• Denis Stein
  • Corinna Stein
  • Denis Stein
  • Corinna Stein

Ägypten

A 13-day adventure by Denis & Corinna Read more
  • Trip start
    February 27, 2026

    Von Hamburg nach Berlin

    Feb 27–28 in Germany ⋅ 🌙 14 °C

    Vor dem Spaß haben sie Götter bekanntlich den Schweiß gesetzt. Also heißt es erstmal am Freitag arbeiten, Schreibtisch leer bekommen. Corinna hat viele to do's in der Schule, ich habe noch Gespräche mit Interessenten. Aber dann, dann geht's erstmal ans restliche Packen und Kühlschrank ausräumen. Auch das ist irgendwann erledigt und wir fahren bei anbrechender Dunkelheit nach Berlin.
    Berlin? Wieso Berlin? - Weil von Hamburg kein direkter Flieger nach Kairo geht. Kurz vorher machen wir noch einen Abstecher zu Yvo - der Kühlschrank war voll und wir hoffen, dass Yvos Kühlschrank leerer ist. Ist er - zumindest bevor wir zwei grüne Kisten bei ihr abkippen. Dann aber geht's los. Yvo fragt noch per WhatsApp, ob das Chinakohl und Rotkohl ist, was wir bestätigen und schwört, dass sie zur Identifizierung keine KI genutzt hat... Ob das wirklich so ist - wir werden es wohl nie erfahren...
    Gegen 22:30 Uhr kommen wir dann endlich nach einem Zwischenstopp bei McDoof im Campanile Hotel in Schönefeld an. Der BER ist nicht weit. Morgen Mittag geht der Flieger ab, der Parkplatz am BER ist schon gebucht.
    Corinna bekommt noch einen Vortrag über Hieroglyphen von mir und ich glaube ihr schwant schon, dass das in den nächsten Tagen nicht besser wird...
    Dann kuscheln wir uns in die Betten - und träumen von lauten Städten und hohen Pyramiden... und vom GEM auf das ich echt neugierig bin...
    Read more

  • Ankunft in Kairo

    Feb 28–Mar 1 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    Nach einem extrem ruhigen und entspannten Flug, landen wir auf dem zweiten Kairoer Flughafen, dem Cairo Sphinx. Er wurde im Prinzip extra fürs GEM gebaut (erster Flug von dir war 2018) und ist aktuell vergleichsweise leer. Bei Ankunft stand nur noch eine weitere Maschine auf dem Vorfeld. Das Visum geht somit eigentlich schnell - zumindest wenn man eine schlaue Frau hat, die vorher im Internet liest, dass man für das Visum 25 Euro (oder noch besser Dollar) in Bar dabei haben muss. Dann kauft man an einem Bankschalter ein Visum als Aufkleber, den bringt man zur freundlichen Grenzbeamtin, die checkt den Pass und klebt den Aufkleber ein. Stempel drauf und jut ist.
    Corinna hat auch einen Fahrer über das Hotel besorgt. Der freundliche Fahrer holt uns ab und bringt uns in 20 Minuten ins Hotel.
    Unser Zimmer ist der Hammer! Freistehende Badewanne und eigene Dachterrasse inklusive. 😍 Ich finde, ich sollte jedes Jahr 50 werden. 🤭
    Das Hotel lädt uns noch auf einen Welcome Tee und Pizza ein. Außerdem fragt uns der Hotelmanager noch nach einem Ausflug. Da Corinna im Netz gelesen hat, dass das Hotel für die gute Orga von Ausflügen empfohlen wird, zeigen wir uns interessiert. Als wir dem Manager sagen, dass wir zwar Interesse haben, aber bitte nicht an einer Touri-Tour auf dem Nil mit traditioneller Musik und Abendbuffet, zeigt er uns ein Bild einer Feluke auf seinem Handy. Wir nicken, erzählen noch, dass wir gerne Kairo sehen wollen, aber bitte nicht Hochglanz. Seine Augen beginnen zu leuchten. So verhandeln wir also nach der Pizza noch über einen Ausflug. Das Ergebnis: Morgen geht's los. Den ganzen Tag geführt mit einem eigenen Guide durch Kairo, inklusive Fahrt mit einer kleinen Feluke. Es ist nicht ganz günstig, trotz Verhandlung. Wir sind gespannt wie es wird.
    Nach dem Essen gehen wir noch das Viertel erkunden. Schon nach wenigen Metern entpuppt sich unsere Vorhaben als kleines Abenteuer. Erstmal der Verkehr. Die Straßen sind voll, alles hupt, Fußwege sind rar bis im Prinzip nicht vorhanden. Über vierspurige Straßen voller Autos geht man einfach rüber. Anders geht's sowieso nicht - und da schon bei der Anfahrt Menschen über die Autobahn liefen, stellen wir uns einfach mal nicht so an und gehen unseres Weges. Heil kommen wir auch in den ersten Einkaufsstraßen an. Es ist ebenfalls Laut, zu den vielen Autos kommen mehr Menschen, aber irgendwie scheint das zu funktionieren. Zu kaufen gibt's alles. Vom Handy, übers Waschbecken, bis hin zu Früchten. Europäer haben wir dort nicht gesehen. Frauen sind ebenfalls recht selten zu sehen, eher als Händlerinnen - so unser erster Eindruck. Die meisten, die wir sehen tragen mehr oder weniger Schleier. Hier und da erhalte ich für Corinna anerkennende Blicke und ich frage mich, wie viele Kamele mir wohl geboten werden in diesem Urlaub. 🙂 Auch das wird auch zeigen.
    Nach den ersten Eindrücken zieht es uns dann aber aufs Zimmer. Um 7 Uhr klingelt der Wecker, schließlich will Kairo entdeckt werden...
    Read more

