Es geht los
2025年8月12日, フランス ⋅ ☀️ 31 °C
Mit einem Tag Verspätung geht es nun heute endlich los. Wir tuckeln mit dem Zug nach Wissembourg, von dort geht es erstmal in der prallen Sonne über Asphalt zum Startpunkt und dann durch die niedliche Altstadt. Eis und Baguette lagen leider nicht auf dem Weg, also stürzen wir uns am Ortsausgang auf unseren mitgebrachten Proviant. Jeder ist froh, wenn er etwas anbieten und damit Gewicht loswerden kann. Gemütlich laufen wir durch die Wälder und machen am späten Nachmittag an der ersten Schutzhütte Rast (Refuge du Scherholz). Sind ziemlich platt, es war heiß und unsere Körper noch etwas verwundert darüber, warum jetzt plötzlich nicht mehr Sofasitzen angesagt ist.もっと詳しく
Burgruinenparadies
2025年8月13日, フランス ⋅ ☀️ 33 °C
Im schönen Morgenlicht geht es los - wir wollten so früh wie möglich aufstehen, damit wir möglichst weit kommen, bevor die Sonne prasselt. Wir schaffen es auf 9:30 Uhr, nun ja... Gleich in der Nähe ist ein Hahn zum Wasser auffüllen, allerdings kommt dort nur milchweiße, nach Chlor stinkende Brühe raus. Also filtert Lian begeistert 9l durch, das dauert seine Zeit, aber wir brauchen das Wasser. Endlich geht es richtig los, durch grüne Tunnel ins Dörfchen Climbach. Die Bäckerei hat geöffnet und ich hole Baguette, Dampfknödel und Vanilleeclairs fürs Mittagessen. Also ich rauskomme, sitzen Miron und Lian schon zufrieden an einem Brötchen mampfend. Eine alte Oma, die schwer beladen mit Gebäck vor mir die Bäckerei verlassen hat, hat beiden kurzerhand was zum Essen in die Hand gedrückt. Weiter geht's bis zum Krappenfelsen, wo wir die Mittagshitze aussitzen wollen. Nach einer Stunde wollen die Jungs zur Burgruine Löwenstein. Wir klettern durch die Ruinen und genießen die Aussicht, dann geht's auf Erkundung auf der noch etwas besser erhaltenen, direkt benachbarten Hohenburg. In der Ferne im Tal winkt auch schon die nächste - Burg Fleckenstein. Natürlich entscheiden wir uns für den Sentier des Roches dorthin, vorbei an wunderschönen Felsen und verwinkelten Bäumen. Für die Burg Fleckenstein bräuchten wir Tickets und die Burg schließt in einer halben Stunde. Also begnügen wir uns mit Wasser auffüllen, Eis und dem Rundweg um die Burg. Mittlerweile ist es schon 18 Uhr, also Zeit, zum nächsten Zeltplatz zu kommen. Es geht nochmal ordentlich steil auf, dafür werden wir mit einem schönen Flecken belohnt - mit Ausblick auf die nächste Burgruine, die Froensbourg.もっと詳しく
Noch mehr Burgen...
2025年8月14日, フランス ⋅ ☀️ 31 °C
Der Tag startet mit einer Meldung von Nina, der Warn-App - Warnung vor extremer Hitze, den Tag möglichst in gekühlten Räumen verbringen. Das dürfte schwierig werden. Wir wollen bei der Burgruine Froensbourg frühstücken, allerdings ist sie abgesperrt, also bleiben wir im Vorhof. Ein schweigsamer Franzose gesellt sich kurz dazu und verschwindet dann im Busch. Wir trotten gemütlich hinterher und erreichen bald den Roche des Bohémiens. Ein alter Räuberfelsen. Noch ehe ich meinen Rucksack abgesetzt habe, sind die Jungs auf den Felsen gesaust. Als ich hinterher klettere, wird mir etwas schlecht - etliche Stufen sind lose, morsch oder fehlen schlichtweg ganz. Auf das Geländer sollte man sich auch besser nicht verlassen. Nun gut, ich muss hinterher. Die Jungs sind natürlich hellauf begeistert. Ebenso von den folgenden Felsen und Ruinen. Die Mittagshitze sitzen wir am Chateau du Wittschloessel aus, mit herrlicher Aussicht und natürlich auf dem höchsten Gipfel der Umgebung. Es ist echt knalleheiß heute. Doch als wir die Ruine Vieux Windstein erreichen, scheinen die Jungs eine heimliche Energiequelle anzuzapfen. Die Erschöpfung ist wie weggeblasen, begeistert erkunden sie die gesamte - wirklich die gesamte!!! - Burgruine, klettern jeden Stieg hinauf und kriechen in jede Höhle. Die deutlich besser erhaltene neue Burg Windstein löst nur halb soviel Begeisterung aus. Die nächste Wasserstelle im Ort Windstein ist geschlossen, doch das Restaurant gegenüber hat Cola und Flammkuchen. Wir bleiben etwas zu lange sitzen und starten zu spät zum angepeilten Platz für die Nacht. Die letzte Stunde wandern wir vollkommen im Dunkeln, im gruseligsten Wald, den es je gab, natürlich steil bergauf. Als dann auch noch eine schwarze Schlange vor meinen Füßen über den Weg zischt, liegen meine Nerven blank. Miron und Lian sind erschöpft, aber die Dunkelheit scheint ihnen nix auszumachen. Mich bringt eine Ladung Adrenalin ans Ziel, die Jungs ein hartnäckiger Ehrgeiz, unbedingt den ausgesuchten Zeltplatz erreichen zu wollen. Wir werfen im Dunkeln flugs Innenzelt, Isomatten und Schlafsäcke neben das andere Zelt und fallen kurz darauf hinterher. Ich will mich eigentlich gerne noch vor dem Einschlafen auf die Seite drehen, aber meine Muskeln haben da keine Lust mehr drauf. Morgen sollten wir etwas ruhiger machen...もっと詳しく
Gestrandet in Niederbronn-les-Bains
2025年8月15日, フランス ⋅ ⛅ 33 °C
Was ich 1,5 h erfolglos versucht habe, gelingt den ersten Ausflüglern des Tages mühelos., die Jungs zu wecken. Die ersten Radfahrer radeln durch den Wald und Autos rollen an, Gassirunde mit dem Hund - schnell sind Miron und Lian dann aus dem Zelt und kurz darauf startklar. Es ist trotzdem schon wieder ziemlich warm und später Vormittag als wir loskommen. Es geht weiter bergauf auf den Gipfel des Wintersberg und dann per Stufen weiter gen Himmel. Von dem Turm aus hat man einen fantastischen Blick auf die Vogesen und Straßburg. Doch wir bleiben nicht lange, denn wir brauchen mal wieder Wasser und das gibt es erst im Tal. Wie überhitzt wir sind, wird uns erst so richtig klar, als wir bei dem Wasserbrunnen ankommen. Wir kippen literweise das kühle Wasser in uns rein, tauchen T-Shirts, Tücher, Hüte ins Wasser und kühlen uns ab. Hier am Wasser weht ein laues Lüftchen und es ist schwer, sich von dem schönen Ort zu trennen. Wir sind mitten in die Mittagshitze reingeraten (34 Grad im Schatten 🥵). Aber wir müssen noch unsere Essensvorräte auffüllen, bevor wir weiter können, also steuern wir den nächsten Supermarkt an und stehen kurze Zeit später...vor verschlossenen Türen. Feiertag. Maria Himmelfahrt. Mist. Alles geschlossen, außer einigen Restaurants und der Patisserie. Dort stopfen wir erstmal Zucker in uns rein und klemmen uns ein paar Baguettes unter den Arm. Wir brauchen neues Essen, also können wir nicht weiter. Zum Glück gibt es einen Zeltplatz - natürlich wieder bergauf, am Rande des Städtchen. Und dort gibt es auch zum Glück noch einen Notplatz für uns, hinter den Gemüsebeeten, zwischen Kürbis, Tomaten und Gurken. Abends kocht das nette Paar, das den Zeltplatz betreibt, Dampfnudeln und Kartoffelpuffer für die Gäste. Wir schlemmen also weiter und beschließen, morgen einen Ruhetag einzulegen. Miron hat Kopfschmerzen und fühlt sich etwas fiebrig, vermutlich hat er einen leichten Sonnenstich. Unsere Zeltnachbarn sind vier ältere nette Herren, die netterweise einen Kuschelhund mitgebracht haben, der von den Jungs auch dankbar beschmust wird.もっと詳しく
Im Blubberbad
2025年8月16日, フランス ⋅ ⛅ 28 °C
In der Nacht gab es so etwas wie ein Gewitter - es hat ordentlich gegrummelt und gedonnert und bestimmt fünf Minuten lang geregnet. Für eine richtige Abkühlung hat es leider nicht gereicht, aber wir dürfen noch eine weitere Nacht auf dem Zeltplatz bleiben und damit richtig entspannen. Unsere Zeltnachbarn leihen uns ihre Campingmöbel für den Tag, sodass wir jetzt richtige Camper sind und ganz gesittet den Tag an einem Tisch verbringen könnten. Vorher geht es nochmal zum Einkaufen in die Innenstadt runter und wieder hoch, und nach einem kurzen Nickerchen auf der Wiese landen wir im Schwimmbad um die Ecke. Genauer gesagt im Blubberbad. Hier lassen wir uns zwei Stunden lang durchmassieren. Zuvor brauchte Miron noch eine neue Badehose, Bermudas waren nicht erlaubt. Es gab eine schicke, eng anliegende aus dem Automaten, und nun ist er stolzer Besitzer einer nigelnagelneuen Badeschlüpfer. So richtig zeigen konnte er seine Begeisterung bisher noch nicht und auch, dass er damit sich vollkommen geschmeidig ins Niederbronner Badeleben eingefügt hat, hat ihn noch nicht richtig überzeugen können (dieselbe Hose hatten 80 % der anderen männlichen Badegäste auch). Kommt bestimmt noch...もっと詳しく
Zu Besuch bei Wildschweinen
2025年8月17日, フランス ⋅ ☀️ 19 °C
Wir sind wieder unterwegs! Es hat zumindest ein wenig abgekühlt und so geht es weiter. Wir wollen noch etwas ruhiger machen und haben uns für heute keine allzu lange Strecke vorgenommen. Zunächst geht es wieder einmal steil bergauf, zur Burgruine Wasenbourg, wo wir in Ruhe frühstücken. Nach ein paar Kilometern kommt gleich der nächste Anlass für eine kurze Pause - der Aussichtsturm auf dem Wasenkoepfel. Da es gen Nachmittag doch wieder ziemlich warm wird, machen wir bei der Burgruine Arnsbourg eine ausgiebige Siesta, bevor wir weiter trotten. Im nächsten Tal geraten wir in eine schier unreal anmutende Kulisse - der Weg führt durch einen wohl gepflegten Park eines großen Anwesens, keine Menschenseele weit und breit. Wir beschließen, uns aus dem Bächlein, das sich durch den Park schlängelt, noch Wasser für die Nacht mitzunehmen. Und so sitzen wir eine halbe Stunde Wasser filternd und staunen über die Umgebung. Das Anwesen ist von seltsam niedrigen Stromzäunen umzäunt, zu niedrig, um Rehe abzuhalten, zu hoch um Katzen, Hunden oder Kaninchen den Zutritt zu verwehren. Gegen wen sich dieser seltsame Zaun wendet, wird uns erst später im Wald klar. Der gesamte Wald ist komplett von Wildschweinen zerwühlt. Wir hatten von einem gut geeigneten Biwakplatz gelesen, doch der ist schon besetzt. Alle Schotten sind dicht, offenbar schlummern die Bewohner schon tief und fest. Ich bin gar nicht böse, noch etwas mehr aus dem Zentrum dieses Wildschweintummelplatzes rauszukommen, und schließlich finden wir ein paar Kilometer weiter ein nettes Fleckchen für die Nacht. Zur Sicherheit hängen wir unser Essen doch etwas entfernt auf und beschließen einstimmig, dass Wildschweine ausschließlich dämmerungsaktiv sind. Also sind wir sicher, sobald es stockdunkel ist und schlafen alle drei bald beruhigt ein.もっと詳しく
"Kein schöner Land..."
