Immer wieder überraschend
January 30 in New Zealand ⋅ ⛅ 17 °C
Der Morgen in Paeora begann mit einem sonnigen Frühstück, natürlich bestehend aus einem Wrap.
Es ist schon erstaunlich, wie lang es dauert, bis alle sieben Sachen wieder geordnet, eingepackt, der letzte Akku geladen und das Rad abfahrbereit ist.
Luc bastelte noch mit schwarzen Ölhänden an seinem Fahrrad. Ich war insgeheim Jürgen Schulz und Peter sehr dankbar für ihre Bikefittings und wichtigen Ratschläge und hoffte dass meinem Rad möglichst keine Spirenzchen einfallen würden.
So radelte ich los, weiter auf dem Rail-Trail von gestern im Richtung Süd-West. Der Weg war gesäumt von wildem Fenchel und die Luft roch wunderbar würzig. Nach Wheikino verließ ich den Rail-Trail, der damals die Goldgräber miteinander Verband und bog direkt nach Süden ab. Richtung Cambridge. Mit Nordwind.
Die Luft flimmerte, es wurde bergig.
Ich erinnerte mich an Cordulas Worte: Neuseeland ist das komprimierte Europa.
Stimmt! Die Northlands wie Schottland, vielleicht auch wie Irland. Die Küste um Auckland in der Mentalität wie Ostseeküste: saturiert, reglementiert und spaß befreit. Und heute fuhr ich ab dem Abzweig nach Süden quasi durch die Toscana. Auch das Vogelgezwitscher war vertraut: Lärchen, Amseln, Finken, ...
Es ging ordentlich bergauf. Eine der vielen Verschnaufpausen mit Ausblick auf einen Stausee wurde zu einer Stunde. Jane und ihr Mann saßen vor ihrem Pickup und wollten alles über meine Reise wissen. Als erstes wurde mein Name geklärt. Dann holte er eine gekühlte Cola aus dem Wagen- boah hat die gut getan! - und dann wurde erzählt! Bis uns auffiel, dass die beiden zurück zu ihrer Farm mussten und ich ja noch bis Cambridge wollte, wo ich mal wieder nicht wusste, wo ich schlafen würde.
So schwitzte ich weiter den Berg hinauf - er musste doch einmal ein Ende nehmen!
Das letzte Stück des Berges war abzusehen. Ich sah bereits die Kuppe und hoffte, dass es nach der Biegung nicht weiter bergan gehen würde. Immerhin war es heiß, 80 km steckten bereits in den Beinen und ich hatte Hunger.
Eigentlich hatte ich keine Lust mehr!
Da kam doch von hinten so ein gechillter E-Biker daher als wenn es keinen Berg gegeben hätte. Und und er fragte tatsächlich, ob er mir einen Push geben sollte. Bevor ich kapierte, was er meinte, schob er mich tatsächlich den Rest des Berges hoch!
Wie cool war das denn!?
Und ab da ging es einige Kilometer Kurve um Kurve abwärts.
Und zum Glück war der E-Biker hinter mir! So konnte ich ohne zu bremsen einfach fahren, denn seine Geschwindigkeit war leider limitiert.
Im Tal angekommen fuhren wir noch 15 km mit 30 km/h bis nach Cambridge.
Auf diesen 15 km erfuhr ich dass er Pete ist, ursprünglich einmal aus Holland stammte, drei Jahre um die Welt gereist ist, letzte Woche seine 98 jährige Mutter verstorbenen sei und er nun bei seiner Schwester zu Besuch in Cambridge sei.
Wo es einen Zeltplatz gäbe, wüsste er nicht. Ich solle mit ihm kommen und wir könnten seine Schwester fragen.
Wir fuhren in eine Neubausiedlung. Es erinnerte mich ein wenig an die
Trueman -Show.
Dort angekommen, Annelies wurde mir vorgestellt, ihr man Collin und die Nachbarin, die Bamberg so sehr liebt.
Nur kurz hereinkommen für einen Schluck Wasser....
Wir saßen auf der Terrasse, erzählten. Collin fiel da irgendwann ein schöner Campingplatz ein.
Ach ja: ob ich gerne duschen wolle? Hier sind Handtücher und alles was du brauchst.
Ähm ja.... Gerne!
Weißt du was, Friederike, wir könnten einen Ausflug machen. Wir zeigen dir Cambridge. Magst du?
Pack alle deine Sachen ins Auto das Fahrrad hängen wir hinten drauf. Nicht in den Ford Mustang GDT, der daneben!
Okay!
So fuhren wir zu viert die letzten fünf km in die Stadt. Die drei hatten Hunger, wir sollten etwas essen. Collin bestellte Pizza. Bis diese fertig war, gab es ein Sightseeing durch Cambridge. Dieses sei nicht zu verwechseln mit dem britischen Pendant. Es gibt alles, und noch einiges mehr, was man hauptsächlich im Rentenalter gebrauchen könnte, aber für meinen jetzigen Geschmack ein eher Kultur-freies Städtchen. Aber umso cooler sind doch diese drei Rentner hier, von denen zwei vor sieben Jahren aus Auckland für den Lebensabend her gezogen sind!
Mit der Pizza fuhren wir an Neuseelands größten und bedeutendsten Fluss - Waikato River - und picknickten im Abendlicht fröhlich die Pizza - nicht zu vergessen für jeden eine eisgekühlte Flasche Summer Ale!
Bevor es zu kühl wurde ging es weiter flussabwärts zum Little Waipa Reserve. Eine free-campsite, die romantischer kaum sein könnte.
Annelies gab mir zum Abschied noch Tomaten und Gurken aus dem Garten - für das Wrap Morgen!
Sie packten alle meine Sachen an den von mir ausgewählten Platz am Ufer und wir drückten uns ganz fest zum Abschied!
Es war so unglaublich...!
Ich hatte mein Zelt am Ufer und neben mir stand ein großer LKW. Nicht wirklich romantisch. Aber ich dachte, der Typ schläft eh und ich hab es gemütlich mit Blick auf das Wasser und zum Mond.
Der Typ entpuppte sich als Saskia, ist seit 35 Jahren aus Holland nach Neuseeland ausgewandert und chilled im selbst ausgebauten LKW. Wir hatten einen gemütlichen Abend bei Mondschein und Heineken...
So lässt es sich leben und eins war mir klar:
Ich trauere keine einzige Träne nach dem verpassten Hobbiton! Auch wenn ich wohl das eine Promille persönlich bin, das NICHT wegen Herr der Ringe nach NZ kam!
So ein Tag ist einfach nur Herz-erfüllend und bereichernd. Und ich schlafe mal wieder dankbar unter Sternenhimmel und Mondschein ein.Read more























Friederike, Du bist einfach eine Wucht!!! Liebe Grüße, Karin [Karin]
TravelerAch iwoooo.... Liebe Grüße zurück!
Traveler
Toller Platz 👍🏽🙋🏽