• Aliens

    30. maj 2025, Brasilien ⋅ ☀️ 14 °C

    Die nächsten Tage widmen wir einem der wohl seltsamsten Tiere dem wir je das Vergnügen hatten gegenüber zu stehen. Tagsüber sei der Ameisenbär weniger aktiv. Daher verlegen wir unsere Exkursionen auf die Randstunden. Am Morgen haben wir jedoch kein Glück und ruhen uns über den Mittag ein bisschen am Strassenrand aus. Am Nachmittag ziehen wir wieder los und entdecken etwa 300m neben uns im Feld einen bräunlich grauen Flecken, der selbst auf diese Distanz sonderbar wirkt. Das Fernglas, das wir von Marc und Vale geliehen gekriegt haben, bringt Gewissheit. Wir überqueren schleunigst einen Viehzaun und nähern uns vorsichtig übers Feld. Der Flecken wird immer deutlicher und nimmt mit abnehmender Distanz an Skurrilität zu. Dann steht unmittelbar vor uns dieser bizarre, zersaute Pinsel und steckt seine Nase immer wieder in den Boden. Offensichtlich hat uns der ziemlich sehschwache Ameisenbär noch nicht entdeckt. Ganz geheuer ist ihm die Lage aber nicht: immer wieder hebt er seine Nase in den Himmel und schnuppert ganz intensiv in die gegenwärtige Windrichtung. Wir riechen aber schon seit Monaten wieder nach Natur und sind daher gut getarnt. Als wäre das Tier nicht schon witzig genug, hält sich auf seinem Rücken ein dickes Baby fest. In unseren Augen wirkt es etwas gar gross, um noch rumgetragen zu werden. Unsere Augen sind aber fairerweise auch etwas besser als die unseres Gegenübers.

    Während wir unsere gesamte Aufmerksamkeit den lustigen Kerlen vor uns widmen, versammelt sich um uns langsam ebenfalls ein Publikum. Mit jeder Sekunde mischen sich weitere Zebu Rinder unter die Schaulustigen und starrt uns gebannt entgegen. Ab und zu rennt eines in irgend eine Richtung los und reisst dabei seine Nachbaren mit. Uns wird die Situation langsam etwas suspekt. Die Ameisenbären flüchten unter dem donnernden Getrampel in die Büsche. Auch wir setzen zum Rückzug an. Für die Zebu Rinder das Signal noch einmal, aber jetzt alle gemeinsam, loszurennen. In unsere Richtung. Wir laufen etwas überzeugter. Und schneller. Der Zaun ist nur noch etwa 200m entfernt. Die Rinder uns dicht auf den Fersen 🙈 Schliesslich verlangsamt sich die Herde und guckt uns gespannt hinterher. Erleichtert überqueren wir den Zaun. Die Tiere hatten es offenbar nicht auf unser Leben abgesehen und waren wohl einfach äusserst neugierig. Dann hält ein rostiges Auto neben uns. Bestimmt ein Bauer, der uns zusammenscheissen will. Es ist tatsächlich ein Bauer. Er freut sich, dass wir uns über die Ameisenbären freuen. Wir dürften problemlos auf seinem Grundstück rumlaufen und die Kühe seien alle ganz freundlich. Zum Schluss will er uns noch aufs Frühstück einladen. Brasilien halt :)
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