2025年8月18日, フランス ⋅ ☀️ 26 °C
Will man ein Volksliederbuch illustrieren, sollte man von Lichtenberg nach Wimmenau wandern. Schon am Ortseingang, unter der großen alten Eiche, haben wir das Gefühl, eine Zeitreise anzutreten. Das Örtchen Lichtenberg ist malerisch und total verschlafen, nichts deutet auf das Drama hin, das sich am Ende des zweiten Weltkrieges hier abgespielt hat - die deutschen Truppen haben das alte Schloss und die umliegenden Dörfchen in den letzten Kriegstagen heftig bombardiert und zerstört, die Bevölkerung hat sich in den Kasematten der Burg durch die Angriffe gerettet. Läuft man durch die lichten Buchenwälder, kann man sich kaum vorstellen, dass seit Goethe oder den Brüdern Grimm hier überhaupt jemand durchgekommen ist. Im nächsten Ort, Wimmenau, werden wir von einem Minion begrüßt, der heiß ersehnte Bäcker hat jedoch geschlossen - für immer. Dafür versteckt sich hier ein Erholungsparadies für Wanderer: Monique hat ihren Hof in einen Rastplatz für müde Beine verwandelt und bietet Wasser, Schatten und weiche Polster, was wir gerne in Anspruch nehmen. Unter dem Balken sitzen drei Schwalbenkinder im zu eng werdenden Nest, und schon wieder ist da dieses Gefühl, aus der Zeit zu fallen. Die letzte Etappe des Tages führt uns erneut über grüne Wiesen und Wälder, aus deren Farndickicht entweder jede Sekunde ein Wichtel treten wird oder unter deren dunklen Kiefern die Mütze von Rotkäppchen aufleuchtet. Auf dem Kopf des "Ochsenstalls" finden wir einen idealen Platz für die Nacht. Erst jetzt fällt uns auf, dass wir seit dem Morgen noch keinem einzigen Menschen im Wald begegnet sind. Der Wald ist trotzdem voller Geräusche...もっと詳しく
Ein lauter Tag
2025年8月19日, フランス ⋅ ⛅ 28 °C
TOCK, TOCK, TOCK! Wie ein Besessener hämmert der Specht seinen Schnabel mit aller Wucht in den Baumstamm. Genau den Baum hat er sich ausgesucht, der direkt vor unserem Zelteingang steht. WRUMMMMM... flappert ein panischer Zweiflügler vorbei. Ob er mit Absicht extra knapp an uns vorbei schrabbt oder einfach nur die Kurve nicht sauber gekriegt hat? KRRRRRRR. Er bringt den namenlosen Käfer, der sich in die Todeszone zwischen Innen- und Außenzelt verirrt hat dazu, einen neuen Ausbruchversuch zu starten. Er brummelt und summt und macht sich daran, mit den Flügeln, das Außenzelt zu zersägen. Etwas entfernt knistert und knackt etwas Hochbeiniges durchs Geäst. Kakaophonie eines mitteleuropäischen Mischwaldes. Miron und Lian ignorieren die Geräusche genauso effektiv wie sonst ihre Schulwecker am Morgen. Plötzlich rumpelt es in der Ferne. Das Rumpeln kommt näher, wächst sich zu einem heranrollenden Donnern aus und zerknallt die Luft über unseren Köpfen. Ein Helikopter streift unser Zeltdach, wir ziehen die Köpfe ein, doch da ist er schon weiter und schrammt dahin über die Baumspitzen. Jetzt sind alle wach. Wir machen vorsichtig das Zelt auf, doch die Lichtung ist leer - der Trupp Spezialeinheiten, den wir insgeheim erwartet haben zu sehen, hat sich wohl doch woanders abgeseilt. Alle tierischen Krachmacher sind eine Weile still, allen sitzt der Schreck in den Gliedern. Dafür übernimmt eine französische Omi mit ihren drei Enkeln die Geräuschkulisse. Munter krakeelen die Kids unter unseren Füßen in den Felsen des Ochsenstalls herum. Biwakieren ist hier zwar erlaubt, aber wir haben so früh noch keine Lust auf Besuch, also versuchen wir unser Zelt so leise wie möglich abzubauen und essen unseren Haferbrei heute kalt. Als dann endlich eins der Krakeelerkinder den Aufgang zu unserem Zeltplatz entdeckt und zu uns hochkrabbelt, sitzen wir schon fertig verpackt, verschnürt und gekämmt, abmarschbereit. Abmarschieren tun wir dann auch direkt, zum nächsten Örtchen, Eckartswiller, ist es nicht weit. Aufgefädelt wie Perlen an einer Schnur liegen die Häuser rechts und links der Straße. Bis auf ein paar träge Pferde, die in der Sonne schmoren, gibt es kein Lebenszeichen. Der nächste Ort hat einen Bäcker mit Café, heißt es, und einen poetischen Namen - La Petite Pierre. Gleich am Ortseingang stehen Tische und Stühle schön im Schatten, einige Leute sitzen und plaudern. Wir hatten das Café später erwartet, aber freuen uns natürlich, etwas früher Pause machen zu können. Als wir näher hinsehen, hat jedoch keiner der Gäste irgendwas zu essen oder zu trinken vor sich stehen. Ich bin jedoch schon zu nah dran und werde von einer älteren Dame angesprochen. Ich nicke freundlich, sage "Oui, oui" und "Merci" und "Bonjour" - irgendwas wird schon passen, ich habe kein Wort verstanden, bin mir noch nicht einmal sicher, ob es überhaupt Französisch war. Aber ich bin mir nun sicher, dass dies kein Café ist - es ist ein Altersheim. Den Bäcker finden wir kurz darauf dort, wo wir ihn vermutet haben. Noch während wir unsere Bestellung abgeben, geht ein ohrenbetäubendes Hämmern los, die ganze Erde vibriert, es staubt durch die Tür herein. Eine Baustelle, direkt vor dem einzigen Café weit und breit. Und genau heute, genau jetzt, ist der Rüttler an der Reihe. Jackpot. Ziemlich gerädert, aber schwer beladen mit Baguettes, trollen wir uns weiter. Zurück in den Wald! Fast sehnen wir uns nach dem zarten Trommeln des Spechts neben unseren Ohren. Ein hilfreicher Franzose verspricht uns einen tollen Ausblick auf die Vogesen und unvergessliche Naturerlebnisse, sogar eine Picknickbank, wenn wir auf dem Gipfel des nächsten Hügels campieren anstatt ins nächste Tal weiter zu laufen. Wir suchen den Vogesenausblick und finden die Picknickbank. Sie liegt tatsächlich auf dem Sattel des Bergchens, neben einem - ja, das ist ein Sportplatz. Und dieser muss offensichtlich genau heute gemäht werden. Ausführlichst. Und da man schon dabei ist, auch die angrenzenden Wiesen, und das sind viele. Uns reicht es für heute, wir verkriechen uns ein Stück zurück im Wald, schlagen das Zelt auf und warten auf die versprochenen Naturerlebnisse. Und darauf, dass der Rasenmähermann fertig ist. Miron hat sich zuerst hingelegt. Das ist ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist auch, dass er nix zum Abendessen will. Als Lian und ich alles verstaut und aufgegessen haben und ins Zelt gehen, kommt uns Miron entgegen und startet das akustische Finale des Tages. Er kotzt einmal ums Zelt herum, zweimal, einen richtigen Bannkreis. Dann ist die andere Körperöffnung dran. Der Arme springt die nächsten Stunden zwischen Zelt und Wald hin und her, untermalt vom Rasenmähergeräusch in der nahen Ferne. Gegen 23 Uhr ist die Wiese gemäht, Miron kotzt weiter Rehe in die Flucht. Gegen 2 Uhr kehrt endlich Ruhe ein in den Gedärmen meines Erstgeborenen, da steht Lian auf und rundet nun seinerseits das vollendete Drama mit drei Kotzeinlagen ab. Ich liege in der Mitte und lausche auf den Ruf des Käuzchens, schwöre mir, meinen Jungs nie wieder Pizzastücke nach Elsässer Art zu kaufen und verstehe, dass diese Nacht nicht zum Schlafen gedacht ist.もっと詳しく
Der Tag danach
2025年8月20日, フランス ⋅ 🌧 21 °C
"Heute ist ein mäßig guter Tag zum Angeln", sagt Miron's GPS. "Ein Baguette ist nicht regenfest, drei Baguettes sind es auch nicht." Gleich zwei wichtige Erkenntnisse am frühen Morgen. Wir hatten Regen bestellt, heute wird er geliefert. Wohl mit dem Ziel, die Spuren der Nacht etwas zu verwässern. Das ist durchaus in aller Sinne, dennoch fällt es mit dem Prasseln aufs Zeltdach nicht gerade einfach, sich aus den Schlafsäcken zu pellen. Generell ist nach der misslungenen Nacht nicht viel Steuerkapazität des Gehirns vorhanden, wir laufen quasi im Stammhirnmodus. Zusammenpacken, laufen, anhalten, weiterlaufen. Der Weg führt größtenteils auf geraden Waldwegen parallel zur Landstraße, monoton und langweilig, gerade passend für Beine im Selbstläufermodus. Da keiner von uns Appetit hat und zwei Drittel der Reisegruppe sowieso die wertvollen Kalorien nur wieder dem Wald schenken würden, laufen wir zudem auf Speckreserve. Zusammen ergibt dies nicht unbedingt ein sehr dynamisches Bild, wir schlurpsen durch die wassertriefende Landschaft, wortkarg. Als wir auf der Hälfte der Strecke eine stark befahrene Schnellstraße überqueren müssen, malen wir uns nicht allzu große Überlebenschancen aus. Wir verabschieden uns höflich voneinander, danken einander für die angenehme Lebenszeit zusammen und stellen uns auf zum letzten Sprint. Überglücklich und etwas ungläubig fallen wir uns auf der anderen Straßenseite wieder in die Arme, es geht doch noch gemeinsam weiter. Jetzt sind es auch nur noch 5 km bis nach Saverne, das kriegen unsere Beine ohne uns hin. Also verdösen wir den kurzen Adrenalinstoß und lassen uns tragen, vorbei an hübschen Felsen und einer geheimnisvollen Grotte, die uns jedoch nur kaum interessieren. Der Stammhirnmodus erlaubt nur Atmen, Essen, Laufen und Schlafen. Da Nr. 2 keinen Sinn macht, Nr. 4 nicht sachdienlich ist, um vorwärts zu kommen, geht die ganze Energie auf Nr. 1 und 3 drauf. Und dann stehen wir endlich in Saverne vor