  • Kairo 5000+ Jahre Kultur

    Mar 1–2 in Egypt ⋅ ☁️ 18 °C

    Früh klingelt heute der Wecker. 07:15 Uhr am Sonntag ist nicht gerade unsere Zeit. Dennoch machen wir uns in Ruhe fertig, gehen Frühstücken. Ich bestelle mir unwissend ein Ägyptisches Frühstück und bekomme den halben Tisch voll Mezze. Von einfachen Pommes, über Omelette und Coleslaw bis hin zu Auberginenpaste. Dazu noch ein Teller Früchte. Nicht schaffbar, aber sehr lecker! Corinna bestellt sich ein Omelette, weil sie schon vermutet, dass das bei mir viel wird.
    Eigentlich zeigt mein Frühstück schon perfekt was heute auf uns zu kommt, aber das wissen wir zu dem Zeitpunkt noch nicht.
    Es ist eine Mischung aus über 5000 Jahre Kultur und Kulturen.
    Nach dem Essen wartet unser Guide Ihab auf uns. Es ist freundlich, spricht sogar etwas Deutsch, noch besser Französisch, wie er sagt (hilft uns nur wenig) und Englisch. Wir waren gestern der Empfehlung des Hotels gefolgt und so sagt uns Ihab, genannt Bob, dass es als erstes zum NMEC geht. Dem National Museum of Egyptian Civilization. Ihab fährt nicht selbst, sondern wir haben noch einen Fahrer. Dazu erklärt uns Ihab viel später, dass er sehr gerne Auto fährt, aber nicht in Kairo. Wieso, das werden wir noch an vielen Stellen sehen. Das Museum ist erst 2017 eröffnet worden und handelt, wie der Name sagt, von der kulturgeschichtlichen Entwicklung Ägyptens. Schon alleine dieses Museum ist eine Reise wert. Es enthält 50.000 geschichtliche Artefakte von Musikinstrumenten und Makeup von vor gut 5000 Jahren (ja, damals gab es tatsächlich schon Spiegel, Puder und Makeup in unterschiedlichsten Farbvarianten), über Werkzeug von Zahnärzten und künstliche Gliedmaßen bis hin zu den wichtigsten aller gefundenen Mumien. Als wir schließlich winzige Goldstatuen sehen (vielleicht so groß wie eine Legofigur, nur halb so breit), die so fein bearbeitet sind, dass man bei genauerem Hinsehen Gesichtszüge und eingravierte Hieroglyphen erkennen kann, beginnen wir zu zweifeln, ob die Geschichte von 3500 vor Christi wirklich so war, wie wir denken, dass sie war.
    Nach dem Museum schauen wir uns die Muhammad Ali (nein nicht der Boxer, wie Ihab gleich grinsend einstreut) Moschee an. Eine beeindruckende Moschee mit vielen Lichtern und einem tollen Ausblick auf die Stadt.
    Weiter geht's dann ins Koptische Viertel. Wir schauen uns die hängende Kirche aus den dritten Jahrhundert an, die auf 15 Säulen in der Erde gebaut ist und bei der man 9 Meter von einer Stelle im Boden aus nach unten in d zur Tiefe sehen kann. Dann geht's in die Kirche St. Sergius. Sie steht quasi um die Ecke und es soll sich, der Legende nach, in dessen Krypta die heilige Familie vor Herodes und seinen Truppen versteckt haben.
    Danach stärken wir uns bei einem leckeren Mittagessen (Ihab fastet - es ist Ramadan). Als wir fertig sind geht es durch den Großstadtdschungel ans Wasser. Das Auto findet einen Parkplatz etwas weiter ab. So gehen wir, wie schon gestern Abend, auf einer vierspurigen Straße vorbei an Baustellen (es scheint eine neue Marina o.ä. in Kairo gebaut zu werden) an den Hafen für Touriboote. Wir bekommen ein großes Boot für uns alleine und betrachten Kairo vom Wasser aus. Kairo ist wirklich so durchmischt, wie wir schon als Eindruck hatten. Hier steht das Sheraton nicht weit von kleineren Hochhäusern aus denen Wäsche zum trocknen hängt. Eine mehr als pulsierende Großstadt mit 9,6 Millionen Einwohnern - laut Wikipedia. Beeindruckend und andersartig zugleich. Es zeigt sich und insgesamt eine Fremde und dennoch weltoffene Hafenstadt.
    Am Ende der Bootstour fragt uns Ihab noch ob wir Lust auf Shopping und Souvenirs haben. Klar haben wir! Wir wählen Schmuck und Papyrus als Ziel. Teppiche, Parfum und Gewürze bitten wir auszulassen. Der Schmuck überzeugt uns nicht, beim Papyrus bekommen Corinna und ich leuchtende Augen. Nicht nur, dass wir die Herstellung von einem freundlichen Verkäufer gezeigt bekommen (alleine, dass die Fasern 30 Tage gepresst werden müssen beeindruckt), auch ein Bild sticht uns sofort beiden ins Auge. Eine kurze Verhandlung und das Bild ist unseres. Wahrscheinlich zahlen wir noch immer viel zu viel, aber was tut man nicht alles, wenn man verliebt ist. 😅
    Dann geht's ab zurück ins Hotel, denn mittlerweile ist es dunkel geworden in Kairo. Nach über 8 Stunden Sightseeing essen wir noch kurz was und ich lasse diesen Blog schreibend den Tag in der Badewanne mit Blick auf die Pyramiden ausklingen.
    - So dachte ich.
    Denn was ich beim Schreiben nicht merke: die Badewanne leckt. Corinna ist im Bad und bekommt nicht mit, dass ich unser Zimmer langsam aber sicher zu einem Aquarium verwandele. Ich denke beim Baden, dass der Verschluss nicht 100% dicht ist und somit immer etwas abläuft. Stimmt ja auch irgendwie, aber auf den Worst Case komme ich nicht. Als Corinna aus dem Bad kommt, checke ich zuerst nicht, was sie meint, dass das Zimmer schwimmt. Das Sofa ist ein einziger Schwamm, die leicht auf dem Boden hängende Bettdecke nass und die Schuhe stehen im Wasser.
    Tja also schnell angezogen, ab zur Rezi und ein armer Hotelmitarbeitender bekommt viel zu tun. Nach einer Stunde ist das Zimmer wieder trocken (zum Glück sind überall Fliesen) und der Tag kann wirklich ausklingen.

    Es bleibt die Frage: ist Kairo denn nun schön?
    Offen gestanden: Wir wissen es nicht. Zumindest noch nicht. Es ist laut, stressig, manchmal stinkig und immer fremdartig. Aber auch freundlich, warmherzig, geschäftig und vor allem historisch. Wenn man hört, dass Amerikaner von Deutschland sagen, das alles Geschichte hat und alt ist, dann waren sie mit Sicherheit noch nicht im Kairo. Denn hier ist alles mindestens doppelt so alt oder älter oder gründet sich mindestens auf alten, längst vergangenen Kulturen.
    Also bisher können wir festhalten, schön ist sie nicht, die Stadt, aber unbedingt sehenswert.
    Read more

  • Das GEM Schmuckstück, aber kein Kleinod

    Mar 2–3 in Egypt ⋅ ☀️ 16 °C

    Heute geht es in mein persönliches Wunschziel - das GEM, das Grand Egyptian Museum. Schon auf dem Papier ist dieses Museum eine einzige Superlative. Größtes historisches Museum der Welt, 100.000 Artefakte, davon 50.000 ständig ausgestellt. Das alles auf 50 Hektar.
    So viel wussten wir. Als uns der Uber-Fahrer allerdings über eine zweispurige Autobahnabfahrt zum GEM fährt und wir hohe Zäune mit Panzerbarrieren davor sehen, wird klar: hier lagern wirklich Artefakte von sprichwörtlich unschätzbarem Wert.
    Durch eine Sicherheitsschleuse kommen wir ganz einfach aufs Gelände und dann werde ich irgendwann dich sprachlos, was ein ne r ganze Zeit anhält und immer wieder hoch kommt. Es ist einfach zu überwältigend, im es wirklich in Worte zu fassen.
    Ich versuche es dennoch und weiß schon beim Schreiben es gelingt mir nicht. Alleine der Vorplatz mit dem Hauptgebäude ist so groß, da man darauf locker zwei Stadien bauen könnte. Und das Gebäude ist wirklich schön. Wiederkehrendes Element sind Pyramiden, die in Echt gleich dahinter stehen.
    Wir sehen zwei 5000 Jahre alte Boote, die so fein gebaut sind, dass nur zwei Bronzestifte zusammen halten und man den Eindruck hat, man könnte sofort mit ihnen los fahren. Sie stammen aus dem Grab von Pharao Khufu. Ihnen ist ein eigenes Gebäude gleich hinter dem Hauptgebäude gewidmet. Kein Wunder, jedes ist auch gut 42 Meter lang. Eines hat 10 Jahre gebraucht, um es zu rekonstruieren - dabei haben die Erbauer quasi mitgeholfen und markiert, wo welche Planke hin gehört. Ein zweites Boot wird gerade aktuell an Ort und Stelle gemeinsam mit japanischen Wissenschaftler:innen restauriert.
    In der Haupthalle beschließen wir uns langsam vorzugarbeiten erstmal Frühdynastie und dann dem Tipp von LeChat folgen und ab in den Bereich von Tutanchamun. Dort ist noch nicht so viel los und daher haben wir etwas Zeit, um uns alles anzuschauen. Wir sehen goldene Streitwagen und goldene Sarkophage, riesige Schreine aus Gold, sein Messer, dessen Metall aus dem Weltraum stammt und natürlich die berühmte Totenmaske.
    Nach insgesamt guten drei Stunden haben wir erst ein Bruchteil gesehen und wir beschließen etwas zu essen.
    Dabei stellen wir fest; würden wir jetzt noch mehr sehen, würden wir das Erste schon wieder vergessen. Der Speicher wird langsam voll. Also steht der Beschluss fest; wir gehen nicht wieder in die Ausstellung, lassen noch viele wichtige Dinge wie die Kinder-und Tier-Mumien und das Alltagsleben sowie die ganzen anderen Epochen der rund 3000 Jahre aus, schauen und noch etwas in den Shops um und fahren einfach wieder ins Hotel.
    Als wir nach dem Bummel durch die Shops auf die Uhr schauen, stellen wir fest: selbst das hat ne gute Stunde gedauert und war es sogar Wert. Das Museum schließt eh in 30 Minuten (Ramadan!) und war es genau die richtige Entscheidung.
    Haben wir alles gesehen? Bestimmt nicht mal 15%! Wollen wir mehr sehen? Jaaa! Sind wir beeindruckt? Tief beeindruckt - und ehrfürchtig vor der Zeit und der Fähigkeiten der Menschen damals!
    Der Plan ist also in den nächsten Tagen wieder zu kommen. Vielleicht mit einer geführten Tour oder unterstützt durch einen Audioguide. Das wird sich zeigen. Morgen sind erstmal die alten Nachbarn des GEM angesagt - die Pyramiden warten.
    Read more

