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  • Day200

    The San Blas Adventure

    July 26, 2019 in Panama ⋅ 🌧 27 °C

    Nach der anstrengenden Busfahrt nach Panama dachten wir uns, wir haben dafür einige Tage im Paradies verdient. Wie bereits erwähnt ist der Grenzübertritt nach Kolumbien nur per Flugzeug oder über Wasser möglich. Bei letzterem gibt es zwei realistische Möglichkeiten. Entweder per Segelboot oder per Speedboat. Beide überfahrten dauern um die 4 Tage, da dazwischen die üner 365 entdeckenswerten Inseln von San Blas liegen. Nach ausführlicher Recherche haben wir uns dann für das Speedboat entschieden. Dies, da man damit viel mehr Zeit auf den Inseln hat, viel mehr Inseln sieht und auch auf diesen übernachtet. Beim Segelboot hätten wir teilweise über 30 Stunden keinen festen Boden unter den Füssen gehabt. Ausserdem haben wir viele überzeugende Berichte über den Anbieter "San Blas Adventures" gelesen. Früh morgens wurden wir dann von einem 4x4 im Hostel abgeholt und fuhren nach Carti zu den Booten, bereit die paradiesischen Inseln zu entdecken. Das Paradies musste aber leider noch ein wenig warten. Heftiger Regen setzte noch vor der Abfahrt ein. Der Wetterbericht der nächsten Tage machte uns auch nicht wirklich Mut und wir befürchteten schon unsere Schlechtwetter-Erlebnisse in Australien würden sich wiederholen. Als der Regen dann nichtmehr so strak war verluden wir unsere Rucksäcke auf die beiden Boote (welche wir uns im Voraus grösser vorgestellt haben). Mit 2 Booten à je 12 Leute gings dann los und wir merkten schon bald, weshalb wir angewiesen wurden unsere Rucksäcke wasserdicht zu verpacken. Nach einer unruhigen 1.5 stündigen Bootsfahrt sind wir an unserem ersten Ziel angekommen. Trotz des noch verhangenen Himmels bot sich uns ein Anblick wie aus einem Film. Eine klitze kleine Insel mit einigen wenigen Palmen, in einer Minute zu Fuss locker umrundbar. Da fassten wir dann auch unser Schnorchelequipment und konnten die umliegende Wasserwelt erkunden, bevor uns von einem Einheimischen das Mittagessen serviert wurde. Die Einheimischen dieser Inseln sind die Kuna. Ihre Sprache heisst ebenfalls Kuna. Viele sprechen jedoch auch spanisch. Ihnen gehören sämtliche dieser Inseln und ein Teil des Festlands von Panama. Sie nennen die Gegend nicht San Blas sondern Kuna Yala. Seit 2011 ist dies auch der offizielle Begriff. "Yala" heisst dabei "Berg", da die Kuna ursprünglich aus den Bergen von Kolumbien stammen.
    Nach ein paar Stunden auf dieser Insel stiegen wir wieder in die Boote und fuhren zur nächsten Insel, wo wir auch übernachten sollten. Diese Insel hatte ungefähr die Grösse eines Fussballfeldes und war mit einem Klo (Aus Holz, mit Rohr direkt ins Meer) einer Dusche (Ein Fass mit Süsswasser und kleinen Eimern die man sich über den Kopf schütten konnte) und einem Schlaafsaal (Eine lötterige Holzhütte mit Hängematten) ausgestattet. Die Kunas holten einem für 2$ Kokosnüsse von den Palmen und zum Abendessen gab es eine riesige Platte mit frischem Hummer. Danach spielten wir noch ein paar Spiele, machten ein Lagerfeuer und gingen bei Dunkelheit in fluoreszierendem Plankton schwimmen. In der Nacht zog eine Gewitterfront über die Insel und das Dach des Unterschlupfes offenbarte einige Löcher. Spätestens da war allen klar, weshalb es "San Blas Adventure" hiess. Am nächsten Morgen ging es dann nach einem kleinen Frühstück um 8Uhr mit den Booten auf die nächste Insel. Die angekündigte 2.5 stündige Überfahrt dauerte nur gut 1 Stunde, da das Meer sehr ruhig war und sich die Wolken verzogen haben. Bei strahlend blauem Himmel erreichten wir unsere dritte Insel, auf welcher wir bis am nächsten Tag blieben. Wiederum eine traumhafte Insel mit vielen Palmen auf grünem Untergrund, weissen Stränden und türkisblauem Wasser. Ein Ort zum Geniessen und Entspannen. Beim Mittagessen sind dann plötzlich alle an den Strand geeilt - einige Meter vom Strand entfernt schwamm ein Delfin vorbei. Der erste, den wir auf unserer Reise bisher gesehen haben. Trauminsel, türkisblaues Wasser und Delfine. Irgendwie fast schon kitschig.