einem Riesengebäude, einem ehemaligen Schloss im Stadtzentrum. Hier soll irgendwo die Jugendherberge sein, die wir reserviert haben, aber es gibt keinen Eingang. Sicher sind wir im falschen Ort, hier ist nix. Doch! Es gibt ein ausgeblichenes Schild an der Seite des Backsteinbaus mit der Aufschrift "Auberge de Jeunesse. Please ring the bell before climbing the stairs". Ein Summen ertönt, die schwere Tür lässt sich öffnen und wir stehen in einem Treppenhaus ohne Ende nach oben. Uns bleibt nichts anderes übrig als uns an den Aufstieg zu machen und nach drei bis vier Tagen Treppensteigen kommen wir an einer weiteren geöffneten Tür an. Wir betreten einen dunklen Flur, in dessen Mitte ein kleines Pförtnerzimmer sitzt, mit Licht und einem Menschen hinter der Glasscheibe. Er nuschelt vor sich hin, ich fülle Zettel über Zettel aus und bekomme den Schlüssel von Zimmer Nummer Eins in die Hand gedrückt. Wir tasten uns zu unserem Zimmer vor, weitere dunkle Gänge entlang. Wir sind offenbar die einzigen Gäste. Der Pförtner schließt Licht und Tür seines Häuschens und geht, sein Tagewerk ist vollendet. Uns beschleicht ein etwas mulmiges Gefühl, vor dem Fenster sind teilweise Gitter angebracht, wir kleben in einem Kämmerchen unter dem Dach des Schlosses, in dem noch ein Museum und eine geschlossene Grundschule untergebracht sind. Viel Denken ist heute nicht drin, daher plumpsen wir in die Betten und schalten unsere Gehirne ganz aus.もっと詳しく
Hotel California
2025年8月21日, フランス ⋅ ☁️ 23 °C
Der Pförtner von gestern taucht nicht wieder auf, aber zum mageren Frühstück gibt es eine Überraschung - es sind noch zwei andere Gäste da! Melissa aus den Niederlanden läuft auch den Hexatrek, allerdings in umgekehrter Richtung und sie macht sich nach dem Frühstück gleich wieder auf den Weg. Bleibt noch ein schweigsamer Franzose vier Tische weiter, doch auch diesen sehen wir nicht wieder sobald er den Frühstücksraum verlassen hat. Die Gänge sind nach wie vor dunkel und still, ein menschlicher Schatten huscht ab und zu durch, er scheint irgendwie zum Hostel zu gehören. Der Blick aus dem Fenster ist prächtig, nur auf unserer Seite des Fensters ist es irgendwie unheimlich. Wo sind all die anderen Gäste? Uns beschleicht eine ungute Ahnung als wir im Treppenhaus sehen, dass hinter einer Gittertür im Keller noch das Zimmer Nr. 10 ist. Ob hier all die verschwundenen Gäste landen? Und steht uns dasselbe Schicksal bevor? Miron und Lian geht es etwas besser, um die Ecke soll es einen Waschautomaten und einen Supermarkt geben. Gibt es auch. Jede Ablenkung ist willkommen. Die Wäsche ist schnell erledigt, Einkaufen hingegen geht irgendwie nicht. Jetzt bin ich an der Reihe - mir ist übel und schwindelig, all die Leckereien in den Regalen, für die ich vorgestern noch kilometerweit gerannt wäre, stoßen mich ab. Also schleichen wir zurück ins Kämmerchen. Dort falle ich in einen tiefen Schlaf, zum Glück sind Miron und Lian noch da, als ich Stunden später aufwache. Sie haben die Zeit für Beobachtungen genutzt und eine Theorie aufgestellt. Der Schatten huscht wieder durch die Gänge, er verschwindet immer sobald das Licht angeht. Ein Vampir, der nachts die Schicht im Hostel übernimmt? Gesprochen hat er bisher kein Wort. Um den Turm gegenüber kreischt seit den frühen Abendstunden ein Krähenschwarm, hinter dem Schloss spielt eine Band "Imagine" von John Lennon. Irgendwie unpassend. Mir geht stattdessen das Lied "Hotel California" durch den Kopf - "You can check out any time you like, but you can never leave". Es ist klar, dass wir morgen nicht weiter können, wir müssen noch eine weitere Nacht bleiben. Für alle Fälle lassen wir auch diese Nacht das Fenster weit offen. "Mama, wach auf, da ist eine Fledermaus im Zimmer!!!" Tatsächlich - sie kreist gemütlich ihre Runden unter der Zimmerdecke. Dreht hier der Nachtwächter seine Kontrollrunde? Also doch.もっと詳しく
Tanz der Vampire
2025年8月22日, フランス ⋅ ⛅ 22 °C
Man gewöhnt sich an Vieles. Auch daran, alleine unterm Dach eines Schlossmuseums in einer französischen Kleinstadt zu wohnen. Mittlerweile bewegen wir uns ganz selbstverständlich entspannt durch die dunklen Gänge, grüßen achselzuckend den Vampirwärter. Dieser nimmt die Entdeckung seines Geheimnisses gelassen, er tut als wäre nix geschehen. Am späten Vormittag machen wir Bekanntschaft mit einem weiteren Schlossbewohner - eine handtellergroße Spinne hat es sich in einer Zimmerdecke gemütlich gemacht. Ziemlich behaarte Beine hat sie, also eindeutig männlich. Wir fühlen uns in unserer Privatsphäre gestört und schicken Spiderman auf dem Luftweg nach draußen. Im Flug öffnet er die Beine und segelt regelrecht elegant gen Boden. Nachdem nun Batman und Spiderman unser Zimmer offenbar für ihre Spielwiese halten, suchen wir uns eine neue und dehnen unseren Einflussbereich auf die Gemeinschaftsräume der Unterkunft aus. Wir erobern die Küche erfolgreich für uns und - zum großen Jubel von Miron und Lian - den angrenzenden Fernsehraum. Mr. Bean hält die beiden bei Laune während ich auf Erkundung durch alle Räume gehe, die sich öffnen lassen. Das sind nicht viele, und weil mir langweilig wird, scheuche ich meine Reisebegleiter nach draußen. Heute klappt das Essenbesorgen deutlich besser, der Magen spielt mit, und mit vollen Tüten kehren wir zurück zu unserem Domizil. Doch etwas ist hier im Busch. In der kleinen Parkanlage sammeln sich in der Dämmerung weiß gekleidete Gestalten, sie strömen leise herbei. In den nächsten Stunden füllen sie den Platz vor dem Schloss und scheinen auf etwas zu warten. Wir prüfen die Tür von Zimmer Nr. 10, die ist fest verschlossen, dennoch sind wir überzeugt, dass wir Augenzeugen werden wie die verlorenen Gäste des Hotels allmählich wieder auferstehen. Und als es dunkelt kommt Leben in sie. Zu mystischen Rhythmen bewegen sie sich, mal synchron, mal wirr, angetrieben von einem Mann in Weiß, der sie zu lenken scheint und sie immer weiter in eine Extase führt. Kurz vor Mitternacht beobachten wir atemlos wie die Gestalten vor unserem Fenster sich in einem großen Kreis versammeln, rhythmisch springen, kreischen und lärmen während bunte Blitze und Fledermäuse über ihre Köpfe hinwegsausen. Schlag Mitternacht ist der Spuk vorbei, die Verlorenen verschwinden genauso geräuschlos wie sie erschienen sind und wir sind fest entschlossen, nach dieser Nacht den Ausbruch zu wagen - nur weg hier.もっと詳しく
Auf freiem Fuß
2025年8月23日, フランス ⋅ ☁️ 18 °C
"Im Schutz des allerersten Sonnenlichtes schleichen wir uns vorbei an Zimmer Nr. 10. Der Zeitpunkt könnte nicht besser sein - der Vampirwächter ist nirgends zu sehen, trotzdem zieht uns ein starker Sog in Richtung des Kellers, doch wir sind fit und ausgeruht, haben den Zauberbann abgeschüttelt und stürzen ins Freie." Na ja, vielleicht war es nicht ganz so. Kurz vor 10 Uhr haben wir endlich alles beisammen, ausführlich gefrühstückt und spazieren gemütlich in den Tag hinaus. Mit uns zusammen wird auch Matthias aus dem Saarland aus der schrägen Unterkunft ausgespuckt, wir hatten seine Ankunft gestern Abend gar nicht bemerkt. Er läuft in dieselbe Richtung wie wir, muss vorher jedoch noch Lebensmittel jagen gehen. Also verabschieden wir uns direkt nach dem Kennenlernen und ziehen unserer Wege. Ich absolviere noch Kapitel Drei meines Französisch-Lehrbuchs "In der Apotheke" und besorge für uns eine Familienpackung Darmbakterien. Mit diesen neuen Freunden im Bauch starten wir wieder in den Wald. Die ersten Kilometer sind noch etwas träge, doch bald finden wir wieder in unseren Rhythmus. Doch es tut sich ein neues Problem auf: Miron hatte sich derart gründlich entleert, dass er nun Unmengen an Essbarem benötigt, um so etwas wie ein Sättigungsgefühl zu spüren. "Ich habe Hunger" wird zum Mantra des Tages. Er muss wohl vorerst in Erinnerungen ans Sattsein schwelgen, und sich mit der grandiosen Aussicht vom Turm des Chateau du Haut Barr ablenken. Weiteres Ablenkungsfutter in Form von Vogesenausblicken bekommt er am Rocher de Brotsch. Und - als besonderer Service des Tages - taucht noch während wir die umliegenden Wälder in uns aufnehmen eine weitere Unterhaltung auf, die den Fokus von den knurrenden Mägen wegzieht. Matthias hat uns eingeholt und geht ein paar Stunden mit uns zusammen. Fröhlich schwatzend erfahren wir, dass er noch nie im Wald gezeltet hat (krass) und sich von Herberge zu Herberge durchhangelt. Da er noch drei Stunden rennen muss, um sein Tagesziel zu erreichen, verabschieden wir ihn am späten Nachmittag. Schließlich sind wir ja schon dort, wo wir die Nacht verbringen wollen. Dachten wir. Die Schutzhütte, die wir angepeilt hatten, ist frisch gestrichen, der fleißige Förster steht noch mit den Pinseln daneben. Also weiter, in den Wald hinein. Doch der Wald wurde ebenfalls einer gründlichen Kosmetik unterzogen, offenbar hat der Förster in einem Anfall von Arbeitswut alle zu fällenden Bäume auf einmal gefällt und