  • Die Pyramiden

    Mar 3–4 in Egypt ⋅ ☀️ 12 °C

    Heute klingelt der Wecker schon um 06:00 Uhr. Genau unsere Zeit in Urlaub 🫣 - aber laut allen Reiseführern und Infos, die wir lesen, heißt es: seid vor den Bussen da! Die Pyramiden öffnen um 08:00 Uhr und wir sind mit unserem Uber, für uns vergleichsweise pünktlich, um 08:15 Uhr nach einem guten Frühstück und einer kleineren Diskussion per Uber-App mit einem anderen Fahrer vor dem ziemlich hoch gesicherten Haupteingang zu den Pyramiden (Kofferraumcheck, Unterbodencheck per Spiegel inklusive). Dort sind wir längst nicht alleine. Gefühlt 500 bis 1000 Menschen wollen auch rein, aber man scheint es hier gewohnt zu sein. Viele Hilfskräfte und Schilder lotsen die Touristen in die richtige Richtung. Nach dem Ticketcheck überholen wir einige Reisegruppen im Informationsraum und gehen gleich zu den Hop On - Hop Off Bussen. Auch hier lassen wir, gut informiert wie Corinna ist, den ersten Stop, den Fotopoint, aus und fahren direkt zur Khufu / Cheops-Pyramide als fast einzige Mitfahrer. Und dann stehen wir also vor der ersten und auch größten Pyramide, dem ältesten noch erhaltenen antiken Weltwunder, heute knapp 140 Meter hoch - so hoch wie 50 Stockwerke, rund 4500 Jahre alt, gebaut aus Steinen, von denen einer fast so groß ist wie ein erwachsener Mensch. Alles Zahlen, die die Faszination nicht ausdrückt, die wir empfinden. Wir laufen einmal rundum, regen uns über Touristen auf, die aus unserer Sicht verbotenerweise der Pyramide rumklettern, bis wir feststellen: Oh! Wir müssen da auch rauf! Da oben ist der Eingang um in die Cheops-Pyramide rein zu kommen und um den steinernen Sarkophag zu sehen. Also hin da, an einigen fliegenden Verkäufern vorbei und rauf auf die Pyramide. Die Tickets werden gescannt und dann kommen uns schon einige Touristen entgegen. Verschwitzt, durch atmend, mit rotem Gesicht. Tja, bekanntlich haben die Götter vor dem Erfolg den Schweiß gesetzt und so klettern sich wir auf engen Holzbrettern, auf denen so etwas wie Stufen oder Tritthölzer angeschraubt sind, in sehr gebückter Haltung nach oben. Uns kommen immer wieder Menschen aller erdenklichen Nationen entgegen. Aber man nimmt Rücksicht, grüßt oder lacht hier und da und gibt sich Tipps, wie man den beschwerlichen Weg besser erklimmen kann. Mir geht durch den Kopf, dass so etwas vielleicht ein gutes Mittel für viele Menschen wäre Offenheit und Verständnis gegenüber Fremden zu lernen.
    Zuletzt wird es noch enger, ich gehe zeitendurch auf allen Vieren durch den engen Tunnel und plötzlich weitet sich der Gang und wir stehen in der Recht schmucklosen Grabkammer von Khufu / Cheops. Ein steinerner Sarkophag, vielleicht 20 Touristen mit uns, acht Meter hohe Wände, ein paar Luftlöcher in den Steinen. Das war's. Wir machen Fotos, gucken uns um und tja - dann geht's wohl wieder zurück. Zeitendurch halten wir nochmal inne. Was haben wir da eben gesehen? Ein immer noch nicht ganz erforschtes Weltwunder, geheimnisvoll, Jahrtausende alt. Nicht wenige Menschen denken an Aliens, wenn sie über die Cheops-Pyramide sprechen - und wir sind mittendrin. Und dennoch: es fühlt sich nicht anders an, als wären wir in Rammelsberg gerade untertage gefahren und hätten über die noch immer dort stehenden Leitern klettern müssen. Vielleicht ist es auch dieses Gefühl was das Geheimnis komplettiert. Als einzelner Mensch ist es sehr schwer fassbar. Alles riesig, alles geheimnisumwogen, alles Jahrtausende alt.
    Dann gehen wir weiter unseren Weg und auch wir kommen irgendwann wieder ans Tageslicht. Durch atmend, mit rotem Kopf und verschwitzt. Noch ein paar Fotos und dann gehen wir weiter an der Cheops-Pyramide entlang. Wir sehen die Ausgrabungsstelle der Boote, die wir gestern gesehen haben, sehen die Königinnen Gräber und wollen uns schon zur nächsten Pyramide auf machen, als ich mir interessiert einen Eingang am Fuß der Pyramide betrachte. Der Wärter deutet mir rein zu kommen und zeigt mir Reliefs mit Alltagsszenen aus der Zeit der Pharaonen. Hier hin haben sich nur eine Hand voll Touristen verirrt. Es ist faszinierend, vergleichsweise ruhig und sehr spannend. Ich kann sogar einen kleinen gleichfalls schmalen Gang hinunter klettern und stehe vor einem steinernen Sarkophag oder ähnlichem. Mit Gemini finde ich im Nachhinein heraus, dass es sich hier um die Grabkammer / Mastaba des Seshemnefer IV handelt. Ein hoher Beamter. Alles hier ist eigentlich viel spannender als innerhalb der Cheops Pyramide, auch wenn die dortige Grabkammer natürlich ein Must See ist. Ich kann Stellenweise sogar noch Farbreste von vor ca. 4500 Jahren erkennen - und stehe hier rum mit einer vergleichsweisen kleinen Gruppe von Menschen. Wieder bin ich beeindruckt und fühle mich ein wenig, als wenn ich ein Easter Egg in einem Spiel entdeckt hätte.
    Beschwingt gehen wir nach draußen und schauen uns weiter um, wir gehen an der Chephren Pyramide, der zweithöchsten Pyramide der Drei vorbei, betrachten deren Spitze, die noch heute so verkleidet ist, wie die gesamten Pyramiden es waren und kaufen noch einen Anubis Hund, als Souvenir von einer Händlerin (natürlich nicht ohne zu feilschen). Dann zieht es uns zum Khufu Welcome Center aus ganz weltlichen Gründen. Wir haben Durst und wir haben mittlerweile auch Hunger bekommen. Es ist fast Mittagszeit geworden und so stolpern wir ins Khfu's Restaurant. Die freundliche Dame allerdings teilt uns mit, dass es um 11:15 Uhr noch kein Essen gibt, aber wir an der Bar etwas trinken können. So bestellen wir eine Cola und schauen uns um. Das Restaurant sieht wirklich edel aus, wir lassen uns nochmal die Karte mit unterschiedlichen Mezze Menüs zeigen und beschließen: wir bleiben und warten. Zum Glück gibt es, als hätten wir Monate vorher reserviert, noch einen Platz mit bestem Ausblick auf die Pyramiden und wir kürzen die Wartezeit mit einer Flasche ägyptischen Rosé ab. Dann kommt auch schon das Essen. Die Mezze und der Nachtisch sind so gut, dass uns die Pyramiden ein paar Minuten lang egal werden. In der Karte hatte ich schon einige Auszeichnungen gesehen und mich würde es nicht wundern, wenn es hier irgendwann einen Stern gibt. Als wir bezahlen ist das Restaurant dann auch brechend voll und wir freuen uns, schon wieder so früh da gewesen zu sein.
    Frisch gestärkt geht's weiter zur Mykerinos Pyramide. Hier wartet noch eine weitere Grabkammer auf uns, die besichtigt werden will. Natürlich gibt's auf dem Weg noch ein Beduinen Kopftuch für uns. Dabei stelle ich fest, dass ein solches Tuch viel angenehmer in der Wärme ist als mein Cap.
    Die Mykerinos Pyramide ist die kleinste der drei Pyramiden und sie ist deutlich leichter zu betreten als die Cheops Pyramide. Allerdings ist auch hier oft bücken, etwas kriechen und Platz machen vor anderen Touristen angesagt. Auch hier stehen wir wieder am Ende vor einem leeren Sarkophag. Gefühlt ist alles irgendwie etwas liebevoller, aber am Ende kann sie für uns das Gefühl die Mastaba des Seshemnefer IV von innen gesehen und die Cheops Pyramide erzwungen zu haben nicht mehr toppen.
    Als wir wieder ans Tageslicht kommen, wandern wir noch zur Sphinx, natürlich nicht, ohne einige Angebote von Kamelreitern uns dorthin auf ihren Kamelen zu bringen auszuschlagen.
    Auf dem Kamelweg gehen wir bis fast nach draußen und dabei erkennen wir, dass der beste Punkt für ein Foto der Sphinx gar nicht auf dem Gelände ist, sondern auf einem freien Platz davor. Und so gehen wir aus dem zweiten Eingang vorbei ein vielen Shops in Zelten aus dem Gelände heraus und machen noch ein paar Fotos von der Sphinx und uns, während sich viele Menschen ein paar Meter weiter durch einen Rundweg drängen. Bei näherer Betrachtung sieht man: die Sphinx ist gar nicht so riesig, wie man sie sich immer so vorstellt. Aber schön und geheimnisvoll ist sie auf jeden Fall - eine Wächterin der Pyramiden.

