Die Pyramiden
3–4 mar., Egipto ⋅ ☀️ 12 °C
Heute klingelt der Wecker schon um 06:00 Uhr. Genau unsere Zeit in Urlaub 🫣 - aber laut allen Reiseführern und Infos, die wir lesen, heißt es: seid vor den Bussen da! Die Pyramiden öffnen um 08:00 Uhr und wir sind mit unserem Uber, für uns vergleichsweise pünktlich, um 08:15 Uhr nach einem guten Frühstück und einer kleineren Diskussion per Uber-App mit einem anderen Fahrer vor dem ziemlich hoch gesicherten Haupteingang zu den Pyramiden (Kofferraumcheck, Unterbodencheck per Spiegel inklusive). Dort sind wir längst nicht alleine. Gefühlt 500 bis 1000 Menschen wollen auch rein, aber man scheint es hier gewohnt zu sein. Viele Hilfskräfte und Schilder lotsen die Touristen in die richtige Richtung. Nach dem Ticketcheck überholen wir einige Reisegruppen im Informationsraum und gehen gleich zu den Hop On - Hop Off Bussen. Auch hier lassen wir, gut informiert wie Corinna ist, den ersten Stop, den Fotopoint, aus und fahren direkt zur Khufu / Cheops-Pyramide als fast einzige Mitfahrer. Und dann stehen wir also vor der ersten und auch größten Pyramide, dem ältesten noch erhaltenen antiken Weltwunder, heute knapp 140 Meter hoch - so hoch wie 50 Stockwerke, rund 4500 Jahre alt, gebaut aus Steinen, von denen einer fast so groß ist wie ein erwachsener Mensch. Alles Zahlen, die die Faszination nicht ausdrückt, die wir empfinden. Wir laufen einmal rundum, regen uns über Touristen auf, die aus unserer Sicht verbotenerweise der Pyramide rumklettern, bis wir feststellen: Oh! Wir müssen da auch rauf! Da oben ist der Eingang um in die Cheops-Pyramide rein zu kommen und um den steinernen Sarkophag zu sehen. Also hin da, an einigen fliegenden Verkäufern vorbei und rauf auf die Pyramide. Die Tickets werden gescannt und dann kommen uns schon einige Touristen entgegen. Verschwitzt, durch atmend, mit rotem Gesicht. Tja, bekanntlich haben die Götter vor dem Erfolg den Schweiß gesetzt und so klettern sich wir auf engen Holzbrettern, auf denen so etwas wie Stufen oder Tritthölzer angeschraubt sind, in sehr gebückter Haltung nach oben. Uns kommen immer wieder Menschen aller erdenklichen Nationen entgegen. Aber man nimmt Rücksicht, grüßt oder lacht hier und da und gibt sich Tipps, wie man den beschwerlichen Weg besser erklimmen kann. Mir geht durch den Kopf, dass so etwas vielleicht ein gutes Mittel für viele Menschen wäre Offenheit und Verständnis gegenüber Fremden zu lernen.
Zuletzt wird es noch enger, ich gehe zeitendurch auf allen Vieren durch den engen Tunnel und plötzlich weitet sich der Gang und wir stehen in der Recht schmucklosen Grabkammer von Khufu / Cheops. Ein steinerner Sarkophag, vielleicht 20 Touristen mit uns, acht Meter hohe Wände, ein paar Luftlöcher in den Steinen. Das war's. Wir machen Fotos, gucken uns um und tja - dann geht's wohl wieder zurück. Zeitendurch halten wir nochmal inne. Was haben wir da eben gesehen? Ein immer noch nicht ganz erforschtes Weltwunder, geheimnisvoll, Jahrtausende alt. Nicht wenige Menschen denken an Aliens, wenn sie über die Cheops-Pyramide sprechen - und wir sind mittendrin. Und dennoch: es fühlt sich nicht anders an, als wären wir in Rammelsberg gerade untertage gefahren und hätten über die noch immer dort stehenden Leitern klettern müssen. Vielleicht ist es auch dieses Gefühl was das Geheimnis komplettiert. Als einzelner Mensch ist es sehr schwer fassbar. Alles riesig, alles geheimnisumwogen, alles Jahrtausende alt.