plant erst aufzuräumen, wenn auch der letzte Ast abgesägt ist. Der Waldboden ist ein einziger Baumfriedhof, keine Chance, hier ein Zelt aufzubauen. Noch während wir am Wegrand grübeln, ob wir uns rechts oder links tiefer in den Wald schlagen sollen, um vielleicht doch noch fündig zu werden, fahren zwei Jeeps vor. Sie halten an, vier Männer sind darin, bis unter die Zähne bewaffnet mit Gewehren und in Tarnkleidung. Wieder einmal verabschieden wir uns vorsichtshalber voneinander, die Worte sind mittlerweile gut eingeübt. Einer der Männer kommt auf uns zu, wir ducken uns reflexartig ins Gras, was natürlich nicht sehr viel bringt. Er stellt sich vor uns auf und erklärt auf Französisch "Boum! Boum!", gestikuliert dabei wild mit den Armen genau in die Richtungen, über die wir gerade noch diskutiert haben. Ich finde Kapitel 32 "Auf der Jagd" in meinem Französisch-Buch - wir haben hier vier Jäger vor uns, die sich für heute Abend unseren Schlafwald vorgenommen haben. Besser, wir halten uns dem Spektakel fern um nicht selbst im Eintopf zu landen. Viel Überredung braucht es da nicht mehr, mit jemandem, der ein Gewehr dabei hat, diskutiere ich grundsätzlich nicht. Hab ich mir irgendwann mal angewöhnt. Nun heißt es nochmal 1,5 Stunden weiterlaufen zum Zeltplatz bei dem Örtchen Doba. Die Aussicht auf einen Campingplatz ist verlockend und motivierend - da kann ja nun nichts mehr schief gehen. Sicher wird dort nix gestrichen, gefällt oder gejagt werden heute Nacht, dort können wir hundertprozentig bleiben. Ja, ja, so naiv kann man sein.... Inga, ich wünschte, ich hätte deinen Blogeintrag zu Dabo vorher nochmal gründlich gelesen.もっと詳しく

旅行者Oh oh habt ihr noch was zum pennen gefunden? Ja da in der Ecke hatten wir offensichtlich auch Schwierigkeiten was zum Zelt aufstellen zu finden ;)

旅行者Du hattest vor allem geschrieben, dass der Campingplatz geschlossen ist. 🙈 Ich glaube, da habt ihr gefrühstückt

旅行者Ja richtig! Und Elektronik geladen. Warmes Wasser gab es sogar auch. Habt ihr euch trotzdem hingestellt?( Hätte ich gemacht;)
Eiszapfen und Schneeberg
2025年8月24日, フランス ⋅ ☀️ 16 °C
Kurzprotokoll Familienrat vom 23. August 2025, Zeit: abends, Ort: geschlossener Campingplatz
1) Brainstorming Lösungsvorschläge: Weiterlaufen / auf dem geschlossenen Zeltplatz schlafen / im Wald verstecken
2) eindeutiges Votum gegen Weiterlaufen, akzeptables Maximum an weiteren Schritten auf 100 pro Person festgelegt
3) Erkunden der Umgebung, aufgegebener Forstweg direkt hinter Zeltplatzhütte entdeckt
4) Pro & Contra-Liste erstellt: PRO Zeltplatz : eben, Schild "fermé" lässt sich einfach umdrehen zu "ouvert", richtiger, echter Campingplatz, Protest / PRO Forstweg: versteckt, länger schlafen, windgeschützt
5) Abstimmung: drei Stimmen für Forstweg, keine Enthaltung
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Da wir partout keinen Schritt mehr weitergehen wollen und es eine absolute Frechheit finden, dass der Campingplatz einfach geschlossen ist, beschließen wir, uns hinter den Gebäuden im Wald zu verstecken. Allerdings wird die einzige einigermaßen ebene Fläche von einem Bündel Federn besetzt - hier hat sich vor Kurzem ein tierisches Drama ereignet. Lian als überzeugter Vegetarier wäre nur schwer zu überreden, sich auf einem Vogelkadaver zur Ruhe zu Betten, also machen Miron und ich uns schnell daran, dem armen Ding ein provisorisches Grab zu schaufeln und die Federn geschickt unters umliegende Laub zu stopfen - bevor Lian irgendwelche Einsprüche erheben kann. In der Dämmerung kriechen wir dann alle drei unter die Zeltplane und kleben uns mehr recht als schlecht auf die schiefe Ebene des Waldbodens. Kein Laut dringt aus dem Wald, nicht das kleinste Knistern oder Knacken. Auch der Sommer scheint diesen verlassenen Flecken Erde vergessen zu haben, in der Nacht fällt die Temperatur schmerzhaft ab, so weit, dass auch unsere Schlafsäcke sich nicht mehr sonderlich verantwortlich fühlen und morgens drei eiszapfenübersähte Gestalten dem ersten Gassigänger ein steifes Bild bieten. Warm wird man am besten durch ein Feuerchen, eine schöne heiße Badewanne oder durch Bewegung. In der Ferne lockt der Umriss des Rocher de Dabo zu einem Morgenspaziergang und nimmt uns die Entscheidung ab. Die Rucksäcke frieren nicht und dürfen sich auf dem Zeltplatz verstecken und noch etwas weiterdösen während wir die Stufen zum Dabofelsen hochjoggen. Auch hier erwartet uns ein "fermé"-Schild, die Kasse macht erst am späten Vormittag auf. Doch wir haben keine Lust mehr, uns von willkürlich aufgestellten Schließungen aufhalten zu lassen, klettern schnell durch das Drehkreuz und tanken Wärme - und vielleicht auch etwas Zuversicht - in der Morgensonne mit Rundumblick. Unser Tagesziel schimmert rufend in der Ferne, umschlungen von grünen Wäldern soweit das Auge blickt. Wir haben nun eindeutig die Mittelvogesen erreicht, die Hügel mausern sich allmählich zu richtigen Bergen. Leider betrifft dies auch die Höhenmeter, die zu diesen Erhebungen führen. Das Wörtchen "steil" wurde ganz treffend für solche Wege erfunden, die uns im weiteren Verlauf des Tages erwarten. Unsere Wärmespeicher füllen wir während einer ausgedehnten Mittagsrast an sprudelnder Quelle endgültig auf und wagen uns dann durch die düsteren Wälder gen oben. Als wir schon überzeugt sind, dass wir unser restliches Leben lang würden weiter bergauf gehen müssen, erbarmt sich der Schneeberg und heißt uns auf seinem Gipfel willkommen. Und was für ein Gipfel! Regelrecht märchenhaft liegen alte verknorkste Bäume neben moosbedeckten Steinen im Abendlicht. Wir wollen diese magische Stille nicht stören und trotten noch einige Meter bergab zu einer Hütte, aus der uns dicker Rauch und ein älterer Mann mit noch dickerem Grinsen empfangen. "Bienvenue" - Michelle aus Straßburg hat schon mal den Ofen angefeuert und begrüßt uns herzlich auf seiner Lichtung. Er erinnert uns mit seinen langen grauen Haaren und seinem asiatischen Aussehen an einen alten Tibeter, auf dem Ofensims hat er Kerzen mit chinesischen Schriftzeichen angezündet und kämpft gerade gegen den Qualm des Feuers, der durch alle Ritzen kriecht, nur nicht durch das vorgesehene Ofenrohr. Wir bekommen einen Platz für unser Zelt unter der großen Buche und zu unseren Nudeln Parmesan und französische Konversation von Michelle vorm knisternden Feuer. Es fühlt sich an wie Nachhausekommen, nur der wieder einmal schiefe Erdboden erinnert uns daran, dass wir nicht in weichen Betten schlafen, sondern uns irgendwie der Schwerkraft trotzend an einen Berg klammern.もっと詳しく
Gen Himmel
2025年8月25日, フランス ⋅ ☀️ 20 °C
Wir hätten richtig gut schlafen können, wären wir nicht ständig über- und durcheinander gepurzelt. Die Schwerkraft war letzte Nacht wohl besonders stark, dafür hat unsere Michelin-Männchen-Taktik gegen die Kälte funktioniert: ich habe alles angezogen, was ich dabei habe, kann mich dann zwar nicht mehr bewegen, aber rumkugeln, schön mollig und warm. Michelle ist schon am Zusammenpacken und wuselt flink von Hütte zu Quelle und zwischen den Bäumen hin und her als wir unsere Köpfe aus dem Zelt strecken. Kurze Zeit später verschwindet er im Morgensonnenschein durch den Wald bergab. Wir folgen ihm nach einem gemütlichen Frühstück und treffen bald auf die Ruinen der Burg Nideck. Hier befindet sich erneut eine Zeitschleuse - sie befördert uns direkt ins Zeitalter der Romantik. Durch wildes Dickicht und hohe Farne schlängelt sich der Weg vorbei an rauen Felsen ins tiefe Tal, ein liebliches Bächlein verwandelt sich vor unseren Augen in einen imposanten Wasserfall, dessen erfrischendes Nass über moosbewachsene Steine gluckert. Erst am Café Nideck werden wir aus diesem Bild wieder ausgespuckt. Die polternden deutschen Motorradfahrer am Nachbartisch helfen uns schnell zurück in die Gegenwart. Das ist auch nötig, denn vor uns liegt eine weitere Bergbesteigung, bis hinauf auf den Donon - den höchsten Berg der Mittelvogesen, der mit seinen 1009 m den Titel "Berg" durchaus zurecht führen darf. Und ich finde, er sollte auch den Titel "Wüste" verliehen bekommen, denn uns erwartet weit und breit keine Wasserquelle unterwegs. Hilfsbereit füllt uns der Café-Eigentümer höchstpersönlich unsere Wasservorräte an der Bar auf. Wir hätten es ihm nicht übel genommen, wenn er den Wasser- mit dem Cola-Zapfhahn verwechselt hätte, denn nun geht es wieder steil gen Himmel. Etliche Mistkäfer entlang des Weges haben ihren eigenen Weg ins Himmelreich schon vollendet und strecken nur noch starr ihre Beinchen in die Luft. Ab und an bewegen sich diese Beinchen noch, dann erbarmt sich einer von uns und hilft dem hilflosen Krabbeltier wieder auf die Füße. Wir hoffen so auf gutes Karma, das uns den Weg der nicht enden wollenden Strapazen des steilen Bergauf abkürzen würde. Und mit einem Schlag wird es tatsächlich eben - als plötzlich vor uns ein Steintor im Wald aufragt. Eventuell haben wir es mit den Mistkäfern übertrieben und so viel gutes Karma angesammelt, dass wir nun direkt selbst an die Himmelspforte klopfen dürfen? Miron ist zumindest selig beglückt als er den "allerbesten Klettergriff aller Zeiten" im selbigen Felsentor entdeckt. Glücklicherweise lässt sich der Griff nicht abmontieren und Miron überzeugen, besser ohne Steinklotz auf dem Rücken weiter zu laufen und das Andenken an den besten Griff aller Zeiten einfach tief im Herzen zu bewahren. Weitere 15 gerettete Mistkäfer später erreichen wir den Himmel selbst. Vom Rocher de Mutzig aus haben wir einen beflügelnden Blick auf die gesamte Welt der Vogesen und eine sagenhafte Auswahl an ebenen Schlafplätzen. Wir wählen sorgsam den ebensten aus und genießen unser Abendmahl vor spektakulärer Kulisse. Noch zwei weitere Paare haben heute fleißig Mistkäfer gerettet und bauen ihre Zelte neben unserem auf - zwei Studenten aus Straßburg und ein Vater mit seinem Sohn. Der Sonnenuntergang belohnt uns alle gemeinsam und macht Lust auf mehr Rosa.もっと詳しく
