• Kopflos ?

    29. november 2023, Spanien ⋅ 🌧 14 °C

    Patrick startet den Tag mit Schwimmtraining. Direkt neben unserem Hotel in A Coruna ist ein Schwimmbad, zu dem die Hotelgäste Zutritt haben. Micky entscheidet sich für Yoga im Zimmer - das Bad ist draußen, es ist kühl und es regnet. Das Bad wird offensichtlich von echten Sportlern zum Training genutzt. Patrick ist eher ein geübter Nichtschwimmer. Um niemanden von der Olympiaqualifikation abzuhalten, ordnet sich Patrick also in dem abgesperrten Bereich für Rentner und hochschwangere Frauen ein. Und selbst dort ist er der Einzige, der ohne Speedo Hochgeschwindigkeitssbademütze und entsprechende Brille schwimmt. Immerhin werden es 500 Meter , das ist für einen Nichtschwimmer ganz gut. Einmal glaubt Patrick zu erkennen , dass Micky oben am Fenster steht und nach ihm Ausschau hält. Beim Versuch zu winken , geht Patrick fast unter und die Bademeister nehmen entnervt die Hände aus den Hosentaschen und hören auf, die drei blonden Chicas aus Schweden im Microbikini anzubaggern. Es geht alles gut, niemand muss gerettet werden und wir können gut gelaunt unsere Reise fortsetzen.
    Unser Weg führt uns heute zu erst ans Ende der Erde - zumindest dachten das die Römer, als sie an diesem Kap an der Westküste der galicischen Küste im Nordwesten Spaniens standen. Wer will es ihnen auch verübeln? Von hier aus kannst Du mit den Segelboot schon ganz schön weit fahren, bis Du wieder Land siehst. Wenn Du Glück hast, triffst Du die Azoren, wenn Du Pech hast, kommst Du erst in Amerika raus - beides haben die Römer nicht gemacht, also dachten sie eben, dass die Erde an diesem Kap endet.
    Heute ist das Kap für seine Lage am Jakobsweg bekannt. Angeblich hat man vom Leuchtturm aus, einen tollen Blick auf die Felsen und das Meer. Wir wissen das leider nicht so genau, weil das Wetter heute eher , naja sagen wir es freundlich , beschissen ist.
    Es regnet wie verrückt und dazu liegt Nebel über der Bucht. Anfangs können wir das Auto gar nicht verlassen und den Leuchtturm am Ende der Straße nur erahnen. Wir nutzen eine kurze Wetterpause und pilgern die letzten 894 Meter. Ist gar nicht so anstrengend 🤣🤣🤣.
    Das Hauptziel heute ist Santiago di Compostela und dort insbesondere die berühmte Kathedrale.
    Unser Tank ist halb gefüllt, aber als Patrick eine Tankstelle sieht, bei der der Liter Diesel 1,379 Euro kostet, schaltet er in den Wettkampfmodus. Wir verlassen die Schnellstraße und fahren an die Tanke. Vor uns sind ein paar andere Autos, aber Patrick ist im Tunnel - ihm ist alles egal. Der Bulli wird jetzt vollgetankt. Und das Beste: sogar mit Tankservice . Patrick ist im Glück. Fick Dich Repsol mit Deinen 1,79 Euro je Liter. Wir haben jetzt wieder 1.000 Kilometer im Tank 😜.
    In Santiago haben wir bereits ein Hotel. Schön, mit Pool und alles sehr modern. Dann stellen wir fest, dass es 300 Meter von der Kathedrale entfernt, ein sehr schönes Haus gibt und noch Zimmer frei sind. Das hört sich noch besser an. Wir stornieren unser Hotel und buchen im Stadtzentrum. Die Mitarbeiterin am Telefon gibt uns noch den Hinweis für die Anfahrt, dass es keine Beschränkungen bis zum Hotel gibt und wir einfach fahren sollen, auch wenn das nach einer gesperrten Fußgängerzone aussieht.
    Genau das machen wir dann, bis wir feststellen, dass wir uns verfahren haben und jetzt tatsächlich durch die gesperrte Fußgängerzone fahren. Die Spanier finden es uncool, also wenden wir ( gar nicht so einfach bei den vielen Fußgängern) und fahren wieder raus. Gerade noch rechtzeitig, bevor der versenkbare Poller, der hier eigentlich Autos verhindern soll, wieder hochkommt. Er war nämlich abgesenkt, als wir einfuhren.
    Unser Hotel liegt super, es ist ein altes Kloster und wir wissen jetzt , dass ein Mönch unter Deluxezimmer etwas anderes versteht, als wir. OK, die Umbuchung war ein Fehler, aber egal, es ist eine Nacht.
    Die Kathedrale begeistert uns dann wirklich. Wir sehen zuerst die "Portico de la Gloria" an . Das ist das dreiteilige Hauptportal im Westen der Kathedrale. Um es zu sehen, braucht man eine Besuchszeit, ein besonderes Ticket und eine Belehrung über die Verhaltensregeln vor der Portico. Schaffen wir alles und dann werden wir vorgelassen und staunen schon über diese Arbeit aus dem 12. Jahrhundert. Sie ist mit unzähligen Figuren verziert und extrem detailreich gestaltet. Jesus wird hier als Erlöser und Richter dargestellt. Man kann das gesamte Werk fast nicht überblicken, weil man nicht weit genug weg gehen kann. Wie mag das wohl bei geöffneten Haupttoren aussehen? Fotos haben wir leider nicht. Es herrscht strenges Fotoverbot und die gefährlich aussehende Wachfrau hat Patrick keine Sekunde aus den Augen gelassen.
    In der Kathedrale haben wir dann natürlich die obligatorischen Kerzen angezündet und trotzdem heimlich Fotos gemacht. Es gab ein paar Danksagungen hier, weil wir für Euch immer Kerzen anzünden. Das müsst Ihr nicht machen , ist schon OK, wir machen das gerne 😉.
    Unter dem unglaublich aufwändig verzierten Altar ist die Krypta, in der die Gebeine des Apostels Jakobus liegen sollen. Da gibts bisserl Streit mit ein paar Italienern, die behaupten, die Spanier hätten zwar den Torso von Jakobus, die Italiener aber den Kopf. Wir wollten uns da jetzt nicht einmischen und haben den Schrein nicht geöffnet, um nachzusehen.
    Die Kathedrale wurde auf den Resten einer Kirche aus dem 8. Jahrhundert errichtet und ist selbst schon über 900 Jahre alt. Wir haben auf unserer Reise jetzt schon einige Kirchen und sehr große Kathedralen gesehen, aber hier sind wir wirklich beeindruckt. Das Gebäude ist mit 23.000 qm Grundfläche riesig und zugleich wunderschön.
    Die Fotos von außen sind wegen des Regens nicht ganz ideal geworden. Leider.
    Heute essen wir schon um 16 Uhr zu Abend. Kurz bevor der gemeine Spanier seine Mittagspause beginnt. Das Abendessen war dann ein Snack bestehend aus TUC Keksen und Käse in unserer Deluxeklosterkammer. Immerhin gibts WiFi, also steht einem guten CL Abend nichts im Weg - geißeln müssen wir uns also nicht. Hoffen wir zumindest!

    Ups, es waren gar keine Italiener, die armenische Jakobskathedrale in Jerusalem behauptet den Jakobuskopf zu haben. Wir wollten das noch schnell klarstellen, nicht das jemand bei "wer wird Millionär" an der Millionenfrage scheitert ....
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