• Wir sind angekommen

    14 giugno, Germania ⋅ ☁️ 20 °C

    Arnd:
    Am Sonntag den 14. Juni sind wir nach fast einem Jahr wieder zuhause. Losgefahren sind wir letztes Jahr am 26. Juni.

    Hea-Jee:
    Eine Woche ist vergangen, seit wir wieder zu Hause sind.

    Als ich am ersten Tag die Wohnungstür aufschloss, war ich ein wenig angespannt. Würde es sich noch wie mein Zuhause anfühlen? Oder würde mir alles fremd vorkommen? Ich war überrascht. Meine Freundin Myungju war ein paar Tage zuvor vorbeigekommen und hatte die Wohnung trotz meines Protests geputzt. Unser Zuhause war makellos sauber. Auf dem Esstisch standen Kaffee, Eier, Obst und sogar Blumen. Dankbarkeit und das Gefühl, ihr zu viel Arbeit bereitet zu haben, wechselten sich in mir ab.

    Weil die Wohnung so ordentlich war, bekam ich sofort Lust, auch den Balkon aufzuräumen. Die Geräte, die ein Jahr lang ohne Strom gewesen waren, mussten wieder angeschlossen werden, manches musste repariert werden, und Arnd musste einen Internetanbieter suchen und kontaktieren. Mit diesen Dingen verging der ganze Tag.

    Am nächsten Tag gingen wir zu Aldi, in den Bioladen, in den Hit und auf den Viktualienmarkt, um einzukaufen. Es gefiel uns sehr, dass Kühlschrank und Vorratsschrank völlig leer waren. Deshalb bemühten wir uns, wirklich nur das Nötigste zu kaufen und nicht sofort alles in den Einkaufswagen zu werfen.

    Anfangs kam mir meine eigene Küche fremd vor. Ich griff nicht mehr automatisch nach den Dingen. Das körperliche Gedächtnis, das sonst die Bewegungen ganz von selbst steuert, funktionierte nicht mehr. Wenn ich ein Küchenmesser brauchte, musste ich erst bewusst darüber nachdenken und manchmal mehrere Schubladen öffnen. Das Kochen machte mir zwar noch keinen besonderen Spaß, aber der Gedanke, essen zu gehen, kam mir überhaupt nicht in den Sinn. Selbst einfache Gerichte wie gekochte Kartoffeln schmeckten am besten, wenn wir sie selbst zubereiteten.

    Als ich den Kleiderschrank öffnete, wurde mir beinahe eng ums Herz, weil dort so viele Kleidungsstücke hingen. Ein Jahr lang hatten wir unser ganzes Hab und Gut in einer einzigen Tasche mit uns getragen. Nun kehrten wir in ein sesshaftes Leben zurück, in dem allein der Kleiderschrank ungefähr zehnmal so groß war wie unser ganzes Gepäck. Auch daran musste ich mich erst wieder gewöhnen.

    Es war natürlich angenehm, nicht jeden Morgen die Sachen packen und weiterziehen zu müssen. Doch wenn ich nachts aufwache, um auf die Toilette zu gehen, denke ich manchmal noch für einen kurzen Moment nach, wo sich das Badezimmer in diesem Hotel befindet. In meinem eigenen Bett schlafe ich allerdings deutlich besser.

    Rückblickend war das vergangene Jahr gar nicht besonders beschwerlich. Verglichen mit den Radtouren, die wir unser Leben lang gemacht haben, war es beinahe ein Luxus. Selbst lange Fahrten im Nachtbus waren leichter, als selbst in die Pedale zu treten, und jedes Hotel war bequemer, als ein Zelt selbst aufzubauen und in den Schlafsack zu kriechen.

    Sich ständig an neue Orte anzupassen, war ebenfalls nicht so schwierig, solange man seine Energie nicht darauf verwendete, sich im Voraus Sorgen zu machen. Wenn die Probleme tatsächlich vor einem standen, ließen sie sich meistens lösen. Gegen Ende der Reise fühlten sich Körper und Geist allerdings etwas erschöpft an. Das zeigte sich vor allem darin, dass unsere Neugier und unser Mut gegenüber neuem Essen allmählich nachließen.

    Während des ganzen Reisejahres habe ich niemanden gesehen, der auf der Straße oder im Supermarkt andere Menschen wegen ihrer Fehler zurechtwies oder laut mit ihnen stritt. Kaum waren wir wieder in Deutschland, erlebte ich genau das am zweiten Tag bei Aldi. Eigentlich stimmt das nicht ganz – einmal habe ich so etwas auch auf Bali erlebt.

    Finn hatte beim Spazierengehen auf der Strandpromenade eine Katze entdeckt und blieb mitten auf dem Weg stehen, um mit ihr zu spielen. Menschen, die uns entgegenkamen, beschwerten sich lautstark: „Musst du denn unbedingt mitten auf dem Weg stehen und alles blockieren?“ Der Zuruf kam auf Deutsch. Ich musste so lachen, dass ich vergaß zu fragen: „Ist der Platz hier nicht breit genug für euch?“

    Zu Beginn der Reise dachte ich noch, die Deutschen müssten irgendeine historische Last oder eine alte Wunde mit sich herumtragen, weil sie sich so schnell ärgern. Nach unserer Rückkehr hat sich meine Sicht darauf verändert. Vielleicht sind die Deutschen einfach besonders gründlich und konsequent. Wahrscheinlich bauen sie deshalb so gute Maschinen. Mit diesem Gedanken konnte ich vieles mit Humor nehmen.

    Nach dieser großen Reise hoffe ich, dass mein restliches Leben nicht genauso weitergeht wie vor der Reise. Es gibt einige Dinge, an denen ich festhalten möchte.

    Ich möchte meine Freunde häufiger treffen und mehr Zeit mit ihnen verbringen. Ich möchte die Dinge tun, die ich wirklich tun möchte, und die Dinge lassen, die ich nicht tun möchte. Und ich möchte das, was ich sagen will, immer sofort aussprechen – auch wenn es für die Zuhörenden unangenehm ist und auch wenn ich mich selbst dabei unwohl fühle.

    Dieser Entschluss ist zum Teil aus den Erfahrungen entstanden, die sich während der Reise angesammelt haben. Er wurde aber auch durch eine Szene aus dem Film „Ran 12.3“ beeinflusst, den ich in Korea gesehen habe.

    Bewaffnete Soldaten des Kriegsrechts dringen in das Parlament ein, und Menschen im Parlamentsgebäude versuchen verzweifelt, sie aufzuhalten. Unter ihnen hört man die Stimmen junger Frauen. Das ist keine gestellte Szene, sondern eine echte Handyaufnahme.
    „Vielleicht sehen wir uns heute zum letzten Mal, Kleine.“
    „Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich einfach gelebt, wie ich wollte.“

    Diese Worte der jüngeren Frau sind mir im Herzen geblieben. Werde ich am Ende meines Lebens auch so denken? Was ist denn so schlimm daran, einfach das zu tun, was man will? Für wen bin ich eigentlich mein ganzes Leben lang so vorsichtig?
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