackt hatte. Auf meine Frage hin erklärte er, sein Zimmergenosse habe ihm so nachdrücklich empfohlen, sie zu tragen, und da sie wie Einwegpantoffeln aussahen, habe er sie nicht wegwerfen wollen. Meiner Meinung nach waren sie gar nicht zum Wegwerfen gedacht – aber jedenfalls trage ich sie jetzt in Korea sehr gerne, da es morgens und abends kühl ist.

    Die Rückkehr nach Korea erfüllte mich mit großer Freude. Ich hatte mehr Heimweh als bei meiner ersten Ankunft vor einem halben Jahr. Diesmal habe ich auch viel mehr Ideen, was ich gerne essen will. Vielleicht lag es daran, dass ich inzwischen einiges besser kannte und deshalb noch mehr Schönes entdecken konnte.
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  • Kirschblüte in Seoul

    5. april, Sydkorea ⋅ ☀️ 16 °C

    Wir haben vor, dieses Mal in Korea unseren Pinguin weiter zu füttern. Allerdings nur, wenn es was zu erzählen gibt, also nicht regelmäßig.

    Heute ist Ostern, die Sonne scheint und die Kirschbäume blühen. Was kann man besseres tun, als spazieren gehen? Unsere Wohnung liegt direkt am nördlichen Fuß des Namsan Bergs, und dort gibt es einige schöne Wege.

    Wir sind am Rand eines Viertels, das sich in ein Tal des Berges schmiegt. Die Straße, die sich das Tal bis zum Ende des Viertels hinaufzieht, ist eine Sackgasse. Es gibt also nicht viel Verkehr. Die Straße ist schön gestaltet, mit breiten Fußwegen. Auf dem Verkehrsschild oben steht: „Alter Mensch Schutzbereich“ und es gilt Tempo 30. Hea-Jee las aus Täfelchen an Bäumen, dass die Kirschbäume von den Anwohnern gepflegt werden.

    Gegen Ende der Straße biegt man dann ab auf einen der Fußwege am Berg. Die sind teilweise breit wie Straßen, mit Mittelstreifen und gut ausgeschildert. Das „Verkehrsaufkommen“ war aber zum Glück nicht so hoch, wie die breite Straße befürchten lassen könnte. Da es langsam auf die Mittagszeit zuging, haben wir uns entschlossen, erstmal ganz nach oben zum Fernsehturm zu laufen, weil es dort was zu essen gibt.

    Zum Teil verlief der Weg entlang einer alten Stadtmauer. Neben dem Turm gab es an der alten Mauer ein Podest, auf dem vier alte Feuerstellen standen. Das kannten wir noch nicht. Diese Feuerstellen hat man früher für die Fernkommunikation verwendet. Eine Technik, auf die die Menschen überall auf der Welt gekommen sind.

    Es waren zwar viele Menschen unterwegs, aber oben war es nicht übermäßig voll. Wir haben uns für einen Seoul Burger entschieden. Der hatte ein Rindfleischpatty mit Bulgogigeschmack und ein Häufchen frittierter Frühlingszwiebelringe oben drauf. Und wir haben einen Sitzplatz zum Essen bekommen.

    Von dort sind wir dann zum nördlichen Teil des Rundwegs abgestiegen, weil Hea-Jee gehört hatte, dass die Kirschblüte dort besonders schön sei.

    Unterwegs gab es einmal Flugzeuglärm. Emmanuel Macron war zu Gast und ihm zu Ehren gab es einen Formationsflug. Wir waren sehr weit weg und das Fotografieren war etwas schwierig. Den Moment, wo sie die Farben der Trikolore ausgestoßen haben, habe ich leider nicht erwischt.

    Wir kamen dann noch bei einem Denkmal für die Koreanischen „Trostfrauen“ vorbei.

    Die begleitende Informationstafel sagt dazu:
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    „Unsere schlimmste Angst ist, dass unsere schmerzhafte Geschichte während des Zweiten Weltkriegs vergessen wird.“

    Dieses Denkmal zeugt vom Leiden von Hunderttausenden von Frauen und Mädchen, euphemistisch Trostfrauen genannt", die von den japanischen Streitkräften in dreizehn asiatisch-pazifischen Ländern von 1931 bis 1945 sexuell versklavt wurden. Die meisten dieser Frauen starben während ihrer Kriegsgefangenschaft. Diese dunkle Geschichte wurde jahrzehntelang bis in die 1990er Jahre verborgen, als die Überlebenden mutig ihr Schweigen brachen. Sie haben dazu beigetragen, die Welt zu bewegen, um zu erklären, dass sexuelle Gewalt als Kriegsstrategie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit ist, für das Regierungen zur Rechenschaft gezogen werden müssen. Dieses Denkmal ist dem Gedenken an diese Frauen und der Beseitigung von sexueller Gewalt und Sexhandel auf der ganzen Welt gewidmet.
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    Es macht einen richtig traurig, dass die Japaner es nicht schaffen, sich zu ihren Kriegsverbrechen zu bekennen und stattdessen versuchen, das Wissen darüber mit all ihrer Macht zu unterdrücken. Das Aufstellen einer solchen Statue in Deutschland hat sich als fast unmöglich erwiesen, die japanische Botschaft hat jedesmal interveniert und mit massiven ökonomischen Konsequenzen gedroht, woraufhin alle Entscheidungsträger den Schwanz eingezogen haben. Sie steht jetzt in dem privaten Nepal Himalaya Park in der Nähe von Straubing, aber ohne begleitende Tafel, so dass die Besucher schlicht nichts verstehen.

