Hopa
31 maggio, Turchia ⋅ ☀️ 18 °C
Hea-Jee:
Von Batumi nahmen wir ein Taxi zur türkischen Grenze. Wegen des großen Andrangs mussten wir zwar lange warten, doch die Ein- und Ausreiseformalitäten selbst verliefen unkompliziert und reibungslos. Wir fuhren anschließend mit einem weiteren Taxi nach Hopa. Statt des Taxis hätten wir auch den Bus nehmen können. Da die Strecke jedoch nicht weit war und die Taxifahrt weniger als zehn Euro kostete, entschieden wir uns für das Taxi. Die Busse sind Kleinbusse, die erst fahren, wenn sie voll sind. Außerdem haben sie keinen Kofferraum. Ein wenig schlechtes Gewissen gegenüber der Umwelt blieb zwar, doch ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass es ebenfalls zur Kunst des Reisens gehört, nicht zu viel Zeit für die Fahrt zu verlieren. (Als ich das später noch einmal las, musste ich selbst schmunzeln. Da reisen wir bewusst ohne Flugzeug und reden dann von Zeitersparnis und der Kunst des Reisens – die Leser werden sich darüber vermutlich vor Lachen den Bauch halten.)
Hopa ist die türkische Kleinstadt, die der georgischen Grenze am nächsten liegt. Sie erstreckt sich langgezogen entlang der Küstenstraße am Schwarzen Meer. Es gibt dort vor allem viele Restaurants, außerdem eine recht große Teefabrik. Wenn man an ihr vorbeiging, lag ein frischer, grasiger Duft in der Luft.
Die Stadt wird, wie fast alle Städte am schwarzen Meer durch eine große vierspurige Straße vom Meer getrennt. Um zur Meerseite zu gelangen, mussten wir eine Fussgängerbrücke benutzen. Auf der Meerseite gab es eine kleine parkähnliche Anlage. Einen Strand gab es nicht, dort lagen große Steine zum Schutz gegen die Brandung, Baden wäre nicht möglich gewesen.
Wir gingen ins Zentrum und schlenderten durch die Gassen mit ihren aneinandergereihten Restaurants und Teehäusern. In den dunklen, fast marktähnlichen Gassen saßen unzählige ältere Männer an Tischen, die draußen aufgestellt waren, und tranken Tee. Fast ausschließlich Einheimische. Als ich 1986 zum ersten Mal in der Türkei war, sah ich solche Szenen überall – in Städten wie auf dem Land, bei Tag wie bei Nacht. Arbeiten die Männer in diesem Land eigentlich nicht? Wo sind aber die Frauen? Sind gerade alle Frauen bei der Arbeit?
Damals betrat ich, weil ich Durst hatte und einen Tee trinken wollte, ein Café. Dort waren ausschließlich Männer, sodass ich dachte, es handle sich vielleicht um ein Teehaus nur für Männer, und ich wollte hastig wieder hinausgehen. Die Leute bedeuteten mir jedoch mit Gesten, dass alles in Ordnung sei und ich mich setzen solle. Nachdem ich einen Tee getrunken hatte und bezahlen wollte, sagte man mir, jemand habe bereits für mich bezahlt.
Die Erinnerung daran ist bis heute von gemischten Gefühlen geprägt: einerseits eine gewisse Abneigung gegenüber Männern, die mitten am Tag scheinbar untätig ihre Zeit im Teehaus verbringen und vielleicht ihre Frauen arbeiten lassen, andererseits Dankbarkeit für die herzliche Gastfreundschaft, mit der sie eine Fremde aufgenommen hatten.
In der Türkei gibt es viele Menschen, die gut Deutsch sprechen. Das liegt daran, dass in Deutschland zahlreiche Arbeitsmigranten türkischer Herkunft und ihre Nachkommen leben. Kaum waren wir in dieser abgelegenen Kleinstadt angekommen, begegneten wir einem Türken, der fließend Deutsch sprach. Er war Restaurantbesitzer und erklärte uns die Speisekarte auf Deutsch. Wir aßen dort zu Mittag und waren sehr zufrieden.
Dass große Hunde durch die Straßen streunten oder mitten auf dem Bürgersteig lagen und schliefen, erinnerte an Batumi. Anders als dort trugen die Hunde in Hopa jedoch keine Ohrmarkierungen, die auf eine Sterilisation hinwiesen. Viele wirkten nicht besonders gut genährt, und man sah auch immer wieder Hunde mit Hautkrankheiten. Erstaunlich war, dass es zwar viele Hunde gab, auf den Straßen aber kaum Hundekot zu sehen war.
Das Hotelfrühstück war türkisch mediterran geprägt und bot reichlich frischen Salat, Oliven und Käse – etwas, das mich nach längerer Zeit wieder freute. Es vermittelte das Gefühl, gesund zu sein. Kulinarisch betrachtet steht die Türkei der europäischen Kultur sehr nahe, jedenfalls wenn man gerade aus Asien kommt.
Die Gäste am Nebentisch holten sich am Buffet Berge von Speisen, aßen nur einen kleinen Teil davon und ließen den Rest stehen. Mir war das gegenüber den Hotelangestellten fast peinlich und unangenehm. Zum Glück waren die Verursacher Türken. Im Hotel hatte ich ohnehin den Eindruck, dass die meisten Besucher dieses Ortes Türken waren. Vom Busbahnhof direkt neben dem Hotel aus gab es zahlreiche Verbindungen in alle Teile des Landes.
Offenbar war gerade ein Bus abgefahren, denn die Menschen, die noch im Hotelrestaurant gefrühstückt hatten, waren schlagartig verschwunden. Plötzlich war es ruhig und leer geworden. Als wir gerade unsere leeren Teller zusammenstellten, kam ein Hotelangestellter zu uns und fragte, ob wir türkischen Kaffee trinken möchten. Außer uns saß nur noch eine weitere Tischgesellschaft im Restaurant; vermutlich bot man den Kaffee an, weil es etwas ruhiger wurde.
Türkischer Kaffee wird in einem kleinen Kupferkännchen mit einem langen Griff zubereitet. Fein gemahlener Kaffee wird mit Wasser aufgekocht und anschließend serviert. Das Ergebnis ist ein kräftiger Kaffee mit zugleich mildem, angenehm nussigem Geschmack. Am Boden der winzigen Tasse bleibt stets Kaffeesatz zurück, sodass man tatsächlich nur wenige Schlucke trinkt.
Nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken hatte, stellte ich die Tasse auf den Kopf und wartete einen Moment. Früher deuteten die Türken oft die Muster, die der Kaffeesatz beim Herunterlaufen an der Innenseite der Tasse hinterließ, um die Zukunft vorherzusagen. Auch ich sagte mir mein eigenes Schicksal voraus. Da ich die Deutung selbst vornahm, fiel sie natürlich fantastisch aus.
Der Kaffeesatz verkündete, dass Arnd und ich gesund bleiben und noch lange harmonisch zusammenleben würden. Wenn wir nach Hause zurückkehrten, würden wir das Streichen der Wände und das Ölen des Holzbodens im Handumdrehen erledigen. Anschließend würden wir unser angenehmes Zuhause genießen, und Freunde, die wir lange nicht gesehen hatten, zu uns einladen. Zum Beweis machte ich ein Foto davon.Leggi altro







Viaggiatore
Is it hot chocolate?
ViaggiatoreHi, this is Turkish coffee grounds.
Viaggiatore
“You look so happy. I envy you.”