    Nach einer weiteren regnerischen Nacht und dementsprechend unruhigem Schlaf in den Hängematten (diesmal hats mich erwischt und das Dach hette genau über meinem Kopf eine undichge Stelle) gings dann am Morgen wieder um 8 Uhr weiter auf die 5te Insel. Die Bootsfahrt dahin dauerte über 3 Stunden bei starkem Wellengang. Trotzdem war es interessant zu beobachten, wie sich die Flora der Inseln langsam veränderte. Hatte es zu Beginn noch ausschliesslich Palmen auf den Inseln, gesellten sich immer mehr und mehr Blumen und Büsche dazu. Nach einigen Stunden in glasklarem Wasser Baden und ein paar Runden Volleyball mit den Kunas gingen wir dann weiter auf die letzte Insel. Ein Kuna Dorf. Hierfür brachten uns die Kunas Kanus auf die Insel mit welchen wir je zu zweit auf die einige hundert Meter entfernte Insel paddeln konnten. Während einige dies ziemlich souverän schafften, hatten Flurina und ich ein kleines bisschen mehr Mühe... aber nach 2x kentern sind wir dann auch angekommen😅 Im Dorf machten wir zuert einen kleinen Rundgang und einige Kinder haben einen traditionellen Tanz für uns aufgeführt. Àpropos Kinder: Davon hatte es auf dieser Insel reichlich. Rund 2/3 der Bewohner sind Kinder. Beim Rundgang stellte sich nald die Frage wer hier wen beobachtet. Anschliessend gab es noch das letzte Abendessen (Oktopus) auf der Insel bevor unser Guide einen "Kuna-talk" organisierte, wo uns einiges über die Inseln und über ihre Kultur beigebracht wurde und wir Fragen stellen konnten. Einige Erkenntnisse daraus:
    -Eine Insel zählt dann als Insel, wenn eine Palme darauf steht. Ohne die Palmen würden viele Inseln irgendwann im Meer verschwinden. Die Wurzeln halten alles zusammen.
    -Die Inseln können nicht gekauft werden. Der einzige Weg wäre, eine/n Kuna zu heiraten. Hierfür müsste zuerst die Familie und dann noch das ganze Dorf einwilligen. Um die Familie zu überzeugen, muss der Mann einige Rituale absolvieren. Dazu gehört zum Beispiel, dass er in seinem Kanu zum Festland paddelt und in einer gewissen Zeit möglichst viel Holz sammelt und zurückbringt. Je mehr, desto eher bekommt er die Erlaubnis.
    -Die Kunas haben einen sehr starken Bezug zu ihren Hängematten. Von der Geburt zur Hochzeit bis zur Beerdigung - irgendwie ist immer eine Hängematte involviert. Für die traditionelle Hochzeit gibt es beispielsweise kein Datum. An irgendeinem Tag wird die Braut und der Bräutigam einfach gepackt, zusammen in eine Hängematte gesteckt und mit Wasser übergossen. Dieses Ritual markiert den Beginn der Ehe.
    -Nach der Eheschliessung zieht der Mann im Haus der Frau ein und lebt da mit ihr und ihren Eltern. Die Frauen übernehmen Haushalt und Erziehung, die Männer gehen arbeiten nach wie fischen und Kokosnüsse sammeln. Hierfür stehen sie am Morgen früh auf, sodass sie bis zum Mittag ihre Arbeit erledigt haben und den Rest des Tages geniessen können. Jeder Fisch und jede Kokosnuss die der Mann nachhause bringt, geht in den Besitz der Schwiegermutter über, welche die Verteilung übernimmt.
    -Die Kuna leben in einer Komune. Das Oberhaupt dieser Kommue wird Saila genannt. Wenn es Probleme oder Unstimmigkeiten gibt oder jemand einen Rat braucht, wird dieser konsultiert. Er/Sie antwortet dann meist in Form von alten Liedern und Geschichten.
    -Einige junge Kunas gehen aufs Festland nach Panama City zum studieren oder dergleichen. Danach ziehts aber ein Grossteil von ihnen wieder in die Heimat. Zurück zum Leben auf den Inseln.
    -Unser Guide macht diese Touren nun schon seit über einem Jahr. Eine seiner Feststellungen: Auch auf San Blas hält allmählich der Fortschritt einzug. Er beobachtete beispielsweise wie mittlerweile ein paar Kinder ein Smartphone haben und anfangen ihre Haare zu stylen und modische Kleider anziehen. Eine bedenkliche Entwicklung.
    -Der Tourismus ist nur eine nebensächliche Einnahmequelle. Die Haupteinnahmen machen sie mit dem Handel von Kokosnüssen. Diese sind ihre Währung.
    -Zum Abschluss eine Anekdote von unserem Guide: Auf einer Insel traf er einen Kuna mit einem Shirt mit der Aufschrift "No Stress". Der Kuna sprach kein Englisch und fragte ihn, was dies überhaupt heisse. Als unser Guide es ihm zu übersetzen versuchte, verstand dieser nicht was er meine. Es stellte sich heraus, auf Kuna gibt es kein Wort für "Stress".

    Am nächsten Morgen stand dann auch schon die letzte Bootsfahrt an. Der Grenzübertritt nach Koumbien. Das ganze dauerte aber einiges länger als angedacht. Auf hoher See und bei starkem Wellengang fiel bei unserem Boot einer der beiden Motoren aus. Nach einigen gescheiterten Reparaturversuchen mussten einige ins zweite Boot umsteigen und es ging mit einem Motor weiter. An der panamaischen Grenze durchsuchte das Militär dann genaustens unser Gepäck bevor wir den Austrittsstempel in unseren Pass bekamen und nach einigen Stunden weiterfuhren nach Kolumbien. Da gabs zuerst noch einen kurzen Zwichenstopp mit Mittagessen in Sapzurro, einen Bootswechsel (das ursprüngliche aus Panama durfte nicht weiterfahren) und dann erreichten wir auch schon Capurgana und somit das Ende dieses Trips. Am Abend trafen wir uns alle nochmal auf ein gemeinsames Abendessen, um auf dieses gelungene und unvergessliche Abenteuer anzustossen.
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