• "Kein schöner Land..."

    18 agosto 2025, Francia ⋅ ☀️ 26 °C

    Will man ein Volksliederbuch illustrieren, sollte man von Lichtenberg nach Wimmenau wandern. Schon am Ortseingang, unter der großen alten Eiche, haben wir das Gefühl, eine Zeitreise anzutreten. Das Örtchen Lichtenberg ist malerisch und total verschlafen, nichts deutet auf das Drama hin, das sich am Ende des zweiten Weltkrieges hier abgespielt hat - die deutschen Truppen haben das alte Schloss und die umliegenden Dörfchen in den letzten Kriegstagen heftig bombardiert und zerstört, die Bevölkerung hat sich in den Kasematten der Burg durch die Angriffe gerettet. Läuft man durch die lichten Buchenwälder, kann man sich kaum vorstellen, dass seit Goethe oder den Brüdern Grimm hier überhaupt jemand durchgekommen ist. Im nächsten Ort, Wimmenau, werden wir von einem Minion begrüßt, der heiß ersehnte Bäcker hat jedoch geschlossen - für immer. Dafür versteckt sich hier ein Erholungsparadies für Wanderer: Monique hat ihren Hof in einen Rastplatz für müde Beine verwandelt und bietet Wasser, Schatten und weiche Polster, was wir gerne in Anspruch nehmen. Unter dem Balken sitzen drei Schwalbenkinder im zu eng werdenden Nest, und schon wieder ist da dieses Gefühl, aus der Zeit zu fallen. Die letzte Etappe des Tages führt uns erneut über grüne Wiesen und Wälder, aus deren Farndickicht entweder jede Sekunde ein Wichtel treten wird oder unter deren dunklen Kiefern die Mütze von Rotkäppchen aufleuchtet. Auf dem Kopf des "Ochsenstalls" finden wir einen idealen Platz für die Nacht. Erst jetzt fällt uns auf, dass wir seit dem Morgen noch keinem einzigen Menschen im Wald begegnet sind. Der Wald ist trotzdem voller Geräusche...Leggi altro