• ​Sardinenbüchse, Fettgebäck und der Fiat

    August 23 in Spain ⋅ ☀️ 28 °C

    Nach dem Frühstück im Hostal schwebte Pedro an unseren Tisch. Pedro – eine Type wie aus einem spanischen Film, dauergrinsend, Mietvertrag in der Hand und voller spanischer Lebensfreude, die einen morgens um acht fast ein bisschen aggregiert. Papierkram erledigt, da sagt er trocken: „Der Fiat steht zweimal rechts, einmal links ums Eck.“

    So stand ich nun da. Schlüssel in der Hand, der Blick ins Leere. Eine Wegbeschreibung wie aus einem Kinder-Wimmelbuch. Suche den roten Zwerg, biege ab beim krummen Baum und wenn du eine Katze siehst, bist du zu weit. Aber ich habe die erste Tages-Challenge gemeistert: Auto gefunden, Koffer reingequetscht (ein Fiat 500 ist ja eher eine etwas größere Handtasche auf Rädern) und auf nach Alcúdia. Ist ja Markttag, da muss der Mensch hin.

    Die Fahrt? Ein Traum. Kaum war Peguera im Rückspiegel verschwunden, brauchten wir nicht mal mehr ein Navi. Im Radio dröhnte das Inselradio, diesen wunderbaren Mix aus Deutschem Schlager und spanischen Werbespots für Gartenmöbel lieben wir doch einfach.

    In Alcúdia angekommen zeigt sich die Insel von ihrer pragmatischen Seite: Was nicht Niet und Nagelfest ist, wird kurzerhand zum Parkplatz erklärt. Ab ins Feld mit der Karre und rein ins Getümmel! Ich sage mal so: Neben all dem Plastik-Ramsch und Fächer-Verkäufern gab es zum Glück noch die echten Einheimischen. Männer mit schneeweißen Schnauzbart, die Schafskäse, Wurst und Salz verkaufen, als wäre es flüssiges Gold.

    Mein persönlicher Geheimtipp für die Seele: Wer ganz gewitzt ist, verkrümelt sich während des Marktes in die Altstadt. Die Gassen sind dann wie leer gefegt. Ruhe. Sanfter Wind. Uralte Steine. So eine Schönheit kann man gar nicht beschreiben, das müssen die Bilder im Kopf erledigen. Eine kleine Erleuchtung im Alltagstrubel.

    Aber bevor wir uns vom Markt gestohlen haben, habe ich mir natürlich erst mal das Allerwichtigste besorgt. Kulinarische Seelennahrung, sozusagen: frittierte Donuts! Da standen zwei mallorquinische Urgesteine an ihrem Stand. Zwei Damen, die den Teig noch mit stoischer Gelassenheit und jahrzehntelanger Erfahrung von Hand formen, die Teigringe gekonnt in die heiße Schale voller frittierendem Fett werfen und sie dann mit einem einfachen Holzstäbchen im blubbernden Öl drehen und wenden, bis sie perfekt und golden gar sind. Ein Traum! Da wird selbst das stärkste Gewissen schwach – aber man ist ja schließlich auf Erholungsreise fürs Gemüt.

    Danach: Die große Orientierungslosigkeit. Ich wollte ja liebend gern in eine dieser romantischen, versteckten Traumbuchten. Aber gut, das Schicksal – oder vielmehr die Begleitung – hatte andere Pläne. „Zu weit weg, Jeni!“ Und nach dem gestrigen Fußmarsch waren die Beine auch eher auf der Seite von: Bloß keinen Schritt zu viel!

    Also der Kompromiss: Platja de Muro.

    Um Gottes Willen. Sardinenbüchsenfeeling deluxe! Ein Meer aus blassen Rücken, Sonnenschirmen und Kindergeschrei. Gar nicht meins, wirklich nicht. Aber ich habe mich gefügt, mich auf mein Handtuch gefaltet und dachte mir: Mensch, mecker nicht. Du hast Sand unter den Füßen, das Meer schimmert azurblau und der liebe Gott hat es am Ende doch gut mit dir gemeint. Außerdem ging es gestern ja 18 km nach meiner Nase.
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