    Etwas mehr Informationen dazu und insbesondere über die dargestellte Frau kann man in der englischen Wikipedia finden:
    https://en.wikipedia.org/wiki/Kim_Hak-sun
    Nach ihrer Flucht aus der Sklaverei hat sie übrigens eine Zeit lang in der Französischen Konzession in Shanghai gelebt.

    Zum Schluss hatten wir noch einen schönen Blick auf das Namsan Hanok Village. Dort gab es eine Aufführung von Kindern mit koreanischen Tänzen. Das haben wir leider knapp verpasst, es gab keine Tickets mehr.

    Für Hea-Jee war dies das erste Mal, dass sie diese schöne Jahreszeit erlebt hat. In ihrer Kindheit hatte man anderes zu tun und später war sie nie zur passenden Zeit in Korea. Außerdem erinnert sie sich mehr an die rosa Jindale und die gelben Gaenari (Forsythien). Damit waren die Berge voll, die Zierkirschen kamen erst später.
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  • Wieder in Busan

    18. april, Sydkorea ⋅ ☁️ 20 °C

    Wir sind nochmal in Busan und ich habe ein paar Fotos gemacht. Die Kaffeerösterei war in einem ehemaligen Hafengebäude. Sie hat wohl in einem internationalen Wettbewerb einen ziemlich guten Platz belegt. Da wir auf unseren Filterkaffee bis zu eine halbe Stunde warten mussten, konnten wir dem Röster bei der Arbeit zuschauen.Læs mere

  • Daegu

    20. april, Sydkorea ⋅ ☁️ 20 °C

    Daegu ist mit 2,4 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt in Korea. Wir sind beide noch nie da gewesen. Aber Hea-Jee kennt ein paar Leute dort und hat dort sogar Verwandtschaft, also sind wir mal hingefahren. Wir haben nicht so viel fotografiert und deshalb kann ich nicht alles bebildern, was ich hier erzähle.

    Wir sind von Busan aus mit dem Mugunghwa-Zug nach Daegu gefahren. Das ist einer der langsamsten Zugtypen in Korea. Aber von der Ankunftszeit her passte der für uns am besten. Erfreulicherweise fuhr der nicht auf der Schnellstrecke mit den vielen Tunnels, sondern durch die Täler und zeitweise am Nakdong-Fluss entlang. So war die Aussicht sehr schön.

    Als wir ankamen, hatten wir noch etwas Zeit bis zu unseren ersten Verabredung. Deshalb sind wir die bekannte Fußgängerzone entlanggelaufen, die gleich am Bahnhof beginnt. Von der Bebauung her hat uns das durchaus gefallen. Ein paar Dinge waren aber merkwürdig. Es war ziemlich leer, in vielen Geschäften sah man keinerlei Kunden. In den ersten Abschnitten gab es eine größere Anzahl von Juwelieren. Einer neben dem anderen. Es gab nur vereinzelt Kunden. In Seoul war uns auch schon so eine Gegend aufgefallen. Wir vermuten, dass das in Korea immer noch eine Form der Geldanlage ist. Ansonsten gab es Kleidungsgeschäfte, Glücksspielgeschäfte und eine ganze Reihe von Geschäften für Smartphonehüllen.

    Später bekamen wir von einer Bekannten von Hea-Jee eine Führung durch die Innenstadt. Die ist wohl im Krieg verschont geblieben und deshalb gibt es noch einige alte Gebäude dort. Nach kurzer Zeit sahen wir ein Dabang. Als ich Mitte der 80er Jahre zum ersten Mal in Korea war, gab es keine Cafés, sondern Dabangs. Dort konnte man sich länger hinsetzen, einen traditionellen koreanischen Tee trinken und sich unterhalten. Sie hatten so ein spezielles Ambiente mit bequemen kleinen Sofas, die sehr eng gestellt waren. Oft hatten sie auch ein Aquarium. In Seoul sind sie komplett von modernen Cafés mit großer Espressomaschine verdrängt worden. Ich hatte die schon für komplett ausgestorben gehalten. Also mussten wir hinein.