Das Ende naht
2025年8月26日, フランス ⋅ ☁️ 26 °C
Unglaublich, aber wahr - wir stehen VOR der Sonne auf!!! Alle drei!!! Ganz freiwillig!!! In den Ferien!!! Die Aussicht darauf, nach dem wunderschönen Sonnenuntergang auch den Sonnenaufgang zu erleben vollbringt ein wahres Wunder. Wir fühlen uns ganz oben angekommen und werden geflutet von Glückshormonen. Beschwingt starten wir in die bisher längste Etappe der Tour. Für den späten Abend ist Gewitter angesagt, wir haben noch den höchsten Berg der Umgebung vor uns, Wasser gibt es erst wieder auf der anderen Seite (also Wasser, das nicht von oben kommt), unsere Essensvorräte sind auch ziemlich geschrumpft. Da kommt uns die Waldautobahn zwischen unserem Himmelsfelsen und dem Donon gerade recht, wir kommen flott voran, müssen nicht ins Tal hinab, sondern nur weiter nach oben und können einfach Kilometer schrubben. Der Donon ist seit Urzeiten ein beliebter Ort, etliche archäologische Funde aus der Kelten- und Römerzeit wurden dort gefunden und wir lernen, dass die Vogesen ihren Namen von einem Wald- und Berggott namens Vosegus haben. Im 19. Jahrhundert wurde der römische Tempel, der dort nie stand, aber gut gepasst hätte, kurzerhand von deutschen Nostalgikern ergänzt. Dass der Ort irgendwie cool ist, hat sich seit den Römern rumgesprochen, nur wir wussten noch nix davon und purzeln daher ziemlich unvorbereitet in die Touristentraube. Mit unseren knorrigen Wanderstöcken, zotteligen Haaren und dem passenden Parfüm glaubt uns keiner, dass wir nicht die originalen Bewohner der Bergkuppe sind, und wir unternehmen auch gar nicht erst einen Versuch, diese Verwechslung aufzulösen sondern fliehen so schnell wir können weiter. Kurz rufen wir noch "Das Ende naht!" über unsere Schultern und meinen das herannahende Gewitter, ernten aber bloß verständnislose Blicke. Wir brauchen Wasser! Das gibt's im Restaurant unterhalb des Donon-Gipfels, wir müssen es uns jedoch durch eine Essensbestellung erkaufen. Miron's Laune sinkt dramatisch als uns nur das "Kleine Menü" gereicht wird, für die Zeit zwischen 14 und 18 Uhr, in der man offenbar nur Hunger auf Wurst, Salat oder Käseplatte hat. Der Unterschied zwischen Käseplatte und Salat stellt sich als minimal heraus, unter den drei Salatblättern versteckt sich ein Donon aus Käsesalat. Egal, wir haben das Wasser und müssen weiter, das Ende naht! Doch zuvor endet der Weg, einfach so. Weg. Hä? In der Beschreibung des Weges stand "dieser Abschnitt ist nicht gut gepflegt", das ist sehr freundlich untertrieben. Wir krabbeln ins Dickicht rein und tauchen im Garten eines Hauses wieder auf, kriechen an der Hecke entlang und verschwinden durch den Straßengraben hinterm nächsten Haus. Und irgendwann ist da wieder Asphalt unter den Füßen, irgendwann wieder ein erkennbarer Weg, irgendwann endlich Schirmeck, unser Tagesziel. Hier wollen wir uns nach dem Besuch im Supermarkt für die Nacht in den Wald schlagen, vom angekündigten Gewitter gibt es keine Spur. Das ändert sich jedoch sobald wir unsere Taschen gefüllt haben und aus den Hallen des Konsums wieder in die kalte, raue Welt treten. Der Himmel hat sich schwarz verfärbt, der Wind frischt auf, der Weltuntergang donnert am Horizont heran. Uns wird schlagartig klar, dass wir zwar Essen für drei Monate auf dem Rücken haben, aber ein Zeltdach doch etwas dürftig werden dürfte für das, was da herannaht. Vor lauter Hektik haben wir unsere Wanderstöcke im Supermarkt vergessen, sie werden brav mit eingeschlossen und anschließend von einer netten Angestellten auf unser Flehen hin wieder befreit. Schirmeck bietet ein trostloses Bild an diesem Abend - das Gewitter drückt heran, alles hat geschlossen, der Großteil der Geschäfte für immer, jedes dritte Haus steht zum Verkauf. Miron lotst uns durch schummerige Hintergassen, vorbei am schummerigen Schloß in den schummerigen Wald. Dort irgendwo steht unsere Hoffnung, eine Schutzhütte, die uns erretten soll. Wir rennen und stolpern im Wettlauf mit dem Weltuntergang durch den mittlerweile rabenschwarzen Wald, natürlich geht es bergauf, wie immer in solchen Fällen. Und wirklich steht sie dort, auf einsamer Lichtung, nimmt uns auf, samt Zelt - gerade rechtzeitig: der Himmel zerbricht über uns in dem Moment, in dem wir die Schlafsäcke zuziehen.もっと詳しく
Ein düsteres Kapitel
2025年8月27日, フランス ⋅ ☁️ 19 °C
In der Nacht hat sich das Unwetter so richtig ausgetobt. Die umliegenden Berge wurden großzügig mit Blitzen bedacht, für uns gab es kübelweise Wasser aufs Dach. Unter der doppelten Überdachung aus Zelt und Schutzhütte sind wir jedoch vollkommen trocken geblieben und blinzeln nun in einen lieblichen Morgen. Ein, zwei Stunden macht der Wald Pause vom Unwetter, und die wird gut genutzt. Unser alter Freund, der Rasenmähermann, hat uns gefunden und begradigt flink geflissentlich die Wiesenräder um unsere Hütte herum. Er hat sich ein neues Äußeres zugelegt, ein neues Auto und den lautesten Rasentrimmer mitgebracht, den er in seiner Sammlung gefunden hat - damit weckt er uns gründlich auf, und wer freut sich nicht über sauber getrimmte Wiesenränder rund um eine Schutzhütte im Wald? Als er endlich einpackt, packt der Himmel wieder aus und schüttet runter, was gerade zu haben ist. Blitz, Donner und Wassereimer sind offenbar noch reichlich im Angebot. Wir verstehen den Wink mit dem Zaunpfahl und warten ab, bis sich die größte Unwetterwut gelegt hat. Wir filtern so lange Wasser am Brünnlein um die Ecke. In dessen Becken wohnt ein Feuersalamander-Teenager und leistet uns etwas Gesellschaft. Er hat noch Kiemen, aber schon den schicken Körper eines Erwachsenen, nur im Kleinformat. Das findet er offensichtlich etwas peinlich, er versteckt sich so gut es geht in den Ecken des Troges. Wir freunden uns schnell mit ihm an, er heißt Francois, ist ein angenehmer, sehr ruhiger Zeitgenosse und sein unfertiges Aussehen stört uns nicht die Bohne. Doch es heißt gleich wieder Abschiednehmen von unserer Wasserbeckenbekanntschaft - eine weitere Unwetterpause tut sich auf und wir würden gerne noch drei Schutzhütten weiter kommen, aus dem Radius des nervigen Rasenmähermannes heraus. So brechen wir am späteren Nachmittag wieder auf, mit einem unguten Gefühl im Bauch. Wir müssen am ehemaligen Konzentrationslager Struthof vorbei. Die letzten Tage haben wir immer wieder darüber gesprochen, ob wir uns das anschauen sollen oder besser nicht. Miron war schon mit der Schule dort gewesen und seine Erzählungen reichen Lian und mir vollkommen aus - wir entscheiden uns angesichts meiner ohnehin schon durch Nachtwanderungen und Unwettergefahr strapazierten Nerven gegen eine Besichtigung. Doch wirklich entziehen können wir uns dem Grauen dann doch nicht. Der Wanderweg führt ganz genau durch das Gelände, die Infotafeln können wir nicht ignorieren und so stehen wir fassungslos und schockiert vor dem Gelände, auf dem sich vor nicht mal allzu langer Zeit Unsagbares zugetragen hat. Vor dem Gedenkstein an all die unschuldig Verschleppten und Ermordeten werde ich ganz klein und wünsche mir wieder einmal sehnlichst eine andere Nationalität. Unvorstellbar genug, dass Menschen andere Menschen derart entmenschlichen können, dass sie zu solchen Taten fähig sind, dass diese Täter meine Vorfahren waren ist und bleibt kaum verdaubare Kost. Und mit einem düsteren Gedanken über den Rhein und an die aktuellen Tendenzen in dem Land, das all dies Unmenschliche hervorgebracht hat, wird mir speiübel. Ich versuche, Miron und Lian zu erklären, in welchen Schritten Gruppen ausgegrenzt, immer mehr entrechtet und schließlich ganz aus der Menschenspezies ausgeschlossen werden und verstecke mich dabei hilflos hinter akademischen Theorien, da es doch eigentlich keine nachvollziehbaren Antworten auf all die aufkommenden Fragen gibt. Sehr bedrückt ziehen wir weiter, mehr Fragen als Antworten im Gepäck. Dass der Himmel sich wieder verdunkelt