    Wir haben das Gefühl haben genug für heute gesehen zu haben. Wieder sind wir Beeindruckt von der Fülle Geschichte und der Zeit, vor der man sich demütig und klein fühlt. Meine Garmin zeigt an Ende des Tages 11 Kilometer bei gut 13.000 Schritten an - genug durch den Sand und über Hügel gewandert für heute.

    Wir schreiben also dem Uber-Fahrer Magdy vom Morgen an und fragen, ob er uns abholen kann. Er hatte mir seine Kontaktdaten beim Aussteigen gegeben. Er schreibt sofort zurück, dass er Zeit hat, wir einigen uns auf einen Preis und einen Abholort, so dass er kurze Zeit später uns auch schon fröhlich aus seinem Auto zuwinkt. Wir steigen ein und schnell bringt uns Magdy in unser Gaia Pyramid Hotel. Wir fallen geschafft und voller Eindrücke aufs Bett. Die Schuhe und Klamotten sind staubig vom Wüstenstand, unsere Köpfe voll von Eindrücken.

    Das waren sie also, die Pyramiden. Es war gut fast einen ganzen Tag dort zu verbringen. Nur ein paar Stunden, wie es viele Tagestouristen machen, wird dem keineswegs gerecht. Selbst mit so viel Besichtigungszeit haben wir noch nicht alles gesehen und schon längst nicht verarbeitet. Bei nur wenigen Stunden vor Ort verpasst man sonst sehr leicht interessante Dinge Abseits der Pfade verpasst und kann das was man da gerade sieht sicher auch überhaupt nicht aus sich wirken lassen. Dazu ist es zu groß und zu faszinierend.

    Am spätenAbend freuen wir uns auf ein schnelles Essen im Hotel und unser Bett. Vielleicht träumen wir ja sogar von den Pyramiden, der Sphinx oder Anubis. Wer weiß?! Zumindest klingelt morgen früh mal nicht der Wecker.

    Nachtrag: zwei Tage nach unserem Besuch wird das Khufu's Restaurant von einer Zeitschrift oder so zum besten Restaurant in Ägypten gewählt. Das wird sich sicher auf die Preise auswirken. Zum Glück waren wir vorher da. 😁😋 Noch später haben wir gesehen, dass das Restaurant eh schon zu den 50 besten der Welt zählt. Na, sagen wir doch. War lecker. 🤣
    Read more

