Kurze Nacht, Not-Abstieg, Tour-Abbruch!
April 4 in Nepal ⋅ ☁️ 8 °C
Lumde (4368m) - Namche Bazaar (3440m)
Der Wecker für die Pass-Überquerung steht auf 4:45 Uhr, da wir aber bereits vor neun Uhr im Bett unserer Zimmer lagen, war genug Zeit für ausreichend Schlaf. Wenn man denn schlafen kann.
Nachdem Fabian die letzten Tage seit Namche schon immer schlechter geschlafen hat war es diese Nacht noch schlimmer: beim waagerechten Liegen rasselt es ordentlich in der Lunge als wäre Wasser drin. Wenn es mal kurz in den Schlaf gehen sollte, wird kurz darauf mit starker Kurzatmigkeit aufgewacht. Und wenn man eh nicht schlafen kann, kann man sich immerhin Gedanken machen, wie gesund oder bedenklich das wohl ist.
Um zwei Uhr nachts dann die Entscheidung, mal bei Maxi und Steffi die Nachtruhe zu stören. Wir haben festgestellt, dass das Rasseln bei tiefem Atmen nicht psychosomatisch, sondern gut auch von außen hörbar ist.
Weil das ganze jetzt nicht so relaxt wirkte, haben wir uns entschieden, Ambar ebenfalls wachzuklopfen. Nach der Beschreibung der Symptome hat er sein Puls-Oximeter rausgeholt und wir haben zur Messung angesetzt. Die fiel mit einem Low-Score von unter 60% Sauerstoff-Sättigung im Blut bei Fabian eindeutig aus, während Steffi und Maxi sich an über 90% erfreuten.
Da es Internet an der Lodge nur käufliches Internet bei Sonnenschein gibt war die nächtliche Zeit dafür eher ungünstig. Die Versuche mit dem ebenfalls um kurz vor drei wachgeklopften Wirt waren nicht erfolgreich um das Sattelitenbasierte WLAN ans laufen zu bekommen.
Also haben wir uns auf unsere vereinbarte Frühstückszeit von 5:30 vertagt, Maxi ist zum "Aufpassen" in Fabians Zimmer gewechselt, der sich schon vorher das Schlafgemach auf Sitzposition umgebaut hatte um gut Luft zu bekommen. Schlafen konnte allerdings niemand mehr so richtig, viele Gedanken um Gesundheit und den weiteren Verlauf der Tour hielten uns wach.
Der Plan stand: um 6 Uhr geht's in den Abstieg um 1000 hm nach Namche (also die letzten drei Tageswanderungen zurück) - denn bei jeder Form ausgeprägter Höhenkrankheit hilft vor allem Abstieg.
Bei eisigen Temperaturen ging es dann in den Abstieg statt Aufstieg und nach rund zwei Stunden haben wir Thametang erreicht und konnten das Internet zu den Symptomen befragen.
Chat-GPT war sich dann sehr schnell sehr sicher, dass sehr viel für eine frühere bis mittlere Form von einem Höhenlungen-Ödem spricht, bei dem sich auf Grund der Höhe Flüssigkeit in den Lungenbläschen sammelt und die Lungenfunktion innerhalb weniger Stunden deutlich zurück gehen kann. Das ist das, was bei den Info-Tafeln zu Varianten der Höhenkrankheit ganz unten bei den schweren Varianten steht...
Das wichtigste und hilfreichste ist der schnelle Abstieg um rund 1000 hm, denn wir also zügig fortsetzten.
Mit wenig bis keinem Schlaf ist es durchaus kräftezährend, drei wenn auch für sich kurze Etappen auf einmal zurückzulegen. Eine der nötigen Pausen nutzen wir dann schon mal für den Kontakt zur Reise-Krankenversicherung, die uns ein Aktenzeichen und die freie Wahl der medizinischen Anlaufstelle gab.
Außer Kopfschmerzen bei Fabian und allgemeiner Müdigkeit ging es uns aber körperlich soweit gut bei der deutlich früher als geplanten Rückkehr nach Namche. Für Maxi und Steffi kam nach der Sorge um Fabian aber auch einige Enttäuschung und Traurigkeit über die Richtungsänderung unserer Tour und den damit verbundenen wegfallenden Highlights, die unmittelbar bevorstanden, auf.
In Namche ging es dann nach dem Check-In recht direkt ins von Südkorea co-finanzierte Krankenhaus.
Mit nepalesisch-typischer Manpower waren bis zu vier Angestellte mit Datenaufnahme und Anamnese beschäftigt und wir waren froh um Ambar als zusätzlichen Vermittler. Nach dem Abhören mit nach wie vor hörbaren Rasseln stand dann fest, dass es für 1-2 Stunden an zusätzlichen Sauerstoff geht und danach geschaut wird, ob die Sauerstoff-Sättigung hoch und stabil ist. Zusammen mit Infusionen war die Zeit im Krankenbett auf jeden Fall super, denn die Verbesserung war deutlich spürbar.
Beim Abschlussgespräch war auf jeden Fall klar: es gibt die klare Anordnung, morgen weiter abzusteigen und eine ganze Reihe an Medikamenten mit (bei der wir nachher mit Chat-GPT aussortiert haben und jetzt nur 2 von 5 und nur für die Zeit bis Lukla statt für länger zu nehmen).
Und es gab die mit Spannung erwartete Rechnung, die mit umgerechnet 65 Euro insgesamt sehr moderat ausfiel.
Für Fabian war damit die Hochgebirgszeit definitiv beendet und was den Tag über schon grob überlegt wurde musste am Abend konkretisiert werden: wie setzen wir diesen Urlaub bestmöglich fort und machen wir das gemeinsam im Flachland oder gibt's für Steffi und Maxi noch ein Happy End in den Bergen. Um das für und wider etwas abzukürzen stand am Ende das Fazit, dass durch erneute notwendige Akklimatisierung keine attraktive Tour in den Hochlagen mehr möglich ist. Auch sollte Fabian nicht alleine gelassen werden, wollten wir doch einen Urlaub zu dritt erleben. Der Traum von der drei Pässe-Tour mit Island Peak und EBC war damit sehr jäh geplatzt.
Aber die kurze Recherche, was im "Flachland" Nepals möglich ist macht uns zuversichtlich, dass wir die Zeit wahrscheinlich gut gefüllt bekommen.
Nach einem Tag voller Action, Trauer um geplatzte Träume, Fragen nach der weiteren Tour stand zugleich auch die medizinische Erleichterung, dass die doch akuten Symptome vollständig abgeklungen sind und als Spoiler die Nacht sehr sehr erholsam war.
Was bei unbehandelter HAPE passiert darf erst gegoogelt werden, wenn wir morgen zurück in Kathmandu im Flachland sind 🫣Read more













TravelerAlles richtig gemacht! Weiterhin eine gute Zeit auf der neuen Route :)
TravelerMit dem Internet in der Nacht war unser erster Plan, dich als Telefon-Joker anzurufen 😉
TravelerHätte aufjedenfall zum selben Ergebnis geführt, bei beginnendem HAPE hilft (leider) nur der Abstieg