• Durch die Hölle in die heilige Stadt

    December 21, 2024 in India ⋅ ☀️ 25 °C

    Wir müssen flexibel bleiben
    Die frostigen Nächte in den Bergen von Rishikesh, trotz inspirierender Yoga-Privatstunden und der Magie des Ortes, rauben mir die Entspannung. Deshalb beschließe ich, meine Pläne umzuwerfen: Statt die Yoga-Lehrerausbildung in den Bergen zu machen, ziehe ich hierfür nach Kerala ans Meer. Dort beginnt der Kurs allerdings erst am 7. Januar – genug Zeit, um das Land zu erkunden.

    Da unklar ist, ob ich je nach Rishikesh zurückkehre, nutze ich die Gelegenheit für ein Bad im heiligen Ganges. Der Fluss ist eisig, doch angesichts seines Ursprungs im Himalaya überrascht das kaum. Es ist ein Moment voller Symbolik – und Kälte.

    7 Inder, 1 Deutscher und ein Übersetzer
    Der nächste Schritt führt mich in die Heilige Stadt Varanasi. 17 Stunden Reisezeit, allerdings nicht ohne Hindernisse: Kurz vor Abfahrt wechselt die Plattform, und ich springe mit einer Gruppe Einheimischer in einen bereits rollenden Zug – eine haarscharfe Sache. Im Inneren irre ich wie ein Verlorener umher, bis ich mich frustriert in die Holzklasse setze – direkt neben einer siebenköpfigen indischen Familie, die kein Wort Englisch spricht. Es wird eine herzliche Begegnung: Zwei Stunden lang kommunizieren wir mit Händen, Füßen und Übersetzung-App. Immer wieder bekomme ich Essen und Trinken angeboten, ohne zu wissen, wie ich mich revanchieren kann.

    Die Hölle ist nah
    Um 21 Uhr bricht die Katastrophe über mich herein: Auf einem kleinen Umsteigebahnhof wird mir plötzlich schlecht. Auf der schäbigen öffentlichen Toilette übergebe ich mich mehrfach, während auch Durchfall einsetzt – eine Lebensmittelvergiftung, wie es scheint. Allein, mit Gepäck, in der Provinz, auf einem dreckigen Klo: Ein Albtraum. Zwei Stunden später schaffe ich es völlig erschöpft in den Nachtzug. Die zehnstündige Fahrt wird zur Zerreißprobe, doch zumindest bleibt alles in mir.

    Ruhe ist von Nöten
    In Varanasi finde ich am Vormittag ein schönes Privatzimmer in einem Hostel, wo ich mich langsam erhole. Schwach, aber optimistisch wage ich heute den ersten Schritt nach draußen, um Wasser und Bananen zu besorgen. Ich hoffe, dass ich schnell wieder auf den Beinen bin.
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