  • Lazy in Cairo

    Mar 4–5 in Egypt ⋅ ⛅ 21 °C

    Heute hieß es ausschlafen und ganz langsam fertig machen. Wohin dann? Wir wissen es noch nicht genau, aber nach Studium des Reiseführers entscheiden wir uns für den Besuch des Cairo Towers.
    Wir fragen Magdy, ob er Zeit. Hat er, aber er steckt im Stau fest. Er schlägt uns vor einen Freund zu rufen, wenn wir in Eile sind, aber wir sind es nicht. Im Gegenteil. So haben wir Zeit unseren Dachbalkon zu nutzen.
    Irgendwann ist er da und wir quälen uns gemeinsam durch die Rushhour von Cairo. Der Tower ist nur 17 km entfernt, aber wir brauchen rund 40 Minuten dafür. Daher wollte er also einen Aufschlag zum Uber Preis.
    Während der Fahrt berichtet er uns auch von Fayoum. Er wohnt dort und könnte und einen unvergesslichen Trip organisieren. Die Bilder, die er zeigt sehen gut aus und das Hotel, hatte uns einen solchen Ausflug ebenfalls empfohlen. Es ist ein Tagesausflug in die Wüstengegend mit Offroad, Dünen und Oase.
    Eigentlich wollten wir ja noch ins GEM, aber der Preis, den er uns nennt ist wirklich fair - zumindest ist er 30% günstiger als im Hotel.
    Wir sagen, wir überlegen es uns im Tower beim Kaffee.
    So verabschieden wir uns erstmal von Magdy und gehen zum Tower. Dort gibt es unterschiedliche Preise mit Skip the Line Tickets und Eintritt ins Café oben. Wir entscheiden uns dafür, aber der Kassierer sagt uns, dass das Quatsch ist, weil oben fast nichts los ist und verkauft uns nur ein Standard-Ticket. Coole Sache! Fröhlich machen wir uns also auf den Weg. Der Fahrstuhl ist ein normaler Aufzug und alles ist, trotz des heimlichen Wahrzeichens der Stadt, recht gewöhnlich. Der Aufzug fährt etwas ruckelig und altersschwach los und so frage ich mich heimlich wie wohl die Notfallpläne in Kairo für stecken gebliebene Aufzüge aussehen. Zu Unrecht. Wir kommen unbeschadet im siebenten Stock an und werden straight einen weiteren Treppenaufgang vorbei am leeren Café und den Toiletten gelotst. Dann entfährt mir ein leises f*#@ my life. Wir stehen in 187 Metern Höhe, also 55 Meter höher als der Michel, auf einer um den Turm rum laufenden Aussichtsplattform, die mit nur einem brusthohen, leicht gebogenen gusseisernen Gitter geschützt ist. Das war's. Jeder könnte dort mit leichtem Anlauf runter hüpfen oder etwas runter werfen. Unter uns ist ja beispielweise nur der bekannteste Ägyptische Sportverein mit seinem Stadion. Ok es stehen alle paar Meter Security Wachposten, die Aufpassen, dass niemand Quatsch macht, aber dennoch. Das hatten wir nicht erwartet. Nun gut, die Aussicht ist toll und wir können trotz mittlerer Sicht, bedingt durch leichten Großstadtsmog, die Pyramiden in der Ferne erkennen. Nach zwei Rundgängen gehen wir ein Stockwerk runter ins recht einfache Café. Kaffee und Tee schmecken dort aber, die Preise sind fair und der Kellner freundlich.
    Zeit genug, um über morgen zu beratschlagen. Wir beschließen: klar wollen wir die Wüste sehen, das GEM machen wir einfach am Freitag, da gestern passenderweise unser Flug von mittags gecancelt und auf Abends verschoben wurde. Müssen wir zwar zweimal wieder früh aufstehen, aber so haben wir die pure Kairo experience.
    Ich schreibe also Magdy, der sagt, dass es morgen um 07:30 Uhr los geht. Ich frage mich noch, ob ich wirklich im Urlaub wieder so früh aufstehen will, aber die Tour klingt echt spannend.
    Dann fahren wir wieder den Turm herunter und beschließen noch etwas den nahelegen Stadtteil Zamalek zu erkunden. Der Stadtteil ist hipper, in ihm sind viele Botschaften beheimatet und er liegt auf der Gezira-Insel von Cairo. Es ist wirklich nett da. Ganz anders als alles was wir bisher hier gesehen haben. Recht europäisch, würde ich sagen. Direkt am Nil gelegen wird aktuell ein langer Fuß- und Fahrradweg zum Schlendern und Verweilen gebaut. Wien oder Paris lassen grüßen.
    Corinna hatte im Tower noch ein Restaurant ausgegraben, dass einen tollen Blick auf Cairo haben soll und in dem auch Alkohol ausgeschenkt wird. Klingt nach einem schönen Abend und wir beschließen dort hin zu gehen.
    Am Eingang sagt man uns, dass wir uns leider beeilen müssen, da in einer Stunde eine geschlossene Gesellschaft oder so erwartet wird. Es ist Iftar Zeit. Na gut, wenn die sicher sind das hin zu bekommen, wir sind es auch.
    Also rein da. Das Restaurant hat fast eine Bar oder Clubatmosphäre. Am Eingang werden Zigarren verkauft und insgesamt könnte auch dieses Restaurant gut nach Wien oder Paris passen. Wir nehmen also Platz und der Kellner erzählt uns etwas von Ramadan, wir könnten Getränke nur bis 19.00h bestellen, aber erst dann Essen bestellen. Aber nicht aus einer speziellen Karte, wie und am Eingang erzählt wurde, sondern aus der normalen Karte. Wir verstehen nur noch Bahnhof und ordern vor Schreck erstmal ne Flasche Rosé und Wasser. Da kann ja schon mal nichts mehr schief gehen. Ich mache von der wunderschönen Terrasse ein paar Abendfotos von Kairo. Der Wein kommt und schmeckt. So wird es 19:00 Uhr und 19:15 Uhr, aber außer, dass sie um uns beginnen aufgeregt zu wuseln passiert nichts. Als der Kellner dann irgendwann kommt und fragt, ob wir Essen bestellen wollen, beschließen wir: nö. Für die Preise, die hier im Vergleich zum restlichen Kairo aufgerufen werden, wollen wir nicht fünftes Rad am Wagen sein. So bezahlen wir und lassen uns vom einem Uber (Magdy bräuchte zu lange, wie er sagt) in unser Hotel bringen.
    Dort Essen wir einen sehr leckeren Burger und stellen fest: die machen hier auch Shishas. Mist, dass wir nun schon spät dran sind und morgen früh raus müssen. Shisha mit Tee und Pyramidenblick klingt aber nach Musik in meinen Ohren. Corinna sagt, ihr ist es egal wo wir morgen Abend essen gehen und so sagen wir kurzerhand den vorgestern im teuren, aber sehr guten Alfredo's Marriott Mena House reservierten Tisch spontan ab. Wir reservieren so also beim Kellner Alex für morgen Abend im Hotel einen Tisch. Mit Shisha versteht sich.

    So steht also der Plan für Morgen: erst Abenteuer in der Wüste, dann Shisha zum runter kommen im Hotel. Es könnte schlechter laufen. 😁

    Jetzt aber ab ins Bett - morgen klingelt der Wecker wieder um 06:00 Uhr.
    Read more