Dann gehen wir weiter unseren Weg und auch wir kommen irgendwann wieder ans Tageslicht. Durch atmend, mit rotem Kopf und verschwitzt. Noch ein paar Fotos und dann gehen wir weiter an der Cheops-Pyramide entlang. Wir sehen die Ausgrabungsstelle der Boote, die wir gestern gesehen haben, sehen die Königinnen Gräber und wollen uns schon zur nächsten Pyramide auf machen, als ich mir interessiert einen Eingang am Fuß der Pyramide betrachte. Der Wärter deutet mir rein zu kommen und zeigt mir Reliefs mit Alltagsszenen aus der Zeit der Pharaonen. Hier hin haben sich nur eine Hand voll Touristen verirrt. Es ist faszinierend, vergleichsweise ruhig und sehr spannend. Ich kann sogar einen kleinen gleichfalls schmalen Gang hinunter klettern und stehe vor einem steinernen Sarkophag oder ähnlichem. Mit Gemini finde ich im Nachhinein heraus, dass es sich hier um die Grabkammer / Mastaba des Seshemnefer IV handelt. Ein hoher Beamter. Alles hier ist eigentlich viel spannender als innerhalb der Cheops Pyramide, auch wenn die dortige Grabkammer natürlich ein Must See ist. Ich kann Stellenweise sogar noch Farbreste von vor ca. 4500 Jahren erkennen - und stehe hier rum mit einer vergleichsweisen kleinen Gruppe von Menschen. Wieder bin ich beeindruckt und fühle mich ein wenig, als wenn ich ein Easter Egg in einem Spiel entdeckt hätte.
Beschwingt gehen wir nach draußen und schauen uns weiter um, wir gehen an der Chephren Pyramide, der zweithöchsten Pyramide der Drei vorbei, betrachten deren Spitze, die noch heute so verkleidet ist, wie die gesamten Pyramiden es waren und kaufen noch einen Anubis Hund, als Souvenir von einer Händlerin (natürlich nicht ohne zu feilschen). Dann zieht es uns zum Khufu Welcome Center aus ganz weltlichen Gründen. Wir haben Durst und wir haben mittlerweile auch Hunger bekommen. Es ist fast Mittagszeit geworden und so stolpern wir ins Khfu's Restaurant. Die freundliche Dame allerdings teilt uns mit, dass es um 11:15 Uhr noch kein Essen gibt, aber wir an der Bar etwas trinken können. So bestellen wir eine Cola und schauen uns um. Das Restaurant sieht wirklich edel aus, wir lassen uns nochmal die Karte mit unterschiedlichen Mezze Menüs zeigen und beschließen: wir bleiben und warten. Zum Glück gibt es, als hätten wir Monate vorher reserviert, noch einen Platz mit bestem Ausblick auf die Pyramiden und wir kürzen die Wartezeit mit einer Flasche ägyptischen Rosé ab. Dann kommt auch schon das Essen. Die Mezze und der Nachtisch sind so gut, dass uns die Pyramiden ein paar Minuten lang egal werden. In der Karte hatte ich schon einige Auszeichnungen gesehen und mich würde es nicht wundern, wenn es hier irgendwann einen Stern gibt. Als wir bezahlen ist das Restaurant dann auch brechend voll und wir freuen uns, schon wieder so früh da gewesen zu sein.
Frisch gestärkt geht's weiter zur Mykerinos Pyramide. Hier wartet noch eine weitere Grabkammer auf uns, die besichtigt werden will. Natürlich gibt's auf dem Weg noch ein Beduinen Kopftuch für uns. Dabei stelle ich fest, dass ein solches Tuch viel angenehmer in der Wärme ist als mein Cap.
