• Erlebniseisenbahnen in Korea

    May 14 in South Korea ⋅ ☁️ 17 °C

    Hea-Jee:
    Heute wollten wir einen ganzen Tag lang mit den Zügen die Ostküste und das Taebaek-Gebirge bereisen. Das war etwas, das ich schon lange einmal zusammen mit Arnd machen wollte. In Gangneung stiegen wir in den Donghae-Santa-Zug mit seinen riesigen Fenstern ein. Über Jeongdongjin und Donghae fuhr der Zug meistens entlang der Küste, und ich fand es erstaunlich, das Meer aus dem Zug heraus so nah zu sehen. Irgendwann stieg die Strecke dann hinauf in die Berge des Taebaek-Gebirges, der Zug fuhr durch Tunnel und nach langer Fahrt stiegen wir schließlich in Cheoram aus.

    Dort aßen wir regionale Spezialitäten, schauten uns die alte Bergbaustadt an und besuchten auch ein Museum, in dem wir mit großem Interesse vieles lernten. Danach ruhten wir uns in einem Café am Fluss aus, bevor wir etwa drei Stunden später in den Schluchtenzug einstiegen, der auch V-Zug genannt wird. Direkt vor den großen Fenstern standen die Sitze längs nebeneinander – allein dieses Reisegefühl war schon etwas Besonderes. Die Landschaft draußen veränderte sich ständig. Dabei wurde mir bewusst, wie fleißig koreanische Bauern sind: Selbst die kleinsten Stücke Land werden als Reisfelder oder Äcker bewirtschaftet und sorgfältig gepflegt.

    Zum ersten Mal erfuhr ich auf dieser Reise, dass der große Nakdonggang im Gebiet von Taebaek entspringt. Lange Zeit fuhren wir mit dem Zug durch eine Schlucht, in der der noch schmale Nakdong-Fluss mit erstaunlicher Entschlossenheit dahinströmte – klein aber stolz, Nakdonggang zu sein!

    Es schien keinen Toilettenwagen im Zug zu geben. Deshalb hielt der Zug gelegentlich für ein paar Minuten an kleineren Bahnhöfen, und per Lautsprecher wurde durchgesagt, dass diejenigen, die wollten, jetzt schnell die Toilette benutzen sollten.

    Und dann tauchte mitten tief im hohen Taebaek-Gebirge plötzlich ein Dorf mit leuchtend roten Dächern auf – Buncheon, das heute als „Weihnachtsmann-Dorf“ bekannt ist. Statt kitschig wirkte es auf mich eher so, als verstünden die Menschen dort einfach, wie man mit Freude und Humor lebt.

    Es war wirklich eine Reise, die glücklich machte. Ich glaube, so eine Reise könnte man auch gut allein unternehmen und sich unheimlich erfüllt fühlen.

    Arnd:
    Das Museum in Cheoram ist eine kleine Erinnerungsstätte für die Koreaner, die als Kohle-Bergleute in den 1960er und 70er Jahren als „Gastarbeiter“ nach Deutschland gegangen sind. In Deutschland herrschte zu der Zeit Arbeitskräftemangel und man suchte nach Menschen, die zum Arbeiten herkommen wollten. So kamen nicht nur Italiener und Türken, sondern auch koreanische Bergleute und Krankenschwestern. In Korea gab es eine große Arbeitslosigkeit und das Land brauchte Devisen für seine wirtschaftliche Entwicklung. Es war also eine Win-Win Situation.

    Und für die Menschen, die kamen? Das waren in Korea keine Bergleute, sondern einfach junge Menschen, die eine Chance sahen. Der Verdienst in Deutschland war anfangs geringer, als der der deutschen Kollegen, aber viel höher, als zu der Zeit selbst gut gebildete Arbeitskräfte in Korea verdient haben. Sie betrachteten es daher als Glück, wenn sie ausgewählt wurden, denn es haben sich viel mehr Menschen beworben, als es Plätze gab.

    Die Arbeit war hart. Koreaner waren zu der Zeit meist deutlich kleiner und damit auch nicht so kräftig, wie Deutsche. Ihr Vertrag lief wohl nur für 3 Jahre. Manche sind danach woanders hin gegangen, z.B. wurde Chicago genannt, aber auch Australien. Die Kohlefirmen konnten aber wohl bei der Regierung eine Verlängerung durchsetzen, weil die Leute nach 3 Jahren gerade erst richtig produktiv geworden waren. Und so sind viele geblieben. Aber viele haben auch noch eine Ausbildung oder ein Studium gemacht und sind in bessere Berufe gewechselt.

    Alles in allem wurde die Geschichte in diesem Museum als Erfolg für alle Seiten dargestellt.
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