  • Die Wüste ruft

    Mar 5–6 in Egypt ⋅ ☀️ 18 °C

    Wie vereinbart ist Magdy heute pünktlich um 07:30 Uhr vor dem Hotel. Wir sind es fast auch und so geht es los. Yvo haben wir noch kurz vorher die Telefonnummer von Magdy gegeben, man weiß ja nie... Wir springen ins Auto und los geht's raus aus Kairo. Erst wird die Stadt zur Wüste, nach einer knappen Stunde dann aber taucht ein riesiger See auf unserer Beifahrerseite auf. Alles Süßwasser, gutes Wasser, wie Magdy sagt, bis dann irgendwann Fabriken ihr Abwasser eingeleitet haben. Wir schweigen ein paar Minuten, manchmal versteht man sich auch ohne Worte. Es wird immer grüner. Palmen wechseln sich mit ausgehobenen Fischzuchtteichen und Ackerflächen ab. Nach einer guten Stunde halten wir am Tunis Resort an. Es ist eine typisches Ausflugslokal im Ägypten Style. Ein paar Ecken haben sie allerbesten Tage hinter sich, aber die vielen Toiletten sind sehr sauber und das Frühstück dort wirklich gut. Es gibt selbstgebackenen Filouteig, einen Sirup, der wie Grafschafter Goldsaft schmeckt, säuerlichen Tahini und die im Hotel schon gegesse Quark-Tomatenmischung.
    Dann übernimmt Mahmoud. Wir alle wechseln in seinen Toyota 4-Wheeler und ab geht's. Nach ein paar Metern biegen wir in die Wüste ab. Keine Straßen, nur Sand, Dünen, Sand, nochmal Sand und wir. Es verschlägt mir heute nicht zum letzten Mal die Sprache. Es ist mein erstes Mal echte Wüste und ich kann nicht fassen, wie schön sie ist. Wir merken gleich: Mahmoud ist kein Freund von Straßen und wird es in diesem Leben wohl auch nicht mehr werden. Er umgeht bis zum Ende unserer Tour strikt jeden Quadratmeter Asphalt, wenn er die Möglichkeit dazu hat. Mahmoud stellt die Musik an. Ägyptischer Techno gemixt mit Volkstanz. Aufpeitschend. Dann geht's mit Speed die Dünen rauf und mit gefühlt 40%iger Schräglage (sorry hatte das Geodreieck gerade nicht parat) die Dünen wieder runter. Corinna quietscht erst vor Freude und Adrenalin, dann wird sie ruhig. Schlecht ist ihr wohl nicht, wie sie auf Nachfrage sagt - ich könnte es verstehen, wenn es so wäre, aber das sage ich natürlich nicht.
    Mitten auf einer einsamen Düne, kein Mensch in der Nähe, halten wir. Aussteigen. Wir fragen uns wieso, aber es wird klarer, als Mahmoud aus dem Kofferraum zwei Sandboards holt und einwachst. Mein Spruch: nicht so viel Wachs, ich bin schon fett genug für Geschwindigkeit, verhallt mit einem Lachen in der Wüste. Tja dann werden wir freundlich eingeladen uns auf die Boards zu setzen. Ca. 15 Meter unter uns wird es flach, dazwischen eher 45 Grad Gefälle. Als ich auf die Frage: "Are you ready?" - "No" sage, verhallt das wiederum mit einem Lachen in der Wüste. Ich bekomme einen Schubs und ab geht's. Das Gefühl ist für mich unbeschreiblich. Schlittenfahren ist langweilig dagegen. Der warme Sand fliegt mit ins Gesicht, Adrenalin fließt so stark durch meinen Körper, dass mir noch nach dem mühsamen Aufstieg die Hände zittern. Neben mir donnert Corinna gleich darauf die Düne jauchzend herunter. Meine Frau die Adrenalinliebhaberin. Oben wieder angekommen deutet mir Magdy, ich soll mich hinsetzen. Ist wohl auch besser. - War das geil. "Willst nochmal?" "Ne - ach f*#@ it, klar will ich!" Wieder gibt's Wachs aufs Board und schon geht es die andere Dünenseite herunter. Sie ist flacher. Na toll, warum in dieser Reihenfolge - ach egal. 😆
    Wir können noch weiter rutschen, aber nachdem Corinna auch die andere Seite herunter gedüst und wieder mühsam aufgestiegen ist reicht es uns für's erste Mal. Also geht die Fahrt weiter. Mahmoud stellt etwas ruhigere Musik an und wir genießen wieder die schiere Weite.
    Wieder halten wir an und steigen im Niemandsland aus. Was nun? Dann bückt sich Mahmoud und drückt uns runde weiße Plättchen in die Hand, die er aufgehoben hat. Muscheln! Das sind vom Sand flach geschliffene Muscheln! Hier gab's mal Wasser? Viel Wasser?! Mahmoud nickt und wir fahren weiter. Einige Minuten später halten wir in einem Camp. Es ist, wie eine Tafel verrät, das Wadi Al-Hitan Weltkulturerbe. Na, mit der Anzahl solcher Auszeichnungen muss sich Ägypten nicht verstecken. Daher hängt diese auch nur beiläufig in einem schlichten Rahmen am Eingang rum. Wir können die Ausstellung schnell betreten, weil Magdy irgendwo her schon wieder die Tickets ergattert hat. Woher und zu welchem Preis, will ich gar nicht genau wissen. Eine Tourigruppe vor uns wartet deutlich länger. Später sagt er, dass Geschwindigkeit und Flexibilität in Ägypten überall seinen Preis hat.
    Die Ausstellung ist super interessant. Hier wurden mitten in der Wüste urzeitliche Walskelette gefunden. Zwei davon, bestimmt jeweils 10 Meter lang, liegen direkt hinter Glas vor uns. Auf Tafeln wird erklärt, dass hier früher alles tiefer See war und, dass sich das Klima verändert hat. Auf einem Schild wird die Erderwärmung zur Zeit der Skelette und danach erklärt. Der fast senkrechte Anstieg und ein trockenes "You are here" irgendwo in der Mitte des fast senkrechten Teils der Grafik erspart einem weitere Kommentare. Klare Worte auf Ägyptisch.
    Als wir weitere Skelette und Bäume sowie einen interessanten Film gesehen haben, deutet uns Magdy einen ausgeschilderten Weg in der Wüste zu folgen. Er kennt das schon und Mahmoud und er warten auf uns. Wir gehen den Weg entlang und tatsächlich: hier liegen maximal alle 50 Meter Skelette in der Wüste rum. Auf Schildern wird beschrieben, was wir hier sehen. Spannend und faszinierend. Ich könnte hier sicher noch ein paar Stunden verbringen, aber es geht weiter.
    Mahmoud macht wieder etwas schnellere und mystischere arabische Musik an. Die Felsformationen werden höher, schroffer, steiler. Kleine Berge türmen sich auf. Mahmoud gibt Gas und rauf geht's einen solchen Berg. Corinna wird wieder stiller, diesmal gluckse ich vor Freude, was Magdy mit einem Grinsen quittiert. Dann halten wir. Vor uns ein See, mitten in der Wüste. Blaugrün, unglaublich schön. Davor, dahinter, um uns herum Wüste. Krass. Mir bleibt der Mund offen stehen. Gott ist das schön. Wir machen Fotos.
    Nach kurzem Verweilen steigen wir wieder ein und es geht steil abwärts. Ich habe Spaß, Corinna wohl auch oder so.
    Wir fahren runter zum See. Dort gibt es einige Ausflügler mehr, aber Mahmoud findet einen einsamen Platz wo uns eine Pferdekaravane (bestimmt werden hier Ausritte angeboten) in Ruhe lässt. Wir steigen aus. Mahmoud und Magdy breiten eine große Decke und Kissen im Schatten des 4-Wheelers mitten am Wasser aus und deuten uns hinzusetzen. Sie servieren uns frische Früchte, die Mahmoud vorher über einen Wasserkanister abspült. Es ist köstlich und einfach unglaublich schön. Wir schweigen gemeinsam, genießen die Aussicht und die Ruhe. Aus dem 4-Wheeler tönt Bruno Mars mit Marry you. Mich beschleicht der Verdacht, dass der Mann für jede Situation die richtige Playlist in seinem Auto hat.
    Irgendwann steht Mahmoud auf, holt irgendwo Holzkohle her und macht ein kleines Feuer. Als die Kohle glimmt, setzt er eine Teekanne auf. Irgendwann begint das Wasser zu simmern. Dann schenkt er uns ein. Der Tee schmeckt traumhaft. Es ist roter Tee, wie Magdy sagt. So kann man es aushalten. Ich lehne mich an den 4-Wheeler und genieße das Nichts. Alles ist weit weg, unwichtig.
    Irgendwann müssen wir leider wieder weiter ich hätte auch hier noch Stunden ausharren können.
    Der Weg führt uns zu einem Reservat. Alles wird grüner, der See größer, auch etwas touristisch. Mir kommt irgendwie die Erinnerung an Glendalough in Irland. Wir steigen aus und gehen einen kurzen Weg auf eine Art Plateau. Ein Wasserfall! Nein zwei, nein drei, nein vier! Wahnsinn! Hinter uns und links von uns überall Wüste, rechts von uns ein riesiger See, der fast ein Meer ist, vor uns Wasserfälle aus den Tiefen der Erde, die den See speisen. Wieder bleibt mir der Mund offen stehen, ich bin überwältigt vom unerwarteten Anblick. Ich drehe mich zur Seite, weil mir die Tränen vor Überwältigung kommen. Magdy grinst leicht und übersetzt mir durch seinen Google Übersetzer: das ist alles normal.

