• Isaac Fer

    April 18, 2023 in Belize ⋅ ☀️ 30 °C

    In manchen Dörfern in Belize scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Die Mennoniten (Mitglieder einer evangelische Freikirche, die sich der modernen Gesellschaft und Technologie weitgehend entziehen) leben hier wie vor zweihundert Jahren: kein Auto, keine Eiswürfelmaschine, kein Tinder, keine noise cancelling Kopfhörer und vom ersten Weltkrieg wissen die Mennoniten wahrscheinlich auch noch nichts. Wir könnten den Leuten sagen in welche Aktientitel sie investieren sollten. Aber das tun wir nicht, aus Angst vor den unvorhersehbaren Konsequenzen der Chaostheorie. Dennoch möchten wir ein solches Dorf besuchen. Insbesondere auch weil uns Yanik gesagt hat, dass die Mennoniten super Cookies backen. Also fahren wir nach „Springfield“. Am Anfang der Zufahrtsstrasse von Springfield winkt uns ein bärtiger Mann mit rasierter Oberlippe und altertümlicher Kleidung mit einer komischen Handbewegung zu. Wir wissen nicht so recht was das zu bedeuten hat, aber kommen vorsichtshalber neben ihm zum stehen. Der Mann fragt ob wir ihn, seinen Kessel und seinen Sack Getreide mit nach Springfield nehmen würden. Wir geben ihm überfreundlich zu verstehen, dass das kein Problem sei und eine Minute später sitzt der Typ bei uns hinten im Bus auf seinem Kessel. Wahrscheinlich weiss er nicht was eine Sitzbank ist oder traut ihr nicht. Wir tauschen unsere Namen aus. Er heisst Isaac Fer. Er findet „Simon“ sei ein guter Name, so heisse auch sein Sohn. „Fabienne“ wiederum sei ein komischer Name. Bei Isaac ist der Name jedenfalls Programm: nächsten Monat erwartet er sein elftes Kind, möchte aber nicht wissen, was es für ein Geschlecht haben wird. Wir denken, dass das beim elften Kind wohl auch nicht mehr wirklich darauf ankommt. Seine Frau sei die Schwester der Frau seines Bruders und ihre Mutter hatte einst feudale 16 Kinder. Die exponentielle Fortpflanzung hat mittlerweile dazu geführt, dass Isaac’s Schwiegermutter die Grossmutter von 126 Enkelkindern ist. Ja, 126. Isaac fragt noch wie weit weg die Schweiz sei. Unsere Antworten scheinen aber seine Metaebene nicht zu erreichen. Er gibt sich schliesslich mit „sehr weit weg“ zufrieden. Nach etwa 10 Minuten signalisiert er uns zu halten. Wir stehen vor dem grossen Grundstück eines schönen Bauernhauses. Isaac scheint erleichtert zu Hause angekommen zu sein. Einerseits vielleicht weil wir (im Vergleich zu ihm) so überfreundlich waren. Andererseits vielleicht auch weil er womöglich das erste Mal mit einer Frau am Steuer mitgefahren ist. Wir fahren weiter zum Cookiestand, fragen ob wir mit PayPal zahlen können und kaufen neben den Keksen noch eine Flasche des besten Bienenhonigs den wir je probiert hatten. Auf der Fahrt zurück begleitet uns Isaac’s im Bus gebliebener Pferdeduft.Read more