• Warum eigentlich?!

    13 Februari, New Zealand ⋅ ☁️ 23 °C

    Morgens am Flussufer nach einer wunderschönen klaren Nacht wachte ich von Regentropfen auf. Eigentlich sehr gemütlich und zum Weiterschlafen einladend!
    Aber ich wollte heute zwei Etappen fahren und wusste nicht, wie das Wetter, der Wind und die Berge würden.
    Deshalb stand ich dann doch auf und packte das nasse Zelt ein. Jeder weiß, welche Folgen das nach sich ziehen wird!
    Vor dem Frühstück wollte ich die ersten 25 km fahren.
    In Eketahuna fand ich einen kleinen Rastplatz unter einem dicken Baum mit undurchlässigem Blätterdach. Zum Glück! Denn es regnete stark!
    Nach dem Regen war auch ich fertig und fuhr weiter. Auf der ganzen Fahrt wurde ich nicht nass.
    Bis abends fuhr ich und kam in Masterton an.
    Nachmittags fuhr ich unter einer mystischen Wolken-Dramaturgie. Der Wind wechselte häufig die Richtung und ich war voll im Geschehen! Mal schob er mich, dass ich gute 40 km/h fuhr, dann kam er wieder von vorne, sodass ich kaum spürte, vorwärts zu kommen. Besser war dann noch von der Seite. Aber das konnte ich mir leider nicht aussuchen!
    Der Tag tat so gut! Es gab irgendwie nichts anderes als Fahren! Das weite, weiche Hügel-Land um mich. Den Wind in den Ohren, die lauten Zirpen am Wegesrand und unter den Reifen das Summen auf dem Teer oder das Knirschen des Schotters. Berg auf; Berg ab.
    Die Gedanken sind überall ein wenig,und ganz ruhig.
    Was würde ich mit Marcel jetzt reden? Keine Ahnung... Wir finden immer etwas zu reden, sinnieren, philosophieren oder diskutieren.
    Ich im Jetzt und Hier alleine. Nicht einsam. Es braucht nicht viel. Ich bin mit mir und der Natur genug. Spüre die Muskeln, den Durst und den Schweiß.
    Was ist daran schön???
    Das intensive und aufmerksame Spüren der Natur, das Riechen, Hören und scheinbare Kennen der Tiere auf den Weiden. Die neugierigen Kühe schauen zu mir auf und verfolgen mich. Die Lämmer kauen vor sich hin und gucken mich keck an! Die Bullen schauen langsam und Regen sich nicht. Die Ziegen interessieren sich nur für sich! Der Sommer flimmert, das Gras wird nocheinmal gemäht. Es duftet. Das Korn ist fast reif zur Ernte.
    All das spüre, sehe, rieche ich nur, wenn ich mich drauf einlasse! Ich kann im Hier und Jetzt sein, weil ich essen und Wasser bei mir habe. Weil ich fast überall schlafen kann, wenn ich müde bin. Verantwortung nur für mich! Wirklich nur für mich?!
    Hier in NZ wird man immer und überall auf die Verantwortung für das Große und Ganze hingewiesen. Alles was wir tun, steht in Verantwortung für das Ganze!
    Solche und ähnliche Gedanken können an einem Fahrrad-Tag wie diesem durch den Kopf gehen.
    Auch über ein Phänomen musste ich länger nachdenken. Ich radel so 30 oder 60 Minuten auf einer kleinen Landstraße und kein Auto fährt an mir vorbei. Plötzlich höre ich eines von hinten ankommen und auch von vorne kommt eines. Warum treffen sich diese zwei Autos genau auf meiner Höhe, sodass ich noch enger an den Straßenrand und der hinter mir abbremsen muss???
    Ich übernachte in Masterton auf einem sehr gut ausgestatteten Campingplatz mit tollen Duschen, schöner Küche und allem, was man so brauchen könnte.
    Jetzt freue ich mich so richtig auf ein paar Tage in Wellington und dann auf die Süd-Insel!
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