• Das Volksritual und alte Werbeschilder

    March 28 in Hong Kong ⋅ ☁️ 26 °C

    Immer wieder sehen wir von der DingDing aus eine Art Tempel unter einer Zubringerbrücke, gegenüber liegend einer Feuerwehrstation. Ständig steigt Rauch oder ein großes Feuer auf (vermutlich ist deshalb die Feuerwehr ganz in der Nähe). Heute hat die Neugier gesiegt und wir sind zu diesem wundersamen Ort gegangen. Man sieht wie an mehreren Ständen Frauen auf eine Art Papier einschlagen welches anschließend verbrannt wird.

    Doch was machen die da genau? Das „Villain Hitting“ (Kantonesisch: Da Siu Yan, wörtlich übersetzt „das Schlagen kleiner Leute“), ist ein traditionelles Hongkonger Volksritual zur Abwehr von Pech und zur symbolischen Bestrafung von Widersachern.

    Der Ablauf: Meist ältere Frauen, die „Villain Hitters“, führen die Zeremonie für 50 HK$ aus. Der „Kunde“ schreibt den Namen eines „Bösewichts“ (z. B. ein schwieriger Chef oder ein untreuer Partner) auf ein Stück Papier. Die Frau schlägt dann mit einem alten Schuh oder Slipper rhythmisch auf dieses Papier ein, während sie Flüche und Beschwörungsformeln murmelt.
    Zum Abschluss wird das Papier zusammen mit Papier-Opfergaben verbrannt, um das negative Schicksal symbolisch zu vernichten.

    Der Zweck: Es dient heute oft als eine Art psychologische Stressbewältigung und Katharsis.

    Das Ritual ist so tief in der Kultur verwurzelt, dass es vom Home Affairs Bureau als Teil des immateriellen Kulturerbes von Hongkong gelistet wurde. (KI hat geholfen)

    Nach diesem interessanten Erlebnis sind wir weiter durch das Centrum geschlendert. Dabei ging für Tini immer wieder der Blick nach oben, da sie vereinzelt die Überreste eines einst ikonischen Stadtmerkmals erblickt hat. Die alten Neonleuchtschilder. Vor 25 Jahren gab es die noch an jeder Ecke und heute wurden sie fast überall aus Sicherheitsgründen entfernt. Zudem hat wohl die Erfindung der LED-Beleuchtung das Übrige getan. Mittlerweile gibt es nur noch wenige Meister die diese schwierige Handwerkskunst ausüben, da es hierfür keine Lehrbücher gibt. Das Wissen wird nur durch Beobachtung übermittelt. Schade, dass wir abends keine Möglichkeit haben die alten Schilder leuchten zu sehen da die Kinder zeitig ins Bett gehen.

    Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch IKEA ( ja HongKong hat wirklich einen) sind wir nochmal durch den Viktoria Park geschlendert. Zufällig haben wir dort einen süßen kleinen Handwerk-Markt gefunden und hier und da etwas gekauft. Auch haben wir uns hier spontan porträtieren lassen. Tini findet es knuffig :)
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