Seoraksan 2
May 12 in South Korea ⋅ ⛅ 20 °C
Hea-Jee:
Nach zwei entspannten Tagen im Condo fuhren wir weiter nach Naeseorak. Diesmal war Arnd außergewöhnlich engagiert: Er suchte selbst ein Hotel aus und buchte es sofort. Das dem Seoraksan-Nationalpark am nächsten gelegene Kensington Hotel Seorak war ein gehobenes Hotel im britischen Stil, das für sein gutes Frühstück bekannt ist.
Normalerweise ist der Check-in im Hotel erst am Nachmittag möglich, deshalb wollten wir morgens nur unser Gepäck abgeben, zuerst in die Berge gehen und später einchecken. Doch der Mitarbeiter an der Rezeption überraschte uns völlig: Ohne dass wir danach gefragt hatten, upgradete er unser Zimmer kostenlos, damit wir sofort einchecken konnten. Es war eine Gastfreundschaft, die alles übertraf, was wir bisher in Hotels erlebt hatten. Man sagt ja, dass man auf langen Reisen die unterschiedlichsten Dinge erlebt – aber eine so großzügige Freundlichkeit, ganz ohne Anlass, hat uns wirklich tief berührt.
Arnd:
Nach dem Einchecken gingen wir in den Nationalpark. Dort kommt man zuerst bei der Seilbahn auf den Gwongeumseong vorbei. Von da oben hat man eine schöne Aussicht. Da es erstaunlicherweise nicht sehr teuer war, sind wir hochgefahren. Wir verbinden diese Seilbahn mit einer Erinnerung. Als wir vor 40 Jahren das erste Mal hochgefahren sind, war da ein junger Koreaner mit Bart in der Gondel. Damals hatten zwar viele alte Männer einen Bart, aber dies war der einzige junge Mann mit Bart, den wir gesehen hatten. Hea-Jee war beeindruckt. Später in Deutschland haben wir das einer anderen Koreanerin erzählt und sie hatte den dort auch auch schon gesehen. Als wir nun unten weitergegangen sind, stand da ein älterer Koreaner mit einem Plakat am Weg. Er demonstrierte gegen Pläne, eine weitere Seilbahn zu errichten. Und er hatte einen Bart und das ist heute noch seltener als damals. Deshalb hat Hea-Jee ihn angesprochen und gefragt, ob er zufälligerweise der Mann von damals war. Er war es wohl nicht, aber er meinte, das könnte der Hüttenwirt gewesen sein, der leider vor ein paar Jahren gestorben ist.
Hea-Jee:
Wir besuchten den Sinheungsa Tempel. Mit diesem Tempel verbinden wir besondere Erinnerungen: Als wir vor vierzig Jahren mit dem Rucksack unterwegs waren, kauften wir dort in einem Tempel-Laden sechs grüne Teetassen, die wir bis heute benutzen.
Zur Vorbereitung auf Buddhas Geburtstag hingen unzählige wunderschöne Laternen über dem großen Hof. Wie uns meine Freundin am Vortag geraten hatte, kauften auch wir eine kleine Laterne für Finn und hängten sie auf. Der Gedanke, dass sich mitten in diesem Meer aus leuchtenden Blumenlaternen auch seine kleine Laterne befand, machte uns stolz und glücklich.
Als wir den Wackelfelsen (Heundeulbawi) erreicht hatten, merkte ich, dass mir die Kraft fehlte und ich nicht mehr bis zum Gipfel des Ulsanbawi weitergehen wollte. Also machte sich Arnd allein auf den Weg nach oben. Ich ging währenddessen in die kleine Einsiedelei nebenan, um Buddha zu begrüßen. Dort war niemand, und es war vollkommen still. So ruhte ich mich aus, machte 108 Niederwerfungen und meditierte länger.
Von oben schickte mir Arnd eine Nachricht, dass die Aussicht wunderschön sei. Vielleicht weil ich nicht dabei war und er dadurch schnell gehen konnte, kam er erstaunlich schnell wieder herunter. Danach gingen wir Abendessen und kehrten schließlich ins Hotel zurück.Read more

