    Wir harren noch etwas aus, machen Fotos, dann geht's wieder auf die Piste. Es ist schon kurz vor 16:00 Uhr und mir schwant, dass die Tour langsam zu Ende geht. Mahmoud macht wieder seine Playlist an. Desert Rose von Sting. Ja, der Mann hat wirklich für jede Stimmung ne Playlist.

    Irgendwann kommen wir wieder beim Tunis Resort an. Wir wollen uns schon von Mahmoud verabschieden, dann sagt uns Magdy: "Nein ich hatte euch doch noch Lunch versprochen!" Stimmt, da war was und ich merke, ich habe tatsächlich Hunger. Es gibt ein vorzügliches spätes Mittag mit einer Suppe, frischem Brot. frisch gegrilltem Hähnchenschenkel, Pommes, würzigem Reis und einem diesmal scharfen Tahini und Salat. Wirklich gut! Wir putzen alles bis aufs letzte Reiskorn weg.

    Leider geht's dann doch irgendwann nach Hause. Die Sonne geht unter. Magdy muss unglaublich durstig und hungrig sein. Wenn ich bedenke, was ich heute alles gegessen und getrunken habe. Ramadan mit Touristen ist mit Sicherheit kein Spaß.

    Am Ende kommen wir wieder am Hotel an.
    Der Tag war wirklich unvergesslich. Wer nach Kairo kommt, sollte diesen Trip unbedingt machen. Vielleicht sogar zwei Tage. Schlafen in der Wüste soll einzigartig sein... Corinna und ich bekommen schon Ideen für einen zukünftigen Urlaub. Aber morgen geht's ja erstmal nach El-Guna. Heute gibt es erstmal ein leckeres Essen im Hotel und eine Wasserpfeife mit einem letzten abendlichen Blick auf die Pyramiden.
    Read more

  • GEM und Flug nach El-Guna

    Mar 6–7 in Egypt ⋅ ☀️ 21 °C

    Heute ist leider schon unser letzter Tag in Kairo. Magdy hat leider heute keine Zeit uns zu fahren, seine Frau ist krank und er muss sich um seinen einjährigen Sohn kümmern. Allerdings hat sein bester Freund Omar Zeit uns zu fahren. Den Preis haben wir bereits gestern Abend per WhatsApp abgesprochen. Im Zimmer dürfen wir kostenfrei bleiben, bis unser Flug geht. Die Hotelmitarbeitenden des Gaia Pyramids sind echt super nett.

    Wir haben beschlossen heute nochmal ins GEM zu geben. Zu viele Dinge haben wir noch nicht gesehen. Außerdem fehlt uns eine Einordnung in den Gesamtzusammenhang. Also fährt uns Omar kurz dorthin und wir verabreden, dass er uns am späten Mittag wieder abholt. Wir holen uns einen englischsprachigen Audioguide und los geht's. Tutanchamun wird uns heute leider nicht nicht wiedersehen, dafür reicht die Zeit nicht. Es wollen knapp 4000 Jahre Könige, Gesellschaft und Religion erkundet werden. Denn in diese drei Bereiche sind jeweils die insgesamt vier großen zeitlichen Abschnitte jeweils unterteilt, so dass man schlangenlienienförmig durch 12 Abschnitte geht. Dazwischen insgesamt vier sogenannte Caves, also quasi Kellergeschosse mit wechselnden Themen. Wieder lassen uns viele Exponate staunend davor stehen, wieder werden wir ehrfürchtig vor über 6000 Jahren Zeit und Kulturgeschichte. Zwischendurch setzen wir uns in die Ruhebereiche, bei denen wir abwechselnd auf die Pyramiden oder in das Gewusel des unter uns gelegenen Eingangsbereiches schauen. Das Gebäude an sich ist schon eine Reise wert.
    Ich könnte hier noch Tage oder Wochen verbringen, aber es geht ja weiter.
    So geben wir nach einem kleinen Snack unsere Audioguides wieder ab und Omar bringt uns ins Hotel. Wir packen unsere letzten Dinge ein, verabschieden uns von den Pyramiden. Beim Auschecken bekommen wir noch ein paar Gastgeschenke und haben irgendwie das Gefühl Freunde zurück zu lassen.
    Dann bringt uns Omar zum Cairo International Airport. Vor dem Flughafen fahren wir bestimmt 15 Minuten an einer einzigen Baustelle vorbei. Alles Wohnungen und Büros, zwischendurch Hotelwerbungen. Hier baut Fairmont, hier Hilton. Nachdem wir am einem riesigen, palastartigen Gebäude vorbei fahren, muss ich Omar fragen, was zum Teufel hier alles gebaut wird. Neu-Kairo übersetzt er mir. Das große Gebäude ist der Hauptsitz der Kairoer Polizei. Hier sollen später mal fünf Millionen Menschen wohnen. Schon wieder komme ich nicht aus dem Staunen. Als ich später lese, dass Neu-Kairo auf halber Strecke zur neuen Verwaltungshauptstadt von Ägypten liegt, die selbst nochmal auf 8,5 Millionen Menschen ausgelegt sein wird, und wir eigentlich aus Kairo gefühlt bisher gar nicht raus gefahren sind, rechne ich kurz nach. Hier sollen also in Zukunft insgesamt ca. 23 Millionen Menschen von die Gizeh über Kairo, Neu-Kairo und der neuen Verwaltungshauptstadt leben. Krass, gigantisch, unglaublich. Diese Stadt bringt mich hier täglich auf unterschiedlichste Arten und Weisen zum Staunen.
    Der Flughafen von Kairo ist von der Anfahrt her riesig. Eine spätere Recherche sagt mir, dass sie Fläche knapp dreimal so groß ist wie der BER, allerdings aktuell nur gut 15% mehr Fluggäste abfertigt pro Jahr. Entsprechend müssen wir uns erstmal orientieren, doch dann geht alles ganz fix und wir stellen fest, wir hätten auch noch länger im GEM oder im Hotel bleiben können. Na ja, egal. Wir lesen eine Runde, essen was. Etwas Erholung kann auch nicht schaden. Als ich mit Magdy noch ein paar Fotos von Vortag austausche, schreibt mich Omar parallel per WhatsApp, ob wir gut im Terminal angekommen sind. Zuletzt schreibt Magdy noch, dass ich mich melden soll falls irgendwas in Hurghada sein sollte. Bei den aktuellen politischen Spannungen im nahen Osten ein Angebot, was nicht zu 100% aus der Luft gegriffen erscheint. Schon wieder habe ich das Gefühl Freunde zurück zu lassen.

    Irgendwann geht es dann doch zum Gate und wir haben einen entspannten Flug nach Hurghada. Als wir aus dem Flugzeug steigen und im Terminal ankommen, sind unsere Koffer auch schon da. Hier geht's ja fix. Genauso schnell ist unser vorher mit dem Hotel ausgemachter Fahrer gefunden und nach ca. 45 Minuten Fahrt checken wir im Panorama Bungalows Resort ein. Ein freundlicher Angestellter bringt uns dann samt Koffern zu unserem Apartment. Als wir rein kommen, staune ich schon wieder. Ich sehe ein riesen Bett, eine riesengroße Whirlwanne für zwei, einen Hängesessel, einen privaten uneinsehbaren Außenpool und eine Treppe die ins Wasser zur Lagune beziehungsweise ins Rote Meer führt.
    Hier kann man es aushalten. Die nächsten Tage werde ich wohl nicht mehr so viel in meinen Blog zu schreiben haben.