    Es war nicht sehr voll und mir fiel bald auf, dass die Kunden alle schon ziemlich alt waren. Sie waren in Gruppen da und unterhielten sich prächtig. In Cafés sieht man keine alten Leute. Wo sind die alle geblieben? Ich bekam die Antwort „unsichtbar geworden“. Viele hätten auch gar nicht das Geld, um sich die teuren Tees leisten zu können.

    In einer Straße erhob sich hinter den alten einstöckigen Geschäftsgebäuden ein größeres neues Geschäftsgebäude, The Hyundai Daegu. Hyundai betreibt in Korea eine Kaufhauskette. Wir waren nicht drin, aber ich vermute, es ist ähnlich wie beim Platzhirsch Lotte. Wir waren in Seoul im Ur Lotte Department Store. Das ist ein Luxustempel mit internationalen Waren sehr gehobener Marken für Preise, die sich in Korea sicher nicht alle leisten können. Aber so scheinen die überleben zu können.

    Dann ging es durch eine Straße, in der ein Geschäft für traditionelle koreanische Medizin neben dem anderen lag. Alle leer, aber voll mit Beuteln voller getrockneter Naturstoffe. Wahrscheinlich handeln die jetzt alle übers Internet.

    Wir kamen dann in der Altstadt an dem alten Wohnhaus eines Dichters vorbei, das man zu einem kleinen Kulturzentrum gemacht hat. Als wir schon weitergehen wollten kam eine Gruppe von Frauen mit Strohhüten vorbei und luden uns ein, ihnen etwas beim musizieren zuzuhören. Sie kamen aus Seoul und hatten ihre Okarinas dabei. Wenn sie einen schönen Ort fanden, haben sie dort ein paar Stücke gespielt. Eine hat gefilmt.

    Auf einem Hügel hatten sich Anfang des 20. Jhdts. einige amerikanische Missionare niedergelassen. Auch ein Arzt war dabei. Der konnte diverse für die traditionelle Medizin unheilbare Krankheiten behandeln, auch einige Operationen waren dabei. Das war bald sehr populär und hat den Missionaren sicher geholfen. Ich wusste bisher nicht, dass es wohl viele Missionare aus Amerika gab. Das erklärt natürlich, warum die amerikanischen Religionsströmungen in Korea so verbreitet sind.

    Auf einer Texttafel stand, was die Missionare auch mitgebracht hatten: Äpfel. Hea-Jee wollte das erst nicht glauben und hat dann ihre Lieblings-KI gefragt. Die hatte wahrscheinlich diese Texttafel gelesen. In Korea gab es vorher kleine Wildformen, aber nicht die großen Zuchtformen, die wir kennen. Die haben es also von Europa über Nordamerika nach Korea geschafft. Während die in Korea so beliebten Peperoni von Amerika aus über Europe nach Korea gekommen sind. In Daegu ist daraus eine Apfelindustrie entstanden.

    Am zweiten Tag waren wir morgens zuerst in dem großen Seomun Markt. Da erklärte sich, warum die Geschäfte in der Stadt alle so leer waren. Hier war es brechend voll. Auf diesem Markt gibt es vier sehr große Gebäude mit je fünf Stockwerken, in denen ein winziges Geschäft neben dem anderen ist. Oft nur getrennt durch einen Vorhang. Vieleicht 10qm groß. Daneben noch etliche kleine Gebäude. Leider können wir ja nichts kaufen, weil wir es nicht auf unserer Reise mitnehmen können. Aber wenn ich zum Einkaufen hierher käme, gäbe es viel zu entdecken. Die meisten Dinge kosten auch nur wenig. Hea-Jee hatte eine Bluse gefallen. Die sollte aber umgerechnet etwa 50€ kosten. Sie war komplett aus Leinen und fein gewebt. Hochwertige Dinge kosten auch hier etwas mehr.

    Nach dem Mittagessen hat es uns noch in ein besonderes Café verschlagen. Im ersten Stock lag das interessant gestaltete Café mit einem kleinen mit Moos bewachsenen Hügel in der Mitte. Alle paar Minuten wurde der von der Seite her mit Wasserdampf versorgt. Der Inhaber war wohl ein Sammler und Händler für Reptilien. Im 4. Stock hatte er sein Geschäft. Das konnte man vor oder nach dem Kaffee anschauen.

    Zum Schluss waren wir noch im Museum für alte Koreanische Kunst. Das Gebäude und die Präsentation waren hochmodern. In einem Raum hatte man eine KI benutzt, um ein bekanntes altes koreanisches Bild einer schönen Frau, gemalt von Yunbok Shin, im Stil von acht berühmten europäischen Malern zu malen und daneben ein Bild dieses europäischen Malers im Stil von Yunbok Shin. Auf dem Foto die Version für Vermeer.
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