hat, passt ungemein gut zu unserer Stimmung. Gerade passieren wir ein Schild mit der Aufschrift "Teufelsloch", als sich zu den Regentropfen auch Donnergrummeln gesellt. Ich erinnere mich, dass hier in der Nähe eine Schutzhütte sein soll, doch sie ist nirgends zu sehen. Wir schlagen uns auf gut Glück ins Unterholz und durchkämmen den Wald - sie MUSS hier irgendwo sein! Und wir brauchen sie zunehmend dringend. Miron entdeckt sie als erster und wir schaffen es gerade noch rechtzeitig hinein bevor uns die Fluten davontragen. Die Hütte ist dunkel, schmutzig und unheimlich, aber trocken. Eine bleistiftdicke, fette Made kriecht gemütlich einmal quer über den Boden und fordert meine Selbstbeherrschung heraus. Das war zuviel an Leichen, Folter und Mord vorhin als dass mich diese Made ungerührt lassen würde. Lian jedoch behält einen kühlen Kopf, nimmt das Tier des Grauens kurzerhand zwischen zwei Stöcke und wirft sie nach draußen in die Sintflut. Wir können heute nicht weiter und die Aussicht, hier die Nacht verbringen zu müssen, hebt die Stimmung nicht wirklich. Lian zaubert eine kleine Bienenwachskerze aus seinem Rucksack und zusammen mit einem Stück Schokolade beruhige ich mich immerhin so weit, dass ich entscheiden kann, das Zelt in der Hütte aufzubauen. Dazu müssen wir etwas umbauen, aber wir schaffen es auf den Millimeter, unser Zelt auf den Madenboden zu quetschen und uns selbst mit sensationellen akrobatischen Künsten ins Innere unseres Schneckenhauses zu winden. Es ist stockdunkel, man sieht die Hand vor Augen nicht. Auf dem Dach tobt sich das Gewitter aus, wir liegen im Schwarzen und warten auf das barmherzige Vergessen der Nacht.もっと詳しく
Wetterdienste
2025年8月28日, フランス ⋅ ☁️ 19 °C
Die Maden haben wir überlebt, das Gruseln und die Klaustrophobie. In einer Schachtel in einer Bruchbude zu pennen ist definitiv eine Erfahrung der Kategorie "Kann man machen, muss man aber nicht". Am Morgen schafft es ein wenig Licht ins Geschachtel und wir schaffen den Limbo aus dem Zelt. Es regnet noch, gewittert aber nicht mehr, also weiter. Meinen letzten Handyakkurest habe ich fürs Checken der Wettervorhersage geopfert - Meteo France kündigt für den Abend weitere Gewitter an und Dauerregen für den Tag. Der norwegische Wetterdienst yr.no hat ebenfalls Regen für den ganzen Tag im Programm, Meteoblue hingegen bietet nur leichtes Geniesel. Wir entscheiden uns für Meteoblue und laufen weiter, hinein in den Nebel, raus aus dem Teufelsloch - dem man dennoch zugute halten muss, dass es uns vor dem Unwetter geschützt hat, doch wegen der fetten Made bin ich etwas nachtragend. Irgendwer hat in der ganzen Gegend sämtliche Schilder zerschossen, zusammen mit dem Grau der Umgebung und dem Grauen des Vortages gibt das eine stimmige Atmosphäre ab. Zum ersten Mal auf der Tour kommen wir an einer Bushaltestelle vorbei und ich ertappe Lian, wie er tatsächlich die Abfahrtszeiten checkt. Unglaublich! Er wollte doch nicht etwa... Der letzte Bus des Tages ist vor einer Viertelstunde gefahren, so ein Pech aber auch. Bleibt noch der Waldweg und eine Mittagspause mit Aussicht vom Neuntelstein. Wir fragen nicht danach, was mit den anderen neun Neunteln des Felsens geschehen ist, wir wollen es heute noch bis Barr schaffen. Da purzeln wir wieder einmal über eine Burgruine. Geht das schon wieder los! Jede einzelne übt noch immer eine starke Anziehungskraft auf Miron und Lian aus und muss durchklettert und erkundet werden. Ich übe mich in Geduld und scharre möglichst unauffällig mit den Hufen. Bisher sind wir gut mit der Entscheidung für Meteoblue gefahren, aber am Himmel verabreden sich schon wieder Wolkentürme zum Grillabend. Auch an der nächsten Burgruine bleiben wir hängen und kriechen in jede Ecke, erst danach entdecken wir das Schild, das den Zugang strikt untersagt, ups. Aber wir entdecken auch den perfekten Zeltplatz, genau in der Mitte der Ruinen. Erneut werfen wir unsere Tagesplanung über den Haufen und bauen das Zelt keine Sekunde zu früh auf - sobald alles verstaut ist, setzt sich Meteo France durch und besteht noch auf das angekündigte Gewitter. Ergeben lassen wir die Schauer auf uns niederprasseln, hauen vorsichtshalber ein paar Heringe mehr in den Boden und spannen auch die Sturmleinen, dann hat der Wind was zum Knabbern. Für uns selbst köcheln wir im Vorzelt ein Süppchen, das auch mehr oder weniger vollständig seinen Weg in unsere Mägen findet. Wir schimpfen lautstark auf Meteo France, das daraufhin Erbarmen mit uns hat und das Unwetter abzieht. Zur Entschädigung lässt sich der Wetterdienst nicht lumpen und malt den Horizont verheißungsvoll in Rottönen an - ein tolles Omen für morgen!もっと詳しく
Wasser und Wein
2025年8月29日, フランス ⋅ ☁️ 19 °C
Wir warten noch etwas ab, bis der Fön seine Arbeit getan hat. In der Nacht wurden wir reichlich mit Wasser begossen, doch nun pustet ein energischer Wind unser Zelt netterweise wieder trocken. Alles was wir tun müssen, ist abwarten und nochmal im Schlafsack umdrehen. Das können wir gut. Als schließlich alles perfekt gefönt ist, packen wir ein, laufen ein paar Meter weiter und betreten eine neue Welt. Hier herrscht Windstille und die Sonne scheint, auf den Baumwipfeln diskutiert eine winzige Vogelfamilie ihren Tagesplan. Der Wald ist lieblich, aufgeräumt und von einem Labyrinth an Pfaden durchzogen. Eine Steinmauer steht auch etwas verloren in der Gegend rum. Damit sie sich nicht ganz so fehl am Platz fühlt, wächst etwas Moos und Farn darauf. Im Vorgarten der Vogelfamilie steht eine Bank - auf dem Schild dazu steht "Frühstücksbank für Familien", das lassen wir uns nicht entgehen, auch wenn wir etwas enttäuscht sind, dass wir das Frühstück selbst mitbringen müssen. Abgefüllt mit Hafergrütze begeben wir uns weiter in diesen Wunderwald. Die Wege vermehren sich immer stärker je näher wir uns dem Zentrum des Waldes nähern, sie teilen sich, kreuzen sich, laufen nebeneinander her und tänzeln umeinander herum. Alles, was in der regionalen Wegewelt Rang und Namen hat, hat sich hier versammelt - die Großen wie der GR 5, GR 53, sogar der Jakobsweg geben sich die Ehre, doch auch die alltäglichen Wald- und Wiesenwege aller Farben haben sich eingefunden. Alle führen zum gleichen Ziel, einem großen Torbogen auf dem Gipfel des Wunderwaldberges. Ehrfürchtig treten wir ein. Wir sind bei Odilie zuhause gelandet. Sie thront imposant auf einem Sockel hoch über ihrem Schloss. Dass sie zu Lebzeiten schon hoch über allen Sterblichen gethront hat, sehen wir beim Rundgang durch ihre Gemächer. Im Wohnzimmer beten seit bald 100 Jahren Tag und Nacht zwei aus ihrem Gefolge, andere haben die Flure schön hergerichtet mit Bildergeschichten ihres Lebens und ihrer Heldentaten. Schon viel länger jedoch liegt die Angebetete selbst in ihrem Sarg, ein persönliches Treffen können wir uns also abschminken. Aber sie hat eine heilige Quelle für die Nachwelt hinterlassen und das trifft sich gut, denn unsere Wasserflaschen sind bis auf den letzten Tropfen geleert. Wir tragen sie die Stufen zu Odilies Quelle hinab - ein Loch in einem Felsen, auf das sie in ihren besten Zeiten mal so lange mit ihrem Stock draufgekloppt hat, bis der Felsen nachgab und anfing Wasser auszuspucken. Während ich noch vorsichtshalber das heilige Nass Milliliter für Milliliter durch unseren Wasserfilter quetsche - schließlich ist es ja wohl schon etwas älter - hält ein Motorradfahrer und füllt sich eine Flasche ab, dann düst er wieder weiter. Aha, sieh an, denken wir uns noch, die Einheimischen halten hier extra an, um ihr Wasser aufzufüllen, ist vielleicht doch nicht so schlecht. Eine Viertelstunde später, der Motorradfahrer ist längst über alle Berge, hält ein Auto und eine Frau steigt aus - mit einem Wasserkanister. Sieh an, sieh an, denken wir, nun schon deutlich beeindruckter, sogar größere Mengen der Quelle holen sie sich nach Hause. Das Wasser muss regelrecht gut sein. Eine weitere Viertelstunde vergeht bis ein Mann mittleren Alters nun seinerseits mit dem Auto vorfährt. Er schleppt stapelweise große Einweckgläser herbei und vor unseren ungläubigen Augen beginnt er die Abfüllung einer Wassermenge, die leicht das Eigengewicht des Autos erreichen dürfte, das das kostbare Nass transportieren soll. Sieh an, sieh an, das Wasser muss sehr gut sein!!! Ich schmeiße den Wasserfilter weg und wir kippen das Heilwasser haltlos in uns hinein, sicherheitshalber auch in die Augen und alle sonstigen Körperstellen, die ein wenig Optimierung gebrauchen können. Den Rest füllen wir in unsere Rucksäcke und in der Gewissheit, nun für alle Widrigkeiten des Lebens gewappnet zu sein, machen wir uns wieder auf den Weg. Der Weg? Was wir auf dem Hinweg noch recht locker nehmen konnten, als jeder Weg dem Heil zustrebte, wird auf dem Weg aus dem Labyrinth heraus zu einer kniffligen Knobelaufgabe. Doch dank Heilwasser oder dem Segen der Wächterin des Wunderwaldes finden wir am späten Nachmittag glücklich aus dem grünen Wegewirrwarr heraus. Direkt vor den Toren des Weinguts Dachert betreten wir die Zivilisation. Soeben kommt die ganze Familie Dachert mit ihrer Weinernte auf dem Hänger und Traktor auf den Hof gefahren. In ihrem Garten zwischen den Weinreben haben sie noch Platz für unser Zelt, eine Steckdose für unser ausgehungertes Handy und eine himmlische Dusche für unsere nach Wasser lechzenden Körper. Dass unser einziger Zeltnachbar alle Bäume des Gartens in der Nacht zersägt, fällt da nicht weiter ins Gewicht. Wir sind im sicheren Weinland angekommen.もっと詳しく