    Am späten Abend erkunden wir noch ein wenig die nahegelegene Innenstadt von El-Guna. Alles sehr europäisch, ein Supermarkt der 24/7 geöffnet hat, Restaurants, Bars. Wir essen noch eine späte Mahlzeit in einer kleinen Bar und fühlen uns angekommen.
    Read more

  • Sonnen in El-Guna

    Mar 7–11 in Egypt ⋅ 🌬 23 °C

    El-Guna ist ein Stadtteil von Hurghada. Eigentlich stimmt die Bezeichnung nicht ganz. Es ist eine eigene Lagunenstadt mit 15.000 Einwohnenden, die 1989 künstlich errichtet worden ist. Hier ist alles extrem europäisch. Es gibt ein Krankenhaus, Zahnärzte, einen kleinen Privatflughafen, einen Golfplatz, sogar eine Dekompressionskammer bei Tauchunfällen ist laut Wikipedia vorhanden. Beim Kinofestival im Herbst wurden schon Silvester Stallone und Patrick Dempsey gesichtet.
    Insgesamt erinnert uns alles sehr an Lipari oder auch Warnemünde - nur in groß und warm. Die gesamte Stadt ist mit Wachposten und Security geschützt, was wegen der Größe nur beim Ankommen auffällt. Im Gegensatz zu Kairo kann man hier überall Alkohol kaufen und auch sonst fällt es an vielen Kleinigkeiten auf, dass das hier nur bedingt Ägypten ist. So gibt es hier einige E-Autos mit entsprechenden öffentlichen Ladestationen und selbst die TukTuks (hier genannt Tuxis) fahren hier vielfach als solargeladene Fahrzeuge herum. Die ganze Lagunenstadt ist sehr sauber und aufgeräumt, selbst die Händler der kleinen Geschäfte sind für ägyptische Verhältnisse extrem zurückhaltend.
    Blendet man diese enklavenartige Stellung von El-Guna aus, lässt es sich hier sehr gut aushalten. Die weit überwiegende Anzahl an Restaurants hat super Bewertungen und wir haben hier besser italienisch oder griechisch gegessen, als in vielen Restaurants in Italien oder Griechenland. Der Strand ist sauber und das Hotelzimmer natürlich ein Traum. Unser Hotel, das Panorama Bungalows Resort, hat sogar einen eigenen Strandabschnitt am Roten Meer, zu dem man stündlich mit Shuttlebooten hin- und zurück gebracht werden kann.
    In einer Weinlaune kommen Corinna und ich auf die Idee hier vielleicht sogar Teile des Alters zu verbringen. Preislich orientiert sich alles sehr an Europa - so auch die Immobilienpreise. Aber möchte man einen Teil seiner Rente in einem Staat verbringen, der beim Demokratieindex auf Platz 131 von 167 und ähnlich in der Pressefreiheit gerankt ist? Hinzu kommt noch die Erderwärmung...
    Dennoch, es ist schon verführerisch schön hier und insgesamt fühlt sich alles vor allem El-Guna nicht so nach Plastictown an, wie damals Abu Dhabi oder vielleicht auch Dubai. Irgendwie wirkt alles ehrlicher, echter, menschlicher und nachhaltiger.

    Unsere Tage hier sind sehr entspannend, luxuriös und schön. Wir werden bestimmt nochmal wiederkommen.
    Read more

  • Home sweet Home

    March 11 in Germany ⋅ ☁️ 7 °C

    Morgens um 09.00 Uhr checken wir leicht verwirrt aus unseren Hotel, dem Panorama Bungalows Resort, aus. Hatten sie uns nicht Doggybags zum Frühstück für morgens versprochen? Alles während sie uns sagten, dass sie sich freuen, uns endlich zu erreichen, weil sie schon so oft angerufen haben, um zu fragen, ob wir zufrieden sind. - Daher also die Anrufe in Abwesenheit auf unserem Telefon im Zimmer. Und jetzt haben sie uns vergessen? Wir checken also aus und ich frage beiläufig, ob wir nicht noch Frühstück bekommen sollten. Als Antwort bekomme ich: ein verschmitztes "sure" und es werden zwei riesen Doggybags hervor geholt. Ich hätte wohl klären sollen wo wir die bekommen. Nun haben wir also Frühstück und der Hotelfahrer ist auch schon da. So muss er die Fahrt, sorry, wegen Fastenzeit, uns schmatzend auf der Rückbank ertragen. - Corinna hat vorher allerdings gefragt, ob das okay sei.
    Wir kommen gefühlt noch schneller durch den Verkehr, als nachts bei unserer Ankunft und sind gefühlt die ersten auf dem gesamten Terminal 1 in Hurghada. Dadurch geht alles sehr schnell und problemlos, als die Schalter geöffnet werden. Meine Teddygurke am Rucksack verleitet allerdings zwei Security Posten mich nochmal neugierig und entsprechend gründlich zu filzen - verbunden mit der Nachfrage, was das für ein Tier sei. Meine Antwort: "A cuddle cucumber" wirft für mich unverständlicherweise eher mehr Fragen bei den freudigen Herren auf. 😅

    Pünktlich kommen wir dann in Berlin an, kommen fix durch die Passkontrolle und bekommen schnell unsere Koffer. Der grüne Bereich beim Zoll ist ebenfalls schnell durchlaufen.
    Wir fahren noch knappe drei Stunden mit einem Halt zum Essen in Bernau und dann geht um 22:35 Uhr unser Urlaub zu Ende, indem wir auf unseren Stellplatz in Hamburg fahren.

    Es bleibt die Frage:"Wie ist Ägypten?"
    Das, was wir gesehen haben war komplett anders, als wir es uns vorgestellt haben. Viel Vielschichtiger.
    Wir haben viele liebe, herzliche und offene Menschen getroffen, die mit uns sehr freundlich und neugierig umgegangen sind. Oftmals haben wir das Gefühl gehabt Freude zurück zu lassen. Natürlich waren das Menschen, die auch in Teilen von uns abhängig waren, da wir sie bezahlten. Dennoch ging vieles weit über das Maß des Nötigen hinaus. Wir haben mit den Menschen vor Ort gelacht und gemeinsamen Humor entdeckt. Wir wurden mutiger. Wir haben gelernt, dass man, wenn man mit Magenproblemen nach Ägypten kommt, diese dort auch loswerden kann und nicht jeder Mensch sie mit nach Hause mitbringt.
    Auch sagen muss man in diesem Zusammenhang, dass wir in Ägypten sehr gut gegessen haben - eine Küche die durch viele Kulturen beeinflusst ist - genau wie das Land selbst.
    Wir haben Ehrfurcht vor der Zeit und der Kultur gelernt und hier und da auch deutlich gesehen, wie gut es uns in vielerlei Hinsicht geht. Auch das hat uns noch ein Stück dankbarer gemacht. Für das Land in das wir ohne unser Zutun geboren sind, für die lieben Menschen, die uns umgeben.
    Hätten wir das noch vor zwei Wochen über Ägypten gedacht? Bestimmt nicht, denn gestartet sind wir nur mit der Lust auf Geschichte, vielleicht Architektur und Sonne. Das haben wir bekommen - aber noch so viel mehr.
    Read more

    Trip end
    March 11, 2026