Die Mykerinos Pyramide ist die kleinste der drei Pyramiden und sie ist deutlich leichter zu betreten als die Cheops Pyramide. Allerdings ist auch hier oft bücken, etwas kriechen und Platz machen vor anderen Touristen angesagt. Auch hier stehen wir wieder am Ende vor einem leeren Sarkophag. Gefühlt ist alles irgendwie etwas liebevoller, aber am Ende kann sie für uns das Gefühl die Mastaba des Seshemnefer IV von innen gesehen und die Cheops Pyramide erzwungen zu haben nicht mehr toppen.
Als wir wieder ans Tageslicht kommen, wandern wir noch zur Sphinx, natürlich nicht, ohne einige Angebote von Kamelreitern uns dorthin auf ihren Kamelen zu bringen auszuschlagen.
Auf dem Kamelweg gehen wir bis fast nach draußen und dabei erkennen wir, dass der beste Punkt für ein Foto der Sphinx gar nicht auf dem Gelände ist, sondern auf einem freien Platz davor. Und so gehen wir aus dem zweiten Eingang vorbei ein vielen Shops in Zelten aus dem Gelände heraus und machen noch ein paar Fotos von der Sphinx und uns, während sich viele Menschen ein paar Meter weiter durch einen Rundweg drängen. Bei näherer Betrachtung sieht man: die Sphinx ist gar nicht so riesig, wie man sie sich immer so vorstellt. Aber schön und geheimnisvoll ist sie auf jeden Fall - eine Wächterin der Pyramiden.
Wir haben das Gefühl haben genug für heute gesehen zu haben. Wieder sind wir Beeindruckt von der Fülle Geschichte und der Zeit, vor der man sich demütig und klein fühlt. Meine Garmin zeigt an Ende des Tages 11 Kilometer bei gut 13.000 Schritten an - genug durch den Sand und über Hügel gewandert für heute.
Wir schreiben also dem Uber-Fahrer Magdy vom Morgen an und fragen, ob er uns abholen kann. Er hatte mir seine Kontaktdaten beim Aussteigen gegeben. Er schreibt sofort zurück, dass er Zeit hat, wir einigen uns auf einen Preis und einen Abholort, so dass er kurze Zeit später uns auch schon fröhlich aus seinem Auto zuwinkt. Wir steigen ein und schnell bringt uns Magdy in unser Gaia Pyramid Hotel. Wir fallen geschafft und voller Eindrücke aufs Bett. Die Schuhe und Klamotten sind staubig vom Wüstenstand, unsere Köpfe voll von Eindrücken.
Das waren sie also, die Pyramiden. Es war gut fast einen ganzen Tag dort zu verbringen. Nur ein paar Stunden, wie es viele Tagestouristen machen, wird dem keineswegs gerecht. Selbst mit so viel Besichtigungszeit haben wir noch nicht alles gesehen und schon längst nicht verarbeitet. Bei nur wenigen Stunden vor Ort verpasst man sonst sehr leicht interessante Dinge Abseits der Pfade verpasst und kann das was man da gerade sieht sicher auch überhaupt nicht aus sich wirken lassen. Dazu ist es zu groß und zu faszinierend.
Am spätenAbend freuen wir uns auf ein schnelles Essen im Hotel und unser Bett. Vielleicht träumen wir ja sogar von den Pyramiden, der Sphinx oder Anubis. Wer weiß?! Zumindest klingelt morgen früh mal nicht der Wecker.
Nachtrag: zwei Tage nach unserem Besuch wird das Khufu's Restaurant von einer Zeitschrift oder so zum besten Restaurant in Ägypten gewählt. Das wird sich sicher auf die Preise auswirken. Zum Glück waren wir vorher da. 😁😋 Noch später haben wir gesehen, dass das Restaurant eh schon zu den 50 besten der Welt zählt. Na, sagen wir doch. War lecker. 🤣Leer más





















Viajero
Jaaaaaaa…. Sieht gaaaaaaaaanz gaaaaaanz leicht aus…… 🫣