Geburtstagsfreuden
2025年8月30日, フランス ⋅ ⛅ 21 °C
Barr ist echt ein süßes Örtchen, aber den ersten Besuch des Tages statte ich der Duschkabine ab. Zur Feier des Tages hat sie sich prächtig mit Blumen geschmückt, wir verstehen uns auf Anhieb blendend und plaudern mindestens eine Stunde gut gelaunt miteinander. Doch frisch geduscht zurück in die miefige Wanderkleidung? Seit Tagen schon habe ich mir Gedanken darüber gemacht, was ich mir dieses Jahr am meisten zum Geburtstag wünsche, und ein Herzenswunsch hat sich in den letzten Tagen immer deutlicher herauskristallisiert - ich wünsche mir, unsere Wanderkleidung professionell waschen zu lassen, so richtig mit Pulver und Trommel, Schleudern und Spülen. Auf der Suche nach einer solchen Zaubermaschine, die sich unseres Wäscheberges gewachsen fühlt, durchstreifen wir die ruhigen Gassen von Barr. Vorsichtshalber gehe ich in der Rue des Cigognes etwas schneller und scanne gewissenhaft den Himmel auf schwarz-weiß gefiederte Boten - Bitte weiterfliegen, Merci! Direkt vor den Supermarkt hat ein sehr kluger Mensch einen Waschautomaten platziert, genial! Wir besorgen uns ein königliches Frühstücksbüfett und schlemmen in Regen- und Schlafkleidung auf der Betondecke zwischen den parkenden Autos während die Zaubermaschine nebenan genüsslich unsere Schmutzkleidung durchkaut. Miron und Lian geben sogar ein Geburtstagsständchen zum Besten! Schwer beladen mit etlichen Leckereien, dem obligatorischen Baguette-Quartett und dem angenehm duftenden Auswurf unseres Waschmaschinenkumpels treten wir den Heimweg zu den Weinreben an. Die frisch gewaschenen Kleidungsstücke fügen sich harmonisch in die Landschaft ein und unsere Vorfreude auf weiche, bewegliche Socken, die man anziehen kann ohne einen Atemstillstand zu riskieren, steigert sich ins Unermessliche. Schokoladengeburtstagskuchen und ein Überraschungsgast machen den Feiertag perfekt. Und da wir nun so richtig in Feierlaune sind, beschließen wir, uns in die feinste Ausgehschale zu werfen und so richtig einen auf den Kopp zu kloppen. Die Pizzeria im Ortskern hat geöffnet, und mit Lachspizza, Cola und einem Kellner der alten Schule lassen wir den Tag ausklingen. Oder versuchen es - angesichts der unerwartet hohen Kalorienzufuhr bei gleichzeitig minimalem Bewegungsaufwand erwartet mein Körper offenbar noch einen bevorstehenden Marathon. Da dieser ausbleibt, verarbeite ich die überschüssige Energie durch Luftradeln und strample in der Nacht sauber, satt und zufrieden einmal die Tour de France ab. Schlaf wird überbewertet, Geburtstagsfreuden nicht.もっと詳しく
Schlaf doch, wenn Du kannst
2025年8月31日, フランス ⋅ ☀️ 22 °C
Was knackt da so laut im Unterholz? Es ist eine ungewöhnliche Prozession, sowas hat es noch nie gesehen. Das Käuzchen reibt sich sicherheitshalber nochmal die Augen, während es versucht das Gleichgewicht zu halten. Der Sturm wiegt den Baum, auf dem es sitzt, bedrohlich von einer zur anderen Seite, hier und da brechen Äste ab und fallen scheppernd auf den Waldboden. Da bahnt sich ein leuchtend grünes kuppelförmiges Dingsbums schwankend und krachend seinen Weg durch die Sturmnacht. Vor ihm her läuft ein unförmiges Wesen mit zwei Beinen und einem Fernscheinwerfer, der ein wenig Licht ins Dunkel bringt. Man könnte meinen, da hätte jemand zwei Rucksäcke zusammen gebunden und ihnen Füße verliehen. Das grüne Ungetüm folgt dem Rucksackmonster dicht auf den Fersen, ab und zu bleibt es an einem Baum hängen, dann dreht es sich ein wenig um sich selbst und ruckelt weiter. Das Spektakel währt nicht lange, bald verschwindet die seltsame Prozession hinter den Mauern der alten Bernstein und das Käuzchen kann sich wieder voll auf seine Balance konzentrieren. Es reibt sich nochmal die Augen und zweifelt ein bisschen an seinem Verstand. Was zum Teufel war das?
Am Morgen dieses Tages machen wir uns frohgemut auf durch das friedliche Weinland. Die Reben sind gespickt mit vollen, saftigen Trauben jeglicher Couleur. Natürlich laufen wir artig daran vorbei, erfreuen uns an ihrem saftigen Anblick und kommen keine Sekunde lang auf die Idee, auch nur eine einzige, klitzekleine dieser zahllosen köstlichen Trauben zu kosten, das wäre ja Mundraub und höchst verwerflich. Stattdessen begnügen wir uns damit, die originellen, oft blumigen Dekorationen in den kleinen Dörfchen zu bewundern und die Dörfchen selbst. Für die Nacht haben wir uns eine Schutzhütte auserkoren, die wir zielstrebig anpeilen. Je näher wir unserem Ziel kommen, desto mehr Verkehr herrscht im Wald. Autos schaffen unermüdlich Tagesausflügler heran und spucken sie kurz vor unserer Ruhestätte aus. Diese entpuppt sich als eine Waldkreuzung, auf die zwar kein Auto vordringen darf, dafür fleißig von den Herbeichauffierten bevölkert wird. Daher beschließen wir einstimmig, doch noch ein wenig weiterzulaufen und herauszufinden, was die Autofahrer dazu bringt, zu späterer Stunde noch massenhaft durch den Wald zu joggen. Der Menschenstrom schiebt uns zur Burg Bernstein, eine wirklich schöne, helle Burgruine, an die Miron auf der Stelle sein Herz verliert. Ich hingegen verliere auf dem Turm des alten Gemäuers meinen Verstand - der Ausblick in die Ferne ist berauschend, der Blick in die Tiefe gewaltig, das Geländer vor dem Abgrund ein Witz: Nachlässig gehäkelter Maschendraht auf Kniehöhe soll uns vorm Absturz bewahren? Mein Verstand sagt "Nö" und jagt die Jungs mit einem Kreisch- und Schreianfall die Steinstufen wieder hinunter. Miron und Lian sind damit nicht einverstanden und ringen mir das Versprechen ab, zum Sonnenaufgang einen zweiten Versuch zu wagen. Also werden wir in der Nähe übernachten müssen und machen uns auf die Suche nach einem Liegeplatz, der 1) eben ist, und 2) etwas versteckt im Wald liegt. Wir finden den idealen Platz, der alle Bedingungen erfüllt und bereiten den Boden vor. Da fällt mein Blick zufällig nach oben und beendet direkt alle weiteren Vorbereitungen - über unseren Köpfen lehnt ein toter Baum nur lose an seinem Nachbarn und zählt die Minuten bis zum Erreichen der völligen Horizontale. Sollte dieses Ereignis ausgerechnet heute Nacht stattfinden, wären wir mit unserem Zelt ein unfreiwilliger Bestandteil der Einebnung. Also suchen wir weiter. Nur ein paar Schritte weiter Richtung Wanderweg liegt die nächste vielversprechende ebene Stelle und vergnügt machen wir uns an den Aufbau unserer mobilen Unterkunft. Der tote Baum ist weit genug weg, schnell sammeln wir die verstreut liegenden Äste und Stöcke ein und freuen uns auf die Nacht. Mein Hirn tickt langsam, aber es tickt. Ich frage mich, als das Zelt schon längst steht, wo eigentlich das Totholz herkommt, das wir gerade weggeräumt haben und warum der Förster den Baum, der jetzt unser neuer Nachbar ist, mit Farbe angesprüht hat. Mein Blick folgt dem Denkqualm aus meinem Kopf und schaut sich unseren Baumnachbarn in der Höhe genauer an. Verdammt! Die Krone des Baumes ist komplett abgestorben, nur die unteren Äste sind noch dicht belaubt und verstecken gut das unaufhaltsame Ende dieses Baumriesens. Miron und Lian sind verständlicherweise nur mäßig begeistert von meiner Anweisung, das Zelt noch einmal umzuziehen, auch hier drohen potentiell verhängnisvolle Kopfnüsse von oben. Mittlerweile ist es dunkel geworden, der nächstbeste Stellplatz muss herhalten - wir finden ihn einige weitere Schritte näher gen Wanderweg und tragen kurzerhand das schon aufgebaute Zelt die paar Meter weiter. Jetzt aber. Die Bäume über unseren Köpfen sehen robust und gesund aus, kein Totholz auf dem Boden, Jackpot, Einzug, Gute Nacht. Als der letzte Jogger des Tages durch unser Vorzelt gerannt ist und uns eine bonne nuit gewünscht hat, wird klar, dass wir nicht so wirklich weit weg vom Wanderweg stehen, wir stehen quasi mitten drauf. Aber mittlerweile haben sich unsere Kriterien an den perfekten Schlafplatz völlig verändert, wir wollen einfach nur noch schlafen. Miron und Lian schnarchen bald friedlich vor sich hin, ich folge ihnen ins Lummerland. Bis es kracht. Draußen vorm Zelt ist etwas gen Boden gegangen. Weit nach Mitternacht. Es knackt und quietscht der ganze Wald um uns herum. Ein Sturm hat sich heimlich eingeschlichen und rüttelt nun kräftig alle Bäume durch. Die Bäume werfen gehorsam ab, was sie nicht mehr brauchen. Ein festes Dach wäre jetzt ziemlich cool. Ich krieche aus dem Lummerland raus ins Sturmgesause und versuche schlaftrunken, die Situation einzuschätzen. Es fliegt so einiges hin und her in dieser Nacht und die Bäume biegen sich sehr eindrücklich unter der Kraft des Windes. Als ein kleinerer Zweig auf unserem Zelt landet, ist der Entschluss schnell gefasst. Kurze Zeit später hat sich Lian zwei Rucksäcke umgeschnallt, Miron und ich tragen das aufgebaute Zelt mit allem Drum und Dran durch die Sturmnacht. Lian leuchtet uns den Weg. Innerhalb der Mauern der Burgruine hatten wir einen Unterstand gesehen. Dorthin ziehen wir jetzt um, und dann wird nie wieder auch nur irgendein Ästlein unsere Köpfe bedrohen, möge es noch so viel stürmen. Mantraartig murmle ich vor mich hin, dass die Burgmauern schon seit 1800 Jahren den Stürmen und Unwettern getrotzt haben. Dieser Gedanke beruhigt mich ungemein und ich rutsche in einen unruhigen Schlaf. In der Nähe ruft ein Käuzchen durch den Sturm. Erst am nächsten Morgen merke ich, dass ich mich um 1000 Jahre verrechnet habe.もっと詳しく
