• Das Portotrauma überwunden?

    1. december 2023, Portugal ⋅ 🌙 9 °C

    Es ist der 27. Mai 1987. Patrick ist auf der Schulparty in der Aula des katholischen Familienwerks (ja, da waren wir wirklich in der Schule) und feiert. Es läuft bereits das Europapokalfinale der Landesmeister. Bayern spielt im Wiener Praterstadion gegen den FC Porto. In der Aula steht ein kleiner Fernseher (Beamer gab es eher noch nicht) und so kann Patrick sehen , wie ein gewisser Rabah Madjer in der 77. Minute mit der Hacke den Ausgleich zum 1:1 schiesst. 3 Minuten später gibt er den Assist zum Siegtor für Porto. Seitdem steht Porto auf der Liste von Patrick. Der Negativliste! Als der FC Porto dann Mourinho als Cheftrainer anheuert und mit ihm die Champions League gewinnt , kommt Porto auf die Feindesliste - und zwar ganz nach oben.
    Und ausgerechnet hier soll Patrick jetzt Spaß im Urlaub haben ? Undenkbar.
    Dann startet der Tag auch noch mit Regen. Wir gehen im Hotel frühstücken und dann ändert der Tag auf einmal seine Richtung und durchkreuzt Patricks Mieselaunetrip.
    Das Frühstück ist extrem lecker , der Service aufmerksam und freundlich , der Regen endet und die Sonne kommt raus. Wir laufen mit unserer Schnitzeljagdapp durch Porto und sind begeistert. Die Stadt ist voll von Hotspots 🔥 und gefällt uns.
    Porto hat 238.000 Einwohnern. Die Stadt, deren Name im Deutschen wörtlich Hafen heißt, liegt an der Atlantikküste am Nordufer des dort mündenden Douro. Zusammen mit Vila Nova de Gaia am gegenüberliegenden Ufer des Douro bildet sie den Kern der Metropolregion Porto. Das historische Zentrum gehört heute zum UNESCO-Weltkulturerbe und genau das überrascht nicht. Man glaubt , durch ein Museum zu laufen, wenn man hier auf der Straße spazieren geht.
    Unsere Schnitzeljagd führt uns an allen Hotspots vorbei.
    Nach den ersten 3 Stunden beschließen wir, die alte Trambahn entlang des Douro zu nehmen und zum Strand zu fahren. Das dauert ca 15 Minuten und ist durchaus abenteuerlich. Die Schienen führen meistens direkt an Restaurants, Geschäften, parkenden Autos und Fußwegen vorbei. Zwischen die Tram und die potentiellen Hindernisse passt manchmal nur noch ein Löschblatt. Das ist für den Zugführer aber kein Grund langsamer zu werden. Meistens wird nur wild geklingelt und drauf los gefahren. Wir vermuten , dass es wöchentlich mehrere Opfer (Menschen, Autos, Sonnenschirme usw) geben muss, unsere Fahrt bleibt aber unfallfrei.
    Am Strand ist die Brandung ordentlich. Der Atlantik lässt die Muskeln spielen. Wenn Du hier nicht aufpasst, wirst Du nass oder sogar weggespült- vor allem, wenn Du, wie wir, über die Absperrung geklettert bist und verbotenerweise auf der Mole stehst. Aber wir passen ja auf 🙃.
    Dann will Micky unbedingt ins Restaurant Vinum. Es hat angeblich einen tollen Blick über Porto und das Essen soll toll sein. Das Problem: es liegt etwas außerhalb und man muss die alte Brücke Dom Luis überqueren. Die ist 60 Meter hoch und Patrick hat Höhenangst. Eine interessante Kombination. Die Fotos sind daher alle von Micky , Patrick hat sich in der Mitte Brücke mitten auf den Zugschienen aufgehalten. Er fand das sicherer.
    Wir laufen die 2,5 Kilometer zum Vinum, mit gefühlten 300 Höhenmetern und essen hervorragend. Mit Blick auf Patricks Todesbrücke. Beim Betreten des Restaurants gab es noch kurz Stress, weil der Kellner meinte, dass Patrick etwas tun müsse. Muss er übrigens nicht und das wird dann eben auch erklärt. Sogar entgegen der Regel, dass man Menschen, die einem das Essen bringen sollen, nicht beleidigen darf.
    Es sieht so aus, als ob Porto aus der Feindesliste gestrichen werden kann, ja sogar muss 🤣🤣🤣.
    Wenn da nicht um 18:30 Uhr noch der Besuch der Harry Potter Bücherei angestanden hätte.
    Dazu muss man sich frühzeitig ein Ticket kaufen und einen Zeitslot für seinen Besuch reservieren. Ohne das geht hier gar nichts. Jede Portotourist will auf die berühmte Treppe inmitten der Bücherei. Für die 8 Euro Eintritt bekommt man aber einen Einkaufsgutschein. Hört sich halbwegs fair an.
    Inzwischen regnet es wieder und wir müssen natürlich bis exakt zur gebuchten Zeit um 18:30 Uhr warten. Im Freien. Im 🌧️ Regen.
    Dann werden wir eingelassen und bekommen nochmals den Hinweis, dass wir nicht vergessen sollen , dass wir ja für 16 Euro Gutscheine haben. Die Bücherei ist sehenswert und macht Spaß. Wir suchen dann ein Buch , gar nicht so leicht in einer portugiesischen Bücherei. In der Englischabteilung werden wir fündig und finden etwas für 15,90 Euro. Perfekt. Die Kasse hat ein eigenes Logiksystem und wir müssen mehrfach etwas in unserem Anstehmodus ändern. Hört mal zu ihr Vollpfosten, wir müssen einen Scheissdreck. Wir sind trotz eures zwielichtigen Geschäftsmodells Kunden , also bittet uns, den Anstehmodus zu ändern oder fragt uns, ob wir ihn bitte ändern können. Mit dieser Vorgeschichte wird der eigentliche Kaufvorgang, dann hässlich. Der Kassierer schaut Patrick nicht an, Patrick schaut dafür auf ihn herab. Und als Patrick, dann nicht 10 Cent zurück bekommt ( 2 Voucher a 8 Euro - 15,90 Euro für ein Buch), sondern 7,90 Euro nachzahlen soll, ist Porto wieder auf der Negativliste drauf. Für die Feindesliste reicht es nicht , dazu ist Stadt einfach viel zu schön 😁.
    Patrick will eigentlich gar nichts mehr kaufen, Micky will eine Eskalation verhindern und kauft das Buch für 7,90 Euro, weil man eben pro Buch nur EINEN Voucher einlösen kann.
    Später stellt sich noch heraus , dass das Buch bei Hugendubel in Versand 4,90 Euro kostet. Inklusive Versandkosten. Ist also kein Bestseller gewesen 😀😀😀😀😀.
    Der Regen hört auf, wir laufen nochmals am Douro entlang und stellen fest: einen ersten Dezember im Café im Freien mit Weihnachtsmusik zu feiern, hat was. Porto , Du bist runter von der Negativliste.
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