Miron will eine Burg kaufen
2025年9月1日, フランス ⋅ ☁️ 20 °C
Miron konnte nach unserer ungeplanten Nachtwanderung kein Auge mehr zumachen, erinnert sich aber leider trotzdem daran, dass ich versprochen hatte, dem Burgturm und meinem Verstand eine zweite Chance zu geben. Auch ich bin nicht wirklich ausgeschlafen, so richtig erholsam war die Nacht nicht. Für die Turmbesteigung stellt sich dieser Zustand jedoch als Vorteil heraus. Ich schaffe es dieses Mal, meinen Schrei- und Panikimpuls erfolgreich zu unterdrücken. Oder meinem Körper fehlt schlicht die Energie dazu, vollkommen auszurasten. Ich klammere mich Halt suchend an die kleinen Holzbalken des Dachaufbaus und sitze die Situation zähneklappernd aus. Lian und Miron genießen den spektakulären Ausblick in alle Richtungen - und sicher auch die oberflächliche Ruhe meinerseits. Schwarzwald, Vogesen, Kaiserstuhl und sogar die Alpen sind zu sehen. Miron ist so begeistert, dass er einen folgenschweren Entschluss fast: Er will sich eine Burg kaufen. Die Bernstein wäre nicht schlecht, meint er. Oder die alte Windstein. Oje, ob er vielleicht doch einen Ast auf den Kopf bekommen hat? Oder legt sich das mit auskuriertem Schlafmangel wieder? Mir schwant Schlimmes als wir aufbrechen zur Besichtigungsrunde der angrenzenden Burgen. Vielleicht passt eine andere noch besser? Lian schnitzt ihm kurzerhand aus einer Süßkartoffel (Warum haben wir eine Süßkartoffel dabei???) ein Modell der idealen Wohnburg zur Entscheidungsfindung. Miron schleppt uns zum Chateau d'Ortenbourg - nicht schlecht, gleiches Baumaterial wie die Bernstein, aber der Turm ist nicht begehbar. Ich fände das eigentlich einen absoluten Pluspunkt, aber Miron zieht schon weiter zur Burg Ramstein. "Zu klotzig, kein Turm", es reicht ein einziger prüfender Blick. Also wird es wohl die Bernstein werden, die Windstein ist ihm zu baufällig, kann ich meine Höhenangst angehen, schön. Im Tal suchen wir im Örtchen Chatenois nach dem verantwortlichen Burgbesitzer, aber die Bürgersteige sind schon hochgeklappt. Das Dorf hat sich auf den drohenden Wolkenbruch vorbereitet, wir nicht. Kurzerhand ziehen wir für ein paar Stunden in die Bushaltestelle ein, enttäuschen zwei Busfahrer, die sich über Fahrgäste gefreut hätten und machen Bekanntschaft mit Fred, der Austauschraupe aus Deutschland. Er freut sich sehr, mal wieder in seiner Muttersprache sprechen zu können und will uns am liebsten gar nicht gehen lassen. Schließlich hat er ein Einsehen und versteht, dass wir schon genug zu tragen haben und ihn leider nicht mitnehmen können. Wir trauern seiner netten Gesellschaft ziemlich hinterher, doch nicht sehr lange. Denn an unserer Hütte für die Nacht angekommen - dieses Mal wollen wir uns direkt unter ein festes Dach legen - gesellen sich zwei weitere Austauschraupen zu uns, dieses Mal von der Sorte "Zweibeiner". Clio aus Wiesbaden und ihr Freund Marcel stolpern heran als wir gerade mit unserem Zelt den kompletten Eingang der Hütte ausgefüllt haben. Sie laufen den Hexatrek wochenweise, jedes Jahr eine Woche und sind nach ihrem ersten Wandertag der diesjährigen Etappe vollkommen fix und fertig. Sie schaffen es gerade noch, ihre Schlaflager auf den Tischen der Hütte zu errichten, dann sinken sie in sich zusammen und stopfen verschiedene Tüteninhalte in sich hinein. Die beiden tun uns leid, gegen sie sind wir fit wie Turnschuhe. Wir räumen die Hütte - umziehen mit aufgebautem Zelt haben wir ja gut eingeübt. Zur Belohnung bleibt es diese Nacht windstill, nur der Regen lullt uns in den Schlaf. Kein Käuzchen ruft diese Nacht, Miron träumt von seinem zukünftigen Leben als Burgherr.もっと詳しく
Rufe oder La grande finale
2025年9月2日, フランス ⋅ ⛅ 21 °C
Die Nacht hat keine Heilung gebracht, Miron hält an seinem Burgvorhaben fest. Uns hat die Kunde ereilt, dass in nicht allzu weiter Entfernung, wenn wir dem Weg in südlicher Richtung folgen, eine Burg auf dem Berge thronen soll, die fix und fertig bezugsbereit ist und keine Träume unerfüllt lässt. Eigentlich hatten wir den Plan, von hier aus uns gen Osten zu wenden und den Rhein per Fuß zu überqueren, um wieder in heimatlichen Gefilden anzukommen. Doch der Ruf der Haut Königsbourg ist zu stark, wir trotten also südwärts. Schon am Fuße des Burgberges dämmert uns, dass der Ruf in viele Richtungen und weit gestrahlt hat. Obwohl es noch früh am Tage ist, sind zahlreiche Burgherren in spe aus allen Himmelsrichtungen angereist. Ihre eisernen Kutschen bedecken bereits ein Drittel der Gasse, die zum Objekt der Begierde führt. Am Burgtor laufen wir zwei Wächtern in die Arme, die unsere Wanderstöcke als unrechtmäßige Bewaffnung empfinden und uns kurzerhand all unser Gepäck abnehmen. Wir sind gar nicht böse, befreit von unserer Traglast die Besichtigungstour der Immobilie anzutreten. Wahrlich ist die Burg ein Augenschmaus und sehr gut in Schuss. Doch die Massen weiterer Kaufinteressenten, die sich vor und hinter uns durch die Gemäuer schieben, vereiteln jeden Versuch, kurz innezuhalten und das volle Potential der Wohnräume abzuschätzen. Unverrichteter Dinge spült uns die Menge schließlich wieder auf den Burghof - wir haben nicht einmal den Kaufpreis erfahren können. Immerhin bekommen wir unser Gepäck wieder auf den Rücken geschnallt und können unbehelligt von dannen ziehen. Nach dem Bad in der Menschenmenge verdrücken wir uns so schnell wie möglich wieder in die Stille des Waldes und beschließen einhellig, dass die halb verfallenen Burgen deutlich zu bevorzugen sind. Noch zwei weitere Burgmodelle liegen in Reichweite, also steuern wir sie an, durchstreifen weitere Täler und Hügel. Am Horizont können wir nun immer deutlicher den Kaiserstuhl erkennen, dahinter den Schwarzwald und dort - in der Biege - lugt ein Zipfel Freiburgs hervor. Die Ruinen der Haut Ribeaupierre und des Chateau St Ulrich sind schnell besichtigt, den Turmcheck besteht nur St Ulrich, der Blick ins Tal ist von beiden Steinhaufen aus klar und unverstellt. Am Horizont ruft Freiburg. Ein kleiner Pfad windet sich über Stock und Steine an den Burgen vorbei nach Ribeauvillé, die Vegetation mutet beinahe mediterran an. Die Altstadt von Ribeauvillé hat sich jedoch dem Mittelalter verschrieben. Von hier aus wären es zwei Tagesmärsche gen Osten nach Hause. Freiburg ruft schon wieder, dieses Mal laut und deutlich. Es ruft etwas von Katzen und Hasen, Schildkröten und Urlaubsende. Wir verstehen es nur undeutlich und so richtig will ich es auch gar nicht verstehen, denn insgeheim weiß ich nur zu gut, was diese Rufe bedeuten. Wir müssen unsere Reise beenden, hier und heute. Den ganzen Tag schon habe ich diese böse Tatsache verleugnet. Nun sitze ich schweren Herzens auf den Stufen vor der Touristinformation und recherchiere nach Zugverbindungen an den Ort, an den wir nun unablässig gerufen werden. Ein Bus trägt uns nach Selestat, ein Zug in den Süden nach Basel, unkompliziert und direkt geht anders. Ein wenig verloren stehen wir bei Nachteinbruch in Freiburg und kommen genau in dem Moment in Ebnet an als ein Schwerlasttransport sich durch die Gassen quält. Die Zivilisation hat uns wieder, große Dinge gehen hier vor sich. Die Rufe haben ihre Richtung geändert, nun kommen sie aus Westen und laden uns ein, unseren Weg fortzusetzen. Bald. So bald wie möglich. Schließlich müssen wir noch eine Burg kaufen.もっと詳しく































































































































































































































































































































































































































旅行者
Genau das Foto habe ich auch gemacht 😃
旅行者Toll toll toll! Total geil euch da zu sehen ! Wünsche euch eine Hammer Tour 💪